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Diario / News

aus Kuba (2003)




25.12.2003
Kubas Wirtschaft wächst
Die kubanische Volkswirtschaft ist in diesem Jahr um 2,6 Prozent gewachsen. Dies teilte Wirtschaftsminister Jose Luis Rodriguez vor dem kubanischen Volkskongress in Havanna mit.Dieser Wert liege deutlich über den Prognosen. Für das kommende Jahr erwarte die Regierung ein ähnliches Ergebnis und strebe eine bessere Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten an, sagte der Minister.
Den Regierungsangaben zufolge erwies sich der Tourismus mit einem Anstieg der Besucherzahl um 12,7 Prozent auf 1,9 Millionen einmal mehr als der dynamischste Sektor der kubanischen Volkswirtschaft. Zum Wachstum trugen außerdem bessere Ernten bei Zitrusfrüchten, Gemüse und Getreide sowie eine erhöhte Fleischproduktion bei.
Die Erdölförderung Kuba stieg 2003 um 2,9 Prozent auf 4,3 Millionen Tonnen, die
Stromerzeugung nahm um 2,1 Prozent zu. Dagegen brach die Zuckerproduktion regelrecht ein. Nach 3,6 Millionen Tonnen im Vorjahr wurden in diesem Jahr nur 2,2 Millionen Tonnen Rohzucker gewonnen.
17.12.2003
Kuba vereinbart neue Lebensmittelkäufe mit US-Firmen
Kuba hat mit mehreren US-Firmen neue Verträge über Lebensmittelkäufe im Umfang von 84 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Wie der Vorsitzende der staatlichen Importfirma Alimport, Pedro Alvarez, weiter mitteilte, bezieht Kuba trotz des seit mehr als 40 Jahren bestehenden
Handelsembargo inzwischen 30 Prozent seiner Nahrungsimporte aus den USA. Die Lieferungen wurden möglich, nachdem der US-Kongress vor drei Jahren das Embargo gelockert hatte.
14.12.2003

Kubanischer Dissident fordert Dialog für Demokratie
Der kubanische Dissident Oswaldo Paya hat zu einem nationalen Dialog über den Übergang zur Demokratie aufgerufen. In einem am Samstag in Havanna verteilten Aufruf schlägt Paya grundlegende Änderungen im
sozialistischen Gesellschaftssystem des Karibikstaates und die Einrichtung eines «Nationalen Rates für einen Regierungswechsel» vor. Paya gehört zu den führenden Köpfen des Varela-Projekts, in dem sich seit Mai vergangenen Jahres 25.000 Bürger für ein Referendum über die Stärkung von Grundrechten wie die Meinungs- und Versammlungsfreiheit ausgesprochen haben. Die Regierung von Staatschef Fidel Castro hat diese Initiative als verfassungswidrig abgelehnt.
09.12.2003

Ruben Gonzalez!

Viva la revolución!
Buena-Vista-Social-Club-Pianist Gonzalez ist tot
Der durch den Film "Buena Vista Social Club" bekannt gewordene kubanische Pianist Ruben Gonzalez ist tot. Der 84-Jährige starb in Havanna nach langem Kampf gegen eine Knochenkrankheit, die durch Nieren- und Atemprobleme erschwert wurde, wie seine Frau Eneida Lima sagte. Der 1919 in Santa Clara geborene Gonzalez studierte Musik und Medizin, bevor er 1940 in die Hauptstadt Havanna zog und in mehreren Gruppen musizierte. Mit dem Eintritt in die Band Buena Vista Social Club gab der Musiker seinem Leben 1997 noch im hohen Alter eine große Wendung.
Der deutsche Regisseur Wim Wenders setzte der Latino-Combo mit einem Dokumentarfilm 1999 ein Denkmal; das Album verkaufte sich weltweit vier Millionen Mal und brachte der Gruppe einen Grammy ein. Das wohl bekannteste Bandmitglied, Sänger Compay Segundo, starb im Juli im Alter von 95 Jahren.
