Diario / News
aus Kuba (2002)
22.12.2002
Kubas Volkskongress berät Wirtschaftsplan ohne Castro
In Abwesenheit von Staatschef Fidel Castro ist der kubanische Volkskongress zu seiner zweiten ordentlichen Sitzung dieses Jahres zusammengekommen. Die Abgeordneten sollten dabei den Wirtschaftsplan und den Haushalt für das kommende Jahr verabschieden.
Parlamentspräsident Ricardo Alarcón verlas eine Mitteilung Castros, dass er wegen einer "leichten Verletzung" am linken Bein für drei bis vier Tage krank geschrieben sei. Es war das erste Mal in 25 Jahren, dass Castro bei einer Parlamentssitzung fehlte. Der Gesundheitszustand des 76-Jährigen ist seit Jahren Gegenstand von Spekulationen.
Wirtschaftsminister José Luis Rodríguez gab vor den 527 anwesenden Abgeordneten bekannt, dass die kubanische Volkswirtschaft in diesem Jahr nur um 1,1 Prozent gewachsen sei. Erwartet worden waren 3,0 Prozent.
Kuba habe 2002 wegen der weltweiten Rezession unter rückläufigen Touristenzahlen und schlechten Preisen für die Hauptexportprodukte Zucker und Nickel gelitten, sagte Rodríguez. Ausserdem sei die Insel von zwei Wirbelstürmen getroffen worden.
27.11.2002
Aufruf zum Widerstand
Internationaler Kongress in Havanna uebt scharfe Kritik an
US-Freihandelsprojekt ALCA
Noch unter dem Eindruck des Wahlsieges des linken Praesidentschaftskandidaten Lucio Gutierrez in Ecuador begann am Montag in Havanna das "2. Hemisphaerische Treffen gegen ALCA". Bis zum Donnerstag werden die ueber 1000 Gaeste aus knapp 50 Staaten die Bedeutung des US-dominierten Freihandelsabkommen diskutieren und ihre Proteste koordinieren. Der Widerstand gegen das Projekt ist in Lateinamerika in den vergangenen Jahren zu einer ernstzunehmenden Bewegung gewachsen, die eng mit den internationalen Sozialforen zusammenarbeitet.
Seit sich 34 Staats- und Regierungschefs auf dem ersten von Washington einberufenen "Amerikagipfel" 1994 in Miami – unter Ausschluss von Kuba – zur Gruendung der Freihandelszone verpflichteten, war das Megaprojekt mit der Gegenwehr von sozialen Organisationen konfrontiert. Wuerde das ALCA wie geplant am 1. Januar 2005 umgesetzt, entstuende damit die weltweit groesste Freihandelszone. 800 Millionen Menschen wuerden erfasst, die Mitgliedsstaaten haetten ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von insgesamt 13 Billionen US-Dollar. "Koennten wir das BIP um nur einen Prozent erhoehen", schwaermte das US-Aussenministerium in einer Stellungnahme Anfang des Monats, "wuerde das 130 Milliarden US-Dollar Mehreinnahmen bedeuten".
Niemand geht im internationalen Kongresszentrum Havannas dieser Tage davon aus, dass dieses Geld sozialen Programmen zugute kommen wuerde. Ein mexikanischer Redner verwies auf die Auswirkungen der bereits bestehenden Freihandelszone NAFTA zwischen Kanada, den USA und Mexiko. Zwar sei das Ziel erreicht worden, die Exportquote zu erhoehen, so der Delegierte des "Mexikanischen Netzwerkes gegen den Freihandel", von einem sozialem Nutzen koenne man allerdings nicht sprechen. In dem Exportgeschaeft Mexikos seien 10000 Unternehmen aktiv, 30 Prozent von ihnen wickelten 80 Prozent der Exporte ab. "Der Trend zur Monopolisierung ist soweit fortgeschritten, dass nur vier Unternehmen ein Viertel derGeschaefte kontrollieren", so der Mexikaner. Auch die in Statistiken immer wieder zitierte Investitionstaetigkeit auslaendischer Unternehmen in Mexiko sei ein Trugbild, "denn hauptsaechlich wird dabei ehemals staatliche Industrie aufgekauft".
Hohe Erwartungen haben die Teilnehmer des Treffens in Havanna in die neue brasilianische Regierung unter dem Sozialisten Ignacio Lula da Silva. In dem groessten lateinamerikanischen Land fuehrten soziale Organisationen eine gemeinsame "Volksabstimmung" zu ALCA durch. In 400 Gemeindeverbaenden wurden dabei zehn Millionen Menschen befragt, ueber 90 Prozent von ihnen sprachen sich gegen die Freihandelszone aus.
Oswaldo Martínez, Organisator des Treffens in der kubanischen Hauptstadt, wies auf die draengende Zeit hin. "Im Januar treten die Verhandlungen in die entscheidende Phase", so der Wirtschaftswissenschaftler und Direktor des "Zentrums fuer globale Wirtschaftsstudien". Zugleich spitze sich die soziale Krise in Lateinamerika rapide zu, und die US-Regierung greife zu immer aggressiveren Methoden, um ihre Interessen durchzusetzen. "Wenn von Ueberschuldung in Amerika die Rede ist, denkt man automatisch an Lateinamerika", erklaerte Martínez. Tatsaechlich aber sei das enorme Haushaltsdefizit in den USA von derzeit 30 Milliarden Dollar ein Hauptmotiv fuer den Freihandel. "Ihnen ist klar, dass die Wirtschaft immer neue Ressourcen benoetigt", so Martínez gegenueber jW, "zumal die Kriegsplaene ein immer groesseres Budget verlangen". Um so wichtiger sei es, dagegen Widerstand zu organisieren, "nicht nur aus Eigeninteresse, sondern gerade auch mit Blick auf die globale Situation".
08.11.2002
Cuba condena expulsión diplomáticos y acusa a EEUU de espionaje
Cuba respondió a la expulsión de cuatro de sus diplomáticos en Estados Unidos acusando a Washington de realizar labores de espionaje en la isla y de tratar de frenar el avance en ese país de fuerzas que se oponen al embargo económico norteamericano en su contra.
"(Esto es) una franca violación de todos los preceptos establecidos en la Convención de Viena sobre Relaciones Diplomáticas de 1961", dijo la cancillería cubana en un comunicado publicado el viernes en la prensa estatal.
"El gobierno de Estados Unidos sabe que podemos presentar amplias evidencias de sus actividades de espionaje y subversión constante en Cuba", agregó.
Estados Unidos informó el miércoles que expulsó a cuatro diplomáticos cubanos, incluyendo dos funcionarios de la Sección de Intereses de Cuba en Washington, identificados como los primeros secretarios Oscar Redondo Toledo y Gustavo Machín Gómez.
Los otros dos son representantes de la misión cubana ante las Naciones Unidas, Francisco González García y Carlos Augusto Suanes.
La Casa Blanca los declaró "personas no gratas" argumentando la supuesta actividad de inteligencia de Cuba en Estados Unidos.
Según La Habana, los funcionarios estadounidenses que entregaron la nota de expulsión a sus diplomáticos el viernes de la semana pasada reconocieron que no tenían evidencia alguna de actividades de inteligencia de los representantes cubanos.
"(Ellos) realizaban allí un trabajo absolutamente legal, de naturaleza política y diplomática y totalmente respetuoso de las leyes norteamericanas", señaló el comunicado de La Habana.
A los diplomáticos cubanos se les otorgó 10 días para abandonar Estados Unidos. La Habana acusó a Otto Reich, subsecretario de estado norteamericano para asuntos interamericanos y a los grupos anticastristas en ese país de "generar una nueva escalada de irracional hostilidad contra Cuba". "(Esto) empeorará el ya complejo estado de las relaciones entre ambos países y sobre todo, con la obsesión de frenar el indetenible avance de fuerzas que en los Estados Unidos se oponen a la política de agresiones y ataques contra Cuba", señaló el comunicado. La cancillería cubana aseguró tener pruebas suficientes y documentadas acerca de las actividades "injerencistas" de funcionarios estadounidenses en la isla. Según fuentes estadounidenses y de la disidencia cubana, el nuevo jefe de la misión de Washington en La Habana, James Cason, ha prestado su residencia a miembros de la disidencia para sostener reuniones.
Asimismo, su predecesora Vickie Huddleston regalaba radios de onda corta para que los cubanos escuchen Radio Martí, emisora financiada por Estados Unidos y que genera información anticastrista, de acuerdo con las mismas fuentes.
La expulsión de los diplomáticos cubanos ocurre días después de que fue sentenciada a 25 años de cárcel Ana Belén Montes, una ex agente de los servicios de inteligencia de Estados Unidos, bajo cargos de espiar para el gobierno del presidente de Cuba, Fidel Castro, durante 17 años.
Estados Unidos y Cuba no tienen relaciones diplomáticas, pero mantienen secciones de intereses en sus respectivas capitales.
13.09.2002
Andy Garcia führt bei Kuba-Drama Regie
Der Schauspieler Andy Garcia («Ocean's Eleven») will erstmals bei einem Spielfilm Regie führen. Der gebürtige Kubaner, der im Alter von fünf Jahren in die USA kam, plant einen Streifen über das Havanna der 50er Jahre. «The Lost City» soll von einem Nachtclubbesitzer handeln, der sich nach Fidel Castros Machtübernahme nach New York absetzt.
Garcia will selbst eine der Hauptrollen übernehmen. Auch Dustin Hoffman und andere bekannte Schauspieler wie Benicio Del Toro, Javier Bardem, Benjamin Bratt und Robert Duvall sollen vor der Kamera stehen. Die Dreharbeiten sollen dem Filmblatt «Variety» zufolge im April in Miami Beach beginnen. Das Drehbuch des voraussichtlich 20 Millionen Dollar teueren Films stammt aus der Feder der Exilkubaners Cabrera Infante.
12.09.2002
Kubaner und Amerikaner kümmern sich gemeinsam um Hemingway-Dokumente
Kubaner und Amerikaner wollen sich gemeinsam um die Erhaltung von Briefen, Manuskripten und Fotos des Schriftstellers Ernest Hemingway kümmern. Ein entsprechendes Abkommen unterzeichneten am Montag der kubanische Staatschef Fidel Castro und der amerikanische Abgeordnete James McGovern, der eine private Gruppe vertrat. Die Erinnerungsstücke an den Literaturnobelpreisträger waren im feuchten Keller einer Villa gelagert gewesen, in der Hemingway von 1939 bis 1960 in der Nähe von Havanna gelebt hatte.
Bei der Zeremonie waren auch Hemingways Enkel Sean, seine Nichte Hillary und seine Schwiegertochter Angela anwesend. Von den 2.000 Briefen, 3.000 Fotos und den Romanentwürfen sollen Microfilm-Kopien hergestellt werden, die der John.F-Kennedy-Bibliothek in Boston zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellt werden. Die Originale aber bleiben auf Kuba
24.07.2002
US-Parlament hebt wichtige Kuba-Sanktionen auf
Gegen den Widerstand der US-Regierung hat das Repräsentantenhaus wichtige Sanktionen gegen Kuba aufgehoben. Die Abgeordneten stimmten für ein Gesetzespaket, nach dem unter anderem die seit mehr als 40 Jahren geltenden Reisebeschränkungen für US-Bürger gestrichen werden sollen. Auch hob das Parlament Verbote für Geldüberweisungen sowie den Handel mit Nahrungsmitteln und Medikamenten auf. Das Unterhaus des US-Kongresses stellte sich damit gegen US-Präsident George W. Bush, der auf einer Beibehaltung des im Jahr 1962 verhängten US-Handelsembargos gegen den Karibikstaat beharrt.
Das US-Außenministerium hatte noch vergangene Woche eine Aufhebung von Sanktionen gegen Kuba von demokratischen Reformen in dem kommunistisch regierten Karibikstaat abhängig gemacht. Die Gesetze dürften jedoch trotz der ablehnenden Haltung der US-Regierung auch im Senat eine Mehrheit finden
14.07.2002
Fast die Hälfte der Zucker-Fabriken wird stillgelegt
Mit der Idee gehen Kubas Experten schon seit 40 Jahren schwanger: Sie wollen Hand an die Zuckerindustrie legen, um deren unkalkulierbare Dominanz zu beschneiden.
Damals, vor 40 Jahren, wurde das als grundsätzliches politisches Anliegen verstanden: Fort mit der Monokultur, die der Insel zwar gelegentliche Hoch-Zeiten beschert hatte, aber weitaus häufiger schwere Krisen, wenn zum Beispiel Unwetter die Plantagen verwüsteten oder ein Überangebot auf den Märkten die Preise bis unter die Selbstkosten fallen ließ. Aber zu einer radikalen Reform konnte man sich nicht durchringen. Columbus hatte 1493 die ersten Zucker-Pflanzen nach Kuba gebracht, ab Ausgang des 18. Jahrhunderts ergriffen sie allmählich vom ganzen Land Besitz. Ab den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts boten sich die sozialistischen Handelspartner an, die eine kontinuierliche Nachfrage und Festpreise garantierten. Damit konnte Kuba gut leben.
