Diario / News

Nachrichten aus 2001




30.12.2001 Kuba ehrt Spione als Nationalhelden
Harte Gerichtsurteile gegen Agenten

Fünf kubanische Staatsangehörige, die wegen Spionagetätigkeit gegen die USA von einem amerikanischen Bundesgericht in Florida zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt worden waren, sind am Wochenende auf Castros Vorschlag hin von der Nationalversammlung, dem kubanischen Parlament, zu Nationalhelden erklärt worden. Seit Monaten dient der Prozess, der letzte Woche in Miami seinen Abschluss fand, dem kubanischen Regime dazu, die Bevölkerung gegen die Exilkubaner und das als korrupt gebrandmarkte amerikanische Gerichtssystem aufzuwiegeln. Am Fernsehen und anlässlich von orchestrierten Protestveranstaltungen hatte Castro versprochen, die Angeklagten, die nach amerikanischer Version dem Spionagering «Red Avispa» (Netz der Wespen) angehörten, auf die Insel zurückzubringen. Die Urteile werden auf Kuba als infam, das Verfahren als von der Exilmafia gesteuerten politischen Prozess gebrandmarkt.
Gerardo Hernández, Ramón Labañino und Antonio Guerrero wurden zu lebenslänglicher Haft, René González und Fernando González zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Havanna akzeptiert, dass die fünf neuen Helden kubanische Exilkreise in Miami ausspioniert haben, lehnt aber jeglichen Vorwurf ab, wonach sich diese Tätigkeit gegen die Sicherheitsinteressen der USA gerichtet habe. Die Angeklagten gaben selber zu, Angehörige des kubanischen Geheimdienstes zu sein. Der letzte der Verurteilten, der in den USA geborene, von kubanischen Eltern abstammende Guerrero, erklärte im Gerichtssaal, er habe als Patriot die ehrenvolle Aufgabe erfüllt, gegen den Terrorismus zu kämpfen, und habe Kuba vor einer Aggression von Seiten rechtsextremer anticastristischer Kreise bewahrt. Zuvor hatte der Mitangeklagte Labañino geltend gemacht, von Miami aus seien immer wieder Terrorakte gegen sein Land geplant und finanziert worden. Es dürfe nicht wahr sein, sagte Labañino, dass man gerade Leute wie ihn, die ihr Leben dem Kampf gegen den Terrorismus gewidmet hätten, verurteile.
Für die Geschworenen, die allesamt nicht kubanischer Abstammung sind, und für Richterin Joan Lenard war neben der gesetzeswidrigen Infiltrierung von kubanischen Exilorganisationen der Tatbestand der Spionage gegen die USA erfüllt. Den Angeklagten konnte nicht nachgewiesen werden, dass sie Zugang zu klassifizierten Informationen hatten, doch sollen sie versucht haben, an solche heranzukommen. Unter den Verurteilten, die sich zum Teil falscher Ausweispapiere bedienten, befand sich ein in der ehemaligen Sowjetunion ausgebildeter Ingenieur für Flughafenbauten. Diesem war es gelungen, einen Job auf dem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt von Boca Chica zu bekommen. Der Anführer des Spionagerings, Hernández, wurde für schuldig befunden, im Februar 1996 am Abschuss von zwei Flugzeugen einer anticastristischen Exilorganisation durch die kubanische Luftwaffe über der Strasse von Florida beteiligt gewesen zu sein. Ihm wird vorgeworfen, Havanna die entsprechenden Flugpläne zugespielt zu haben. Beim Zwischenfall kamen vier Menschen ums Leben. Der Abschuss der Kleinflugzeuge löste einen internationalen Proteststurm gegen Kuba aus und führte zu einer erneuten Vereisung des Verhältnisses zwischen den USA und dem Karibikstaat. - Nachdem sich Havanna geweigert hatte, während des Prozesses kubanische Entlastungszeugen nach Miami fliegen zu lassen, stellte die Schweiz die Botschafterresidenz in der kubanischen Hauptstadt als neutralen Ort für die Verhöre der amerikanischen Staatsanwälte zur Verfügung.

(Neue Zürcher Zeitung, Ressort Ausland, 31. Dezember 2001, Nr.303, Seite 3)
28.11.2001 Kuba bietet US-Firmen bei Aufhebung von Embargo Entschädigung an
NEW YORK (dpa-AFX) - Kuba hat US-Firmen und -Staatsbürgern für den Fall einer Aufhebung der US-Sanktionen Entschädigung für die Verstaatlichung ihrer Eigentümer angeboten. Der kubanische Außenminister Felipe Pérez Roque machte einen entsprechenden Vorschlag am Dienstag (Ortszeit) in einer Rede vor der UN-Vollversammlung in New York. Kuba werde für eine Aufhebung des vor fast 40 Jahren verhängten Handelsembargos jedoch nicht von seinen Prinzipien abrücken. Havanna sei jedoch bereit, "ein faires und gerechtes Entschädigungsabkommen" auszuhandeln. Washington hatte die Sanktionen im Oktober 1960 wegen der Zwangsverstaatlichungen nach der kubanischen Revolution von 1959 verhängt. Die UN-Vollversammlung verabschiedete gegen die Stimmen der USA, Israels und der Marschall-Inseln zum zehnten Mal in Folge eine Resolution, in der die UN-Mitgliedsstaaten aufgerufen werden, die US-Blockademaßnahmen gegen den kommunistischen Karibikstaat nicht zu unterstützen./lat/FP/av
28.11.2001 Handel mit Havanna
Verweis auf humanitäre Hilfe soll US-Unternehmen Geschäfte mit Kuba ermöglichen

Die Möglichkeit, daß die ersten Handelstransaktionen seit 40 Jahren zwischen Kuba und den USA realisiert werden, steht vor der Tür, obwohl in den turbulenten Beziehungen der beiden Länder immer Komplikationen möglich sind, die noch im letzten Moment das Projekt zerschlagen können. Wenn das nicht passiert, würde sich ein alter Wunsch nordamerikanischer Landwirte erfüllen, die schon seit langem fordern, die verworrene Kette antikubanischer Gesetze zu lockern, damit der Verkauf von landwirtschaftlichen und pharmazeutischen Produkten an die Insel ermöglicht wird. Darum bringen verschiedene Kongreßabgeordnete jedes Jahr im Interesse eines Sektors kleiner und mittlerer Produzenten der USA entsprechende Anträge ein.
In diesem Jahr wurde gefordert und durch die US-Regierung akzeptiert, dem vom Hurrican »Michelle« heimgesuchten Kuba humanitäre Unterstützung anzubieten. Von den Auswirkungen der Naturkatastrophe sind rund sechs Millionen Menschen betroffen. An 100000 Wohnungen entstanden Schäden, 10000 wurden völlig zerstört. In Teilen der Provinzen Matanzas und Villa Clara fiel das Stromnetz aus. Brigaden des nationalen Unternehmens für Elektroenergie halfen ihren Kollegen, die Versorgung wiederherzustellen.
Laut Außenminister Felipe Pérez Roque kommen die Gespräche über Handelsverträge mit rund 15 landwirtschaftlichen und pharmazeutischen Unternehmen der USA voran. Das bestätigte auch Fidel Castro auf der kontinentalen Konferenz des Widerstandes gegen die Amerikanische Freihandelszone (FTAA/ALCA) Mitte November in Havanna. Die Zusammenkunft, an der 800 Aktivisten von 248 Organisationen des amerikanischen Kontinents teilnahmen, beschloß den »Konsens von Havanna«. Er soll die sozialen Bewegungen des Kontinents motivieren bei ihrer Suche nach einem Weg, die Ausbreitung des Neoliberalismus in ihrer Region zu verhindern. Man will die Kräfte stärken und koordinieren, Beobachter zur Ministerkonferenz in Quito, die im nächsten Jahr stattfindet, und zum Treffen der Regierungschefs 2003 in Buenos Aires entsenden. Auf beiden Konferenzen sollen Schritte vereinbart werden, um die amerikanische Freihandelszone in Kraft zu setzen. Diese wird von ihren Gegnern als ein Instrument der Annexion qualifiziert. Fidel Castro nannte sie eine geostrategische Operation Washingtons mit dem Ziel, diesen großen Markt zu kontrollieren, der gleichzeitig eine immense Rohstoffquelle in einem nahen Raum ist, den man in den USA traditionell als eigenen ansieht. Doch auch Westeuropa hat Brücken geschlagen wie die Vereinbarungen der EU mit dem MERCOSUR zeigen.
Es scheint, daß dies die Forderungen nordamerikanischer Produzenten, den Handel mit Kuba zu ermöglichen, begünstigt. Denn sie befürchten, daß europäische Unternehmer – 52 Prozent der 374 internationalen wirtschaftlichen Gruppen, die auf der Insel aktiv sind, kommen aus EU-Ländern – und die Kanadier den USA Chancen »wegnehmen«. Kanadische Firmen engagieren sich im industriellen und vor allem im Energiebereich Kubas. Auch die Öffnung Kubas gegenüber anderen Wirtschaftsräumen während des letzten Jahrzehnts beunruhigt die USA. Andererseits sehen die interessierten US-Geschäftsleute die Möglichkeit, mindestens 650 Millionen Dollar jährlich durch den Verkauf von Lebensmitteln, Halbfertigprodukten und chemischen Erzeugnissen an Kuba zu erzielen. Dabei stellen sie in Rechnung, was Havanna in diese Branchen durch seine jährlichen Käufe im Ausland investiert.
(
http://www.jungewelt.de/)
27.11.2001 UNO- Vollversammlung verurteilt US- Handelsembargo gegen Kuba
Eine überwältigende Mehrheit stimmt gegen das Embargo
New York - Die UNO-Vollversammlung hat am Dienstag mit überwältigender Mehrheit für ein Ende des von den USA gegen Kuba verhängten Handelsembargos votiert. 167 Delegierte, darunter auch die Delegierten aus Ländern der Europäischen Union (EU), stimmten für die entsprechende, aber nicht bindende Resolution. Es enthielten sich die Delegierten aus Lettland, Mikronesien und Nicaragua. Lediglich Israel und die Marshall-Inseln stimmten mit den USA dagegen.
US-Vertreter James Cunningham verteidigte das seit Jahrzehnten geltende Embargo mit dem Argument, es diene dazu, dem sozialistisch regierten Karibik-Staat die Demokratie zu bringen.
Der Außenminister Kubas, Felipe Perez Roque, hatte vor der Vollversammlung die Handelsbeschränkungen gegen sein Land Punkt für Punkt aufgelistet und ihre negativen Folgen für die Menschen auf Kuba beschrieben. Als empörend hatte der Politiker bezeichnet, dass Kuba noch immer auf der Liste der sogenannten Terrorismus-Förderländer stehe. Die Blockade der USA gegen Kuba werde inzwischen auch von der Mehrheit der US-Bürger nicht mehr gutgeheißen, sagte der kubanische Politiker. (APA/Reuters)
24.11.2001 Solidarität mit Kuba?


Interview mit Gabi Zimmer
Die Parteivorsitzende der PDS kehrte am Donnerstag von einer einwöchigen Delegationsreise aus Kuba zurück.
 
ND-Foto: Burkhard Lange
ND: Kuba hat mit »Michelle« einen der schlimmsten Hurrikans seiner Geschichte durchlitten. Wie ist Ihr Eindruck?
Es handelt sich unbestritten um einen der schlimmsten Hurrikans seit ungefähr 60 Jahren. Die Schäden, die verursacht wurden, betreffen vor allem die Landwirtschaft. Es ist noch nicht einzuschätzen, inwieweit überhaupt noch Teile der Zuckerrohrernte eingebracht werden können. Auch die Zitrusfruchternte wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Hinzu kommen immense Schäden an Wohnhäusern.

ND: Fatal für Kubas Wirtschaft, die sich nach dem Tiefpunkt 1993 wieder nach und nach erholte?
Die wirtschaftlichen Folgen des Hurrikans lassen sich nach Aussagen des Ministers für Wirtschaft und Planung, José Luis Rodríguez García, noch nicht absehen und für die nächsten Jahre einschätzen. Es ist auf jeden Fall ein gewaltiger Rückschlag für die Kubaner, die sich de facto in einer Art Ausnahmezustand in Friedenszeiten befinden, seitdem 1989/90 die Wirtschaftsbeziehungen mit den damaligen sozialistischen Ländern, vor allem mit der Sowjetunion, praktisch innerhalb von ein, zwei Jahren auf den Nullpunkt zurückgefahren worden sind.
Hervorzuheben ist, dass bei einem Hurrikan einer solchen Dimension nur fünf Tote zu beklagen sind. Das hängt damit zusammen, dass die kubanische Regierung, das kubanische Volk sich voll und ganz darauf konzentriert haben, Menschenleben zu retten. Fast 700000 Menschen sind im Vorfeld evakuiert worden, und das ganze kubanische Volk ist zusammengerückt. Wir konnten eine ungeheure Solidarität untereinander feststellen. Die Leute helfen sich gegenseitig, um ihre Wohnungen wieder bewohnbar zu machen. Menschen, die ihr Dach verloren haben, werden über mehrere Wochen, Monate durch den Staat zusätzlich kostenlos mit Lebensmitteln versorgt.