Der kleine Mann mit den weißen gekräuselten Haaren und dem Schnurrbart startete im hohen Alter auch noch eine Solokarriere: 1997 brachte er das Album «Introducing Ruben Gonzalez» raus, dem er drei Jahre später noch die Platte «Chanchullo» folgen ließ. Er wurde 1919 in der kubanischen Provinz Santa Clara geboren. Ursprünglich wollte er Arzt werden. Doch früh entdeckte er seine Leidenschaft für die Musik und studierte Klavier am Konservatorium von Cienfuegos. Nach Aufenthalten in Panama und Argentinien kehrte er Anfang der 60er Jahre nach Havanna zurück.
06.12.2003
Zehn Kubaner auf der Flucht in die USA ertrunken
Miami (AP) Zehn Kubaner sind auf der Flucht in die USA vermutlich ertrunken. Wie die US-Küstenwache in
Miami am Freitag mitteilte, wurde bereits am Montag ein 24-jähriger Schiffbrüchiger etwa 14 Kilometer vor der Küste Floridas aufgegriffen und gerettet. Der Mann habe gesagt, er habe sich am 27. November zusammen mit zehn anderen Menschen von Matanzas in Kuba aus mit einem vier Meter langen Schiff auf den Weg in die USA gemacht. Bei Sturm und hohem Wellengang sei das Boot gekentert.
Mitglieder der Küstenwache hätten sofort eine Suchaktion eingeleitet, hiess es. Ein Toter sei bisher geborgen worden. Es sei unwahrscheinlich, dass es noch Überlebende gebe. Seit Januar 2000 sind den Angaben zufolge 200 Menschen auf der Flucht von Kuba nach Florida ertrunken
06.12.2003
Fidel Castro bei Geburtstagsfeier von Elián González
Der kubanische Präsident Fidel Castro hat an der Feier zum zehnten Geburtstag von Elián González teilgenommen, der vor vier Jahren zum Symbol für den tiefen ideologischen Graben zwischen den USA und seinem kommunistisch regierten Heimatland wurde. Elián blies in seiner Schule in Cardenas nahe dem Touristenort Varadero zehn Kerzen auf seinem Geburtstagskuchen aus, Castro unterhielt sich mit Familienangehörigen von Elián und mit dessen Mitschülern. Später beteiligte sich der Staatschef an einer Veranstaltung zum "Fall Elián".
Eliáns Mutter und sein Stiefvater hatten sich zusammen mit anderen im November 1999 an Bord eines Boots in Richtung USA abgesetzt. Elián überlebte als einziger der Familie die Überfahrt. Seine
Verwandten in Miami scheiterten vor der US-Justiz mit dem Versuch, den Jungen in Florida zu behalten.
Nach monatelangem Sorgerechtsstreit in der Öffentlichkeit, der sich zum Politikum zwischen den USA und Kuba entwickelte, kehrte Elián Ende Juni 2000 nach Cardenas zurück. Dort lebt er seitdem zusammen mit seinem leiblichen Vater und seinem jüngeren Bruder. In Kuba hatten seinerzeit Massendemonstrationen mit hunderttausenden Menschen für die Rückkehr Eliáns stattgefunden.
04.11.2003
Vereinte Nationen verlangen Aufhebung des US-Embargos gegen Kuba
New York (dpa) - Die Vereinten Nationen haben mit großer Mehrheit erneut die Aufhebung des Embargos der USA gegen Kuba verlangt. 179 Mitgliedstaaten stimmten für eine entsprechende Resolution der UN- Vollversammlung. Lediglich die USA, Israel und die Marschallinseln stimmten dagegen. Die Staaten der Europäischen Union verbanden ihre Zustimmung zu der Resolution mit der Aufforderung an Kuba, die Menschenrechte zu respektieren und politische Gefangene freizulassen.