Das Verhältnis der Kubaner zum Zuckerrohr hat nostalgische Züge. Doch diese Zeiten sind vorbei. Fast zwei Jahre schon wird der Zucker mit 6US-Cents und weniger pro Pfund (460Gramm) gehandelt. Obgleich die gerade beendete Ernte 80000 Tonnen Zucker mehr ergab als die vom Vorjahr, kam für Kuba ein Minus von 120Millionen Dollar heraus. Diese negative Tendenz dauert bereits Jahrzehnte an. In den 60er Jahren konnte das Land für eine Tonne Zucker sechs Tonnen Erdöl kaufen, in den 80er Jahren war das Verhältnis 1zu 3. Heute ist die Tonne Erdöl teurer als eine Tonne Zucker.
Vor vier Jahren beschloss das kubanische Zuckerministerium (MINAZ), die Strategie aufzugeben, Zucker – koste es, was es wolle – zu erzeugen und sich stattdessen an strengen Rentabilitätsprinzipien zu orientieren. Für 40 bis 50 der insgesamt 156 Zuckerfabriken – viele sind an die 100 Jahre alt – bedeutete das zunächst die zeitweise Stilllegung. Die Arbeiter und Angestellten wurden bei vollen Bezügen anderweitig in nahe gelegenen Agrarkomplexen beschäftigt oder sie machten sich an die letztendlich notdürftige Reparatur der Anlagen. Auch fehlte es an Zuckerrohr – trotz einer Erhöhung der staatlichen Aufkaufpreise und anderen Vergünstigungen für die Farmer. Der bürokratische Apparat wurde halbiert.
Die endgültige Lösung sieht nun so aus: 71 Fabriken werden dichtgemacht, von den verbleibenden widmen sich 14 ausschließlich der Herstellung von Derivaten der Zuckererzeugung wie Alkohol für die pharmazeutische Industrie, Wachs, Lösungsmitteln, Rum, Dextran, Glukose, Aktivkohle, Futterhefe – insgesamt 39 Produkte, die einen sicheren Markt haben. Die Zuckerrohranbaufläche wird um 62 Prozent reduziert. Die freiwerdenden Äcker kommen der Viehwirtschaft und dem Anbau von Reis, Sonnenblumen, Gemüse, Knollenfrüchten sowie der Aufforstung zugute.
Der Umstieg ist vom Zentrum für Bodenforschung durchgerechnet und – wie in dem kleinen Bereich der Zuckerfabrik »Chile« – erprobt worden. Die Arbeit einer halben Million Kubaner ist direkt, die von zwei Millionen indirekt ans Zuckerrohr gebunden. Viele müssen sich nun umstellen. Peter Baron, Präsident der internationalen Zuckerorganisation mit Sitz in London, der in Havanna an einem Forum teilnahm, auf dem das MINAZ seine Reform vorlegte, ist sich »wie die kubanische Regierung« bewusst, dass »die Reform Schmerzen bereiten« werde. »Aber es ist der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt«, sagt Baron. Die Wirtschaft des Landes könne Zuckerfabriken, die ständig Verluste machten, nicht mehr weiter durchschleppen.
Kuba muss in die Modernisierung der verbleibenden 85 Fabriken jeweils zwischen 4 und 5 Millionen Dollar stecken. Zuckerminister Rosales Del Toro ist sicher, dass sich mit den ertüchtigten Fabriken und der »Rest«anbaufläche von 38Prozent jährlich 4 Millionen Tonnen Zucker rentabel produzieren lassen. Die 4 Millionen sind dabei kein Muss. »Wenn der Markt nicht mehr hergibt, dann lieber ein bisschen weniger«, meint der Minister. Unrentable Exporte würden gestrichen.
(Neues Deutschland)
27.06.2002
Sozialismus auf immer und ewig - Sozialismus zum unwiderruflichen Verfassungsgrundsatz erklärt
Havanna - Nach einer dreitägigen Sondersitzung sprachen sich die 559 Abgeordneten am Mittwochabend ohne Gegenstimme für die Verfassungsänderung aus. Kuba brauche den Sozialismus dringender denn je, sagte Fidel Castro vor der Abstimmung: "Um die Zukunft zu sichern, brauchen wir eine starke ideologische Grundlage."
Ursprünglich wollte das Parlament den Sozialismus für "unantastbar" erklären, die Formulierung wurde jedoch später in "unwiderruflich" verschärft. Die Abgeordneten fügten auch den Zusatz hinzu, dass "der Kapitalismus nie mehr nach Kuba zurückkehren" werde. Die beste politische Ordnung sei das Einparteiensystem, und wahre Demokratie sei sozialistisch, sagte Vizepräsident Carlos Lage. Eine Gesellschaft der Gleichheit und der sozialen Gerechtigkeit sei der einzige Weg zur Verteidigung der Menschenrechte.
Aus Anlass der Sitzung erhielten mehrere Millionen Arbeitnehmer drei Tage Sonderurlaub, um die Debatte live in Radio und Fernsehen verfolgen zu können. Banken, Schulen und die meisten Geschäfte des Landes blieben geschlossen. Castro kam mit der Sondersitzung einer Bitte von Parlamentspräsident Ricardo Alarcon nach, über die Verfassungsänderung statt in einer regulären Sitzung am 5. Juli bereits zu einem früheren Zeitpunkt abstimmen zu lassen.
Für die Verfassungsänderung hatten sich in einer in der vergangenen Woche abgeschlossenen Unterschriftenaktion 8,1 der 8,2 Millionen Wahlberechtigten über 16 Jahre ausgesprochen. Oppositionspolitiker sahen darin eine Gegenreaktion auf ihre Initiative vom 10. Mai, mit einer Unterschriftenaktion demokratische Reformen, Meinungsfreiheit und eine Amnestie für politische Gefangene zu fordern. Die Petition wurde von 11.000 Wahlberechtigten unterzeichnet. Bis zum Besuch des ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter im Mai, der das so genannte Varela-Projekt in einer Rede erwähnte, hatten die meisten Kubaner noch nie davon gehört.
Castro hat seinerseits wiederholt betont, die Initiative sei von gesellschaftlichen Organisationen getragen worden und keine Angelegenheit der Staatsorgane. Die Regierung protestiere mit ihrer Unterstützung für die Unterschriftensammlung auch gegen eine Rede von US-Präsident George W. Bush vom 20. Mai, der erklärt hatte, er werde die Handelsblockade gegen Kuba erst lockern, wenn es dort demokratische Reformen gebe.
(Der Spiegel)
21.06.2002
Kuba will die Hälfte seiner Zuckerfabriken schließen
Zucker war für Kuba schon immer etwas mehr als ein bloßer Rohstoff. "Ohne Zucker gibt es keine Heimat", sagt ein kubanisches Sprichwort, denn seit dem 19. Jahrhundert sind der Anbau und die Verarbeitung von Zuckerrohr Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung der Karibikinsel gewesen.
Doch die niedrigen Weltmarktpreise und die hohen Kosten in den Energie fressenden uralten Fabriken des Landes haben die Zuckerherstellung in Kuba in ein Verlustgeschäft verwandelt. Die kubanische Regierung will daher jetzt 71 von 156 Zuckermühlen landesweit schließen. Mindestens 100 000 Arbeiter muss der sozialistische Staat in anderen Branchen unterbringen.
Kubas Staats- und Parteichef Fidel Castro hat den fälligen Strukturwandel lange hinausgeschoben. Nach der Auflösung des Ostblocks und dem Verlust der sowjetischen Subventionen war die Zuckerproduktion in Kuba bereits drastisch geschrumpft. Sie fiel auf etwa die Hälfte der mehr als sieben Millionen Tonnen pro Jahr, die in den späten achtziger Jahren noch erzeugt wurden. Doch während Mitte der neunziger Jahre auf dem Weltmarkt noch 15 US-Cent pro Pfund (je 453 Gramm) bezahlt wurden, sind heute kaum mehr als 5 Cent zu erzielen. Obwohl in diesem Jahr 100 000 Tonnen mehr produziert wurden als 2001, fielen die Einnahmen gegenüber dem Vorjahr Presseberichten zufolge um 120 Millionen auf 430 Millionen US-Dollar.
In einer Fernsehrede am 13. Juni räumte Castro jetzt ein, dass es nicht nur auf die produzierten Mengen ankomme, sondern auch auf die Kosten. Den von den Werksschließungen betroffenen Arbeitern versprach Kubas oberster Kommunist, dass sie weiterhin ihre Löhne erhielten. Nach den kubanischen Plänen sollen die verbleibenden Zuckerfabriken, von denen die meisten aus der Zeit vor Castros Machtübernahme 1959 stammen, modernisiert werden. Unklar ist aber, woher die für solche Investitionen nötigen Mittel stammen sollen.
Denn die wirtschaftliche Situation in Kuba ist angespannt. Die Preise für Nickel, ein anderes wichtiges Exportprodukt, sind ebenfalls gefallen. Der Tourismus, die inzwischen wichtigste Devisenquelle des Landes, leidet unter den Folgen des 11. September und der schwachen Weltkonjunktur. Wegen der konjunkturellen Abkühlung in den USA sind auch die Überweisungen der Auslandskubaner an die Verwandten daheim gefallen. Wegen der finanziellen Engpässe hatte die Regierung in Havanna Anfang Juni schon die Preise für Benzin und für eine Vielzahl von Artikeln in den Devisenläden angehoben.
Probleme hat Kuba auch mit dem Verbündeten Venezuela. Dessen Präsident Hugo Chavez, ein Bewunderer Castros, hatte mit Kuba Ende 2000 Erdöllieferungen zu Vorzugspreisen vereinbart. Da Kuba aber in Zahlungsrückstand geriet, drehte die venezolanische Erdölkompanie PdVSA im April den Ölhahn zu, und Kuba muss sich zu höheren Preisen auf dem Weltmarkt versorgen.
Kubas Kommunisten können sich auch wenig Hoffnung darauf machen, dass die USA das Handelsembargo aufheben und sich zu den bisher 1,8 Millionen europäischen und kanadischen Touristen noch einmal so viele US-Amerikaner gesellen. US-Präsident George W. Bush verlangt nämlich als Vorbedingungen freie Wahlen und kapitalistische Reformen. Als Antwort auf Bush will Castro jetzt den Sozialismus als "unantastbare" Staatsform in der Verfassung festschreiben lassen.
(dpa)
14.06.2002
Millionen Menschen demonstrierten auf ganz Kuba für Sozialismus
Am Mittwoch hielten sich in den frühen Morgenstunden beharrlich Wolken über Kuba, mehr als für diese Jahreszeit üblich. Auf dem Malecón, der Strandpromenade von Havanna, bekam man einen vagen Eindruck von den enormen Menschenmassen, die dem Aufruf zur Demonstration für das sozialistische System gefolgt waren. Nach der zentralen Kundgebung in der Hauptstadt dauerte es ganze fünf Stunden, bis die 1,2 Millionen Menschen wieder abgereist waren. In anderen Städten Kubas war das Bild ähnlich. Auffällig viele Jugendliche beteiligten sich an der Mobilisierung, schließlich ging es um ihre Zukunft.
Drei Wochen nach den Einschüchterungsversuchen des US-Präsidenten George W. Bush kam das kubanische Volk zusammen, um dem Mandatsträger gemeinsam zu antworten. Bush hatte ausgerechnet den 20. Mai für seine Ansprache vor Mitgliedern der exilkubanischen Gemeinde gewählt - den 100. Jahrestag der Gründung der neokolonialen Republik. Seine Worte beschrieben die Vergangenheit und sollten in die Zukunft weisen: »Wenn die kubanische Regierung die nötigen Schritte für faire und freie Wahlen 2003 unternimmt und wenn Kuba die nötigen Marktreformen vollzieht, dann, und nur dann, werde ich mich im Kongreß für uneingeschränkten Handel und freie Reisen nach Kuba einsetzen«, so Bush.
Was den Kubanerinnen und Kubanern Bushs faire und freie Wahlen bedeuten, ist offensichtlich. Selbst unabhängigen Schätzungen zufolge wendet sich weniger als ein Prozent der Bevölkerung gegen das bestehende politische System oder steht ihm gleichgültig gegenüber. Das erklärt das Phänomen, daß sich die oppositionellen Splittergruppen außerhalb des Systems formieren.
Kubas Volk ist sich seiner Geschichte sehr bewußt. Dem letzten Arbeiter ist klar, daß die sogenannten Dissidenten auf Kuba nicht anderes anstreben, als die Etablierung des von ihnen angebeteten US-Systems. Zwischen beiden Alternativen gibt es weder für die »Dissidenten« noch für die US-Regierung Platz. Deswegen wandte sich Bush auch mit einer deutlichen Absage an diejenigen Abgeordneten des US-Kongresses, die sich für eine Lockerung oder gar die Aufhebung der Wirtschaftsblockade gegen Kuba einsetzen, um den Export von Medikamenten oder Nahrungsmitteln zu gewährleisten. Mit dieser Linie werden auch die rechtsextremen exilkubanischen Gruppen befriedigt. Und das ist dringend notwendig, denn der Gouverneur von Florida und Bruder des Präsidenten, Jeb Bush, ist auf die schätzungsweise 700000 Stimmen dieser Gemeinde angewiesen.
Damit mag er in den USA Erfolg haben; auf Kuba nicht. Hier wurde man am Mittwoch Zeuge von derart massiven Mobilisierungen, die nur mit den Demonstrationen am 1. Mai zu vergleichen sind.