ND: Sie waren auf der Kontinentalen Konferenz des Widerstands gegen die geplante amerikanische Freihandelszone ALCA, an der Kuba auf Druck der USA ohnehin nicht teilnehmen darf. Wurde Kuba auf dem Treffen als Gegenmodell von allen Lateinamerikanern anerkannt – oder eher als Symbol für den Widerstand gegen die USA-Hegemonie?
Ich hatte gar nicht den Eindruck, dass die kubanischen Vertreter versucht hätten, das kubanische als das Modell überhaupt zu preisen. Von den lateinamerikanischen Vertretern, von sozialen Bewegungen, die aus den unterschiedlichsten Strömungen stammten, wurde sehr hoch geschätzt, was Kuba geleistet hat, auch gerade jetzt in der Sonderperiode in Friedenszeiten, und welchen Widerstand es gegenüber der Handelsblockade der USA zeigt. Und vor allem, dass Kuba nicht aufhört, konkrete Solidarität mit den lateinamerikanischen Ländern zu üben. Wir waren beispielsweise an einer medizinischen Schule, die für mehr als 3000 junge Leute aus lateinamerikanischen Ländern die Ausbildung zu Medizinern übernimmt, und zwar kostenlos. Hier kann sich nicht nur Deutschland von der Solidarität Kubas eine Scheibe abschneiden.

ND: Also das kubanische Modell hat auf alle Fälle noch Zukunft?
Es sollte zumindest unsere Solidarität verdienen. Man muss ja nicht alle politischen Positionen dort teilen, aber kritische Solidarität schließt eben ein, dass man einem Volk auch die Wahl des Weges überlässt und es vor allem solidarisch begleitet.

Fragen: Martin Ling

(ND 24.11.01)

23.11.2001 Kubanische Flüchtlinge vor Florida vermisst
Miami, 22. Nov. (ap) Vor der Küste von Florida sind wahrscheinlich 30 Flüchtlinge aus Kuba ums Leben gekommen, die mit einem Schnellboot in die USA gelangen wollten. Die amerikanische Küstenwache stellte am Mittwochabend (Ortszeit) die Suche nach Überlebenden ein. Die Kubaner, unter ihnen rund ein Dutzend Kinder und ein Säugling im Alter von neun Monaten, waren nach Angaben von Verwandten aus den USA in der Nacht auf den Samstag in See gestochen. Sie hatten in Bahia Honda im Westen Kubas das Boot eines berufsmässigen Menschenschmugglers bestiegen. Als sie bis Sonntag nicht in Miami eintrafen, schlugen die Verwandten Alarm. Die amerikanische Küstenwache nahm mit zwei Flugzeugen, einem Helikopter und einem Schiff die Suche auf, doch konnte sie am Montag rund 75 Kilometer südöstlich von Key West nur noch das gekenterte Boot sowie mehrere Rettungswesten und eine Tasche mit Kleidung entdecken.
(Neue Zürcher Zeitung, Ressort Vermischte Meldungen, 23. November 2001, Nr.273, Seite 63)
21.11.2001 Kuba erwägt Abschaffung der Todesstrafe
Havanna (dpa) - Kuba erwägt die Abschaffung der Todesstrafe. Dies verlautete aus Kreisen des Justizministeriums in Havanna. Es gebe bereits eine Gruppe von Experten, die sich mit einer möglichen Strafrechtsreform befasse, hieß es. Die Todesstrafe wird in Kuba für schwere Gewaltverbrechen oder Terrorismus nach wie vor verhängt und auch vollstreckt. Übliche Hinrichtungsart ist das Erschießen.
(
http://www.pipeline.de)
19.11.2001 »Das Ende der Souveränität«
Konferenz des Widerstandes gegen nordamerikanische Freihandelszone in Havanna beendet

Am Freitag ging in Havanna die Kontinentale Konferenz des Widerstandes gegen FTAA, die nordamerikanische Freihandelszone, zu Ende. Über 700 Teilnehmer aus 34 Ländern folgten dem Aufruf des Kongresses, um die Kräfte des Widerstandes gegen das von den USA dominierte FTAA-Projekt zu bündeln. Die Mitorganisatorin des Gegengipfels der Völker Amerikas in Quebec und des Forums von Porto Alegre, die Kanadierin Marcela Escribano, leitete den Kongreß. Die Rednerliste reichte vom prominenten Ökonomen aus Kuba bis zum Studenten aus Kanada, über die in keiner Organisation integrierte Lehrerin aus Brasilien oder dem Mitglied einer Teilgewerkschaft aus Costa Rica.
In seinem Beitrag arbeitete der Direktor des kubanischen Institutes für Weltwirtschaft, Osvaldo Martinez, die Erscheinungen der gegenwärtigen ökonomischen und politischen Krise in der Welt heraus und stellte dar, warum die USA gerade jetzt mit FTAA die amerikanische Integration in ihrem Sinne vorantreiben wollen. Lateinamerika solle im Interesse des US-amerikanischen Kapitals neu kolonialisiert werden. Es gehe aber nicht nur darum, FTAA zu bekämpfen und über deren Inhalte und Auswirkungen die Öffentlichkeit zu alarmieren. Vielmehr sei es auch eine Herausforderung, Alternativen zu diskutieren und auszuarbeiten, die durch ihren sozialen und solidarischen Charakter und die Partizipation der Bevölkerung gekennzeichnet sind.
Einige Redner votierten für eine Verbesserung des FTAA-Vertragstextes, die Mehrheit sagte jedoch: »Da gibt es nichts zu verbessern, wir müssen FTAA ablehnen, denn es bedeutet das Ende der Souveränität der lateinamerikanischen Staaten«. Viele Diskussionsbeiträge auf der Konferenz reflektierten die Auswirkungen von FTAA auf die konkreten Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen in Lateinamerika.
Ein Gewerkschafter aus Ekuador nannte Beispiele, wie die neoliberalen Privatisierungen das gültige Arbeitgesetzbuch zur Makulatur degradieren. Die berüchtigte These von der Flexibilisierung der Arbeit bedeute, daß die arbeitenden Menschen keine Rechte mehr haben und der Willkür ausgesetzt sind. Das sei schon jetzt der Fall, und FTAA werde dies zementieren.
Natürlich war auch der Krieg in Afghanistan ein wichtiges Thema des Kongresses. Ausnahmslos alle Redner lehnten ihn ab. In Gesprächen mit Kongreßteilnehmern wurde immer wieder Unverständnis über die bedingungslose Solidarität Deutschlands mit den USA geäußert. Ein kanadischer Student erklärte vom Rednerpult aus sein T-Shirt, auf dem zu lesen war: »George Bush is the real terrorist«. Unter tosendem Beifall beendete er seinen Beitrag mit einem Rap-Gesang über die negativen Folgen der US-Politik.
20.11.2001 Castro lässt US-Hilfslieferung zu
Der kubanische Staatschef Fidel Castro hat den Weg für die ersten Lebensmittellieferungen aus den USA seit 40 Jahren frei gemacht. Infolge der Verwüstung durch Hurrican "Michelle" auf der Karibikinsel stimmte Castro zu, dass die in den USA gekauften Waren auch mit US-Schiffen nach Kuba gebracht werden können.

 
In einer viereinhalbstündigen Rede erklärte Castro, dass sein Land nicht länger darauf beharre, dass die Waren auf kubanischen Schiffe transportiert werden müssten. Nach den Verwüstungen durch den Hurrikan "Michelle" kaufte Kuba in den USA Lebensmittel und Medikamente. Der Hurrikan "Michelle" war Anfang November über Kuba hinweggefegt und hatte eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Mindestens fünf Menschen kamen ums Leben, auf 400.000 Hektar Zuckerrohrplantagen wurden schwere Schäden angerichtet.
Ein Hilfsangebot der USA nach den Verwüstungen durch den Hurrikan "Michelle" hatte Kuba freundlich abgelehnt. Castro äußerte in seiner Rede die Hoffnung, dass die USA ihre Sanktionen gegen Kuba allmählich ganz aufheben würden.
(
http://www.jungewelt.de)
18.11.2001 Compay Segundo in Kuba als Dramaturg gefeiert
Havanna (dpa) - Der kubanische Musiker Compay Segundo, bekannt vor allem aus Wim Wenders Film «Buena Vista Social Club», hat jetzt erfolgreich als Theaterautor debütiert. Vor vollbesetztem Haus wurde am Freitagabend (Ortszeit) sein Stück «Se seco el arroyito» (Das Bächlein ist ausgestrocknet) im Nationaltheater in Havanna zwei Tage vor dem 94. Geburtstag (!8. November) des Künstlers uraufgeführt und vom kubanischen Publikum mit Begeisterung aufgenommen.