26.10.2003
Deutlich weniger Auslandsinvestitionen in Kuba
Die ausländischen Investitionen im sozialistischen Kuba sind deutlich zurückgegangen. Das geht aus einem Bericht der Ministerin für Auslandsinvestitionen und Wirtschaftliche Zusammenarbeit, Marta Lomas, an den am Samstag in Havanna tagenden Volkskongress hervor. Danach gibt es derzeit
355 Gemeinschaftsunternehmen kubanischer Staatsfirmen und ausländischer Partner . Im vorigen Jahr waren es noch mehr als 400 gewesen
Kuba hatte nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und dem Wegfall der sowjetischen Unterstützung Anfang der neunziger Jahre seine Volkswirtschaft für Auslandsinvestitionen geöffnet. Das stärkste ausländische Engagement gibt es im Tourismussektor, wo vor allem spanische Unternehmen in Hotelbau und -management eingestiegen sind. Auch beim Nickelbergbau und der Erdölsuche sowie an der
Rum- und Zigarrenproduktion sind ausländische Firmen beteiligt.
Insgesamt blieben ausländische Direktinvestitionen in Kuba als Devisenquelle aber von nur geringer Bedeutung. Das US-Embargo gegen Kuba schreckt oft auch Firmen aus Drittländern von einem Engagement ab. Es gab auch immer wieder Klagen
über bürokratische Hemmnisse . Ministerin Lomas versprach in ihrem Bericht vom Samstag eine Vereinfachung der Genehmigungsverfahren
25.10.2003
Schlappe für Castro: Musik-Sammler beschenkt Exilkubaner
Kubas Präsident Fidel Castro muss kulturpolitisch eine empfindliche Schlappe hinnehmen. Ausgerechnet Miami soll die stolzeste kubanische Musikalien-Sammlungen der Welt bekommen. In Miami aber leben
Castros Erzfeinde, die Exilkubaner . Diese eingeschworene Gemeinschaft betreibt seit langem die Absetzung des in Kuba selbst gut angesehenen Diktators.
Aufgebaut hat die Sammlung der heute 71-jährige Bauunternehmer Cristóbal Díaz Ayala. In 25 Jahren hat der gebürtige Kubaner nach Darstellung der "New York Times" 42.000 Schallplatten mit lateinamerikanischer Musik zusammengetragen. Hinzu kommt eine gewaltige Bibliothek zum Thema. Darunter sind Raritäten wie Alejo Carpentiers grundlegende Studie "Musik in Kuba" aus dem Jahre 1946. Die Sammlung wurde unlängst auf einen Wert von 825.000 Dollar geschätzt.
Wird reich beschenkt - die Florida International University in Miami
Jetzt hat Díaz Ayala beschlossen, die Sammlung der Florida International University in Miami zu vermachen. Die einzige Auflage: die Universität soll die Katalogisierung der Sammlung abschließen, die der Unternehmer gemeinsam mit seiner Frau Marysa in den letzten Jahren begonnen hat.
Schon jetzt ist die Sammlung für die Forschung unerlässlich. Sie hat Musikwissenschaftlern erlaubt, unerlässliche Lücken in der Entwicklungsgeschichte der lateinamerikanischen Musik zu schließen. Viele legendäre Aufnahmen sind schon im Zweiten Weltkrieg verschütt gegangen. In der Nachkriegszeit verschwanden bekannte kubanische Labels in der Versenkung - mit ihnen gingen zahlreiche Musikstücke verloren.
Erst mit dem weltweiten Kuba-Fieber, das die Altherren-Kombo Buena Vista Social Club in den 90er Jahren auslöste, erwachte das Interesse an kubanischer Musik.
Konservatorische Bedingungen für Musik in Amerika besser
Auf die Nachfrage der "New York Times", ob er denn auch daran gedacht habe, seine Kostbarkeiten seinem Heimatland Kuba zu schenken, antwortet Ayala, in Kuba verschwänden Dinge aus den Museen. Und auch die Pflege lasse zu wünschen übrig.