Damit wurde die deutliche Unterstützung für eine Änderung der Verfassung demonstriert, die von den politischen Führungen der Massenorganisationen vorgeschlagen wurde. Zu den Unterzeichnern gehören sowohl Gewerkschaften wie Jugendorganisationen, Frauenorganisationen und Berufsverbände. Im ersten Kapitel der 1976 in geheimer Abstimmung vom Volk angenommenen Verfassung soll es künftig heißen: »Kuba ist ein sozialistischer Arbeiterstaat, unabhängig und souverän und unter Mitbestimmung von allen und für das Wohl von allen als unteilbare und demokratische Republik, auf der Basis der politischen Unantastbarkeit, sozialen Gerechtigkeit, individueller und kollektiver sozialer Rechte und menschlicher Solidarität«.
Der Bezug zu Bushs neuen Vorstößen wird im letzten Teil des Aufrufes zur Verfassungsänderung deutlich, in dem entschieden der Änderung der wirtschaftlichen, diplomatischen oder politischen Beziehungen zu anderen Staaten unter Androhung von Aggression oder Drohungen eine Absage erteilt wird. In Kürze wird der Vorschlag dem kubanischen Parlament vorgelegt werden. Die Abgeordneten werden wohl zustimmen, denn die wirkliche Abstimmung hat bereits auf der Straße stattgefunden.
(http://www.jungewelt.de)
08.06.2002
Castro wirft Bush «Nazi-Konzepte» vor
Santiago/Kuba (AP) Der kubanische Staatschef Fidel Castro hat US-Präsident George W. Bush vorgeworfen, die Fortsetzung der seit vier Jahrzehnten gegen sein Land verhängten Sanktionen mit Beleidigungen, Drohungen und Lügen begründet zu haben. Bush sei mit seiner Erklärung vom 20. Mai zu weit gegangen, sagte Castro am Samstag auf einer Kundgebung in Santiago. Der US-Präsident hatte damals erklärt, das US-Embargo werde erst aufgehoben, wenn in Kuba demokratische Wahlen stattgefunden hätten und eine neue Regierung im Amt sei, «die vollständig demokratisch» sei.
Castro sagte, Bush spiele sich als Herr der Welt auf. Seine Macht sei zu groß und das technologische und militärische Potenzial der USA zu beherrschend. «Die Welt kommt unter die Herrschaft von Nazi-Konzepten», sagte er, ohne dies weiter zu begründen.
03.06.2002
Bush als Gefängniswärter
Halsstarrigkeit des US-Präsidenten schafft auf Kuba neues Gefühl der Zusammengehörigkeit
Auf Kuba werden sie »Tribunas abiertas« genannt, offene Podien. Woche für Woche werden diese Massenveranstaltungen unter offenen Himmel in einer anderen Stadt Kubas organisiert. Ins Leben gerufen wurden sie Anfang 2000 im Rahmen der Kampagne für den Jungen Elián González, als dieser von Verwandten gegen den Willen seines Vaters in Miami festgehalten wurde. Nach gut zwei Jahren findet geradezu ein Wettbewerb zwischen den Ausrichtern statt, die jeden Samstag nicht nur ein politisches Programm, sondern auch Kulturbeiträge organisieren. In den vergangenen Wochen konnten sie gleich zweimal mit Fidel Castro rechnen. Vor zwei Wochen wandte sich der »Comandente en jefe« in der Provinz Sancti Espiritus mit klaren Worten gegen die Anschuldigungen aus Washington, Kuba unterstütze terroristische Staaten. Vor 300000 Menschen erklärte er: »Vor wenigen Wochen verschärfte die Bush-Regierung plötzlich den Ton gegen Kuba, nun stehen wir sogar auf der Liste der Länder, die Terrorismus förderten. Abgesehen von dem politischen Schaden, der unserem Land beigebracht wird, sollten wir alles dafür tun, daß kein US-Amerikaner glaubt, von Kuba aus eine Gefahr befürchten zu müssen.« In ihrem Leitartikel hatte die Tageszeitung Granma dieses Schüren von Angst zur Hauptabsicht der Bush-Regierung erklärt.
Solange die engen Bande zwischen der Mafia in Miami und der Bush-Familie weiter bestehen, wird sich daran auch nichts ändern. So flossen in den Wahlkampffonds der Republikaner allein aus Miami gut zwei Millionen Dollar, stärker dürfte aber die Unterstützung für den Gouverneur von Florida und Bruder des Präsidenten, Jeb Bush, wiegen. Der will im November schließlich ein zweites Mal gewählt werden.
Nach über vier Jahrzehnten läßt sich von den massiven Angriffen eines US-Präsidenten in Kuba indes niemand mehr einschüchtern. Der Sozialismus habe auf Kuba mehr Eigentümer geschaffen als mehrere Jahrhundert Kapitalismus, erklärte Fidel am vergangenen Samstag im strömenden Regen vor 400000 Menschen bei der »Tribuna abierta« in Holguin. Er werde sich dem Druck aus Washington nicht beugen und am Sozialismus festhalten, unterstrich er in Anspielung auf die Ankündigungen von Bush. In einer harschen Attacke gegen Bush verglich Castro den gegenwärtigen US-Präsidenten mit einem seiner Vorgänger, Franklin D. Roosevelt. Dessen Reden hätten »Respekt eingeflößt«, Bush dagegen klinge manchmal nur wie ein »Gefängnisaufseher«.
Solche kampfeslustigen Reden stoßen bei den Zuhörern durchaus auf Sympathie. »Ich frage mich, was sich dieser Bush denkt«, so Jorge Alberto Peña, einer der Zuhörer in Holguin. Die kubanischen Wissenschaftler seien berühmt für ihre Forschungsergebnisse, die Ärzte für ihre selbstlosen Einsätze in aller Welt.
Bestätigt fühlen sich die Kubaner auch durch den wachsenden Widerstand gegen Bush im US-Kongreß. Die Kritik nimmt in dem Repräsentantenhaus beinahe wöchentlich zu, während der Präsident lapidar erklärt, gegen jede Lockerung des Embargos sein Veto einzulegen. Damit lehnt sich Bush zugunsten einer kleinen Gruppe von Exilkubanern in Miami gegen die Interessen breiter Teile der US-Wirtschaft auf. Sein Berater für Lateinamerika, Otto Reich, findet dafür die herrlichsten Erklärungen. Im Vergleich zu China bestehe auf Kuba ein terroristisches System, so Reich unlängst, das zudem Privateigentum weiter verbiete. Während europäische und kanadische Unternehmen an kubanischen Stränden ein Hotel nach dem anderen errichten, stellt Kuba für die US-Regierung »das geschlossenste politische System nach Nordkorea« dar.
Nach 43 Jahren fragiler Beziehungen zwischen Havanna und Washington wächst daher nicht nur auf Kuba die Hoffnung, daß das Embargo in absehbarer Zeit durch die Lächerlichkeit solcher Statements und der verantwortlichen Regierung zu Fall kommt.
01.06.2002
Die website www.el-cubano.de ist seit zwei Jahren im Netz
Nach zwei Jahren haben wir ca. 59.000 Seitenaufrufe gehabt. In vielen Suchmaschinen ist die Seite sehr unter dem Stichwort "Kuba" oder "Cuba" weit vorne, insbesonders bei Google.de (Nr. 25 von ca. 46.000) und www.lycos.de (Nr. 2 von 292.005 Treffern). Somit ist die HP eine feste Grösse in der deutschsprachigen Kuba-Szene. Prost!
01.06.2002
Castro weist Bushs Reformforderungen zurück
Bushs Rede zum US-Embargo ein "peinliches Spektakel" - Amerikanische Demokratie kein Vorbild
Havanna - Kubas Staats- und Parteichef Fidel Castro hat am Samstag die Forderung von US-Präsident George W. Bush nach einer politischen und wirtschaftlichen Öffnung seines Landes erneut zurückgewiesen. Auf einer Großkundgebung, zu der nach offiziellen Angaben mehr als 400.000 Menschen in der Stadt Holguin (rund 725 Kilometer östlich von Havanna) zusammengekommen waren, verteidigte Castro wie schon am Samstag vor einer Woche das bestehende sozialistische System auf der Insel.
Bush hatte in einer Rede zum 100. Unabhängigkeitstag Kubas am 20. Mai die Aufhebung des US-Embargos gegen Kuba von freien Wahlen und marktwirtschaftlichen Reformen abhängig gemacht. Castro bezeichnete Bushs Rede als "peinliches Spektakel". Es klinge ironisch, wenn Bush von Demokratie für Kuba rede und zu Florida schweige, sagte Castro. Nach kubanischer Auffassung hat Bush die Präsidentenwahlen vom November 2000 nur dank Manipulationen bei der Stimmenauszählung im Bundesstaat Florida gewonnen.
Seit dem Streit um den Flüchtlingsjungen Elian Gonzalez vor zwei Jahren finden auf Kuba jeden Samstag Kundgebungen statt, auf denen die Politik der USA kritisiert wird. Der Massenaufmarsch an diesem Samstag war der zweite hintereinander, an dem Fidel Castro teilnahm und redete.
Amerikanische Demokratie kein Vorbild
Mit scharfen Worten lehnte der kubanischen Staatschef Fidel Castro am Samstag die amerikanische Demokratie als Vorbild für sein Land ab. Bei der Demokratie, die US-Präsident George W. Bush Kuba aufzwingen wolle, handle es sich um ein korruptes, unfaires System, das die Armen ignoriere, sagte Castro in einer Rede vor mehreren Hunderttausend Menschen in der Provinzhauptstadt Holguin im Osten Kubas.
Mit der Rede reagierte Castro wie schon eine Woche zuvor auf zwei Ansprachen Bushs am 20. Mai in Washington und Miami, in der dieser die harte Haltung der US-Regierung gegenüber Kuba verteidigte. Bush hatte bekräftigt, dass die amerikanischen Wirtschaftssanktionen gegen Kuba so lange in Kraft blieben, bis Kuba alle politischen Gefangenen freigelassen habe, freie Wahlen abgehalten würden und das Land eine neue wirklich demokratische Regierung habe. Zuvor hatte der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter bei einem Besuch in Kuba die Aufhebung der Sanktionen gefordert.
"Keiner unserer führenden Politiker ist Millionär wie der Präsident der Vereinigten Staaten, dessen Monatsgehalt fast doppelt so hoch ist wie die Jahresgehälter aller Mitglieder des kubanischen Staats- und Ministerrates zusammen", sagte Castro in seiner Rede zum 100. Unabhängigkeitstag Kubas. Die kubanische Regierung kümmere sich wesentlich besser um das eigene Volk als die der USA. (APA/dpa)
20.05.2002
Bush fordert freie Wahlen auf Kuba vor Ende des Handelsembargos
Washington (dpa) - US-Präsident George W. Bush hat am Montag normale Beziehungen mit Kuba und ein Ende des Handelsembargos von freien Wahlen in dem kommunistischen Inselstaat abhängig gemacht. Er wies damit erwartungsgemäß den Appell des früheren Präsidenten Jimmy Carter zurück, seine Kuba-Politik grundlegend zu wandeln.
Nur wenn die auf Kuba im kommenden Jahr geplanten Wahlen zur Nationalversammlung nachweislich frei und ohne Beeinträchtigung seien, sei er bereit, über eine Aufhebung der Sanktionen zu sprechen, sagte Bush in Washington.
In einer Ansprache zur 100. Wiederkehr des Tages der kubanischen Unabhängigkeit von Spanien unterstrich der Präsident: «Eine vollständige Normalisierung der Beziehungen mit Kuba - diplomatische Anerkennung, offener Handel und ein robustes Hilfsprogramm - wird nur möglich sein, wenn Kuba eine neue Regierung hat, die demokratisch ist, das Recht respektiert und die Menschenrechte aller Kubaner schützt.» Ohne bedeutende Schritte zu einer politischen und wirtschaftlichen Öffnung würde Handel mit Kuba nicht der Bevölkerung helfen, sondern nur das Regime Fidel Castros bereichern.
Um den Menschen auf der Karibik-Insel zu helfen, schlug Bush ein Vier-Punkte-Programm vor. Dazu gehören die Beseitigung bürokratischer Hürden für US-Hilfsgruppen, die finanzielle Unterstützung privater Hilfsorganisationen, Stipendien für Befürworter unabhängiger Institutionen unter Studenten, Professoren und Angehörigen von politischen Gefangenen sowie die Wiederaufnahme des Briefverkehrs zwischen den USA und Kuba.
Ex-Präsident Carter hatte bei einem Aufsehen erregenden Besuch Kubas in der vergangenen Woche vor Millionen kubanischer Fernsehzuschauer ebenfalls demokratische Reformen auf der sozialistischen Insel gefordert. In einer unzensiert übertragenen Rede in der Universität von Havanna hatte sich Carter außerdem für eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Kuba und den USA ausgesprochen. Vom Kongress in Washington erwarte er die Aufhebung des Handelsembargos und der Reisebeschränkungen für US-Bürger.
http://dpa.mbt.zet.net/
12.-18.05.2002
Ex-US Präsident Jimmy Carter besucht Kuba
Der frühere US-Präsident Jimmy Carter hält sich zu einem fünftägigen Besuch in Kuba auf. Carter ist der hochrangigste Vertreter der Vereinigten Staaten, der seit Castros Revolution von 1959 den Karibikstaat besucht. Er wurde am Flughafen von Havanna vom kubanischen Präsidenten Fidel Castro empfangen. Dieser bot dem früheren US-Präsidenten die Inspektion von Biotechnik-Labors an. In der vergangenen Woche hatte US-Vizeaußenminister John Bolton Kuba vorgeworfen, in "eingeschränktem Maße" an der Herstellung biologischer Waffen zu arbeiten.