Mit seinen 94 Jahren besitzt Compay Segundo immer noch eine ungebrochene Energie.
                        Jetzt feierte er in Kuba sein umjubeltes Debüt als Dramaturg
Das Stück, das Francisco Repilado, wie der Altstar richtig heißt, schon vor vielen Jahren geschrieben hatte, ist eine Art «Romeo und Julia»-Geschichte und spielt im Jahre 1958 im Osten Kubas kurz vor dem Sieg der Revolution. Es handelt von zwei ungleichen Familien, die an einem Flusslauf nahe der Sierra Madre leben, und der Liebesgeschichte, die sich zwischen dem Mädchen aus der ärmeren und dem Sohn aus der reicheren Familie entwickelt. Die Mischung aus Schauspiel, Ballett und Musik wurde vom heimischen Publikum bejubelt, ausländische Theatergänger sprachen aber von einer oberflächlichen «volkstümlichen Klamotte» und «Revolutionskitsch». Der kubanische Kritiker Jorge Smith drückte sich diplomatisch aus: «Mit seiner einfachen Struktur und der Handlungsabfolge einer Telenovela (Seifenoper) ähnelte das Stück sehr seinem Autor, einem Mann, der durch einen bedeutenden Teil der lokalen Musikgeschichte hindurchgegangen ist.»
(http://www.freies-wort.de/)
17.11.2001 Hemingways Fischer geehrt
Havanna - Auszeichnung für den kubanischen Fischer, der den US-Schriftsteller Ernest Hemingway zu seiner Erzählung "Der alte Mann und das Meer" inspirierte. Die International Game Fish Association nahm den 104-jährigen Gregorio Fuentes im Hemingway-Yachthafen Havannas in ihren exklusiven Kapitänsclub auf, als 198. Mitglied. "Ich möchte einen großartigen Fischer ehren", sagte die Nichte des Romanciers, Hillary Hemingway, bei der Verleihung des Ehrentitels. Der im Rollstuhl sitzende Fuentes bedankte sich mit einem Handkuss für die Auszeichnung und nannte sie "sehr wichtig für sein Volk". Hemingway hatte sich Ende der 30er-Jahre mit seiner dritten Frau nahe Havanna auf einer Farm niedergelassen, wo er mit Unterbrechungen bis 1959 lebte. In diesen Jahren war Fuentes der Kapitän von Hemingways Fischerboot "Pilar". (rtr)
15.11.2001 Anwalt im Fall Elián wird Bürgermeister von Miami
Miami - Der Anwalt der Familie des kubanischen Flüchtlingsjungen Elián ist zum neuen Bürgermeister von Miami gewählt worden. Der parteilose Manny Díaz erlangte nach amtlichen Angaben bei der Bürgermeisterwahl der Großstadt im US-Bundesstaat Florida mit 55 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit. Der kubanisch-stämmige 47-Jährige hatte erfolglos die in den USA lebenden Angehörigen des heute siebenjährigen Elián González im juristischen Tauziehen um das Sorgerecht für den Flüchtlingsjungen verteidigt. Elián war im November 1999 mit seiner Mutter und seinem Stiefvater auf einem Boot aus Kuba in die USA geflohen und überlebte als Einziger die Überfahrt. Seine Verwandten in Miami versuchten monatelang mit allen juristischen Mitteln, den Jungen in Florida zu behalten und scheiterten schließlich vor dem höchsten US-Gericht. Im April 2000 Jahres brachten FBI-Beamte den damals Sechsjährigen in ihre Gewalt und übergaben ihn an seinen in Kuba lebenden Vater.
06.11.2001 Wirbelsturm "Michelle" fegt über Kuba
Der stärkste Wirbelsturm seit Jahrzehnten hatte auf der Insel Tausende obdachlos gemacht. Häuser wurden zerstört, Straßen überflutet, Telefon- und Stromleitungen unterbrochen und Bäume entwurzelt. Experten sprechen vom schlimmsten Orkan seit 50 Jahren.
Am Sonntagabend (4.11.) traf «Michelle» an der Südküste Kubas im Bereich der Halbinsel Zapata auf Land. Sturmböen mit weit über 200 Kilometern pro Stunde peitschten das Meer auf, und bis zu sechs Meter hohe Brecher rollten auf die Küste zu. Heftige Regenfälle lösten auf der ganzen Karibikinsel Überschwemmungen aus. Stromversorgung und Telefonleitungen brachen zusammen. Vier Personen starben beim Einsturz ihrer Häuser, ein weiterer Mann ertrank an der Küste von Matanzas. Der kubanische Zivilschutz hatte bis Sonntagabend fast 750 000 Menschen im Grossraum Havanna und in der westlichen Provinz Pinar del Rio vorsorglich in Sicherheit gebracht. In Havanna wurden zahlreiche Häuser abgedeckt. «Michelle» verursachte in der Landwirtschaft enorme Schäden. Nach Berichten des kubanischen Fernsehens werden vor allem in den Zitruskulturen, den Zuckerrohrfeldern und auf den Kaffeeplantagen grosse Verluste befürchtet. Wie der US-Fernsehsender CNN berichtete, machte sich Staats- und Parteichef Fidel Castro ein Bild von den Schäden und besuchte auch einige hundert Touristen in einem Hotel, um sie «aufzumuntern», wie es hiess. «Der Zyklon wird uns nicht kleinkriegen», sagte Castro.
Nach den Verwüstungen des Wirbelsturms auf Kuba haben die USA dem kommunistischen Inselstaat ihre Hilfe angeboten. Bedingung sei allerdings, dass die Hilfe direkt an das kubanische Volk gehe und nicht an die Regierung von Staatschef Fidel Castro, sagte der Sprecher des US-Außenamts, Richard Boucher, in Washington.
07.11.2001 Kuba unter den "Angreifern gegen die Pressefreiheit"
Die internationale Journalistenorganisation "Reporter ohne Grenzen" (RSF) hat eine Liste von 39 Personen und Institutionen vorgelegt, die als Angreifer gegen die Pressefreiheit gelten müssten. Auf der Liste stehen unter anderen die Machthaber und Regierungschefs von Ländern wie Afghanistan, Kuba, Nordkorea, Irak, Iran und China. Angeprangert werden zudem die Sicherheitsdienste der Palästinensischen Autonomiebehörde und die baskische Terrororganisation ETA. Namentlich genannt werden in dem Bericht außerdem Angola, Saudi-Arabien und Weißrussland, Israel, Vietnam und der Kongo. Als Angreifer der Pressefreiheit werden auch Milizenchefs aus Kolumbien sowie mafiöse Organisationen in Tschetschenien kritisiert. Beklagt wird, dass in zahlreichen afrikanischen Staaten keine wirkliche Pressefreiheit garantiert sei.
November 2001 Flugreisen in die Karibik werden nach Terroranschlägen teuerer
Neckermann erhöht Preise für Kuba-Reisen aufgrund des Nachfragerückganges um sechs Prozent. Für die aktuelle Wintersaison hatte Neckermann eigentlich ein Plus von sieben Prozent angestrebt. Das Nordamerika-Angebot wird trotz der Anschläge erweitert. Mit Frühbucherangeboten könnten Urlauber günstigere Preise erzielen, teilte der Reiseveranstalter mit.
03.11.2001 Biowaffenanschlag auf Castro? Fidel Castro hat 25 Briefe mit verdächtigem Pulver erhalten
Nach den Anschlägen in den USA ist die Angst vor Milzbrand auch schon nach Kuba vorgedrungen. Der kubanische Präsident Castro soll 25 Briefe mit einem sehr verdächtigen Pulver bekommen haben. Insgesamt seien 116 Briefe nach Kuba gesendet worden, wovon 72 von außerhalb Kubas kamen. Bislang wurden erst 92 Briefe negativ getestet. In einer zweistündigen Fernsehansprache rief Castro sein Volk auf, die Nerven zu bewahren und ruhig zu bleiben. Man dürfe sich dem „Bio-Terrorismus“ nicht beugen. Der Staat werde keine Gasmasken oder Anthrax-Medikamente kaufen, so Fidel Castro.
22.10.2001 Neue Anti-Korruptionskampagne in Kuba
Havanna (dpa) - Die kubanische Führung hat eine neue Kampagne gegen die auf der sozialistischen Karibikinsel um sich greifende Korruption gestartet. Der staatliche kubanische Gewerkschaftsbund rief am Montag in seiner Wochenzeitung "Trabajadores" dazu auf, in den kommenden Monaten einen "Ethikcodex für Führungskräfte" zu entwickeln. Damit solle unter anderem die Korruption innerhalb der Gewerkschaften bekämpft werden.
Die Korruption hat in Kuba vor allem seit der Öffnung der staatlichen Wirtschaft für Auslandskapital deutlich zugenommen. Die staatlichen Medien berichten immer wieder von Funktionären, die von ausländischen Geschäftspartnern Schmiergelder angenommen haben und dafür zur Rechenschaft gezogen wurden. Im März dieses Jahres musste der Minister für die Fischerei-Industrie, Orlando Rodriguez Romay, wegen eines solchen in seinem Hause aufgeflogenen Skandals seinen Posten räumen. ©dpa
Oktober 2001 Russland will Abhöranlage auf Kuba schliessen
Putin hatte am 17.10 die Schließung einer aus sowjetischen Zeiten stammenden Abhöranlage in Lourdes bei Havanna und der Marinebasis Can Ranh in Vietnam im nächsten Jahr bekannt gegeben. Der Horchposten, ein Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges, war den USA schon seit langem ein Dorn im Auge. Bei seinem Kubabesuch im Dezember 2000 hatte Putin zusammen mit seinem Amtskollegen Fidel Castro die Anlage besichtigt. Bei der Gelegenheit sei nicht von einer Schließung, sondern ganz im Gegenteil von einer Modernisierung die Rede gewesen, hieß es in der kubanischen Reaktion. Putin habe dem Druck der USA nachgegeben und versucht, das Streitthema noch vor seinem Treffen mit US-Präsident George W. Bush beim Asien-Pazifik- Gipfel in Schanghai aus der Welt zu schaffen.