Das bestätigt auch ein ausgewiesener Kenner der Materie, der österreichische Buchautor Thomas Miessgang (Der Gesang der Sehnsucht. Die Geschichte des Buena Vista Social Club und der kubanischen Musik, Kipenheuer & Witsch, 2000, DM 18,90), der sagt, die konservatorischen Bedingungen für Musik in Kuba seien mit denen in Amerika nicht zu vergleichen: "Vieles, was Díaz hat, ist auf Schellack. Das muss alles digitalisiert werden." Allein dieser Schritt der Archivierung und Katalogisierung brauche Arbeitskräfte und Infrastruktur, die Kuba nicht bieten könne.
Miessgang hofft, dass mit der Schenkung das inmitten eines eher exotisch-folkloristischen Interesses an kubanischer Musik die "ernsthafte Erforschung der lateinamerikanischen Musik" Auftrieb bekommen werde.
20.10.2003
Rangliste zur Situation der Pressefreiheit weltweit: Schlusslichter Nordkorea und Kuba
Die heute von der Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen (RoG) zum zweiten Mal veröffentlichte Rangliste gibt Aufschluss über den Grad der Medienfreiheit in 164 Ländern. Auf den
letzten Rängen stehen Nordkorea und Kuba . Als Musterbeispiele für Pressefreiheit gelten wie im Jahr zuvor die skandinavischen Länder. Deutschland nimmt den achten Rang ein.
Kuba steht in diesem Jahr auch deshalb auf dem vorletzten Listenplatz, weil im Frühjahr diesen Jahres 26 unabhängige Journalisten
verhaftet und zu Gefängnisstrafen zwischen 14 und 27 Jahren verurteilt worden waren. Ihnen wird vorgeworfen, im Ausland Artikel veröffentlicht zu haben, die "imperialistische Interessen" bedienten. Kuba ist - wie RoG konstatiert - "derzeit das größte Gefängnis für Journalisten weltweit".
Reporter ohne Grenzen hat Journalisten, Wissenschaftler, Juristen und Menschenrechtsverteidiger mit einem detaillierten Fragenkatalog zur Situation der Medienfreiheit in ihrem jeweiligen Land befragt. Die Fragen galten Themen wie gewalttätigen Übergriffen, Morden oder Verhaftungen. Auch nach Zensur, staatlichen Monopolen oder dem Einsatz von Regierungen für die Pressefreiheit wurde gefragt. In diesem Jahr lagen für 164 Länder verlässliche Informationen und auswertbare Fragebögen vor, im Jahr 2002 waren es 139. Der Index bezieht sich auf den Zeitraum zwischen September 2002 und September 2003; er spiegelt nicht die allgemeine Menschenrechtslage eines Landes wider.
10.10.2003
US-Regierung verschärft Druck auf Castro
Die US-Regierung verstärkt den Druck auf Kuba. Präsident George W. Bush kündigte am am Freitag eine Verschärfung der Reiserestriktionen für Besuche in Kuba und eine neue Informationskampagne an. Außerdem werde ein «Ausschuss zur Hilfe für ein freies Kuba» geschaffen, dem Außenminister Colin Powell vorstehen.
Ziel sei «der Übergang von einem stalinistischen Regime zu einer offenen Gesellschaft», sagte Bush. Der Ausschuss bereite die «glücklichen Tage» vor, an denen das Castro-Regime nicht mehr existieren werde.