Der 39. US-Präsident reist nach eigener Aussage als Privatmann. Carter will neben der Regierung auch mit Vertretern der Kirche und politischen Dissidenten sprechen. Der Ex-Präsident ist ein Gegner des seit 40 Jahren von den USA gegen Kuba verhängten Embargos. Dagegen verfolgt US-Präsident George W. Bush einen harten Kurs gegenüber Kuba. Bush wirft Castro vor, den internationalen Terrorismus zu unterstützen
Carter sind zahlreiche bilaterale Abkommen zu vedanken und die Tatsache, dass beide Staaten zwar keine Botschaften, aber wenigstens Ständige Vertretungen im jeweiligen Nachbarland unterhalten. Hunderte von Journalisten werden sich von Sonntag bis Freitag an die Fersen des ehemaligen US-Präsidenten (1976 bis 1980) heften, und Kubas Revolutionsführer Fidel Castro hat Carter sogar eine Rednertribüne auf dem Platz der Revolution angeboten - eine Ehre, die seit 1959 außer den kubanischen Revolutionsführern nur noch Johannes Paul II. zuteil wurde - natürlich in der Hoffnung, dass Carter von dort medienwirksam das 1962 von den USA verhängte Embargo verurteilt.
Keine normalen Beziehungen
Seit dessen Verhängung hat sich zwar einiges getan, doch eine Normalisierung der bilateralen Beziehungen ist noch in weiter Ferne. Man dürfe nicht viel erwarten von dem Besuch, warnt Wayne Smith vom Center for International Policy in Washington im Gespräch mit FAZ.NET. „Carter fährt als Privatperson, weder repräsentiert er Präsident George W. Bush, noch hat er eine Botschaft der Regierung zu überbringen."
Im Vorfeld des Besuches mangelte es nicht an versöhnlichen Gesten auf beiden Seiten. So entließ Castro dieser Tage den bekannten Dissidenten Vladimiro Roca vorzeitig aus dem Gefängnis. Gegen die Unterbringung von mutmaßlichen islamischen Fundamentalisten der Organisation Al Qaida auf dem US-Marinestützpunkt im ostkubanischen Guantanamo hatte Castro nichts einzuwenden. Die US-Regierung ihrerseits erlaubte nach dem verheerenden Hurrikan Michelle direkte Lebensmittellieferungen von US-Firmen an Kuba - ein erster Riss im Embargo.
Verstöße gegen das Embargo
Ganz so streng wird es ohnehin nicht mehr gehandhabt. Im vergangenen Jahr bereisten kubanischen Statistiken zufolge trotz Embargo 150.000 US-Bürger das tropische Badeparadies vor der Haustür, darunter so prominente wie US-Regisseur Oliver Stone. Und nur ein kleiner Teil dürfte die offiziell erforderliche Genehmigung der US-Behörden hierfür gehabt haben.
In den USA fordern Unternehmer, Kongressabgeordnete, Medien und Wissenschaftler seit langem ein Ende der aus dem Kalten Krieg stammenden Blockadepolitik gegenüber dem kommunistischem Inselstaat. Doch auf Grund der erfolgreichen Lobbyarbeit einer Minderheit radikaler Exilkubaner ist das Embargo inzwischen juristisch derart festgezurrt, dass sich kein Präsident bisher auf dieses politische Abenteuer einlassen wollte. Zumal er damit die einflussreichen Exilkubaner gegen sich aufbringen würde, die im Bundesstaat Florida das Sagen haben. Am allerwenigsten dürfte dies Bush interessieren, dessen Lateinamerika-Beauftragte größtenteils aus dieser Exilgemeinde stammen und dessen Bruder Jeb sich gerade in Florida zur Wiederwahl als Gouverneur stellt. „Kuba spielt seit dem Ende des Kalten Krieges keine strategische Rolle mehr für die USA“, sagt Smith. „Die Kuba-Politik wird völlig von innenpolitischen Erwägungen bestimmt.“
15.05.2002
Ex-US Präsident Jimmy Carter spricht unzensiert im kubanischen Fernsehen
Die Ansprache von Jimmy Carter war bisher einmalig: Live durfte der ehemalige US-Präsident im kubanischen Fernsehen sprechen. In seiner Rede – die auf diese Weise unzensiert blieb – sprach er am Dienstag auch über ein von der Opposition geplantes Referendum über demokratische Reformen: das so genannte Projekt Varela. Viele Kubaner erfuhren durch Carter vermutlich erstmals von den Plänen für ein Referendum über Bürgerrechte. Hinter der Initiative stehen 11.000 Regimekritiker.
«Wenn die Kubaner sich die Freiheit nehmen, ihre Gesetze in einem Referendum friedlich zu ändern, dann wird die ganze Welt sehen, dass die Kubaner selbst über die Zukunft dieses Landes entscheiden und nicht Ausländer», sagte Carter auf Spanisch.
20 Minuten nach dem Ende von Carters Rede nannte die staatliche Nachrichtenagentur Prensa Latina die Initiative erstmals namentlich. Gleichzeitig wurde verlautbart, es handle sich um eine vom Ausland gesteuerte Bewegung. Carter betonte, sein Verständnis von Demokratie sei keine amerikanische Definition, sondern beruhe auf der UN-Menschenrechtserklärung, die auch Kuba 1948 unterzeichnet hatte. Die kubanische Verfassung erkenne das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Versammlungsfreiheit an, doch durch andere Gesetze würden Regierungskritikern diese Rechte praktisch aberkannt, kritisierte der Ex-Präsident.
Carter: USA sollen Restriktionen aufheben
Er forderte die USA auf, ihr Wirtschafts- und Handelsembargo gegen Kuba aufzuheben. Nachdem Kuba und die USA 42 Jahre «in einem zerstörerischen Zustand der Feindseligkeit gefangen» gewesen seien, sei es Zeit, das Verhältnis zwischen beiden Staaten zu ändern, so Carter in seiner Ansprache in der Universität von Havanna.
Die USA müssten den ersten Schritt tun, da sie die stärkere Nation seien. Er hoffe auch, dass der US-Kongress die Reisebeschränkungen bald streiche, sagte Carter weiter.
Carter empfahl der kubanischen Regierung, einen Berichterstatter der UN-Menschenrechtskommission in Genf ins Land zu lassen, wie es die Kommission in einer Resolution vom April dieses Jahres gefordert und Havanna bisher abgelehnt hat. Dieser könne die Lage in den Gefängnissen untersuchen und auch ungerechtfertigte Vorwürfe entkräften. Carter kritisierte auch die Menschenrechtssituation in den USA. «Es gibt wenig Zweifel, dass bei uns die Todesstrafe härter gegen diejenigen angewandt wird, die arm, schwarz oder geistig behindert sind», sagte er.
Negative Reaktionen
Die ersten Reaktionen von offizieller kubanischer Seite und von den Hardlinern in den USA auf die Carter-Rede waren aber negativ. In Kuba wagten nur die international bereits bekannten Dissidenten, Carter öffentlich Applaus zu spenden. »Die Carter-Rede hat unsere Erwartungen übertroffen«, sagte der Menschenrechtler Elizardo Sánchez.
Doch anders als die vielen - meist viel längeren - Castro-Reden druckte die Zeitung »Granma«, das Zentralorgan der Kommunistischen Partei, am Mittwoch Carters Rede nicht im Wortlaut. Sie zitierte nur die Auszüge, die sich auf das US-Embargo bezogen und ließ die Regime- Kritik weg. Castro selbst hatte es am Dienstagabend den Professoren und offiziellen Studentenführern überlassen, die der Regierung nicht genehmen Teile der Rede zu kritisieren.
Während sich die kubanischen Kommunisten an Carters Eintreten für Pluralismus reiben, erntete der Ex-Präsident bei den Hardlinern daheim mit seiner Forderung nach Aufhebung des Embargos Kritik. »Halt die Klappe, Jimmy Carter«, betitelte die rechte »Washington Times« ihren Kommentar. So rundheraus sagt es die US-Regierung zwar nicht, doch ist ihr Carters Ausflug ein gehöriger Dorn im Auge. Dass der Ex- Präsident in Havanna - von allen US-Medien prominent übertragen - eine Normalisierung der Beziehungen verlangt, löst in den USA eine Debatte aus, auf die Präsident George W. Bush gut verzichten könnte. Kritiker des Embargos nutzen die willkommene Gelegenheit, gegen die 40 Jahre alten Sanktionen zu wettern.
Die amerikanische Wirtschaft will endlich nach Kuba exportieren, und Abgeordnete kritisieren die Verfolgung von Amerikanern, die heimlich nach Kuba fliegen, als Geldverschwendung. Angesichts der bevorstehenden Kongresswahlen im November lässt das alles aber den Präsidenten kalt. Im Gegenteil, am Montag will er in Florida eine Verschärfung der Sanktionen bekannt geben. Dort leben hunderttausende Exil-Kubaner, die Bush seine kompromisslose Haltung in Sachen Kuba schon bei der Präsidentenwahl mit dicken Stimmenpaketen belohnten. Der Tag ist mit Bedacht gewählt: Am Montag jährt sich zum 100. Mal die Unabhängigkeit Kubas. Dieses Datum wird in Havanna allerdings nicht gefeiert, weil Kuba nach dortiger Auffassung bis zur Revolution 1959 nur eine »Neokolonie« der USA war.
Der kubanische Staatschef Fidel Castro brachte seinen Gast am letzten Tag auf dem Flughafen von Havanna persönlich bis zur Gangway.
Vor dem Abflug des Ex-US-Präsidenten und seiner Frau Rosalyn nach Atlanta im US-Bundesstaat Georgia verabschiedete Castro seinen Gast mit einem Lächeln und herzlichem Händedruck. Carter war der ranghöchste Vertreter der Vereinigten Staaten, der Kuba seit der Revolution von 1959 besuchte.
Während seiner Visite in dem kommunistisch regierten Karibikstaat ermahnte Carter die kubanische Führung zur Einhaltung von Bürgerrechten. Auch mit Regimegegnern und Kirchenvertretern traf Carter während seines Besuchs zusammen.
Obwohl er in »privater Mission« gekommen war, wurde ihm in Kuba eine Aufmerksamkeit zuteil, die einem Staatsgast angemessen war.
Der Expräsident, der sehen und sprechen konnte, was und mit wem er wollte, konzentrierte sich auf den Auftrag, den er sich selbst gestellt hatte: Informationen zu einer »Vision über die Beziehungen USA - Kuba im 21. Jahrhundert« zu erhalten. Die Gastgeber waren ihm nach Kräften behilflich. Carter traf sich mit Fidel Castro (mehrfach), dem Außenminister, dem Parlamentspräsidenten, Bauern, Bischöfen, Dissidenten, Studenten, Sozialarbeitern, Ärzten, Forschern, behinderten Kindern, Aids-Kranken, der Presse und Leuten auf der Straße.
Er kam, als Washington gerade seinen Druck auf Kuba wieder erhöht hatte. Präsident Bushs Republikaner hoffen nämlich, mit antikubanischen Krawall bei den Kongress-Wahlen auch im Repräsentantenhaus die Mehrheit zu erobern. Und Bushs Bruder Jeb braucht dieses Getöse ebenfalls, wenn er seine Wiederwahl als Gouverneur der Anti-Castro-Hochburg Florida sichern will.
1999 war hier nach Jahren des Stillstands eine Gruppe US-amerikanischer Agrar-Exporteure eingereist. Ein Geschäft ergab sich zwar erst nach 30 Monaten, aber es wurde festgemacht, nachdem die Kongress-Lobby der von Absatzsorgen geplagten Agrarier nicht locker gelassen hatte. 1999 erschien auch der erste aktive USA-Gouverneur nach dem Sieg der Revolution in Kuba: George Ryan aus Illinois. Auch staunte, wie wenig die kubanische Realität mit den Gräuelmärchen und historischen Missverständnissen übereinstimmte, von denen sich Washingtons Kuba-Politiker in die Irre führen lassen. Ryan leistete ebenfalls Lobbyarbeit für ein bisschen mehr Besonnenheit und Pragmatismus. Danach ging es Schlag auf Schlag: Im Jahre 2000 besuchten 59 USA-Delegationen mit Genehmigung ihrer Behörden die Insel. 2001 waren es 87 und während der ersten vier Monate dieses Jahres 52.
Schließlich wollte sich sogar Altpräsident Carter nach Kuba begeben. »Für die Regierung der USA ist er eine unbekannte Größe. Darum sind ihre Funktionäre nervös«, gab Steve Johnson von der Heritage Foundation am 10. Mai zu. Auch William Perry vom Zentrum für strategische und internationale Studien (Washington) war bekümmert: »Rein technisch hätte die Regierung die Möglichkeit gehabt, seinen Besuch zu verhindern. Aber das hätte ihr einen Haufen Scherereien mit der öffentlichen Meinung eingebracht.« Was also tun? Aufs Althergebrachte zurückgreifen! So posaunte zunächst Otto Reich, im USA-Außenministerium für die westliche Hemisphäre zuständig, in die Welt, vier kubanische Flugzeuge wären am 11. April auf dem Flughafen Maiquetía bei Caracas gelandet. Obwohl er es nicht aussprach, legte er nahe, dass es sich um eine Hilfsaktion für den in Bedrängnis geratenen venezolanischen Präsidenten Chávez gehandelt habe. Kuba mischte sich also in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes ein. Havanna dementierte, ebenso Caracas. Und wenige Tage später dementierte auch das State Department, sehr leise: Reich habe sich auf unbestätigte Informationen bezogen.