Als Russlands Präsident Wladimir Putin noch im Dezember vorigen Jahres Havanna besuchte und ihm zu Ehren kubanische Soldaten im Stechschritt über den Platz der Revolution marschierten, wurden Erinnerungen an Sowjetzeiten wach. Der hohe Besucher und sein kubanischer Gastgeber Fidel Castro wurden nicht müde, den guten Stand der Beziehungen zwischen ihren Ländern hervorzuheben, die anscheinend die politische Wende in Osteuropa überstanden hatten. Um so empörter reagierte Kuba jetzt auf die Entscheidung Putins, die militärische Abhöranlage von Lourdes nahe Havanna zu schließen.
Mit der Räumung des Stützpunkts und dem Abzug der dort tätigen Soldaten und Offiziere verschwindet die letzte Bastion des Kalten Krieges, und eine rund 40-jährige russische Militärpräsenz auf der noch immer sozialistischen Karibikinsel geht zu Ende. Diese hatte schon bald nach dem Sieg der Revolution 1959 begonnen. Ende 1962 kam es zur berühmten Kuba-Krise, nachdem die Sowjetunion atomar bestückte Mittelstreckenraketen auf Kuba stationiert hatte. Nach einer von US- Präsident John F. Kennedy verhängten Seeblockade und einer geheimen Einigung über die Entfernung amerikanischer Raketen aus der Türkei zog Sowjetführer Nikita Chruschtschow das hochbrisante Kriegsgerät - gegen den Willen Castros - ab.
Noch bis in die achtziger Jahre gab es in Kuba rund 20 000 Rotarmisten, aber nach der Auflösung der UdSSR blieb nur noch der Horchposten in Lourdes - mit immerhin 1500 Mann Besatzung. Noch vor rund zwei Jahren berichteten US-Medien über Ausbauarbeiten, und bei seinem Besuch im Dezember hatte Putin noch versichert, dass Lourdes weiterbetrieben werden solle. Den USA war die Anlage aber schon lange ein Dorn im Auge. Der Kongress in Washington machte Schuldenerleichterungen für Russland von deren Schließung abhängig. Mit dem riesigen Antennenwald von Lourdes hatte Moskau ein Ohr am amerikanischen Telekommunikationsnetz.
Bis 1990 hatte Moskau die kubanische Wirtschaft mit Milliardenbeträgen subventioniert, danach wurde der Austausch von Zucker gegen Rohöl von Freundschafts- auf Weltmarktpreise umgestellt. Auch die Schließung von Lourdes begründete die russische Seite jetzt vor allem mit Kostengründen - ebenso wie die zeitgleich bekannt gegebene Räumung der Marinebasis CAM Ranh in Vietnam. Putin versicherte aber, dass die Beziehungen zwischen beiden Ländern nicht leiden sollten und Russland sich weiterhin für die Aufhebung der US- Wirtschaftsembargos gegen Kuba einsetzen werde.
07.09.2001 Cybercafe a la Havanna: Browserspaß nur mit Nummer und mit Reisepass
Havanna (dpa) - Wer in Havanna während eines Stadtbummels im Internet surfen und E-Mail-Grüße verschicken will, braucht Geduld und einen nichtkubanischen Reisepass. Über zwei Dutzend Leute sind an diesem Nachmittag im "Cybercafe" mit seiner über zwölf Meter hohen, stuckverzierten Decke im massigen Capitolio Nacional in Havanna. Drei davon sind Kubaner: Eine freundliche Dame mit blonder, wetterfest gefönter Mähne und ein junger Schwarzer, die beide kassieren, Liste führen, Kaffee brühen und Bier verkaufen. Hinzu kommt der alle Zeit einsatzbereite Techniker.
Wer im bisher einzigen Internet-Cafe in Fidel Castros Reich ans Net will, muss seinen Namen in eine Liste eintragen und bekommt eine Nummer. Die Passkontrolle erfolgt beim ersten Mausklick. "So sind bei uns die Regeln", sagt die Blonde auf Nachfragen eines argentinischen Gastes. Kubaner dürfen im Cafe sitzen, auch mal dem ausländischen Freund über die Schulter schauen, mehr nicht.
Die sechs Bildschirme plus Gemeinschaftsdrucker und das Gästebuch, das von den Ausländern meist nur Lobendes über das vor gut einem Jahr eröffnete Cafe und sein Personal beinhaltet, werden von täglich bis zu 200 Gästen aus aller Welt volle zwölf Stunden genutzt. Meist sind es junge Leute aus Kanada, Südamerika, Spanien, Italien und auch viele Deutsche. Die bis zu dreistündige Wartezeit muss nicht abgesessen werden. Viele besichtigen die Altstadt und das Capitolio. An seinem Hauptportal weist ein Schild auf das "Cybercafe" hin.
Wer die 20 Meter durch die hohe Halle direkt ins Cafe schreitet, muss nicht die drei US Dollar Museums-Eintritt zahlen, für Kubaner kostet er "mn 2", also zwei Peso, moneda nacional, nationale Währung. Für einen Dollar in der Wechselstube gibt es 22 Peso. Knapp 200 Peso verdient ein Verkäufer im Monat. 30 Minuten Internet kosten drei, 60 Minuten fünf Dollar. In den Fünf-Sterne-Hotels mit Internet-Zugang sind die Preise mehr als doppelt so hoch.
Der in den zwanziger Jahren errichtete Präsidentenpalast ist dem Kapitol in Washington nachgebaut. Außer riesigen Hallen und Kongressräumen sind auch das frühere Präsidentenbüro zu besichtigen. Vom Terrassencafe des Capitolio fällt der Blick auf Touristenbusse, Fotografen, Fahrrad-, Lada- und Oldie-Taxis und die Schlange, die geduldig auf den Bus wartet. Im rauchigen Cybercafe, wo mancher Gast lässig eine Cohiba oder andere Handgedrehte pafft, gibt es Postkarten und Poster mit Cheguavara und Literatur über die Revolution.
Nur wenige Menschen auf der Insel haben per Firmen-PC zum E-Mail- Verkehr Zugang. Und nicht jeder, der eine E-Mail-Adresse hat, wie staatliche Betriebe, Hoteldirektoren, Wissenschaftler oder wichtige Kräfte der Partei, kann beliebig surfen und im Net CNN und Deutsche Welle verfolgen. An den Universitäten ist der Zugang zum Web nur nach strikten Regeln möglich. Mancher tolerante Chef stellt aber Mitarbeitern seine E-Mail-Adresse zur Verfügung und ermöglicht so auch ein paar zusätzliche Kontakte ins Ausland. Tendenz steigend.
Wer nach seiner Kuba-Reise privat mit Freunden oder Kollegen in Kontakt bleiben will, muss in der Regel einen Brief schreiben oder zum Telefon greifen. Zumindest einer im Haus hat einen Anschluss. Und der läuft gern ein paar Treppen und klopft an die Tür, wenn ein Freund aus Argentina oder Alemania in der Leitung wartet. Nachbarschaftshilfe wird groß geschrieben in Kuba ©dpa
24.08.2001 Belgischer Außenminister zufrieden mit Gesprächen in Kuba
Havanna (dpa) - Der belgische Außenminister Louis Michel ist als amtierender EU-Ratsvorsitzender in Havanna mit Staats- und Parteichef Fidel Castro zusammengetroffen. Er hat eine positive Bilanz seines Besuches gezogen. "Wir haben das Interesse beider Seiten festgestellt, wieder zu einem politischen Dialog zu gelangen, ohne Vorbedingungen und ohne Ausschluss irgend eines Themas", sagte Michel am Freitag vor dem Abflug in Havanna. Der Besuch habe die Erwartungen erfüllt, und er werde einen ausführlichen Bericht für die EU-Kollegen verfassen.
Die Beziehungen zwischen Kuba und der EU leiden seit Jahren unter dem Streit um die Menschenrechte. Die EU hat von Kuba die Streichung politischer Delikte aus dem Strafgesetzbuch verlangt und davon den Abschluss eines Kooperationsabkommens abhängig gemacht. Kuba ist zu Zugeständnissen in Menschenrechtsfragen nicht bereit. Die EU- Staaten sind aber wichtige Handelspartner. Einigkeit zwischen Brüssel und Havanna besteht dagegen in der Verurteilung der US- Sanktionen gegen die Karibikinsel.
Am Donnerstagabend war Michel mit Staats- und Parteichef Fidel Castro und am Freitag mit einer Gruppe von vier Dissidenten zusammengetroffen. Die kubanischen Dissidenten stehen auf Grund der jetzigen Gesetzeslage ständig mit einem Bein im Gefängnis. Sie sind häufigen Pressionen und Schikanen des Regimes ausgesetzt, das sie als "Konterrevolutionäre" und Handlanger der USA beschimpft. Der kubanischen Regierung passt es zwar nicht, dass sich ausländische Politiker mit den Dissidenten treffen, sie unternimmt aber nichts, um solche Treffen zu verhindern. ©dpa
16.08.2001 Kuba weist Berichte über FARC-Hilfe zurück
Havanna (dpa) - Die kubanische Regierung hat Berichte über eine mutmaßliche Unterstützung der linksgerichteten Guerilla in Kolumbien zurückgewiesen. "Kuba leistet weder der FARC noch irgend einer anderen Guerillagruppe militärische Unterstützung", teilte das Außenministerium in Havanna am Donnerstag mit. Es reagierte damit auf einen Bericht des kubanischen Fernsehsenders Caracol, dass 20 kubanische Offiziere in der von den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) kontrollierten entmilitarisierten Zone als Ausbilder tätig seien. ©dpa
15.08.2001 Auch Drogenentzug und größere Busen bringen Kuba Devisen
Havanna (dpa) - Fußballstar Diego Maradona gilt als bisher prominentester Drogen-Patient Kubas. Während seiner Therapie im Jahr 2000 hatte er sich als zufriedener Patient "geoutet" und kräftig die Werbetrommel für Fidel Castros Ärzte und Kliniken gerührt. Die Nachfrage von Stars, Sternchen und Magnaten nach Entzugs-, Gesundheits- und Verschönerungsprogrammen ist nicht erst nach der Behandlung des Argentiniers steigend. Der Gesundheitssektor hilft kräftig, die Devisenkasse des sozialistischen Staates aufzubessern.
Kubas Preise für solche Behandlungen sind für ausländische Gäste günstiger als Privatkliniken in den USA oder Deutschland. Dies bestätigt auch Marlene Fuentes Lopez, Pressesprecherin beim staatlichen Unternehmen Cubanacan Turismo y Salud (Tourismus und Gesundheit). Diskretion sei selbstverständlich. "Namen nennen wir nur, wenn der Patient selbst in die Öffentlichkeit geht." Das Angebot für Devisen-Zahler auf der größten Karibikinsel umfasst auch Antistress-Behandlung, Geschwulstentfernungen, Augenoperationen, Behandlungen bei Nervenerkrankungen, Parkinson und Alzheimer sowie das weite Feld der Schönheitschirurgie. Gesicht entfalten, Nase begradigen, Fett absaugen, Hinterteil straffen: Nichts scheint unmöglich. Und kräftig gewachsene Oberweiten von Patientinnen aus vielen Ländern füllen nach einer Kuba-Visite neue Körbchengrößen und das Staatssäckel.
Eine Schönheitsoperation kostet in vielen Fällen gut die Hälfte, ein Klinikbett etwa 30 bis 40 Prozent von dem, was in vielen Ländern Europas berechnet wird. Dazu kommen die Anreisekosten. Mancher Gast kombiniert seine Behandlung mit Urlaub an den Stränden von Varadero.
Inzwischen hat das Cubanacan-Imperium für sein Gesundheitsprogramm Büros in größeren Hauptstädten Lateinamerikas sowie in Madrid. "Die ärztliche Betreuung ist in Kuba besonders intensiv, wenn nötig und gewünscht kümmert sich ein Arzt nur um einen Patienten," sagt Fuentes. Auf manchen Spezialgebieten gilt Kuba als führend. Das gilt für die von Professor Orfilio Pelaez, der vor wenigen Monaten starb, und seinem Team geschaffene spezielle Operations- und Heilmethode bei der schweren Augenerkrankung Retinosis Pigmetaria.
Cubanacan Turismo y Salud umfasst 16 medizinische Institutionen, erläutert Präsident Jose E. Caran. Dazu zählen Krankenhäuser und Apotheken an allen wichtigen Touristenorten auch zur Behandlung akuter Erkrankungen und Unfälle sowie Spezialhäuser wie die "Clinika Central Cira Garcia" in Havanna. Ciren steht für Centro de Restauracion Neurologica. Neben neurologischen Fachärzten zur Behandlung von Nerven- und Gehirnerkrankungen sind hier auch Schönheitschirurgen mit dem Skalpell bei der Arbeit. Zu den Patienten zählen Geschäftsleute, Diplomaten und Gesundheitstouristen. Offiziell verdient ein Arzt um die 600 Peso im Monat, etwa 30 Dollar (rund 65 Mark/33 Euro). Viele der Patienten bedanken sich bei den Medizinern statt mit Blumen und Pralinen mit US-Währung in der Hand.