Bush erklärte, die Reisebeschränkungen müssten schärfer überwacht werden. In vielen Fällen würden die bestehenden Ausnahmen, etwa Familienbesuche oder Besuche aus humanitären Gründen, für illegale Geschäftsreisen oder Touristenbesuche ausgenutzt. Dagegen werde die Regierung nun vorgehen. Als wichtig bezeichnete Bush auch eine Ausweitung der Informationskampagne gegen Kuba. «Unterdrücker-Regime hassen die Wahrheit.» Und deshalb müssten den Kubanern die Möglichkeit gegeben werden, sich über Radio oder das Internet zu informieren. Der Präsident verwies darauf, dass in diesem Jahr bereits ein neuer Satellit ins Orbit gebracht wurde, der es den USA erlaube, mehr und besser Sendungen nach Kuba auszustrahlen.
24.09.2003
Das kleine Monster lebt

Viva la revolución!


Der Schlitzrüssler ist offenbar doch noch nicht auf Kuba ausgestorben. Ein männliches Exemplar des Insektenfressers wurde jetzt im Osten der Karibik-Insel entdeckt, wie die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina am Dienstag (Ortszeit) berichtete.
Wissenschaftler hoffen nun, dass der Schlitzrüssler oder Almiqui „nicht im Katalog der Tiere landet, die unwiderbringlich vom Anlitz dieser Erde verschwunden sind“.
Der Schlitzrüssler ähnelt einem Dachs mit dichtem braunen Fell und einer langen rüsselähnlichen Schnauze mit rosafarbener Spitze. Er ist etwa 30 Zentimenter lang und nachtaktiv. Am Tage gräbt er sich in unterirdische Höhengänge ein.
Der jetzt wiederentdeckte Almiqui wurde nach dem Farmer, der ihn fand, „Alejandrito“ genannt. Tiermediziner erklärten das 700 Gramm schwere Tier für kerngesund. Zuletzt wurde ein Almiqui 1999 im Osten Kubas gesehen. Dies war die erste Wiederentdeckung des Schlitzrüsslers seit 1972.
18.09.2003
Kubas Geheimdienst behauptet, der prominente Dissident Elizardo Sánchez sei sein Spitzel gewesen. Der Beschuldigte leugnet
Seit 27 Jahren informiert Elizardo Sánchez die Weltöffentlichkeit über Menschenrechtsverletzungen in Kuba. Er berichtet über Verhaftungen, Prozesse, politische Gefangene, Hungerstreiks, kurzum über alles, was der Dauerredner Fidel Castro immer verschweigt. Weltweit genießt der Präsident der kubanischen Menschenrechtsorganisation, der achteinhalb Jahre in Gefängnissen verbracht hat und trotzdem im Land geblieben ist, hohe Achtung. Spitzenpolitiker aller Kontinente haben ihm ihre Aufwartung gemacht. Am vergangenen Donnerstag nun schlug das Regime zu. Das Informationsministerium lud die Auslandskorrespondenten zu einer Filmvorführung ein, die nur wenige Minuten dauerte. Auf dem Videoband, das ihnen vorgespielt wurde, ist deutlich zu erkennen, wie ein Offizier der Staatssicherheit dem Menschenrechtler eine Medaille überreicht – für seine „wertvollen Dienstleistungen in der Auseinandersetzung mit dem Yankee-Imperialismus“, wie einer aus der Gruppe von Geheimdienstlern im Film sagt. Sánchez nennt sie „Genossen“, und alle zusammen singen sie die kubanische Nationalhymne.
Mit der Vorführung des Videos wollte das kubanische Regime den Beweis für eine Behauptung antreten, die es drei Wochen zuvor in die Welt gesetzt hatte. Mitte August hatten Lázaro Barredo, Kommentator der Gewerkschaftszeitung Trabajadores, und Arleen Rodríguez, Chefredakteurin der Zeitschrift Tricontinental, einer verdutzten Öffentlichkeit ihr Buch Camaján („Gauner“) vorgestellt. Darin schimpfen sie Elizardo Sánchez einen Landesverräter, der im Sold der USA stehe, CIA-Informant sei, Beweise für angebliche Menschenrechtsverletzungen fabriziere, mit der
terroristischen Mafia von Miami verbandelt sei, auf großem Fuß lebe und ausländische Hilfsgelder für „gewisse irdische Vergnügen mit wechselnden Damen“ ausgebe. Und dann kommt der Coup: Just dieser ruchlose Gauner sei im Dezember 1997 an die kubanische Staatssicherheit herangetreten, um ihr seine Dienste anzubieten. Sánchez habe der Staatssicherheit seither wertvolle Informationen über die Dissidenten und ihre Verbindungen zum Exil in Miami und zur US-Interessenvertretung in Kuba geliefert.
