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24.11.2001
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Solidarität mit Kuba?

Interview mit Gabi Zimmer
Die Parteivorsitzende der PDS kehrte am Donnerstag von einer einwöchigen Delegationsreise aus Kuba zurück.
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ND-Foto: Burkhard Lange
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ND: Kuba hat mit »Michelle« einen der schlimmsten Hurrikans seiner Geschichte durchlitten. Wie ist Ihr Eindruck? Es handelt sich unbestritten um einen der schlimmsten Hurrikans seit ungefähr 60 Jahren. Die Schäden, die verursacht wurden, betreffen vor allem die Landwirtschaft. Es ist noch nicht einzuschätzen, inwieweit überhaupt noch Teile der Zuckerrohrernte eingebracht werden können. Auch die Zitrusfruchternte wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Hinzu kommen immense Schäden an Wohnhäusern.
ND: Fatal für Kubas Wirtschaft, die sich nach dem Tiefpunkt 1993 wieder nach und nach erholte? Die wirtschaftlichen Folgen des Hurrikans lassen sich nach Aussagen des Ministers für Wirtschaft und Planung, José Luis Rodríguez García, noch nicht absehen und für die nächsten Jahre einschätzen. Es ist auf jeden Fall ein gewaltiger Rückschlag für die Kubaner, die sich de facto in einer Art Ausnahmezustand in Friedenszeiten befinden, seitdem 1989/90 die Wirtschaftsbeziehungen mit den damaligen sozialistischen Ländern, vor allem mit der Sowjetunion, praktisch innerhalb von ein, zwei Jahren auf den Nullpunkt zurückgefahren worden sind. Hervorzuheben ist, dass bei einem Hurrikan einer solchen Dimension nur fünf Tote zu beklagen sind. Das hängt damit zusammen, dass die kubanische Regierung, das kubanische Volk sich voll und ganz darauf konzentriert haben, Menschenleben zu retten. Fast 700000 Menschen sind im Vorfeld evakuiert worden, und das ganze kubanische Volk ist zusammengerückt. Wir konnten eine ungeheure Solidarität untereinander feststellen. Die Leute helfen sich gegenseitig, um ihre Wohnungen wieder bewohnbar zu machen. Menschen, die ihr Dach verloren haben, werden über mehrere Wochen, Monate durch den Staat zusätzlich kostenlos mit Lebensmitteln versorgt.
ND: Sie waren auf der Kontinentalen Konferenz des Widerstands gegen die geplante amerikanische Freihandelszone ALCA, an der Kuba auf Druck der USA ohnehin nicht teilnehmen darf. Wurde Kuba auf dem Treffen als Gegenmodell von allen Lateinamerikanern anerkannt – oder eher als Symbol für den Widerstand gegen die USA-Hegemonie? Ich hatte gar nicht den Eindruck, dass die kubanischen Vertreter versucht hätten, das kubanische als das Modell überhaupt zu preisen. Von den lateinamerikanischen Vertretern, von sozialen Bewegungen, die aus den unterschiedlichsten Strömungen stammten, wurde sehr hoch geschätzt, was Kuba geleistet hat, auch gerade jetzt in der Sonderperiode in Friedenszeiten, und welchen Widerstand es gegenüber der Handelsblockade der USA zeigt. Und vor allem, dass Kuba nicht aufhört, konkrete Solidarität mit den lateinamerikanischen Ländern zu üben. Wir waren beispielsweise an einer medizinischen Schule, die für mehr als 3000 junge Leute aus lateinamerikanischen Ländern die Ausbildung zu Medizinern übernimmt, und zwar kostenlos. Hier kann sich nicht nur Deutschland von der Solidarität Kubas eine Scheibe abschneiden.
ND: Also das kubanische Modell hat auf alle Fälle noch Zukunft? Es sollte zumindest unsere Solidarität verdienen. Man muss ja nicht alle politischen Positionen dort teilen, aber kritische Solidarität schließt eben ein, dass man einem Volk auch die Wahl des Weges überlässt und es vor allem solidarisch begleitet.
Fragen: Martin Ling
(ND 24.11.01)
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