Maradona ließ sich vor den Toren der Hauptstadt im Klinik-Hotel "La Pradera" über ein halbes Jahr behandeln, nachdem der Weltmeister von 1986 zuvor fast an einer Überdosis Kokain gestorben war. Gepflegtes Ambiente, geräumige Zimmer, tropischer Garten gehören zu der Anlage. Wer zur Nachbehandlung seinen kubanischen Arzt noch für einige Monate nach Hause nehmen will, kein Problem. Außer US-Dollar werden auch DM, Euro und andere harte Währungen akzeptiert. ©dpa
14.08.2001 USA wünschen Castro alles Gute und baldige Pensionierung
Washington (dpa) - Die US-Regierung hat ihrem "Erzfeind" Fidel Castro zu dessen 75. Geburtstag beglückwünscht und ihm eine baldige Pensionierung gewünscht. "Da Herr Castro nun die Altersgrenze für Diktatoren erreicht hat, hoffen wir, dass er sich bald auf sein Altenteil zurückzieht", scherzte Außenamtssprecher Philip Reeker am Montag. Außerdem hofften die USA, dass Castro mit der Weisheit des Alters entscheide, seinem Volk mehr Freiheit zu gewähren. ©dpa
14.08.2001 Russland dementiert Schließung von Abhöranlage auf Kuba
Moskau (dpa) - Russland hat Berichte über eine bevorstehende Schließung der großen Abhöranlage in Lourdes auf Kuba dementiert. "Diese Information kann ich nicht bestätigen", sagte der für Rüstung zuständige Vizeregierungschef Ilja Klebanow am Dienstag in Moskau der Agentur Interfax. Auch Verteidigungsminister Sergej Iwanow dementierte, dass die Anlage zum 1. Dezember geschlossen werde solle.
In Presseberichten hatte es nach Interfax-Angaben geheißen, dass Russland bereits mit dem Abzug seiner etwa 1000 Spezialisten aus der Abhöranlage in der Nähe von Havanna begonnen habe. Den USA ist die Antenne von Lourdes ein Dorn im Auge, weil mit ihr angeblich amerikanische Telefongespräche, Satellitenverbindungen und die Kommunikation der NASA abgehört werden können. ©dpa
13.08.2001 Fidel Castro feierte 75. Geburtstag in Venezuela
Caracas/Havanna (dpa) - Fern der Heimat und Seite an Seite mit seinem engen Verbündeten und Amtskollegen Hugo Chavez hat Kubas Präsident Fidel Castro am Montag in Venezuela seinen 75. Geburtstag gefeiert. Castro und Chavez reisten am Montag nach Ciudad Guyana (rund 850 Kilometer südöstlich von Caracas) nahe der Grenze zu Brasilien. Dort wurde auch der brasilianische Präsident Fernando Henrique Cardoso erwartet, um gemeinsam mit Chavez eine 676 Kilometer lange Überlandstromleitung zwischen Brasilien und Venezuela in Betrieb zu nehmen. Castro war am Samstag nach Venezuela geflogen. Seit sein Bewunderer Chavez Anfang 1999 in Caracas die Regierungsgeschäfte übernahm, haben sich die Kontakte zwischen beiden Ländern vervielfacht. "Ich glaubte, dass Du an diesem besonderen Tag in Havanna sein müsstest. Aber ich bin sicher, dass das kubanische Volk versteht, dass Du nicht nur Kuba gehörst, sondern ganz Lateinamerika", sagte Chavez am Montag. In Havanna hob die staatliche Presse den 75. Geburtstag der "maximo lider" auf mehreren Seiten groß hervor, und die beiden Fernsehkanäle der Insel berichteten ausführlich über Castros Aktivitäten in Venezuela. Castro herrscht in Kuba seit dem Sturz des Diktators Fulgencio Batista am 1. Januar 1959, das Amt des Staatschefs hat er aber formal erst seit 1976 inne. Nach offizieller Biografie wurde er am 13. August 1926 in dem Dorf Biran in Ostkuba geboren. Unabhängige Biografen halten es aber für wahrscheinlicher, dass Castro erst 1927 zur Welt kam und damit am Montag seinen 75. Geburtstag ein Jahr zu früh feierte. ©dpa
08.08.2001 Kubanische Dissidentin kritisiert hohe Propagandaausgaben
Havanna (dpa) - Die kommunistische Regierung in Kuba verschwendet nach Einschätzung von Dissidenten die knappen Ressourcen für politische Propaganda. "Die Vergeudung von staatlichen Mitteln für Kraftstoff, Fernseh- und Rundfunkübertragungen, für Druckerzeugnisse und für die Massenaufmärsche sind eine zu hohe Last", sagte die unabhängige Ökonomin Martha Beatriz Roque am Donnerstag. Die Lage der kubanischen Volkswirtschaft sei nach wie vor prekär.
Die kubanische Regierung hatte Ende 1999 eine Serie von Massenkundgebungen für die Rückkehr des in den USA gestrandeten Flüchtlingsjungen Elina Gonzalez gestartet. Damals wurden unter anderem T-Shirts mit dem Bild des Jungen in großen Mengen verteilt. Auch nach dem Sieg von Elians Vater im Sorgerechtsstreit und der Heimkehr des Jungen Ende Juni 2000 wurden die wöchentlichen antiamerikanischen Demonstrationen fortgesetzt. Zum Revolutionsfeiertag am 26. Juli dieses Jahres ließ die kubanische Führung in Havanna 1,2 Millionen Menschen aufmarschieren, mehr als zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. ©dpa
08.08.2001 Fidel Castro wird 75 - Der Comandante sorgt sich um die Zeit nach ihm
Mexiko-Stadt (dpa) - Auch Fidel Castro hält sich nicht für unsterblich. Nicht erst seit er am 23. Juni bei einer Rede unter sengender Sonne zusammenbrach, denkt der kubanische Staats- und Parteichef laut über die Zeit nach seinem Tode nach. Dann versichert Castro, der am kommenden Montag (13. August) 75 wird, dass auch ohne ihn im sozialistischen Kuba alles beim Alten bleiben werde.
Sollte Castro das wirklich glauben, dann ist er vermutlich der einzige. Denn mehr als 42 Jahre lang hat er die Geschicke des Landes bestimmt. Er überdauerte neun US-Präsidenten und hat Kuba zu einer für einen Staat dieser Größe ungewöhnlichen Rolle auf der Weltbühne verholfen. Und nach wie vor dürfte keine wichtige Entscheidung auf der Karibik-Insel ohne ihn fallen.
Denn Castros Ausstrahlung ist legendär. Mit ihrer Hilfe schaffte er es vor fast 50 Jahren, eine kleine Schar Getreuer zum auf den ersten Blick selbstmörderischen Kampf gegen den Diktator Fulgencio Batista zu mobilisieren. "Wenn er dir die Hand auf die Schulter legt, sagt Du nach zehn Minuten Ja zu allem", berichtete einmal ein Mitkämpfer. Und noch heute stimmen europäische Politiker nach Begegnungen in Havanna regelmäßig peinliche Lobeshymnen auf den "liebenswerten" Revolutionsführer an.
Fidel Castro Ruz wurde nach amtlicher Biografie am 13. August 1926 (nach anderen Angaben 1927) im dem Dorf Biran im Osten Kubas als Sohn eines spanischen Einwanderers geboren. Zur Schule ging er im Jesuitenkolleg Lasalle in Santiago de Cuba - um im späteren Leben, zumindest nach Ansicht seines Biografen Peter G. Bourne, aus ganz Kuba "eine riesige Jesuitenschule" zu machen. Er schloss ein Jurastudium ab, praktizierte aber nie als Rechtsanwalt.
Castros erster Versuch, die Batista-Diktatur zu stürzen, endete 1953 nach dem Sturm auf die Moncada-Kaserne in einem Blutbad. Castro wurde verurteilt, bald darauf amnestiert, er ging ins Exil nach Mexiko und kehrte Ende 1956 an Bord der Yacht "Granma" zum Guerillakampf nach Kuba zurück. Am 1. Januar 1959 verkündete er nach Batistas Flucht den Sieg der Revolution.
Mit sowjetischer Unterstützung machte sich Castro an die sozialistische Umgestaltung seines Landes. Es gelang ihm, soziale Gleichheit auf niedrigem Niveau zu schaffen, doch die wirtschaftliche Leistungskraft der Insel fiel auf Grund einer ineffizienten Planwirtschaft immer weiter zurück. Aus einem der reichsten wurde eines der ärmsten Länder Lateinamerikas. Rund eine Million Kubaner suchte ihr Heil in der Ausreise.
Als mit der Wende in Osteuropa die sowjetischen Subventionen versiegten, die bis dahin das US-Embargo mehr als ausgeglichen hatten, geriet Castros Revolution in ihre schwerste Krise. Castro erlaubte deshalb 1993 einige marktwirtschaftliche Reformen - und bremste sie in dem Maße, wie sich die Lage etwas stabilisierte. Zu einer politischen Öffnung konnte ihn auch der Appell Papst Johannes Pauls II. während dessen Kuba-Reise 1998 nicht bewegen.
Als möglichen Nachfolger hat Castro mehrfach seinen Bruder und Stellvertreter Raul (70) genannt. Fidel und Raul Castro waren schon zu Moncada-Zeiten unzertrennlich. Ansonsten ist über Castros Familienleben wenig bekannt. Neben dem Sohn Fidelito aus einer schon 1954 geschiedenen Ehe soll er sieben uneheliche Kinder haben. Die Tochter Alina Fernandez floh Ende 1993 ins Ausland und fiel dort in ihren Memoiren über den Vater her. Aus einer Laune, den Kommunismus zu spielen, habe er das Land ins Elend gestürzt, schrieb Fernandez. ©dpa
07.08.2001 Kuba schickt US-Bruchpiloten in die USA zurück
Havanna (dpa) - Die kubanischen Behörden werden einen amerikanischen Privatpiloten, der am 31. Juli mit seiner Cessna in der Nähe von Havanna gelandet war, freilassen und in die USA zurückschicken. Dies verlautete am Dienstag aus Regierungskreisen.
Der Flugschüler John Reese war während seines ersten Alleinflugs im Süden Floridas plötzlich Richtung Kuba abgedreht. Bei seiner Bruchlandung auf einem felsigen Küstenabschnitt nahe Havanna wurde er leicht verletzt. Die Motive des 55-jährigen Pizzaboten aus Islamorada an der Südspitze Floridas wurden nicht bekannt. Amerikanischen Presseberichten zufolge war der Sonderling in der Vergangenheit schon mehrfach durch ungewöhnliches Verhalten aufgefallen. ©dpa
26.07.2001 Millionen-Demonstration zum Revolutionstag in Havanna
Havanna (dpa) - Mehr als eine Million Menschen haben sich am Donnerstag in Havanna an einer Großkundgebung zum kubanischen Revolutionstag beteiligt. Auf Plakaten und Spruchbändern forderten die Demonstranten ein Ende des US-Wirtschaftsembargos und die sofortige Freilassung von fünf in den USA inhaftierten kubanischen Spionen. Die Kundgebung wurde von Präsident Fidel Castro und seinem Bruder und Stellvertreter, Raul Castro, angeführt. Zu den Ehrengästen zählte unter anderem ein Enkel des verstorbenen iranischen Revolutionsführers Ajatollah Khomeini.
Am 26. Juli feiert Kuba jedes Jahr den Sturm auf die Moncada- Kaserne im Jahr 1953. Dieser erste, von Castro angeführte Versuch, den Diktator Fulgencio Batista zu stürzen, schlug fehl, er gilt aber als Beginn der kubanischen Revolution. Erst nach einem gut zweijährigen Guerillakrieg konnte Castro am 1. Januar 1959 den Sieg der Revolution verkünden. Die diesjährige Kundgebung war nach Einschätzung von Beobachtern vor Ort größer als alle vorangegangenen. ©dpa
17.07.2001 Bush setzt umstrittene Klageklausel bei Kuba-Sanktionen weiter aus
Washington (dpa) - US-Präsident George W. Bush hat die umstrittene Klagemöglichkeit gegen ausländische Firmen als Teil der amerikanischen Kuba-Sanktionen weiter ausgesetzt. Konzerne aus Drittstaaten, die mit Kuba Handel treiben, sind damit zumindest bis Ende Januar 2002 vor Klagen in den USA sicher. Bush gab am Montag in Washington zu verstehen, dass er wie schon sein Vorgänger Bill Clinton aus Rücksicht auf die europäischen Verbündeten vorgeht. Die anti-kommunistische Kubanisch-Amerikanische Nationalstiftung (Cuban American National Foundation) akzeptierte die Entscheidung.
"Echte Differenzen über die besten Methoden, einen Wandel auf Kuba zu erreichen, bestehen weiter zwischen den USA und unseren Verbündeten", betonte Bush in einer Stellungnahme. Aber die Europäische Union habe ihr Ziel bekräftigt, einen friedlichen Übergang zur Demokratie in dem kommunistischen Inselstaat zu fördern. Das Aussetzen der Klageklausel werde daher die Unterstützung für das US-Embargo stärken und liege im nationalen Interesse.
Das so genannte Helms-Burton-Gesetz von 1996 zielt auf die internationale wirtschaftliche Isolierung Kubas ab. Zum ersten Male werden Konzerne aus Drittstaaten, die mit Kuba Handel treiben, von den USA mit Strafmaßnahmen belegt. Die von den Europäern am heftigsten bekämpfte Klausel des Gesetzes erlaubt es Alteigentümern, vor US-Gerichten ausländische Firmen zu verklagen, wenn diese ihr nach der Revolution auf Kuba verstaatlichtes früheres Eigentum nutzen. Bush-Vorgänger Clinton hatte bei seinen Verhandlungen mit dem Kongress erreicht, dass er diesen Passus um jeweils sechs Monate aussetzen kann.