Elizardo Sánchez, der neben Osvaldo Payá bekannteste Dissident Kubas, ein Spitzel des Regimes? Als die beiden Journalisten vor drei Wochen ihr Buch vorstellten, waren sich unvoreingenommene Beobachter einig, dass es sich um ein übles Machwerk handelt. Zu dreist waren die Lügen, zu ideologisch die Sprache der Giftspritzer, zu obszön die Unterstellungen. Der Kurzfilm vom vergangenen Donnerstag jedoch habe in diplomatischen und oppositionellen Kreisen wie ein Bombe eingeschlagen, behauptet der Korrespondent der renommierten spanischen Zeitung El País, der seit über zehn Jahren aus Havanna berichtet. Man ist verunsichert, seit jüngst 75 Dissidenten, unter ihnen zahlreiche unabhängige Journalisten, zu Haftstrafen zwischen 6 und 28 Jahren verurteilt wurden und danach Néstor Baguer, der Präsident der Unabhängigen Journalistenvereinigung Kubas, sich selbst als Kronzeuge der Anklage enttarnte.
Sánchez sprach umgehend von einer „Schmierenkomödie“, deren einziges Ziel es sei, die Opposition in Misskredit zu bringen. Dass er mit Beamten der Staatssicherheit seit Jahren in Kontakt stand, hat er nie bestritten. „Ich würde selbst mit dem Teufel sprechen“, rechtfertigte er sich immer, „wenn es meinem Land nützen würde.“ Dass er den Geheimdienstlern Informationen lieferte und seine Mitstreiter verriet, dementiert er jedoch. Auf das kompromittierende Video angesprochen, sagte Sánchez, er habe nur nebulöse Erinnerungen. Er entsinne sich eines Treffens mit der Staatssicherheit, bei dem er kaum wahrnahm, was ablief. Vielleicht habe man ihm irgendetwas ins Glas geschüttet.
Ausflüchte eines in die Ecke Gedrängten? Eine unabhängige Untersuchung der Umstände, unter denen das Video gedreht wurde, ist unter den gegebenen Verhältnissen nicht möglich, und so sind Zweifel an der Version der Regierung angebracht.Der kubanische Geheimdienst, der auf der Insel omnipräsent ist, steht, was die Techniken der „Diversion“ betrifft, dem verblichenen DDR-Staatssicherheitsdient jedenfalls in nichts nach.
Osvaldo Payá, der vom EU-Parlament mit dem Sacharow-Preis gekrönte kubanische Dissident, hält die neue Strategie des Regimes für einen Ausdruck purer Verzweiflung. Er fügt aber vorsichtig hinzu, er werde sich nicht zum Richter über Sánchez aufschwingen, es sei jedoch dessen Angelegenheit, den Sachverhalt aufzuklären. Jahrzehntelang habe Castro bestritten, dass es in seinem Reich überhaupt eine ernst zu nehmende Opposition gibt, so Payá. Nun sehe sich das Regime gezwungen, „Bücher und auch Videos zu veröffentlichen, nur um die Oppositionellen zu diffamieren“. Der Dissident Vladimiro Roca, Sohn des Gründers der heute in Kuba allmächtigen Kommunistischen Partei, spricht von einem durchsichtigen Manöver, mit dem Castro die Opposition spalten wolle. Auf seiner Insel hat der Diktator jedenfalls das Gegenteil erreicht: Die Dissidenten rücken zusammen.