Noch ärger trieb es der Unterstaatssekretär für Waffenkontrolle und internationale Sicherheit. Herr Bolton unterstellte Kuba, dass es an biologischen Waffen arbeite und seine Erkenntnisse anderen »Schurkenstaaten« zugänglich mache. Washington wollte damit auch Kuba in die »Achse des Bösen« einreihen.
Carter, der unter anderem das Zentrum für Genetik und Biotechnologie besuchte, bestätigte das vehemente Dementi Kubas. Mehr noch, er offenbarte, dass er vor seiner Reise Funktionäre der USA-Regierung und des Geheimdienstes kontaktiert habe, und alle hätten ihm auf die Frage, ob sie über glaubhafte Quellen verfügen, die Boltons Bezichtigung bezeugen könnten, geantwortet: Nein. Tags darauf widerrief Außenminister Colin Powell.
Carter lobte die Arbeit der Forscher, die Kuba in ihrem Bereich tatsächlich zur Weltspitze führen. Das Wort »beeindrukend« gebrauchte er ungezählte Male: für Kubas humanitäre Selbstlosigkeit gegenüber noch ärmeren Ländern, für seine Großzügigkeit gegenüber Kindern, für sein kulturelles Engagement, für seine Nächstenliebe. Trotz der riesigen Schwierigkeiten, mit denen sich die Insel wegen der Blockade seit vier Jahrzehnten herumschlagen muss.
Der Höhepunkt, vom Fernsehen und zwei Rundfunksendern live übertragen, war wohl Carters Treffen mit Studenten und Professoren der Universität Havanna. In seiner 20-minütigen Rede gab er seiner Erwartung Ausdruck, dass Kuba sich der UNO-Menschenrechtsdeklaration stärker verpflichtet fühle, der, wenn auch schwachen, Opposition Chancen zur freien Entfaltung einräume und sich in die Gemeinschaft der demokratischen Nationen Lateinamerikas einfüge. Im anschließenden Meinungsaustausch mit Studenten wurde ihm – »mit dem gebührenden Respekt« – entgegengehalten: Sei es nicht paradox, dass im angeblich demokratischen Lateinamerika Millionen Menschen Hunger leiden und es immer mehr werden, dass zigtausend Kinder an heilbaren Krankheiten sterben, die Arbeitslosigkeit epidemische Ausmaße angenommen hat, Staaten wie Argentinien im sozialen Chaos zu versinken drohen, Wahlen zur Farce verkommen und sich die Korruption ungebremst entfaltet? Jemand fragte: Welche Möglichkeiten gewährt Ihr Kongress winzigen Gruppen, an den Grundfesten Ihrer Nation zu rütteln? Wie viel Dollar muss ein Kandidat aufbringen, um ins Weiße Haus zu gelangen? Er wolle nur, dass »Sie uns besser verstehen«, sagte ein Student.
Die Jugendzeitung »Juventud Rebelde« fasste zusammen: »Es war ein aufrichtiger, intensiver Dialog, der sichtbar machte, wie wichtig es ist, sich genauer kennen zu lernen, um zu weiterreichenden Analysen zu gelangen.« »Der Besuch wird beweisen, dass ein Dialog möglich ist«, hatte Wayne Smith, 1978 bis 1981 Chef der USA-Interessenvertretung in Havanna, prophezeit. »Auf gar keinen Fall wird Carter weniger erreichen als Bush, denn der ist bei null stecken geblieben.« Und er wird ab Montag noch darunter gehen, wenn er in Miami die antikubanische Politik seiner Regierung aufpoliert und alles, was sich an mäßigen Verbesserungen der Beziehungen abzuzeichnen schien, versenkt. Auch das sagte ein Student James Carter: Die Hindernisse für eine Normalisierung hat Ihr Land in den Weg gestellt.
15.05.2002
Kuba kritisiert Boykott-Politik Europas - Castro nimmt vielleicht doch an EU-Lateinamerika-Gipfel teil
Madrid - Kuba hat am Donnerstag die Boykott-Politik der Europäischen Union auf das Schärfste kritisiert und Europa Doppelmoral vorgeworfen. Im Vorfeld des am Freitag in Madrid stattfindenden EU-Lateinamerika-Gipfels forderte der kubanische Vizepräsident Carlos Lage die 15 EU-Staaten auf, endlich ihre Einstellung gegenüber dem kommunistischen Inselstaat zu revidieren, den die USA seit Jahren mit Sanktionen belegt haben.
"Kuba ist das einzige Land in Lateinamerika und der Karibik, welches keinen Kooperationsvertrag mit der EU hat. Das erscheint uns nicht gerecht, da man dies mit den innerpolitischen Angelegenheiten Kubas rechtfertigt, bei anderen Ländern dieses Kriterium aber nicht anwendet. Das ist Doppelmoral", so Carlos Lage in der Donnerstag-Ausgabe der spanischen Tageszeitung "El Pais".
Lage machte die Vereinigten Staaten für den internationalen Handelsboykott verantwortlich und forderte die Europäische Union auf, nicht weiter im Schatten der amerikanischen Hegemonialpolitik zu bleiben und ihr Verhalten gegenüber Kuba zu ändern.
Die Krisensituation in vielen Ländern Lateinamerikas wie der Staatsstreichversuch in Venezuela, der Guerillakampf in Kolumbien und die Wirtschaftskrise in Argentinien reflektieren seiner Meinung nach die verhängnisvolle Hegemoniestellung der Vereinigten Staaten in der Welt. Die von US-Präsident George W. Bush angekündigte Erhärtung der Politik gegen Kuba beunruhige die Regierung nicht sonderlich. "Wir erwarten nichts von einem Präsidenten, der mit Hilfe der Mafia in Florida ins Weiße Haus gekommen ist. Wir werden weiter gegen den Handelsboykott ankämpfen, weil er früher oder später verschwinden wird, da er illegal, kriminell und vor allem dumm ist", so Lage in Madrid.
Lage wird sehr wahrscheinlich Kuba auf dem EU-Lateinamerika-Karibik-Gipfel vertreten. Obwohl der kubanische Präsident Fidel Castro seine Teilnahme am Gipfel vor zwei Tagen abgesagt hatte, stellte er nun kurzfristig in der spanischen Botschaft in Kuba einen Einreiseantrag für Spanien. Ob er jedoch tatsächlich kommen wird, wagt derzeit niemand zu sagen.
Das Hauptziel des EU-Lateinamerika-Gipfels ist vor allem die wirtschaftliche Annäherung der EU an den Mercosur, des von Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay gebildeten Wirtschaftsraumes.
(APA)
15.05.2002
Kuba importierte Lebensmittel aus USA für 101 Millionen Dollar
Kuba hat seit Dezember vorigen Jahres für 101 Millionen US-Dollar (110 Mio. Euro) Lebensmittel aus den USA importiert. Wie der Vorsitzende der Importfirma Alimport, Pedro Alvarez, mitteilte, wurden rund 550 000 Tonnen Lebensmittel, darunter vor allem Getreide und tiefgefrorenes Geflügel, erworben. Es sind die ersten Käufe aus den USA seit diese Anfang der 60er Jahre ein Handelsembargos verhängten.
Der US-Kongress hatte Ende 2000, unter anderem auf Druck der Farmer-Lobby, das Embargo etwas gelockert und Lebensmittelausfuhren nach Kuba erlaubt. Wegen einiger als diskriminierend empfundener Konditionen machte Kuba aber erst nach dem Hurrikan "Michelle", der die Insel Anfang November 2001 heimsuchte, davon Gebrauch.
Laut Alvarez importiert Kuba pro Jahr Lebensmittel für insgesamt eine Milliarde Dollar. Diese Zahl könne in dem kommenden Jahren auf 1,5 Milliarden Dollar steigen, wovon wegen der geographischen Nähe in erster Linie die US-Lieferanten profitieren würden.
10.05.2002
Regimekritiker auf Kuba sammelten Unterschriften für Referendum
Kubanische Regimekritiker unter Führung des Dissidenten Oswaldo Paya haben am Freitag in einer beispiellosen Petition im Parlament für eine Volksabstimmung zur Reform des kommunistischen Ein-Parteien-Systems geworben.
Paya und zwei weitere Regimekritiker überbrachten dem Parlament zwei Kartons mit den Unterschriften von 11.020 Kubanern, die sich für das schon länger diskutierte Varela-Projekt einsetzen. Demnach fordert die Opposition gegen Präsident Fidel Castro eine Volksabstimmung über Meinungs- und Versammlungsfreiheit und zudem eine Amnestie für politische Gefangene, ein neues Wahlgesetz und Neuwahlen sowie mehr Chancen für Privatunternehmer. Castro, der das Land seit der Revolution im Jahr 1959 regiert, hat das Projekt als US-Verschwörung abgelehnt. Die überbrachten Unterschriften übersteigen die in der kubanischen Verfassung für ein Referendum geforderte Zahl.
Der Widerstand gegen Fidel Castro und seine nun schon über vierzig Jahre währende kommunistische Diktatur auf Kuba hat viele Namen. Und auch derjenige von Oswaldo Payá Sardiñas war auf der Insel durchaus schon seit längerem ein Begriff. Seit dieser Woche allerdings ist er nun auch über die Grenzen des Landes hinaus international bekannt geworden .
Benannt nach dem gegen die spanische Kolonialmacht kämpfenden Priester und Freiheitshelden Felix Varela (1788-1853), versuchen die Initiatoren des "Varela-Projekts" seit Jahren dem Regime politische und wirtschaftliche Reformen abzutrotzen. Sie fordern ein nationales Referendum über Meinungs- und Versammlungsfreiheit, eine Amnestie für politische Gefangene, eine Wahlrechtsreform und bessere Wirtschaftsbedingungen nicht nur für Ausländer, sondern auch Kubaner. Sie fordern dies ausdrücklich im Rahmen der geltenden kubanischen Verfassung.
Die kubanische Verfassung lässt Bürgerbegehren mit mehr als zehntausend Unterschriften zu. Das Regime hat alles getan, um die somit eigentlich legale Unterschriftenaktion zu unterbinden. Und es hat keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass diejenigen, die daran teilnehmen, sich damit schaden. Aber all der Druck hat nicht mehr ausgereicht, um über elftausend Kubaner davon abzuhalten, sich zu den Forderungen des Varela-Projektes zu bekennen. Denn eines ist sicher: Bekennermut gehört auch heute noch dazu, sich Castros Politik entgegenzustellen. Das Regime hält die Menschen weiterhin total in seinem eisernen Griff.
Es ist kein Zufall, dass Oswaldo Payá bekennender Katholik ist. Bei aller notwendigen Geschmeidigkeit hat die katholische Kirche sich - anders als einige kleinere protestantische Sekten - nie gemein gemacht mit dem Regime. Im Gegenteil, Papst Johannes Paul II. hat mit seiner spektakulären Kubareise im Januar 1998 durchaus ein Zeichen dafür setzen wollen, das gerade der Vatikan für grundlegende Veränderungen steht. Und der polnische Papst wusste aus den schmerzlichen Erfahrungen seiner eigenen Nation, dass diese ihre Zeit brauchen.
Schon damals fand übrigens das Varela-Projekt eine erste öffentliche Erwähnung. Mittlerweile hat es eine eigene Webpage im Internet (www.cartadecuba.org/expedientevarela.htm). Die überwältigende Mehrheit der Kubaner können diese aber gar nicht aufrufen, weil sie keinen Internetzugang haben. Wer sich nicht mit der staatlichen Propaganda begnügen will, muss Auslandssender hören.
Payá ist Mitbegründer der Christlichen Befreiungsbewegung (Movimiento Cristiano de Liberación, MCL) und bereits seit geraumer Zeit deren bekanntester Exponent. Der fünfzig Jahre alte Fachmann für Elektromedizin weiß im Übrigen aus eigener Erfahrung, wie beschwerlich das Leben auf Kuba sein kann, schließlich hat er drei Kinder im schulpflichtigen Alter, die es durchzubringen gilt. Von Fortbildungskursen an der Universität, die ihm bessere Einkommenschancen eröffnet hätten, hat man ihn wegen seines politischen Engagements immer wieder ausgeschlossen.
Die spektakuläre Unterschriftenaktion begann übrigens schon in der Osterwoche des vergangenen Jahres. Seither haben sich, so Payá, zwar auch Mitglieder der kubanischen Opposition daran beteiligt. Das viel Wichtigere aber sei, dass Tausende von "ganz normalen Bürgern" mitgemacht hätten: "Immer mehr Menschen verlieren die Angst - das ist das Neue." Mehr als hundert Oppositionsgruppen beteiligen sich, so Payá, an dem Projekt. Hingegen haben einige prominente Castro-Kritiker die Mitwirkung abgelehnt, weil, so sagt zum Beispiel Martha Beatriz Roque, eine Reform innerhalb der kommunistischen Verfassung keinen Sinn mache.