Bush hatte in der vergangenen Woche einen US-kubanischen "Falken", Otto Reich, zum Abteilungsleiter für lateinamerikanische Fragen im Außenministerium nominiert. Er hatte zugleich angekündigt, bestehende Kuba-Sanktionen zu verschärfen. Er will Reisen nach Kuba und Geldüberweisungen durch Exilkubaner an ihre Verwandten auf der Insel einschränken. Außerdem soll versucht werden, das Stören amerikanischer Radio- und Fernsehsendungen nach Kuba zu unterbinden. Jesse Helms, Ko-Autor des Sanktionsgesetzes, zeigte sich befriedigt über die "sehr harte Linie" gegen Kubas Staatschef Fidel Castro. Daran ändere die Aussetzung der Klageklausel nichts.©dpa
13.07.2001 Castro als Familienvater - "El Comandante" hat viele Nachkommen
Mexiko-Stadt (dpa) - Als Landesvater ist Kubas Staats- und Parteichef Fidel Castro einer der dienstältesten der Welt. Seit er mit einer Schar rauschebärtiger Revolutionäre am 1. Januar 1959 den Diktator Fulgencio Batista stürzte, regiert er die Karibikinsel mit harter Hand und hat in dieser Zeit zehn US-Präsidenten getrotzt. Weniger gut bekannt ist Castros Rolle als Familienvater, denn das Privatleben des "Comandante" ist auf Kuba Staatsgeheimnis. Dabei hat der inzwischen fast 75-jährige Revolutionär mindestens acht Kinder.
Amerikanische Medien enthüllten in dieser Woche die Existenz einer bisher unbekannten Tochter namens Francisca Pupo. Sie soll schon seit einigen Jahren in Miami (US-Bundesstaat Florida) leben, der Hochburg der antikommunistischen Exilkubaner. Dorthin sei sie legal ausgereist. Die Endvierzigerin stamme aus einer flüchtigen Romanze Castros mit einer Frau in der Stadt Santa Clara.
Castro galt in jungen Jahren nicht nur als großer Revolutionär, sondern auch als großer Schürzenjäger. Die deutsche Kapitänstochter Marita Lopez (61) veröffentlichte Anfang dieses Jahres ein Buch, in dem sie ihre mehr als 42 Jahre zurückliegende Romanze mit dem "Maximo Lider" noch einmal aufleben lässt. Aus einer anderen kurzfristigen Affäre im Jahr 1955, diesmal mit der Arztgattin Natalia Revuelta, stammt Castros uneheliche Tochter Alina Fernandez (45). Sie machte Schlagzeilen als sie Ende 1993 mit Perücke und falschem Pass aus Kuba floh. In einer 1997 erschienenen Biografie ließ sie an ihrem Vater kein gutes Haar.
Als Alina zur Welt kam, hatte sie bereits einen Halbbruder: Fidelito. Er ist das Produkt von Castros kurzer Ehe mit Mirta Diaz- Balart, die sich schon 1954 von ihm getrennt hatte. Fidelito, der einzige anerkannte Sohn, studierte in der Sowjetunion und brachte es bis zum Leiter der kubanischen Atomenergiebehörde. 1992 setzte sein Vater ihn ab, sein gegenwärtiger Beruf ist nicht bekannt.
Alina berichtete in ihrem Buch auch von ihren fünf Halbbrüdern Angel, Antonio, Alejandro, Alexis und Alex. Sie alle stammten von derselben Frau, Delia Soto del Valle. Ein Foto von ihr, das sie auf einer Massenkundgebung in Havanna zeigte, war in dieser Woche erstmals in der Presse zu sehen. Ob sie mit Fidel Castro verheiratet ist oder mit ihm unverheiratet zusammenlebt, ist nicht bekannt. Die fünf Brüder leben alle noch in Kuba, ohne dass sie wegen ihres Verwandtschaftsgrades Privilegien genössen.
Wie die Tageszeitung "The Miami Herald" in dieser Woche berichtete, lebt eine Tochter von Castro-Sohn Alex aber ebenfalls in Miami. Und bereits seit 1964 wohnt dort Castros Schwester Juanita (68), eine der schärfsten Kritikerinnen des Revolutionärs ("Mein Bruder übertrifft Pinochet").
Alina Fernandez, die mehrere Jahre in Madrid lebte, ist jetzt auch wieder nach Miami gezogen, wo ihre Tochter Alina "Mumin" Salgado (23) schon wohnt. Dass die fünf Castro-Verwandten zu einer Familienfeier zusammenkommen, ist eher unwahrscheinlich. Seit Fernandez ihre Biografie veröffentlichte, in der Tante Juanita nicht besonders gut weg kam, spricht diese mit der Nichte kein Wort mehr. ©dpa
12.07.2001 Castros Verwandte zieht es nach Florida
Washington (dpa) - Verwandte des kubanischen Präsidenten Fidel Castros zieht es wie viele seiner Landsleute nach Florida. Nach einem Bericht des US-Nachrichtensenders CNN ist seine Tochter Alina Fernandez jetzt aus Spanien nach Miami im US-Bundesstaat Florida gezogen. Der "Miami Herald" schrieb am Mittwoch, eine andere Tochter mit dem Namen Francisca sei bereits vor 2 Jahren nach Miami gekommen. Außerdem sollen bereits seit Jahren mehrere andere Verwandte von Castro in Florida zu Hause sein. ©dpa
11.07.2001 «Der Cuba Coup»: Peter Lohmeyer in kubanischer Krimikomödie
Beim Filmfestival in Havanna heimste der Film von Regisseur Daniel Diaz Torres den Besonderen Preis der Jury ein. Die Zusammenarbeit mit Peter Lohmeyer begann bereits 1997 bei der Berlinale. Diesmal ist dessen Rolle ausgebaut zu der zentralen Figur Björn, der als falscher Professor bei der Familie des pensionierten Polizisten Armancio (Enrique Molina) wohnt. Dessen Tochter Alicia (Ketty De La Iglesia) ist verliebt in Björn, und wie alle anderen merkt auch sie nicht, dass er kein schrulliger Sprachwissenschaftler ist, sondern der deutsche Ganove Otto Meier, der ausgerechnet die schwedischen Kronjuwelen stehlen will. (Hacerse el sueco, Kuba/Deutschland/Spanien 2000, 105 Min., von Daniel Diaz Torres, mit Peter Lohmeyer, Ketty De La Iglesia, Enrique Molina) ©dpa
10./11.07.2001 Bundeswirtschaftsminister Müller trift Castro
Castro hatte am Montagabend neben dem Wirtschaftsminister auch fünf Bundestagsabgeordnete und den deutschen Botschafter im Regierungspalast empfangen. Auf kubanischer Seite nahmen mehrere Regierungsmitglieder an dem Treffen teil. Das Gespräch dauerte bis 03.00 Uhr morgens. Müller zeigte sich anschließend zuversichtlich, dass sich Kuba weiter öffnen werde. «Ich bin der sicheren Überzeugung, dass die Entwicklung in diesem Land weiter gehen wird.» Allerdings habe er auch den Eindruck gewonnen, dass die sozialistischen Grundwerte nicht zur Disposition stünden, betonte der Minister.
Bundeswirtschaftsminister Werner Müller hat den kubanischen Präsidenten Fidel Castro zu weiteren wirtschaftlichen Reformen aufgefordert. Es gebe gute Chancen für einen Ausbau der Investitionen deutscher Unternehmen, falls der Reformkurs fortgesetzt werde, sagte Müller am Dienstag nach einem fast sechsstündigen Gespräch mit dem kubanischen Staats- und Parteichef in Havanna. Das Thema Menschenrechte sprach Müller nach eigenen Worten nicht an.
Castro sprach sich in dem Gespräch nach Angaben aus der deutschen Delegation für einen intensiveren Dialog zwischen der Europäischen Union und Kuba aus. Über den europäischen Vereinigungsprozess habe er sich «sehr lobend» geäußert, hieß es. Das US-Wirtschafts- und Handelsembargo sei dagegen kein Thema des Gesprächs gewesen. Auch über den neuen US-Präsidenten George W. Bush sei nur am Rande gesprochen worden.
Castro zeigte sich nach Angaben Müllers offen für neue Kommunikationstechnologien. Der kubanische Präsident habe sich für einen Internetzugang für alle ausgesprochen. Satellitenfernsehen habe er dagegen deutlich abgelehnt.
Den Gesundheitszustand des 74-jährigen Präsidenten beschrieb Müller als gut. Er sei «sicherlich einer der Fittesten» in der Runde gewesen. Castro hatte kürzlich während einer Rede einen Schwächeanfall erlitten.
Der kubanische Präsident erkundigte sich laut Müller bei dem Gespräch auch nach Bundeskanzler Gerhard Schröder und Altkanzler Helmut Kohl. Die Nachricht vom Tod Hannelore Kohls habe Castro mit Betroffenheit aufgenommen, sagte Müller.
Müller ist erst der zweite deutsche Minister, der den Karibikstaat besucht. Den Anfang hatte vor einem Jahr Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul gemacht. Bereits am Montag hatte der Wirtschaftsminister zusammen mit dem kubanischen Vizepräsidenten Carlos Lage eine Produktionsanlage für Industriegase eröffnet, die in deutsch-kubanischer Kooperation entstanden war. Zudem hatte er ein Ölfördergebiet und das Touristenzentrum Varadero besucht. Für Dienstagmittag (Ortszeit) waren weitere politische Gespräche mit Mitgliedern der kubanischen Regierung geplant. Dabei wollte Müller eine Liste mit Investitionshemmnissen für die deutsche Wirtschaft überreichen. Der Rückflug nach Berlin war für Dienstagnachmittag (Ortszeit) geplant.
Bundeswirtschaftsminister Müller hat sich zum Abschluss seines Kubabesuches lobend über Staats- und Parteichef Fidel Castro geäußert. "Er ist außerordentlich liebenswürdig und besitzt viel Humor und ist offensichtlich bei bester Gesundheit", sagte Müller am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Havanna. Müller war am Montagabend (Ortszeit) mit Castro zusammengetroffen.
Müller sprach sich zugleich für eine engere Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und Kuba aus. Bei seinem Gespräch mit Castro hätten er und der deutsche Botschafter einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet, sagte Müller.
Einer engeren Zusammenarbeit zwischen Kuba und der EU stand bisher die Menschenrechtsfrage im Wege. Die EU verlangt seit Jahren von Kuba die Streichung politischer Delikte aus dem Strafgesetzbuch und macht davon den Abschluss eines Kooperationsabkommens abhängig, wie sie es mit allen anderen Staaten Lateinamerikas unterhält. Kuba war auf diesem Gebiet bisher zu keinen Zugeständnissen bereit.
Auf die Menschenrechtsfrage ging Müller in der Pressekonferenz allerdings gar nicht ein. Stattdessen hob er die gemeinsame Position der 15 EU-Regierungen gegen die Sanktionspolitik der USA hervor. Müller kritisierte das so genannte Helms-Burton-Gesetz, das den Prinzipien des freien Welthandels zuwiderlaufe. Das 1996 in Kraft getretene Gesetz bedroht ausländische Firmen mit Sanktionen, wenn sie bei ihren Kuba-Geschäften verstaatlichtes früheres Eigentum von US- Bürgern nutzen.
Müller, der von einer großen Delegation aus Unternehmern und Bundestagsabgeordneten begleitet wurde, hatte zuvor bekräftigt, dass es in Kuba ausgezeichnete Investitionsbedingungen gebe. Es bestünden keine Hindernisse, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern auszubauen.
Die rot-grüne Regierung hatte nach 1998 eine Neuorientierung der Kuba-Politik vollzogen, die sich durch ein größeres Entgegenkommen gegenüber Havanna auszeichnet. Im Mai 2000 war mit Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) erstmals ein Kabinettsmitglied auf die Karibikinsel gereist. Im Februar dieses Jahres wurde aber der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Ludger Volmer (Grüne), von den regierenden Kommunisten kurzfristig ausgeladen, nachdem er sich kritisch über die Menschenrechtssituation auf Kuba geäußert hatte. ©dpa/AP (auszugsweise)
06.07.2001 Hermanos Castro en acto de condecoración a funcionarios
LA HABANA (AP) El presidente Fidel Castro, acompañado por su hermano, el ministro de Defensa Raúl Castro, condecoró a medio centenar de funcionarios en un acto transmitido este jueves en la noche por la televisora estatal.
El presidente cubano entregó un diploma de reconocimiento a 49 funcionarios y colocó medallas a otros cuatro, quienes se destacaron en su trabajo el año pasado, dijo la agencia oficial cubana Prensa Latina.
Entre los dirigentes homenajeados estuvieron el ministro de Finanzas y Precios, Manuel Millares; y el jefe de la Sección de Intereses de Cuba en Washington, Fernando Remírez de Estenoz.

