Re: Cuba - love it or leave it! Ein Essay
Von Joe am 30.07.2000 11:06
als Antwort auf "Cuba - love it or leave it! Ein Essay" von Harry Siebold
Harry, ich danke dir für dein Essay.
Es ist dein Liebesbrief an Kuba und so sind deine Gedanken ähnlich wie:
Harrry
Und doch werde ich weich wie Butter, steigen mir beinahe Tränen in die Augen, wenn ich an Kuba denke. Kuba, mein Kuba! Bin ich verliebt?
Von Alfredo: (Übersetzung von Christine 27. 07)
Du bist der Grund meiner Glückseligkeit und jenem starken Lebenslichts, das Gott mir auf den Weg gegeben hat, deswegen schreibe ich Dir diese wunderschönen Zeilen und Wörter, die aus dem Tiefsten meiner Seele kommen.
Und weiter:
Habe auf den Zuckerrohfelder, am Strand und bei den ärmsten Bauern auf dem Land und in stattlichen Kolonialvillen bei den „besseren Leuten“ geschlafen. Und was ist hängengeblieben von all dem? Gefühl, viel Gefühl. Lebensgefühl, das ich in Kuba wiederentdeckt habe, Mitgefühl, das mich beim Anblick des maroden Landes befällt. Lachen und Weinen liegen sehr nahe beisammen hier. Freude trifft auf Verzweiflung, karibische Klänge auf taube Ohren.
Und weiter:
Denn die lachen, beinahe pausenlos, obwohl sie nicht viel zu Lachen haben. Und Tanzen, obwohl der Hunger oft im Magen knurrt.
Ich frage mich auch woher kommt dieses Gefühl. Vielleicht ist folgendes auch eine Antwort auf deine Frage: Was ist dieses „Etwas“ an Kuba.
Nirgendwo und zu keiner Zeit in meinem Leben, habe ich ein so starkes Gefühl gespürt:
zu lieben und geliebt zu werden.
Und dann, nach einigen Tagen, lächelt mich im Park ein schönes Mädchen an und so langsam, komme ich zu ihr. Ihr grösstes Wunsch im Leben ist es, aus diesem Land weg zu gehen. Oh, liebes Mädchen, du kannst mit mir noch 10 Tage zusammen sein und wenn du wirklich willst, ich kann dich nach Europa einladen und dann wirst du sehen ob es dir dort gefällt.
Das Mädchen sieht in mir eine Möglichkeit weg zu kommen und mit diesen Gedanken schläft sie in meinen Armen ein. In dieser Nacht habe ich wenig geschlafen. Ich glaube, es gibt nichts schöneres auf dieser Welt als ein nacktes, schlafendes Mädchen und es will umarmt schlafen.
Das war die schönste emotionale Nacht in meinem Leben und es sind Tränen geflossen; über so viel Schönheit und über mein verpfuschtes Leben, dass ich so was ähnliches bis jetzt noch nicht erleben durfte.
Ich glaube, das ist, was mich euphorisch macht wieder nach Kuba zu kommen.
Liebe Marlen, ich weiss nicht, wo du in Habana-centro lebst. Ich danke dir für diese Nacht.
Ich fühle mich auch zu Kuba dankbar und so versuche ich mit meinen Verstand, die Situation zu analysieren und die Wege aus dieser Armut zu suchen.
Harry, ich bewundere wie und was du schreibst, aber, wenn es um die Politik geht, bin ich nicht deiner Meinung.
Harry:
Dieses „Etwas“ ist es, was die Kubaner ausharren und ihr Elend geduldig ertragen lässt. Denn entgegen der Auffassung vieler träumen nicht alle Kubaner von Miami und wollen weg. Nein, sie fühlen sich wohl – trotz kommunistischer Mangelwirtschaft und einem Polizeistaat, der seinesgleichen sucht auf dieser Welt. Natürlich warten alle auf bessere Zeiten und hoffen auf die Zeit nach Fidel Castro. Ein heller Streif tut sich da auf am dunklen Horizont, denn das es nach Fidel nur besser werden kann, darin sind sich alle einig.
In diesem Mai war ich zum ersten mal 2 Wochen lang auf Kuba. Nicht nur wegen der Sprache, konnte ich nicht viele Leute sprechen. Mich hat schon interessiert, was die Leute denken, was nach Castro kommt.
Ja, die Leute glauben, dass nach dem Castro die Amerikaner kommen werden.
Die über 60 Jahre alte Frau will keine Systemveränderung, weil sie überzeugt ist, nachher wird es wieder so sein oder noch schlechter wie vor 40 Jahren und damals war es schlechter als jetzt. Ich glaube, sie hat auch Angst, dass sie aus dieser Wohnung dann raus müsste. Ihr 40-jahriger Sohn, (er lebte 5 Jahre in DDR und war auch mit einer Deutschen verheiratet), wünscht sich die Änderung, weil er meint, nachher wird es besser, es wird nicht mehr notwendig, so viel Steuern für das Zimmer zu bezahlen.
(100$ monatlich, unabhängig ob sie die Touristen haben oder nicht)
Oder
30-jährige Frau mit einem Kind und 26-jährige in sechstem Monat schwanger. Beide lebten einige Jahre in Europa. Nach der Schwangerschaft die Freunde nicht mehr auffindbar. Ohne Arbeit. Sie sagen es bleibt nichts anders als die Touristen, um zu Geld zu kommen. Jetzt sind sie kranken versichert; nachher wird krank sein teuer und das bedeutet noch mehr anschaffen. Sie zeigt mir das Ultraschallbild von ihrem Baby, nachher wird so was nicht mehr möglich, sagt sie. Wenn man die Fotos von den Beiden schaut, meint man, das sind die glücklichsten Frauen auf der Welt.
Ok, ich habe auch zwei lange Gespräche mit einem Prof. Dr. Dr. und Direktor eines Museums. Er nennt die gleichen Argumente, wie ich gerade geschrieben habe.
Aber ich weiss, er glaubt so reden zu müssen.
Ganz kurz noch folgendes:
Im Westen wird so viel über die Menschenrechte gesprochen und damit ist im allgemeinen die politische Freiheit gemeint aber zuerst kommen doch die sozialen Rechte. Und Kuba hat, die sozialen Rechte auf einem hohen Niveau.
Nach der Demokratisierung in Osteuropa geht den armen Leuten in den ärmsten Staaten schlechter als vorher. Weil Kuba auch ein sehr armes Land ist, so glauben die Armen, und die Älteren auch, dass es nachher nicht besser wird, sondern schlechter.
Mag es sein, dass Viele so denken: Es ist utopisch zu glauben, das ein kleines Forum von Kuba-Liebhabern, einen Einfluss auf die kubanische Führung haben kann.
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