Allenfalls unter den ideologischen Hardlinern der kubanischen Exilgemeinde in Miami fällt Castros Saat auf fruchtbaren Boden. Der prominente Menschenrechtler war ihnen schon lange suspekt. „In Wirklichkeit diente Elizardo Sánchez immer mehr den Interessen des Regimes als denen der Opposition“, sagt Ninoska Pérez, die Präsidentin des Rats für die Freiheit Kubas. Immerhin war der heutige Sozialdemokrat im kommunistischen Kuba Professor für Marxismus, bis er 1968 gefeuert wurde, weil er den Einmarsch der Sowjettruppen in Prag nicht gutheißen wollte. Stets kritisierte er das US-Wirtschaftsembargo gegen Kuba. Ja, Elizardo Sánchez hat sogar die ketzerische Ansicht vertreten, Castro könne, da er bei einem beträchtlichen Teil der Bevölkerung noch immer Rückhalt genieße, bei einem Übergang zur Demokratie durchaus eine wichtige politische Rolle spielen. Da irrt wohl der Dissident. Nichts spricht dafür, dass der máximo líder eines Tages die Macht teilen wird. Seine neuesten Manöver deuten sogar darauf hin, dass er die moderate Opposition mehr fürchtet als die radikalen Antikommunisten in Miami. Castro bleibt sich treu. Eher wird er Kuba mit sich in den Abgrund stürzen, als von seiner Revolution abzulassen.
(c) DIE ZEIT 18.09.2003 Nr.39, http://www.zeit.de/2003/39/Kuba
17.09.2003
Der Boykott des Boykotts - Verlage wollen zur Messe nach Havanna

Deutschland sagt bei Kubas Buchmesse ab – und Havanna in Frankfurt. Beides schadet Kubas Opposition

Trotz einer offiziellen Absage des Auswärtigen Amtes wollen deutsche Verlage an der Internationalen Buchmesse von Havanna im kommenden Frühjahr teilnehmen. Ein eigens dafür gegründetes Büro stehe mit deutschen Institutionen und Verlagen in Verbindung, von denen bereits konkrete Zusagen zur Teilnahme eingegangen seien. Im August hatte das Auswärtige Amt die deutsche Teilnahme mit Verweis auf die "zugespitzte Menschenrechtslage" auf Kuba abgesagt.
Wer die Buchmesse von Havanna nie besucht hat, kann nur schwer ermessen, welch große Bedeutung sie für Kuba hat. Die Menschen sind täglich den ideologischen Bombardierungen einer unterwürfigen Presse ausgesetzt. Die wenigen Bücher, die jedes Jahr erscheinen,
werden von einer undurchdringlichen Zensurmaschinerie peinlich genau überprüft. Diese hält das gesamte kulturelle Leben Kubas im Würgegriff.
Ist es da erstaunlich, dass jeden Februar Abertausende Kubaner in die alte Festung von La Cabaña strömen, hungrig auf Informationen und voller Sehnsucht nach einer frischen Brise Literatur aus Übersee? Einige Kubaner gehen zur Messe, um Bücher zu kaufen, andere kommen, um sich welche zu „organisieren“.
Angeblich war für die nächste Buchmesse im Jahr 2004, auf der Deutschland als Ehrengast geladen war, die Veröffentlichung von vielen Werken vorgesehen, die jahrelang in Planung waren. Ihre Urheber hatten keinerlei Unterstützung der offiziellen kubanischen Kulturbürokratie (diese beschäftigt sich ohnehin ausschließlich damit, Intellektuellen und Künstlern möglichst viele Hürden in den Weg zu stellen). Viele der Beteiligten haben auf Honorare verzichtet.