``Ustedes pueden sentir, sin vanidad, pero con una inigualable e infinita seguridad, el honor de haber apoyado esta conducta de entrega al trabajo y compartir con dignidad una vida modesta y austera'', dijo el presidente en una carta de felicitación a cada uno de los condecorados, y que fue leída por un locutor de la televisora oficial.
El acto, que se extendió por unos 30 minutos, se celebró en un salón del Consejo de Estado, o la máxima instancia del poder ejecutivo cubano. No hubo discursos ni del presidente ni de su hermano, ambos enfundados en sus tradicionales uniformes, y en una de las pocas oportunidades en que han aparecido juntos.
Alegando razones de seguridad, son contadas las ocasiones en que los dos hermanos asisten a un mismo acto.
De pie frente al estrado principal, el presidente entregó los diplomas y medallas, mientras detrás de él estuvieron sólo su hermano Raúl, y Juan Almeida, de los llamados ``comandantes de la revolución'' o que han acompañado a los Castro a lo largo de su lucha guerrillera y durante 42 años en el poder.
Altos funcionarios de gobierno, como el canciller Felipe Pérez Roque y el presidente del parlamento Ricardo Alarcón, asistieron desde primera fila a la entrega de los diplomas, un acto que se realiza cada año.
13.06.2001 Neues Segundo-Album
Die Altstars, wie zum Beispiel die Sängerin Omara Portuondo (70), ihre männlichen Kollegen Ibrahim Ferrer (72), Omara Portuondo (70) und Compay Segundo (94) sowie der Pianist Ruben Gonzalez (83), kommen inzwischen einmal pro Halbjahr nach Europa und sorgen für ausverkaufte Hallen. Auch jüngere Buena-Vista-Strategen - etwa Gitarrist Eliades Ochoa und Bassist Orlando "Cachaito" Lopez, der gerade ein hochgelobtes Debüt-Album herausgebracht hat - halten die Buena-Vista-Fahne weltweit hoch.
Nun arbeitet auch Francisco Repilado, Son-Liebhabern eher bekannt als Compay Segundo, nach einer gesundheitlichen Zwangspause an einer neuen Platte. Für Ende des Jahres sei eine Theateraufführung mit seiner Musik geplant, so das 94-jährige Mitglied des Buena Vista Social Club gegenüber dem Branchenmagazin Musikmarkt. Berichten über seine angeschlagene Gesundheit hielt der Sänger entgegen: "Wenn ich krank bin, dann gibt es keinen lebenden Kubaner ." Compay Segundo wolle 115 Jahre alt werden und noch ein sechstes Kind zeugen.
Juni 2001 Die Seite El-Cubano.de ist seit einem Jahr im Netz. Insgesamt wurde sie ca. 26.400 aufgerufen.
Mai/Juni 2001 Treffen der Teilnehmer beider Kuba-Foren
Fotos vom Treffen
01.06.2001 Kuba will Olympische Spiele 2012 ausrichten
Havanna (dpa) - Kuba will sich um die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2012 bewerben. Das Land sei in der Lage, ein solches sportliches Großereignis «ohne Luxus, aber mit Effizienz und Humanismus» auszurichten, teilte das Nationale Olympische Komitee mit. Lateinamerika und die Länder der so genannten Dritten Welt müssten eine stärkere Präsenz in der Internationalen Olympischen Bewegung erhalten. Kuba hatte sich bereits um die Spiele 2008 beworben, war aber nicht in die Endauswahl gelangt.
21.05.2001 Die Toten Hosen: Konzert in Kuba abgebrochen
Nur eine knappe Stunde dauerte der Auftritt der Toten Hosen in Havanna/Cuba am Sonntag abend. Die Gruppe war auf Einladung der Musikmesse Cubadisco in die Hauptstadt der Inselrepublik gekommen. Doch nach einer Stunde erzwang Frontmann Campino den Konzertabbruch, in dem er unbeabsichtigt eine große Lampe zerschlug.
Vor knapp 1.000 begeisterten Zuschauern steuerte das Konzert auf einen ersten Höhepunkt zu, als Campino einen Balkon neben der Bühne erkletterte. Im Eifer des Gefechts zerschlug er dort einen größeren Beleuchtungskörper, die Halterung knickte ein, und die Glaskugellampe zersplitterte in ihre Einzelteile. Obwohl viele Scherben auf die Zuschauer unter dem Balkon regneten, gab es zum Glück keine Verletzten. Trotzdem unterbrachen die Veranstalter auf Anordnung der Polizei das Konzert sofort, in dem sie den Strom abstellten und somit eine Fortsetzung des Auftritts unmöglich machten. Erst als sich die Toten Hosen im Anschluss an den Konzertabbruch unter die Fans mischten, konnte die Situation schnell beruhigt werden.
Campino zum Abbruch: 'Nach den letzten Tagen, in denen wir viel von dieser Stadt mitbekommen haben und tolle Leute getroffen haben, natürlich eine Riesenenttäuschung. Aber man darf zwei Dinge nicht vergessen: erstens sind Rockbands aus dem Ausland, komplett neu für dieses Land, das hat ein paar Figuren ziemlich nervös gemacht. Und das die Polizei und Veranstalter uns den Strom abdrehen, ist auch in Deutschland nicht so lange her.'
17.-18.05.2001 Portugal-Besuch von Fidel Castro
Der kubanische Staatschef Fidel Castro besucht überraschend Portugal. Castro wird am Abend auf der Rückreise von Libyen nach Kuba einen zunächst nicht geplanten Zwischenstopp in Portugal einlegen. Der kubanische Staatschef hatte in den vergangenen Tagen mehrere arabische Staaten besucht. In Lissabon wurde der überraschende Besuch auch als ein Affront Kubas gegen die frühere Kolonialmacht Spanien gewertet. Müde wirkt der kubanische Präsident Fidel Castro, als er am Freitag in Lissabon zu Journalisten spricht. Zuvor hatte das kubanische Staatsoberhaupt mit dem portugiesischem Präsidenten Jorge Sampaio im Präsidentenpalast in Lissabon gespeist.
07.05.2001 Castro besucht Iran
Teheran (dpa) - Kubas Staatschef Fidel Castro ist zu einem viertägigen offiziellen Besuch in Teheran eingetroffen. Mit seiner ersten Iran-Reise erwidert Castro einen Staatsbesuch des iranischen Präsidenten Mohammed Chatami vom vergangenen Oktober. Außer von Chatami wird Castro auch vom geistlichen Oberhaupt Irans, Ajatollah Ali Chamenei, zu einem Gespräch erwartet. Iran will Kuba kurzfristige Exportkredite über zehn Millionen Dollar zum Kauf iranischer Güter gewähren
Castro hat bei seinem Besuch in Iran die islamische Republik für ihren «Kampf gegen den Imperialismus» gelobt. Iran habe in diesem Kampf seit der islamischen Revolution vor 22 Jahren eine führende Rolle übernommen, sagte Castro am Dienstag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem iranischen Präsidenten Mohammad Chatami. Dieser erklärte, bei Castros Visite in Teheran handele es sich nicht um einen Routinebesuch, sondern um die Erfüllung lang gehegter Wünsche der iranischen Nation
06.05.2001 Castro beginnt Asien- und Nahostreise
Havanna (AP) Der kubanische Staatschef Fidel Castro ist zu einer Nahost- und Asienreise aufgebrochen. Als erste Station ist nach einem Bericht des staatlichen Fernsehens Algier geplant. Anschließend werde Castro befreundete Staaten besuchen, hieß es in dem Bericht weiter. Das iranische Außenministerium teilte mit, Castro werde am Montag in Teheran erwartet.
Der malaysische Präsident Mahathir Muhamad sagte am Freitag, Castro werde sein Land vom 11. bis 13. Mai besuchen. Der 74-Jährige wird auch Station in Katar machen. Die Reisen Castros waren in den vergangenen Jahren überwiegend auf den amerikanischen Kontinent begrenzt und beschränkten sich meist auf die Teilnahme an regionalen Gipfeltreffen. Die genauen Reisepläne des Staatschefs werden zunächst aus Sicherheitsgründen geheim gehalten.
17.04.2001 Castro: Kuba für alle Zeiten sozialistisch
Havanna (dpa) - Kuba wird nach Ansicht von Staats- und Parteichef Fidel Castro für immer sozialistisch bleiben.
"Heute sind wir hier zusammengekommen, um den Sozialismus zu bekräftigen, mit den selben Worten wie vor 40 Jahren", sagte Castro am Montagabend (Ortszeit) in Havanna bei einer Massenkundgebung zum 40. Jahrestag der Ausrufung des Sozialismus auf der Karibikinsel.
Gekleidet in seinen typischen Kampfanzug und zusätzlich mit einem Sturmgewehr auf dem Rücken griff Castro US-Präsident George W. Bush heftig an. "Es ist offensichtlich, dass wir uns einer kriegerischen Administration ohne jede Ethik gegenüber sehen", sagte Castro. Die kubanische Revolution habe bereits neun US-Präsidenten überstanden, die mit Ausnahme von Jimmy Carter Kuba aggressiv bekämpft hätten.
Castro, der nach dem Sturz des Diktators Fulgencio Batista am 1. Januar 1959 die Macht übernommen hatte, hatte am 16. April 1961 den sozialistischen Charakter seiner Revolution verkündet. Anlass der damaligen Kundgebung war die Beerdigung von sieben Soldaten, die bei Luftangriffen auf kubanische Flughäfen ums Leben gekommen waren. Einen Tag später starteten 1500 vom US-Geheimdienst CIA gesteuerte Exilkubaner in der Schweinebucht eine Invasion. Sie wurde von Castros Truppen zurückgeschlagen.
Castro warnte Bush in seiner Rede vor einem Angriff auf Kuba. "Wer uns angreift, hat keine andere Alternative als den Tod auf dem Schlachtfeld", sagte der 74-jährige Revolutionsführer. Seit Bushs Amtsantritt im Januar hat die kubanische Führung ihre Anti-USA- Rhetorik verschärft. Am Sonntag hatte Verteidigungsminister Raul Castro, Fidels Bruder und Stellvertreter in allen Ämtern, gesagt, dass er einen Angriff der USA nach wie vor für möglich halte. Ein solcher wäre aber zum Scheitern verurteilt. Raul Castro verriet, dass Kuba über ein weitläufiges Tunnelsystem verfüge, in dem sich ganze Divisionen verstecken ließen.
14.-16.04.2001 Chinesischer Präsident Jiang in Kuba
Der chinesische Staatspräsident Jiang Zemin ist im Rahmen seiner Lateinamerikareise in Kuba eingetroffen. Auf dem Flughafen in der Hauptstadt Havanna wurde er vom kubanischen Staats- und Parteichef Fidel Castro begrüßt. Anschließend fuhren sie in einer Mercedes-Limousine zu einer offiziellen Begrüßungsfeier. Kuba ist Chinas einziger kommunistischer Verbündeter in der westlichen Hemisphäre.
Kuba und China haben eine engere wirtschaftliche Kooperation beschlossen, die Kuba finanzielle Unterstützung in Millionenhöhe zusichert. China wolle das kubanische Volk seinen Bemühungen um die Sicherung seiner Souveränität und Unabhängigkeit helfen, erklärte der chinesische Präsident Jiang Zemin bei einem Besuch in Havanna.
Jiang stand neben dem kubanischen Staats- und Regierungschef Fidel Castro als Delegierte beider Länder die Handelsabkommen unterzeichneten. Nach Angaben aus der chinesischen Delegation wird Kuba Kredite in Höhe von insgesamt 374 Millionen Dollar (rund 820 Millionen Mark) erhalten. Davon soll ein Großteil dem sozialistischen Inselstaat zur Modernisierung seines Telefonsystems dienen. 150 Millionen Dollar aus China sollen die Kubaner zum Kauf von Fernsehgeräten verwenden. Weitere 24 Millionen Dollar sind für den Bau eines Nobel-Hotels vorgesehen.
Ohne die seit Jahrzehnten bestehenden Handelssanktionen gegen Kuba direkt zu erwähnen, verurteile Jiang ausländische Einmischungen und Sanktionen gegen Kuba. Seit 40 Jahren gilt das von den USA gegen Kuba verhängte Wirtschaftsembargo, unter dem die Wirtschaft Kubas leidet.
Zum diplomatischen Streit mit den USA um das in China notgelandete amerikanische Aufklärungsflugzeug äußerte sich Jiang nicht. Kubas Außenminister Felipe Perez Roque sagte, die kubanische Regierung stehe an der Seite Chinas bei diesem "von den USA in unmittelbarer Nähe zu China provozierten Vorfall".
Nach Einschätzung politischer Beobachter hatte die Lateinamerika-Reise Jiangs unter anderem den Zweck, dort um Unterstützung gegen die zu erwartende Kritik der UNO-Menschenrechtskommission an der Menschenrechtssituation in der Volksrepublik China zu werben.
10.04.2001 Die populärste kubanische Band der Welt musste am Sonntag einen schweren Schlag hinnehmen. Der langjährige Violinist Pedro Depestre brach während des Auftritts in Basel tot zusammen. Alle Reanimationsversuche waren erfolglos. Ob die geplante Europa-Tour nun noch weitergeführt wird, ist bislang noch nicht bekannt. Die ersten Gigs, darunter der für Montag in Köln angesetzte Termin, fielen bereits aus.
30.03.2001 Kuba will wieder Dampfloks einführen
Havanna (dpa) - Im sozialistischen Kuba soll die gute alte Dampflok zu neuen Ehren kommen. Wie Techniker des Instituts für Transportforschung mitteilten, würden die Lokomotiven im Personentransport sowie in der Zuckerindustrie eingesetzt. Kuba könne die Dampfrösser auch selber herstellen. Dies sei viel billiger als im Ausland Diesellokomotiven zu kaufen.
22.03.2001 40 Jahre nach Invasionsversuch Versöhnungskonferenz in Kuba bessere Verständigung mit Exilkubanern angestrebt
Havanna (AP) 40 Jahre nach dem vom US-Geheimdienst organisierten Landungsversuch von Exilkubanern in der Schweinebucht in Kuba sind Vertreter der einstigen Gegner im Kalten Krieg zu einer Versöhnungskonferenz in Havanna zusammengekommen. Auch der kubanische Präsident Fidel Castro kam am Donnerstag zu den Gesprächen mit US-Gesandten, Exilkubanern, die an der gescheiterten Invasion beteiligt waren, und früheren Geheimdienstlern des CIA.
«Diese Konferenz ist ein Sieg, ein Sieg über eine bittere Geschichte», sagte Thomas Blanton vom Sicherheitsarchiv der USA. Hinter geschlossenen Türen ging es am Donnerstag um die Rolle der USA, der damaligen Sowjetunion und Kubas bei dem Landungsversuch im April 1961.
Die Konferenz soll das Verständnis für die Zusammenhänge fördern und zur Verständigung zwischen Kubanern und den Exilkubanern in den USA beitragen. Er hoffe, dass das Treffen auch helfe, die Beziehungen der beiden Länder zu normalisieren, erklärte der frühere Berater des damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy, Arthur Schlesinger.
Rund 1.500 Exilkubaner, die vom CIA ausgebildet worden waren, versuchten am 17. April 1961, Castro zu stürzen, der 28 Monate zuvor die Macht übernommen hatte. Der Landungsversuch scheiterte nach rund zwei Tagen. In dem Maße, wie die Kontakte zwischen den USA und Kuba in dieser Zeit abbrachen, rückte Kuba immer näher an die Sowjetunion heran. Die USA fürchteten daher den zunehmenden sowjetischen Einfluss direkt vor ihrer Küste, was im Jahr 1962 zur Kuba-Krise führte.
15.03.2001 Fidel Castro für Friedensnobelpreis nominiert