Payá selbst hat gelernt, mit den Einschüchterungsversuchen des Regimes zu leben. Als er vor zehn Jahren schon einmal - vergeblich - einer Unterschriftenaktion zum friedlichen Widerstand ins Leben rief, diffamierte man ihn prompt als CIA-Agenten. Er weiß, wie gefährlich die Nähe zu den kubanischen Exilzirkeln in den Vereinigten Staaten werden kann, und er legt deshalb großen Wert darauf, dass das Varela-Projekt weder von ausländischen Regierungen noch kubanischen Exilgruppen finanziert wird: "Dies ist ein Projekt, das in Kuba entstanden ist und allen Kubanern dienen soll."
Der Zeitpunkt der nun erfolgten Unterschriftenübergabe hätte spektakulärer nicht sein können. Der ehemalige amerikanische Präsident Jimmy Carter hält sich für eine Woche auf der Insel auf. Das rückt das dortige Geschehen in das Blickfeld der Weltöffentlichkeit. Carter will Payá sehen, ebenso wie andere bekannte Dissidenten. Bisher sind deren Anläufe, Änderungen auf Kuba einzufordern, immer wieder gescheitert. Payá aber kann ein Projekt präsentieren, das weltweite Beachtung findet.
07.05.2002
USA prüfen politische Mittel für schnelles Ende des Castro-Regimes -
Vorwurf der Entwicklung biologischer Waffen
Washington - US-Präsident George W. Bush lässt überprüfen, wie ein Ende des Castro-Regimes auf Kuba beschleunigt werden kann. Das enthüllte ein hoher Regierungsbeamter am Montag in Washington. "Der Präsident hat eine Überprüfung der politischen Mittel angeordnet, die uns zur Verfügung stehen, um Kubas Übergang zur Demokratie beschleunigen zu helfen", sagte der Abteilungsleiter für Lateinamerika im US-Außenministerium, Otto Reich, in Washington. Der Exilkubaner, der eine harte Anti-Castro-Haltung vertritt, nannte keine Einzelheiten.
Er machte klar, dass die US-Regierung engere wirtschaftliche Beziehungen ausschließt. Einige US-Parlamentarier befürworten, Nahrungsmittel und Medikamente an Kuba zu verkaufen. "Warum sollte irgendjemand bei so vielen potenziell lukrativen Gelegenheiten für Handel und Investment in Lateinamerika zum Partner eines bankrotten totalitären Regimes werden?" fragte Reich. Die USA "werden keinen Rettungsring werfen, um ein Regime zu retten, dass unter der Last seines eigenen historischen Versagens versinkt".
Vor Reich hatte US-Außenminister Colin Powell betont, Kuba stehe als einziges undemokratisches Land in der westlichem Hemisphäre isoliert da; die Regierung Bush strebe "einen schnellen, friedlichen Wandel zur Demokratie auf Kuba" an.
USA wirft Kuba erstmals Entwicklung von biologischen Waffen vor
Die USA haben Kuba erstmals öffentlich beschuldigt, an der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen beteiligt zu sein. Kuba stehe im Verdacht, biologische Waffen zu entwickeln und sein entsprechendes technisches Wissen an Länder weiterzugeben, die Feinde der USA seien, sagte am Montag der Staatssekretär im Außenministerium, John Bolton, in einer Rede vor der konservativen Heritage Foundation. Um welche Länder es sich dabei handele, sagte Bolton nicht. Er wies aber darauf hin, dass der kubanische Staatschef Fidel Castro im vergangenen Jahr Syrien, Iran und Libyen besucht habe.
Beobachter vermuten, dass Bolton mit seinen Äußerungen die Kubapolitik der US-Regierung untermauern will, die darauf abzielt, Kuba auf der Liste der Staaten zu behalten, denen Förderung des internationalen Terrorismus vorgeworfen wird. Auch Syrien, Iran und Libyen stehen auf dieser Liste des Washingtoner Außenministeriums. (APA/dpa)
07.05.2002
Touristen können in Kuba mit EURO bezahlen
Kuba führt zum 1. Juni im Badeort Varadero (rund 140 Kilometer östlich von Havanna) den Euro als Zahlungsmittel ein. Damit wird man dann in allen Geschäften und Restaurants mit den europäischen Geldscheinen bezahlen können. Das soll Kuba für die Europäer noch attraktiver machen, so Tourismusminister Ibrahim Ferradaz. Wenn das Experiment positiv verlaufe, werde der Euro auch in anderen Ferienzentren der Insel eingeführt. Bisher mussten Touristen ihre Ausgaben in US-Dollars bezahlen. Die Einführung des Euro als Zahlungsmittel hat nicht nur für Touristen Vorteile. Die EU ist für Kuba der größte Handelspartner
01.05.2002
Castro kritisiert lateinamerikanische Staaten Wegen Menschenrechtsvotums
"Alle die Länder, die uns in Genf verurteilten, liegen im internationalen Vergleich weit hinter Kuba"
Fidel Castro hat am Mittwoch auf der Maikundgebung in Havanna die lateinamerikanischen Länder heftig kritisiert, die in diesem Jahr in der UNO-Menschenrechtskommission gegen Kuba gestimmt haben. "Alle die Länder, die uns in Genf verurteilten, liegen im internationalen Vergleich bei den Indizes für Erziehung, Kultur und Sozialentwicklung weit hinter Kuba", sagte Castro vor gut einer Million Zuhörer auf dem Platz der Revolution in Havanna.
Die von Uruguay präsentierte Resolution, in der Kuba "eingeladen" wird, seinen Bürgern mehr politische Freiheiten zu gewähren, war am 19. April in Genf mit 23 zu 21 Stimmen angenommen worden. Sieben der Ja-Stimmen stammten aus Lateinamerika. Auch die EU-Staaten in der Kommission stimmten der Resolution zu.
In der Woche nach der Abstimmung brach Uruguay die diplomatischen Beziehungen zu Kuba ab, nachdem Castro in einer Rede in Havanna am 22. April dessen Präsidenten Jorge Batlle einen "heruntergekommenen und niederträchtigen Judas" genannt hatte. Außerdem verärgerte Castro Mexiko, weil er einen Mitschnitt eines Telefongespräches vorspielte, in dem Präsident Vicente Fox ihn aufforderte, seine Verweildauer beim UNO-Entwicklungsgipfel in Monterrey auf ein Minimum zu beschränken. (APA/dpa)
26.04.2002
Eine Zukunft mit Kuba
Fidel Castros Sohn informiert sich über mögliche Zusammenarbeit
Eine stärkere Berücksichtigung technologiepolitischer Fragen in der Zusammenarbeit mit Kuba hält Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) für sinnvoll. Wie der Minister im Gespräch mit Fidel Castro Diaz Balart, dem Sohn des kubanischen Staatspräsidenten, in Wiesbaden erläuterte, seien hessische Unternehmen in innovativen Technologieanwendungen sehr erfolgreich.
Engere Kooperationen mit Partnern in Europa sind vor dem Hintergrund des großen Modernisierungsbedarfs in Entwicklungsländern wie Kuba nicht nur entwicklungspolitisch notwendig, sondern auch wirtschaftspolitisch gewünscht. Deshalb hatte Posch anlässlich einer Begegnung in Kuba Castro Diaz Balart nach Hessen eingeladen und Kontakte zu innovativen Unternehmen in der Rhein-Main-Region vermittelt.
Fidel Castro Diaz Balart arbeitet als Wissenschaftspublizist und untersucht innovative Technologieentwicklungen. Der 1949 geborene Sohn des kubanischen Staatspräsidenten ist Kernphysiker. Im Rahmen eines Europabesuchs informiert er sich über internetgestützte Anwendungen in den Märkten der Informations- und Kommunikationstechnologien. Während des zweitägigen Aufenthalts, der vom hessischen Wirtschaftsministerium vorbereitet wurde, ist Castro Diaz Balart Gast von Unternehmen, die in den Bereichen Telemedizin, digitale Bildbearbeitung, Elektronik, Business, Verkehrslenkung und Telematik, Breitbandtechnologie und Bioinformatik spezialisiert sind. Posch sprach mit seinem Gast über die bereits mit kubanischen Partnern vereinbarten Kooperationsvorhaben: Projekte in den Bereichen Biotechnologie, Flughafenkooperation und Verkehrsplanung.
(http://www.main-rheiner.de/)
24.04.2002
Kennedys geheime Kuba-Akten aufgetaucht
New York - Hat John F. Kennedys persönliche Sekretärin geheime Regierungsdokumente gestohlen? Ein Richter stoppte jetzt eine Internet-Auktion, bei der für Millionen von Dollar historische Kennedy-Memorabilien versteigert werden sollten. Darunter waren einzigartige Unterlagen von unschätzbarem Wert aus der Zeit der Kuba-Krise.
Zum Verkauf standen unter anderem eine CIA-Karte von Kuba, auf der Kennedy mit Kreuzen die Orte russischer Raketenstellungen markiert hatte. Auf der Rückseite sind handschriftlich die Worte "NATO", "Cuba", "Reconnaissance" (militärische Aufklärung) und "Hoping to intercept" (Hoffen auf Abhörmöglichkeit) vermerkt. Die Kuba-Krise bedrohte im Herbst 1962 den Weltfrieden, weil die Sowjets Mittelstreckenraketen auf Kuba stationiert hatten. Kennedy forderte die Rücknahme, und der Generalsekretär der KPdSU, Nikita Chruschtschow, lenkte wenige Tage später ein.
Jetzt wird vermutet, dass Kennedys persönliche Sekretärin Evelyn Lincoln nach der Ermordung des Präsidenten 1963 die Unterlagen aus dem Weißen Haus einfach mitgenommen hat.
Manhattans Staatsanwalt James Comey teilte mit, sein Büro habe das Unterlassungsurteil durchgesetzt, nachdem man erfahren habe, dass der Memorabilienhändler Gary Zimet das Material veräußern wollte. "Wir wollen sicherstellen, dass diese einzigartigen historischen Dokumente am richtigen Ort aufbewahrt werden - in der John-F.-Kennedy- Gedächtnisbibliothek in Boston", sagte Comey. (SAD)
24.04.2002
Uruguay ist sauer auf Castro
Uruguay hat die diplomatischen Beziehungen mit Kuba auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Die Regierung habe dies aufgrund der jüngsten „Beleidigungen“ des kubanischen Staatschefs Fidel Castro beschlossen, sagte Präsident Jorge Battle am Dienstag (Ortszeit) in Montevideo. Derzeit seien die bilateralen Beziehungen durch ein „Klima der Aggression“ geprägt, der „Ton der Beleidigungen“ habe sich verschärft.
Castro wies den uruguayischen Schritt als „bedeutungslos“ zurück. Der kubanische Staatschef hatte Uruguay „Verrat“ vorgeworfen, nachdem das Land im UN-Sicherheitsrat eine Resolution eingebracht hatte, in der Kuba zur stärkeren Achtung von Menschen- und Bürgerrechten aufgefordert wird. Er bezeichnete Battles als „Judas“.
Nachdem Castro von dem Abbruch der Beziehungen unterrichtet worden war, machte er sich im staatlichen Fernsehen über Battles lustig. "Wie heißt der noch?", fragte er in Anspielung auf den Staatschef Uruguays. "Ach der, den kennt doch in acht bis zehn Jahren sowieso niemand mehr", fügte er mit einer wegwerfenden Handbewegung hinzu.
Castro sagte nach der Aussetzung der diplomatischen Beziehungen im kubanischen Fernsehen, Battle gehe vor den Vereinigten Staaten „auf die Knie“ und sei ein Lügner. „Sie sagen immer, dass es eine Beleidigung gegen das Land sei, als ob sie das Land repräsentieren würden“, sagte er über die uruguayische Regierung.
23.04.2002
Castro bezeichnet mexikanischen Präsidenten als Lügner
Fox versuchte inoffiziell, Treffen des kubanischen Staatschefs mit US-Präsident Bush zu verhindern
Havanna - Kubas Staatschef Fidel Castro hat Mexikos Präsident Vicente Fox als Lügner dargestellt. Zum Beweis veröffentlichte Castro am Montag ein Tonbandprotokoll eines Telefongesprächs zwischen beiden Präsidenten. Ein Präsidialamtssprecher in Mexiko-Stadt sagte, die Veröffentlichung eines Tonbands über ein vertraulichen Gespräch sei nicht zu akzeptieren. Hintergrund ist die Teilnahme Castros an einem UNO-Gipfeltreffen über Entwicklungshilfe im mexikanischen Monterrey im vergangenen Monat. Mexikos Präsident hatte damals kubanische Vorwürfe dementiert, er habe auf eine vorzeitige Abreise von Castro gedrängt, damit dieser nicht mit US-Präsident George W. Bush zusammentreffe. "Sie haben alle gelogen - links und rechts", sagte Castro im Fernsehen. Zum Beweis spielte er ein Tonband ab, auf dem Fox Castro bittet, nach seinem Konferenzauftritt wieder heimzureisen, um die Lage nicht zu komplizieren. (APA/Reuters)
23.04.2002
Goethe-Institut entdeckt Havanna
Die Intensivierung der kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Kuba nimmt Gestalt an. Bis zum Jahr 2004 soll in Havanna ein Goethe-Institut eröffnet werden. Dessen Gründungsbeauftragter Dietmar Geisendorf in Havanna gab bekannt, dass die zwischen Deutschland und Kuba seit Jahren laufenden Verhandlungen über ein Kulturabkommen wahrscheinlich noch in diesem Jahr abgeschlossen würden. Damit wäre der Weg frei für die Eröffnung eines Goethe-Instituts im Jahr 2004.