Oslo (AP) Der kubanische Staatschef Fidel Castro ist für den diesjährigen Nobelpreis nominiert worden. Das teilte am Donnerstag der linksgerichtete norwegische Parlamentsabgeordnete Hallgeir Langeland mit, der den Vorschlag eingereicht hat. Als Grund für die Nominierung erklärte Langeland, dass sich Castro trotz aller Härten durch die US-Sanktionen gegen Kuba stets für die Entwicklungsländer engagiert habe. Der Vorschlag sei der Preiskommission fristgerecht vor dem 1. Februar zugeleitet worden.
Langeland hat als Abgeordneter das Recht, Kandidaten zu nominieren. Nach Angaben des Preiskomitees gingen bis 1. Februar 132 Nominierungen ein. Namen wurden wie üblich nicht genannt. Der diesjährige Friedensnobelpreisträger wird am 12. Oktober bekannt gegeben. Die Nobelpreise werden traditionell am 10. Dezember verliehen, dem Todestag von Alfred Nobel, der die Preise stiftete.
14.03.2001 Fünf Tote bei Zugunglück in Kuba
Havanna (dpa) - Bei einem Zugunglück in Kuba sind am Mittwoch fünf Menschen getötet und elf verletzt worden. Wie Radio Rebelde meldete, waren zwei Züge an einem Schienkreuz in der Provinz Ciego de Avila rund 400 Kilometer östlich von Havanna zusammengestoßen. Die Ursache war zunächst noch unklar.©dpa
10.03.2001 Unstimmigkeiten zwischen Tschechien und USA über Kuba-Resolution
Prag (dpa) - Zwischen den Außenministerien Tschechiens und der USA gibt es Unstimmigkeiten über eine UN-Resolution, über die noch im März beraten werden und die Menschenrechtssituation auf Kuba kritisieren soll. US-Außenminister Colin Powell habe sich in einem Telefonat mit Präsident Vaclav Havel unzufrieden darüber gezeigt, dass Prag sich in der Resolution auch gegen eine Fortsetzung der Wirtschaftssanktionen gegen Kuba aussprechen wolle, sagte Havels Sprecher Ladislav Spacek am Samstagabend der Prager Nachrichtenagentur CTK.
In diesem Zusammenhang habe Powell ausdrücklich den tschechischen Außenminister Jan Kavan kritisiert, der sich "beunruhigend" verhalte, sagte Spacek. Präsident Havel habe Verständnis für Powells Ansicht gezeigt und versichert, dass die Resolution für Tschechien von großer Bedeutung sei. Presseberichten in Prag zufolge könnte der Einsatz von Kavan für Kuba mit zwei Tschechen zusammenhängen, die Havanna Anfang Februar trotz Spionageverdachts ohne Prozess freigelassen hatte. ©dpa
24.02.2001 Castro: Die kubanische Revolution wird mich überdauern
Havanna (dpa) - Kubas Revolutionsführer Fidel Castro (74) hat versichert, dass sich auch nach seinem Tode in Kuba nichts ändern werde. "Diejenigen, die glauben, dass mit dem Tod eines Führers eine Revolution verschwindet, sind unfähig, das zu verstehen, was ich seit Jahren sage: die Männer sterben, die Partei ist unsterblich", sagte Castro bei einer Rede am Freitagabend (Ortszeit) in Havanna.
Castro, der Kuba seit dem Sieg der Revolution am 1. Januar 1959 regiert und am 13. August 75 Jahre alt wird, hat in jüngster Zeit mehrfach in der Öffentlichkeit laut über seinen Tod hinausgedacht. Eine "Post-Castro-Ära", wie sie sich seine eingefleischten Gegner im Exil in den USA ausmalen, soll es nach seinem Willen nicht geben.
In seiner Rede, von der der kubanische Rundfunk am Samstag Auszüge wiedergab, rief Castro außerdem die Staaten Lateinamerikas dazu auf, gegen eine Verurteilung Kubas in der UN-Menschenrechtskommission in Genf zu stimmen. Dort wird das Thema Kuba voraussichtlich im April wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden. ©dpa
24.02.2001 Compay Segundo versteigert seinen Hut für 17 500 Dollar
Havanna (dpa) - Der kubanische Musiker Compay Segundo (93), der mit dem Wim Wenders-Film und der CD "Buena Vista Social Club" auf seine alten Tage zum Weltstar wurde, ist um ein Markenzeichen ärmer: Sein Hut wechselte bei einer Versteigerung im Cabaret Tropicana in Havanna am Freitagabend für 17 500 US-Dollar (rund 37 500 Mark) den Besitzer. Die Auktion, bei der zu Gunsten des kubanischen Gesundheitswesens auch wertvolle Zigarrenetuis und anderes Tabak-Zubehör unter den Hammer kamen, bildete den Abschluss des diesjährigen Internationalen Festivals der Havanna-Zigarre in der kubanischen Hauptstadt.
Compay Segundo alias Francisco Repilado, der auch im hohen Alter Tabak und Rum nicht abgeneigt ist, erhielt bei der Abchlussgala auch eine Auszeichnung als "Havanna-Mann" und gab sein berühmtes Lied "Chan Chan" zum Besten. Auch Kubas Staats- und Parteichef Fidel Castro (74), der sich das Rauchen allerdings schon 1985 abgewöhnt hatte, durfte bei der Party nicht fehlen. Wie kubanische Medien am Samstag meldeten, hob er hervor, dass für den Gegenwert des Hutes 50 000 Impfrationen für kubanische Kinder bezahlt werden könnten. ©dpa
13.02.2001 DDR-Strand in der Karibik: Verfrühte Freude über Neu-Deutschland
Berlin (dpa) - Es hörte sich so verheißungsvoll an. "17. deutsches Bundesland vor Kuba! Fidel schenkte uns eine Sonneninsel". Das jedenfalls meldete das deutsche Online-Nachrichtenmagazins "Thema 1". Man ahnte bereits den Ansturm der Sonnen-Hungrigen: Statt Mallorca würde künftig der eigene deutsche Strand in der Karibik angesteuert.
Doch leider: Die Botschaft stimmte nicht. Die Sonneninsel "Isla Ernesto Thälmann" ist kein vergessenes Geschenk Castros an die damalige DDR. Sie sei 1972 nur nach dem deutschen Kommunistenführer Ernst Thälmann benannt worden, sagte eine Sprecherin des deutschen Außenministeriums am Dienstag.
Doch "Thema 1"-Chefredakteur Marcel Henninger bezweifelt das. Ein Korrespondent in Los Angeles habe von Bekannten aus Ostdeutschland Pressematerial von 1972 geschickt bekommen. Der Kontakt sei aber abgebrochen. In den Berichten von damals heiße es, die Insel sei übergeben worden. Das könne nicht nur ein Name gewesen sein. Da Berlin von einer "symbolischen Schenkung" spreche, warte man auf das Dokument. Möglicherweise sei es aber später vernichtet worden.
In der kubanischen Botschaft in Berlin gab man sich eher gelangweilt. Das Thema werde immer mal wieder hochgespielt und immer wieder dementiert, hieß es. Die schöne Insel sei der DDR nicht geschenkt worden, deshalb nie im Besitz der DDR gewesen und somit keineswegs Eigentum des wiedervereinigten Deutschland.
Dem deutschen Außenministerium liegt eine Ausgabe der offiziellen DDR-Zeitung "Neues Deutschland" von 1972 vor, in der der kubanische Präsidenten-Erlass Nr. 3676 abgedruckt ist. Darin heißt es, Ziel der kubanischen Revolution seien die solidarischen Bande mit allen Völkern der Welt und brüderliche Beziehungen mit den Ländern des sozialistischen Lagers.
Die Kubaner verehrten Ernst Thälmann, diesen antifaschistischen Kämpfer und beispielhaften Sohn des deutschen Volkes. Die Revolutionäre Regierung wünsche, ihm - der so viel für die Sache des Weltproletariats gekämpft habe - eine bleibende Ehrung zuteil werden zu lassen.
Und so wurde angeordnet: "Erstens: Der Insel, die südlich der Provinz Matanzas mit ihrem Mittelpunkt bei 22ø03'9 nördlicher Breite und bei 81ø26' westlicher Länge liegt und sich von ihrer Nordwestspitze bei 22ø04'7 nördlicher Breite und 81ø25'2 westlicher Länge bis zur Enge bei 22ø03'2 nördlicher Breite und 81ø25'2 westlicher Länge erstreckt, den Namen Ernst Thälmann zu verleihen.
Zweitens: Dem Strand im Süden der Insel Ernst Thälmann, der sich von seiner Südwestspitze bei 22ø04'2 nördlicher Breite und 81ø27' westlicher Länge bis zu seiner Südostspitze bei 22ø03'2 nördlicher Breite und 81ø25'7 westlicher Länge erstreckt, den Namen "Strand Deutsche Demokratische Republik" zu verleihen. Geschehen im Palast der Revolution Havanna am 5. Juni 1972 . ©dpa
05.02.2001 Argentinische Regierung verstimmt über Äußerungen Castros
Buenos Aires (dpa) - Die argentinische Regierung ist verstimmt über verbale Ausfälle des kubanischen Präsidenten Fidel Castro gegen das südamerikanische Land in einer Rede am Samstag. Nach Aussage zahlreicher Zeugen hatte Castro gesagt, die Regierenden in Buenos Aires seien "Stiefellecker der Yankees (US-Amerikaner)", wenn sie in diesem Jahr in der UN-Menschenrechtskommission in Genf Kuba erneut verurteilten.
Wie die argentinische Nachrichtenagentur DyN meldete, wollte Staatspräsident Fernando de la Rua noch am Montag mit seinem aus Havanna herbeigerufenen Botschafter Oscar Torres Avalos zusammentreffen, um über den Affront zu beraten. Torres Avalos selbst sagte, er habe die Äußerungen nicht gehört und warte auf die Transkription der - sechsstündigen - Castro-Rede.
Die Beziehungen Argentiniens zum kommunistischen Kuba sind seit Jahren nicht die besten. Der frühere argentinische Präsident Carlos Menem (1989-1999) hatte Castro häufig wegen des Fehlens bürgerlicher Freiheiten in Kuba öffentlich kritisiert. Der argentinische Kabinettschef Chrystian Colombo sagte aber, es stehe noch gar nicht fest, wie Argentinien in diesem Jahr in der Genfer Kommission stimmen werde. ©dpa
24.01.2001 Powell lässt alle US-Sanktionen überprüfen
Washington (dpa) - Der neue US-Außenminister Colin Powell hat eine umfassende Überprüfung aller von den USA verhängten wirtschaftlichen und politischen Sanktionen angeordnet. Das gab Außenamtssprecher Richard Boucher am Mittwoch bekannt. Damit wolle Powell erreichen, dass das Druckmittel der Sanktionen begrenzt werde.
Powell hatte bei seiner Anhörung durch den Senat bereits kritisiert, dass die USA zu oft Sanktionen gegen andere Staaten einsetzten. Er bezeichnete dies als ein "arrogantes" Verhalten, das den USA möglicherweise eher schade als nutze. In vielen Fällen ist eine Aufhebung der Sanktionen aber nur mit Zustimmung des Kongresses möglich.
Zu den Strafmaßnahmen gehören die jahrzehntelangen Sanktionen gegen Kuba, die bisher nicht zu einer Schwächung Fidel Castros führten. Im Falle des Iraks hat sich Powell allerdings bereits für härtere Sanktionen ausgesprochen..©dpa
24.01.2001 Castro hofft "trotz" Bush auf bessere Beziehungen zu USA
Havanna (dpa) - Kubas Präsident Fidel Castro hat die Hoffnung auf bessere Beziehungen zu den USA unter dem neuen Präsidenten George W. Bush noch nicht ganz aufgegeben. "Hoffentlich ist er nicht so grob wie er scheint und nicht so mafios wie er tut", sagte Castro am Mittwoch in einer Rede in Havanna.
Castro hatte in den vergangenen Jahren eine gewisse Sympathie für Bushs Vorgänger Bill Clinton erkennen lassen. Bush selbst wurde in den staatlichen kubanischen Medien als der Interessenvertreter der Exilkubaner in den USA dargestellt. Bush ist der zehnte Amtsinhaber in Washington, mit dem sich Castro seit seiner Machtübernahme 1959 konfrontiert sieht..©dpa
20.01.2001 Berlin verlangt Freilassung von tschechischen Politikern auf Kuba
Berlin (dpa) - Die Bundesregierung hat Kuba aufgefordert, zwei auf der Insel inhaftierte tschechische Politiker frei zu lassen. Der kubanische Botschafter in Berlin, Marcelino Medina, wurde deswegen am Samstag auf Weisung von Ressortchef Joschka Fischer (Grüne) ins Auswärtige Amt einbestellt. In einer Note der kubanischen Regierung, die am Sonntag von der Botschaft in Berlin dem deutschen Außenministerium übergeben wurde, verteidigte Kuba die Inhaftierung der beiden Politiker und berief sich auf seine Souveränität.
Dem kubanischen Botschafter Medina wurde die Aufforderung des Außenministeriums vom Leiter der politischen Abteilung, Thomas Matussek, übermittelt. Der deutsche Botschafter wollte ebenfalls deswegen beim Außenministerium in Havanna vorstellig werden.
Die Bundesregierung geht nach Angaben des Außenministeriums davon aus, dass der frühere tschechische Finanzminister Ivan Pilip und das frühere Parlamentsmitglied Jan Bubenik wegen ihrer Kontakte zu kubanischen Dissidenten am 12. Januar festgenommen worden sind. Berlin sieht in den Umständen der Inhaftierung einen Verstoß gegen das Völkerrecht. Fischer hatte bereits am Freitag das Vorgehen Kubas als unakzeptabel bezeichnet.
In der Note der kubanischen Regierung heißt es, Kuba sei der Meinung, Fischer verkenne die Umstände der Festnahmen. "Die in Frage gekommenen tschechischen Staatsbürger haben auf Grund ihrer Handlungen Taten begangen, die die Unabhängigkeit des kubanischen Staates schmälern und gegen die Gesellschaftsordnung verstoßen, also im Lichte der geltenden Gesetzgebung der Republik Kuba strafbare Handlungen begangen." Sie hätten ihre Eigenschaft als Touristen verletzt, um sich der "schamlosen umstürzlerischen Aktivität im Sinne der Interessen einer ausländischen Macht hinzugeben".
Mit der "Machtübernahme" des Staatspräsidenten Vaclav Havel in der Tschechischen Republik sei das Land zu einem "gehorsamen Instrument des nordamerikanischen Imperialismus" geworden. Zudem seien die Inhaftierten, die "bei der Förderung des inneren Umsturzes im Land ertappt wurden", nicht isoliert. Sie hätten konsularische Kontakte und es sei für Familienangehörige ein Einreisevisum erteilt worden. Ebenso sei das Ersuchen des tschechischen Parlaments nach Entsendung einer Delegation nach Kuba bewilligt worden. Es werde nur darauf gewartet, dass ein Zeitpunkt festgelegt werde.
Es ist ungewöhnlich, dass die Bundesregierung wegen der Inhaftierung von Bürgern eines Drittlandes bei einer ausländischen Regierung protestiert. Mit diesem Schritt solle die Solidarität mit einem EU-Beitrittskandidaten zum Ausdruck gebracht werden, hieß es in Regierungskreisen.ierung protestiert. Mit diesem Schritt solle die Solidarität mit einem EU-Beitrittskandidaten zum Ausdruck gebracht werden, hieß es in Regierungskreisen.©dpa
18.01.2001 Castro kündigt neue Massenproteste gegen die USA an
Havanna (dpa) - Kubas Präsident Fidel Castro will die staatlich organisierten Massenkundgebungen gegen die USA noch verstärken. Damit will der 74-jährige Revolutionsführer erreichen, dass der nördliche Nachbar keine kubanischen Bootsflüchtlinge mehr ins Land lässt. In einer Rede am Mittwochabend (Ortszeit) kündigte Castro für Freitag Protestmärsche in Havanna an