Die Eröffnung ist Teil einer Neuausrichtung der Auswärtigen Kulturpolitik, in deren Zuge in Kuba, Iran, Algerien und China Goethe-Institute eröffnet werden sollen, während in einigen europäischen Ländern die Zahl der Institute verringert werden soll.
Das Goethe-Institut in Kuba soll sich der Vermittlung der deutschen Sprache, der Unterstützung des Bibliothekswesens, aber auch der „Werbung für Deutschland als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort“ widmen.
„Interesse an Kuba ist groß“
Geisendorf ist seit dem 1. August 2001 in einer Doppelfunktion als Entsandter des Goethe-Institutes und als Kulturreferent an der Deutschen Botschaft in Havanna tätig.
Das Interesse an deutscher Kultur sei groß in Kuba, sagt Geisendorf. Kulturminister Abel Prieto habe ihm gegenüber Interesse an einem Symposium mit dem Dichter Hans Magnus Enzensberger und dem Sozialphilosophen Jürgen Habermas in Havanna geäußert. Der Schriftsteller Miguel Barnet, der bekannteste in Kuba gebliebene kubanische Autor, wolle eine Veranstaltung über die Frankfurter Schule organisieren. Wegen seiner zentralen Lage im karibisch- zentralamerikanischen Raum könne Kuba als Drehscheibe im kulturellen Bereich wie auch für die deutsche Wirtschaft fungieren.
Mit der Eröffnung eines Goethe-Instituts in Havanna würde Deutschland eine Lücke schließen. Kuba ist zwar ein Land, in dem vieles im argen liegt. Doch zu den Pluspunkten gehört der im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Staaten hohe Alphabetisierungsgrad und das lebendige kulturelle Leben.
(http://www.faz.net)
20.04.2002
Verschärfte Regeln für US-Einwanderer
Washington - Der US-Senat hat eine drastische Verschärfung der Einwanderungsbestimmungen für Länder beschlossen, die aus Sicht der USA den Terrorismus unterstützen. Einwanderern aus Kuba, Iran, Irak, Libyen, Syrien, Sudan und Nordkorea wird die Einreise mit dem Gesetz weitgehend verwehrt. Die Kontrollen ausländischer Studenten, die in die Vereinigten Staaten kommen, sollen demnach ebenfalls verschärft werden. Mit dieser Maßnahme soll die innere Sicherheit in den USA verbessert werden. Die Attentäter vom 11. September waren legal in die USA eingereist.
(http://morgenpost.berlin1.de)
20.04.2002
Demonstration gegen Votum der UNO-Menschenrechtskommissionc Sympathiebekundungen für Venezuelas Präsidenten Chavez
Rund 60.000 Kubaner haben am Samstag bei einer Großkundgebung gegen das kritische Votum der UNO-Menschenrechtskommission in Genf vom Freitag demonstriert. Kundgebungsredner kritisierten die "untertänige und unwürdige Haltung" mehrerer lateinamerikanischer Regierungen, die die von Uruguay eingebrachte Resolution unterstützt hatten.
In dem Text, der keine wirkliche Verurteilung darstellt, wird die kubanische Regierung "eingeladen", ihren Bürgern mehr politische Freiheiten zu gewähren. Außerdem soll ein Berichterstatter der Menschenrechtskommission die sozialistische Karibik-Insel besuchen, was Kuba aber bereits abgelehnt hat. Wegen des knappen Ausgangs der Genfer Abstimmung mit 23 zu 21 Stimmen hatte die Regierung in Havanna schon am Freitag von einem "moralischen Sieg" gesprochen.
Bei der Kundgebung in der Gemeinde Santo Domingo (rund 275 Kilometer östlich von Havanna), an der auch Verteidigungsminister und Vizepräsident Raul Castro teilnahm, gab es außerdem Lobreden auf den venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez, der Ende voriger Woche gestürzt worden war und dann wieder die Macht übernommen hatte. "Der von Washington unterstützte Staatsstreich der Reaktion" sei fehlgeschlagen, hieß es. (APA/dpa)
12.04.2002
Kuba will keine UN-Menschenrechtsbeobachter ins Land lassen
Havanna (dpa) - Die kubanische Regierung wird Berichterstattern der UN-Menschenrechtskommission, die die Situation der Bürgerrechte auf der Insel untersuchen wollen, die Einreise verweigern. Dies teilte Außenminister Felipe Perez Roque am Donnerstag vor der Presse in Havanna mit.
Er reagierte damit auf einen Resolutionsentwurf, der die Entsendung eines solchen Beobachters vorsieht und über den die UN- Kommission in Genf voraussichtlich am 19. April abstimmen wird. Der Entwurf, der wie jedes Jahr eine Verurteilung der sozialistischen Karibikinsel beinhaltet, war am Mittwoch von Uruguay eingebracht worden und wird von Argentinien, Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Panama, Peru und Kanada unterstützt.
In den vergangenen 13 Jahren, mit Ausnahme von 1998, war Kuba bei den jährlichen Sitzungen der UN-Menschenrechtskommission in Genf jedes Mal verurteilt worden. Kuba ist das einzige Land in Lateinamerika, in dem keine Oppositionsparteien zugelassen sind und in dem öffentliche Kritik an der Regierung unter Strafe steht. Die Regierung in Havanna behauptet aber, die jährlichen Resolutionen kämen nur auf Druck der USA zu Stande.
08.04.2002
Touristen können in Kuba mit ihrem Hamdy telefonieren
Als erster deutscher Netzbetreiber bietet Viag Interkom seinen Kunden diesen Service.
Starttermin ist der 8. April. Partner von Viag ist der kubanische Netzbetreiber C-Com, der als einiger Anbieter des Inselstaates ein GSM-Netz (900 MHz) betreibt. Allerdings ist der Spaß nich ganz billig: Abgehende Gespräche nach Deutschland kosten 5,97 Euro pro Minute zuzüglich einer einmaligen Verbindungsgebühr von 1,66 Euro. Der Empfang von Telefonaten wird mit 2,57 Euro pro Minute berechnet. Für eine abgehende Kurznachricht bezahlt der Kunde 27 Cent. Ankommende Messages sind kostenlos.
05.04.2002
Neues aus Guantanamo Bay .....
Protest gegen Haftbedingungen USA beginnen mit Zwangsernährung von Hungerstreikenden auf Kuba
Washington - Auf dem US-Marinestützpunkt Guantanamo in Kuba hat die US-Armee mit der Zwangsernährung von zwei hungerstreikenden Gefangenen begonnen. Die Maßnahme werde bei den beiden Männern in Isolationshaft zunächst für eine Woche angewandt, sagte Armeesprecher James Bell.
Damit werden zum ersten Mal seit Beginn des Hungerstreiks am 27. Februar Häftlinge gegen ihren Willen über Schläuche durch die Nase ernährt. Viele der mutmaßlichen Taliban- und El-Kaida-Kämpfer in Guantanamo Bay verweigerten in den vergangenen Wochen immer wieder die Nahrungsaufnahme. Nach US-Angaben wechselten sich einige Gefangene im Hungerstreik ab. Die beiden nun zwangsernährten Männer gehören jedoch vermutlich zu der kleinen Gruppe von Gefangenen, die seit Anfang März nichts mehr essen. Seit Ende Februar wurden nach US- Angaben Dutzende Gefangene vorübergehend intravenös ernährt. Mit dem Hungerstreik protestieren die Männer gegen die Haftbedingungen in dem Häftlingslager.
Der mutmaßliche Terroristenführer Osama bin Laden plante nach den Worten des früheren US-Präsidenten Bill Clinton ein Attentat auf ihn. Bin Laden habe Leute ausgebildet, ihn umzubringen, sagte Clinton dem US-Nachrichtenmagazin Newsweek (Montagsausgabe).
Clinton zufolge hatte der US-Geheimdienst im Herbst 2000 präzise Angaben zum Aufenthaltsort Bin Ladens. Er habe sich damals jedoch gegen einen militärischen Angriff auf den El-Kaida-Führer entschlossen, weil er keine Opfer in der afghanischen Zivilbevölkerung riskieren wollte. "Ich hatte das Gefühl, es würde amerikanischen Interessen schaden, wenn wir eine Menge afghanische Frauen und Kinder getötet hätten und ihn nicht gekriegt hätten", sagte Clinton dem Magazin. "Wir hatten nicht annähernd die internationale Unterstützung, die seit dem 11. September existiert." (APA)
USA lassen Gefängnis in Guantanamo
von Philippinern bauen
Die USA haben hunderte Philippiner angeheuert, die das Gefängnis für Al-Qaeda-Kämpfer auf Kuba bauen sollen. Eine philippinische Zeitung hat die Geheimsache öffentlich gemacht.
Die USA haben 400 Philippiner nach Kuba ausfliegen lassen. Die Arbeiter und Ingenieure sollen auf dem US-Stützpunkt Guantanamo das geplante Hochsicherheits-Gefängnis für Taliban- und Al-Qaeda-Kämpfer bauen.
Nur Taliban erhalten Schutz durch Genfer Konvention
Die Vereinigten Staaten haben den gefangenen Taliban-Kämpfern den Schutz durch die Genfer Konvention zugebilligt, erkennen sie aber nicht als Kriegsgefangene an. Die Al Qaida-Kämpfer und andere Terroristen erhalten keinen Schutz durch die Genfer Konvention. Diese Entscheidung des amerikanischen Präsidenten George W. Bush gab der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, am Donnerstag in Washington bekannt.
Der Status von Kriegsgefangenen werde den Taliban nicht gewährt, weil sie keine Uniformen getragen hätten und nicht als reguläre Soldaten kenntlich gewesen seien, hieß es in der amerikanischen Hauptstadt.
Auf Kuba sind 158 Taliban- und Al Qaida-Kämpfer inhaftiert. Weitere 60 waren am Donnerstag in einem Transportflugzeug auf dem Weg von Kandahar nach Guantanamo, wo 200 zusätzliche Verschläge gebaut worden sind. In Afghanistan befinden sich mehr als 300 Gefangene in amerikanischer Hand.
Die amerikanische Regierung stufte die Gefangenen bisher als gesetzlose Kämpfer ein. Ihnen drohten daher Prozesse vor Militärgerichten und die Todesstrafe. Ob sich daran etwas ändert, blieb zunächst offen. Die Genfer Konvention von 1949 schreibt bestimmte Rechte für Kriegsgefangene vor. Dazu gehört eine menschenwürdige Behandlung. Fernermüssen die Häftlinge demnach in Verhören bis auf wenige persönliche Daten keine Angaben machen.
Bremer Taliban auf Kuba
Der in Afghanistan festgenommene angebliche Bremer Taliban-Kämpfer Murat K., ist von der US-Armee offenbar in das berüchtigte Kriegsgefangenenlager auf Kuba ausgeflogen worden.
Eine Nachricht an seine Familie, die in der vergangenen Woche in Bremen ankam, trägt als Absenderangabe seinen Gefangenencode (JJJFA) und die Ortsangabe "160 Camp X-Ray". Das ist die Bezeichnung der US-Regierung für das Internierungslager auf dem Stützpunkt Guantanamo Bay, in dem inzwischen 300 gefangene mutmaßliche Taliban- und Bin-Laden-Kämpfer festgehalten werden.
03.04.2002
Havannas Licht und Schatten
Wirtschaftskraft der Insel liegt bei der Hälfte des lateinamerikanischen Schnitts
Von Hans-Georg Draheim (Neues Deutschland)
Allgegenwärtiger Mangel oder alles nicht so schlimm in Kuba? Untersuchungen zeigen, dass die wirtschaftliche und soziale Lage Kubas nicht so negativ ist, wie es die gängigen Klischees auf den ersten Blick vermuten lassen.
Misst man Kuba am durchschnittlichen Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2340 US-Dollar pro Kopf der Bevölkerung, belegte das Land im Jahre 2000 von 18 untersuchten Ländern Lateinamerikas den 10. Rang. Zwischen dem inzwischen krisengeschüttelten Argentinien an der Spitze (etwa 8000 US-Dollar pro Kopf) und dem Schlusslicht Bolivien (1100 US-Dollar) bewegt sich Kuba, ähnlich wie Kolumbien, Panama und Peru, bei etwa 50Prozent des lateinamerikanischen Durchschnittes. Damit wurde zwar das Niveau von 1989 noch nicht wieder erreicht, aber unter der Bedingung des US-Wirtschaftsembargos ist dies als ein durchaus beachtliches wirtschaftliches Ergebnis anzusehen.
Außer Bolivien übertrifft Kuba, gemessen am BIP pro Kopf der Bevölkerung, mit deutlichem Abstand auch Länder wie El Salvador, Guatemala, Ekuador und Paraguay. Als besonders gravierend für Lateinamerika erweist sich in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass sich die ökonomische und soziale Schere zwischen den so genannten Schwellenländern einerseits neben Argentinien vor allem Mexiko, Chile und Brasilien und den kleineren und ökonomisch schwächeren Ländern des Kontinents andererseits, in den letzten 10 Jahren insgesamt nicht geschlossen, sondern weiter geöffnet hat. Vor allem Länder wie Ekuador und Paraguay geraten ökonomisch und sozial in einen immer größeren Rückstand.
Es sind vor allem drei Aspekte, die das gesellschaftliche und politische Klima Kubas im Verhältnis zu seinen lateinamerikanischen Nachbarstaaten prägt. Nimmt man Problembereiche wie Hunger, Seuchen oder Analphabetentum, so gelten sie, von Aids abgesehen, in Kuba längst als überwunden. Die Erfolge Kubas auf diesem Gebiet stellen die Verhältnisse anderer auch reicherer Länder oft weit in den Schatten. Wenige Beispiele sollen das belegen: Während der Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu Sanitäranlagen in den Stadtgemeinden weltweit oft schon befriedigend gesichert ist, sind Landgemeinden auf diesen Gebieten überwiegend noch unzureichend versorgt. Zugang zu sauberem Trinkwasser in Landgemeinden hatten 1999 zum Beispiel in Kuba 82Prozent der dort lebenden Bevölkerung, in Argentinien waren es lediglich 30Prozent, in Brasilien 53 und in Mexiko 63 Prozent; Zugang zu hygienischen Sanitäranlagen in Landgemeinden hatten 1999 in Kuba 99 Prozent der dort lebenden Bevölkerung, in Argentinien waren es 43Prozent, in Brasilien und Mexiko jeweils nur 32 Prozent.
Zwischen Pioniertaten und Mangelwirtschaft
Auch in der medizinischen sowie biotechnologischen Forschung gehört Kuba zu den Ländern in der Welt, die auf wesentlichen Gebieten wie der Aids-Prävention Pionierdienste leisten. Nimmt man allerdings das tägliche Leben, wie die Qualität und Attraktivität des Angebots und die Effizienz der Versorgung der Bevölkerung mit Gütern und sozialen Diensten, die für die politische Stimmung im Lande oft Ausschlag gebender sind als wissenschaftliche Spitzenleistungen, so zeigt sich in Kuba oft ein tristes Bild: Die Menschen sind auf der meist vergeblichen Suche nach den notwendigen Gütern des täglichen Bedarfs. Mangel herrscht auch bei Gütern, die jenseits von Embargo und Devisenmangel im eigenen Lande gut und für jedermann ausreichend wachsen könnten: zum Beispiel frische Zitrusfrüchte, Gurken und Tomaten. Der allmächtige Staat versagt, wo der Markt Abhilfe schaffen könnte. Nur hin und wieder wird ein Ventil geöffnet, werden Kleinmärkte zugelassen, wenn die Versorgung der Bevölkerung an der Bürokratie völlig zu ersticken und der latent hohe Kaufkraftüberhang weiter auszuufern droht.
Doch die Kubaner sind sehr erfinderisch, selbst in der Beschaffung von US-Dollars gehen sie persönlich manchmal sehr unkonventionelle Wege. Der offizielle Wechselkurs von Peso zu Dollar beträgt 1 zu 1, doch auf den Parallelmärkten liegt er oft bei 20 zu 1. Schließlich ist es die hohe Schuldenlast, mit der Kubas Wirtschaft schwer zu kämpfen hat.
Nach internationalen Quellen belaufen sich die Auslandsschulden auf über 30Milliarden US-Dollar. Damit liegt Kuba in der Verschuldung mit mehr als 3000 US-Dollar pro Einwohner, gleich hinter Argentinien, auf Platz drei unter den Ländern Lateinamerikas. Kubanische Quellen hingegen beziffern die Schuldenhöhe zum Beispiel für das Jahr 1998 auf insgesamt »nur« 11,208 Milliarden US-Dollar.
Die Differenz ergibt sich vor allem aus rechtlich nicht abschließend geklärten Altschulden gegenüber den ehemals sozialistischen Ländern, wozu auch Kubas Verbindlichkeiten aus DDR-Zeiten gehören, die derzeit im Prinzip nicht regulär bedient werden. Ein chronisches Handelsbilanzdefizit, das sich zum Beispiel für 1998 auf 2,8 Milliarden US-Dollar belief, sowie eine insgesamt negative Leistungsbilanz verschärfen die Devisen- und die Liquiditätsprobleme des Landes beträchtlich. Ein empfindlicher Mangel an qualitativ hochwertigen Konsum- und Investitionsgütern zur Versorgung der Bevölkerung und zur Modernisierung der kubanischen Wirtschaft sind die logische Folge dieser Entwicklung. Dadurch wird der Prozess der Bewältigung der großen strukturellen Probleme des Landes wesentlich erschwert.
Tourismus auf dem Vormarsch
Die Halbierung der Zuckerproduktion von ehemals über 8 auf nunmehr etwa 4 Millionen Tonnen pro Jahr und des Zuckerexports seit Ende der achtziger Jahre sowie die Halbierung des Erdölimports von ehemals rund 13 auf nunmehr 6 bis 7 Millionen Tonnen vollzogen und vollziehen sich parallel mit dem Ausbau der Tourismusbranche sowie der Ausweitung der eigenen Erdölförderung, der Nickel-, der Zigarren- und Rumproduktion. Am gesamten kubanischen Export von 1422 Millionen US-Dollar im Jahre 1999 war Deutschland mit lediglich 35 Millionen Dollar beteiligt zum beachtlichen Teil in Form von Rum und Zigarren. Ebenso wie die Handels- und Leistungsbilanz leidet auch die Bilanz des kubanischen Staatshaushaltes unter einem chronischen Defizit, so zum Beispiel im Jahre 1998 in Höhe von mehr als einer halben Milliarde Peso bzw. US-Dollar.
Auch die Arbeitslosigkeit ist in Kuba ein ernstes Problem. Offiziell lag die Quote zuletzt bei etwa 7 Prozent, Ökonomen gehen hingegen von mindestens 20 Prozent aus. Die Geduld der Kubaner im Umgang mit den Problemen des Alltags scheint angesichts des niederträchtigen US-Embargos grenzenlos zu sein. Es fragt sich indes, ob Mangelwirtschaft und Bürokratie für die Menschen auf Dauer hinnehmbar sind.
(ND 03.04.02)
02.04.2002
EU ist größter ausländischer Investor auf Kuba
Havanna (dpa) - Die Europäische Union (EU) ist der größte ausländische Investor im sozialistischen Kuba. Das teilte das kubanische Ministerium für Auslandsinvestitionen in Havanna mit. Demnach sind Europäer an etwas mehr als der Hälfte der 403 kubanisch-ausländischen Gemeinschaftsunternehmen beteiligt. Unter den EU-Mitgliedsländern ist Spanien den Angaben zufolge mit 104 Beteiligungen am stärksten vertreten.
Gemeinschaftsunternehmen, bei denen ein ausländisches Privatunternehmen mit einer kubanischen Staatsfirma zusammenarbeitet, sind auf Kuba die übliche Form von ausländischen Engagements. Die häufigsten Branchen sind der Tourismus, die Erdöl- und Erdgassuche, der Bergbau, die Zementherstellung und die Pharmaindustrie.
Die Gesamtsumme der Auslandsinvestitionen auf Kuba bezifferte die Regierung mit 5,2 Milliarden US-Dollar (5,9 Mrd Euro). In dieser Summe seien neben den bereits realisierten Projekten aber auch solche enthalten, für die lediglich eine Zusage gegeben wurde. Angaben über die jährlichen Kapitalzuflüsse nach Kuba wollte die Regierung nicht machen.
(dpa/ecoline vom 02.04.2002 17:07 )
26.03.2002
Nachspiel zum Konflikt von Monterrey?
Mexikos Regierung arbeitet zielstrebig auf das Ende der traditionell engen Beziehungen zu Kuba hin
Mexiko und Kuba haben einen vollständigen diplomatischen Eklat offenbar in letzter Minute verhindert. Zum inoffiziell in einigen Medien bereits angekündigten gegenseitigen Rückzug der Botschafter kommt es wohl nicht. Doch das Verhältnis zwischen beiden Staaten verschlechtert sich zusehends. Die Auseinandersetzung um die plötzliche Abreise des kubanischen Präsidenten Fidel Castro vom UN-Gipfel für Entwicklungsfinanzierung in Monterrey am vergangenen Donnerstag markiert den bisherigen Tiefpunkt in den jahrzehntelang ausgesprochen guten Beziehungen zwischen dem sozialistischen Inselstaat und den verschiedenen mexikanischen Regierungen. Immer noch wird über die Hintergründe des Aufsehen erregenden Abgangs von Castro spekuliert. Einiges spricht für die kubanische Version, Druck von USA-Präsident George Bush auf die mexikanischen Gastgeber habe zur faktischen Ausladung Castros geführt, bevor Bush die Bühne in Monterrey betrat.
Von der Opposition müssen sich Mexikos Präsident Vicente Fox und sein Außenminister Jorge Castañeda nun vorwerfen lassen, wie »Hostessen von Bush« zu agieren. Andere sprechen von einer »Kampagne gegen Kuba«. Beide Aussagen haben viel für sich. Mexikos Abhängigkeit vom großen Nachbarn hat sich in den vergangenen Jahren verstärkt: Mexikos zu 90 Prozent mit den USA getätigter Außenhandel und die prekäre Situation von Millionen mexikanischer Migranten ohne gültige Papiere im Nachbarland sind Faustpfänder für Washington. Das Prinzip der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten, mit dem Mexiko lange Zeit als einziges lateinamerikanisches Land entgegen der Embargo-Politik der USA die Beziehungen zu Kuba rechtfertigte und pflegte, ist daher immer schwieriger durchzusetzen. Andererseits hat die seit Dezember 2000 amtierende Regierung von Vicente Fox ihre Erklärungen, an der traditionellen Politik gegenüber Kuba festzuhalten, in der Praxis auch ohne Druck von außen ständig Lügen gestraft. An Versuchen, das Klima zu verschlechtern, hat es nicht gefehlt. Den letzten Beweis lieferte Fox in einem Sonntagnacht gesendeten Fernsehinterview. Der kubanische Staatschef erzähle seit 40 Jahren im Grunde immer nur »das Gleiche«, so Fox auf den Hinweis, Castros Rede in Monterrey sei einer zuvor in Panama gehaltenen Ansprache sehr ähnlich. Der Kubaner hatte die derzeitige Weltwirtschaftsordnung als ein »Plünderungs- und Ausbeutungssystem« bezeichnet, wie es nie zuvor bestanden habe. Vor allem Mexikos Außenminister Jorge Castañeda verzichtet ungern darauf, mit flapsigen oder zweideutigen Bemerkungen die andere Seite zu provozieren. Früher ein Bewunderer der kubanischen Revolution, soll der Buchautor Castañeda es nie verwunden haben, dass er bei Recherchen nicht gebührend von der kubanischen Führung hofiert wurde. Das gibt seiner Kritik an der Politik auf der Karibikinsel manchmal den Anstrich eines persönlichen Rachefeldzugs.
Wenige Wochen zurück liegen der Empfang kubanischer Dissidenten in Mexikos Botschaft durch Vicente Fox und die mehrstündige Besetzung der Botschaft in Havanna durch Oppositionelle nach einer umstrittenen Castañeda-Rede in Miami. Sympathisanten der kubanischen Regierung sehen darin eine Strategie, die in kurzer Zeit die 40-jährige Praxis der Beziehungen Mexiko-Kuba obsolet werden lässt. Haben sie Recht, folgt dem Streit von Monterrey bald ein weiterer Konflikt.
26.03.2002
Kuba nennt Mexikos Außenminister "diabolisch und zynisch"
Havanna - Die kubanische Regierung hat ihre Angriffe gegen den mexikanischen Außenminister Jorge Castaneda im Zusammenhang mit der UNO-Konferenz für Entwicklungsfinanzierung in Monterrey in der vorigen Woche verschärft. Die Zeitung "Granma", Zentralorgan der Kommunistischen Partei, bezeichnete Castaneda am Dienstag als "diabolischen und zynischen Architekten" einer gegen Kuba gerichteten Politik. Castaneda habe dafür gesorgt, dass Staats- und Parteichef Fidel Castro das Treffen am Donnerstag vorzeitig verlassen musste. Castro war am Donnerstag nach seiner Rede überraschend abgereist und hatte so ein Zusammentreffen mit US-Präsident George W. Bush am Freitag vermieden. Wie "Granma" schrieb, hatte die mexikanische Regierung Castro einen Tag vor seiner Abreise aufgefordert, nicht nach Mexiko zu kommen. Sie habe dann akzeptiert, dass Castro bis Donnerstagnachmittag blieb. Die mexikanische Regierung habe gefürchtet, dass Bush anderenfalls nicht kommen würde.
Wegen des Vorfalls ist Castaneda auch in Mexiko in die Schusslinie der Kritik geraten. Eine Gruppe Oppositionsabgeordneter kündigte an, um Castanedas Entlassung zu bitten. In bedeutenden Teilen der politischen Führung Mexikos genießt Castro immer noch Sympathien. Castaneda hingegen ist zur Hassfigur der mexikanischen Linken geworden: Er hatte dieser früher selber angehört, vertritt seit seiner Berufung in die konservative Regierung Fox aber ausgesprochen pro-amerikanische Positionen. (APA/dpa)