Die jetzt von der deutschen Regierung getroffene Entscheidung, nicht an der Buchmesse in Havanna teilzunehmen, wird höchstwahrscheinlich dazu führen, dass diese Projekte wieder in den Schubladen verschwinden. Und die Situation hat sich postwendend verschärft durch die Absage Kubas, an der Frankfurter Buchmesse 2003 teilzunehmen. Außerdem ist der Lieblingstraum vieler kubanischer Germanisten mit diesen Entwicklungen erst einmal ausgeträumt: die Gründung eines Goethe-Instituts in Havanna. Die kubanische Führung hatte gegen die Eröffnung ohnedies alle bürokratischen Geschütze in Stellung gebracht. Nun liefert ihr ausgerechnet Berlin die schärfste Waffe. Weder Fidel Castro wird der Leidtragende dieser Entscheidung sein, noch seine erstarrte Nomenklatur.
Mit Auszügen eines Artikels von José Anibal Campos (http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/03.09.2003/725333.asp). Der kubanische Autor war viele Jahre als Übersetzer und Kulturvermittler in Havanna tätig und lebt heute in Madrid. Aus dem Spanischen von Philipp Lichterbeck.
27.07.2003
Fidel Castro feiert 77. Geburtstag
Er hält den Rekord für die weltweit längste Regierungszeit. Müdigkeit im Amt lässt
Fidel Castro nicht erkennen. Nach seinem Vorgehen gegen die Opposition in diesem Jahr unter internationalem Druck, schlägt der kubanische Präsident noch immer hart zurück. Erst kürzlich bezeichnete er die Europäische Union als «Trojanisches Pferd» Washingtons. Auch mit 77 Jahren ist Castro kein bisschen leise.
Offizielle Feiern standen zu seinem Geburtstag am Mittwoch nicht auf dem Programm. Üblicherweise verbringt der Maximo Lider den Tag ruhig und ohne grosses Aufsehen. Auch wenn sein offizielles Geburtsdatum bezweifelt wird - manche glauben, Castro sei erst ein Jahr später zur Welt gekommen -, ist der Geburtsort unumstritten: Castro stammt aus dem Osten Kubas, wo sein aus Spanien eingewanderter Vater eine Zuckerrohrplantage betrieb.
Seit der
Revolution von 1959 führt Fidel Alejandro Castro Ruz den Karibikstaat Kuba. Auf seinem Weg zum Vorsitzenden des Staatsrates, zum Vorsitzenden des Ministerrates und zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei hat er zahlreiche Rückschläge und Hindernisse überwunden. Zwei Aufstände - 1953 und 1956 - führte der promovierte Jurist an, beide schlugen fehl. Nach dem zweiten liess der damalige Diktator Fulgencio Batista verbreiten, Castro sei getötet worden. Doch als Guerillakämpfer fand Castro grossen Zulauf und gewann ab Herbst 1958 zunehmend an Boden. Im Januar 1959 gab Batista auf, Castro marschierte in Havanna ein. Nach dem missglückten Invasionsversuch der von den USA unterstützten Exilkubaner im April 1961 in der Schweinebucht erklärte Castro Kuba zum sozialistischen Staat und Wahlen für unnötig.
Seit mehr als zehn Jahren machen immer wieder Gerüchte über eine Krebserkrankung Castros, Herzprobleme, Parkinson oder einen Schlaganfall die Runde. Allen Spekulationen um seine schwächelnde Gesundheit zum Trotz stellt der Präsident seine Energie aber noch immer mit stundenlange Reden unter Beweis - und mit aggressiver Rhetorik.
Zum Nationalfeiertag Ende Juli beispielsweise griff er die EU scharf an. Europa sei nicht fähig, unabhängig und ohne Rücksicht auf Washington über seine Beziehungen zu Kuba zu entscheiden, sagte er am 50. Jahrestag seines Putschversuchs gegen die damalige Regierung, der den Grundstein für die kubanische Revolution sechs Jahre später legte. Auf Hilfe aus Europa könne Kuba aber verzichten, erklärte Castro. Die EU ist der stärkste Handelspartner und Geber für das kommunistische Land. Sie hat allerdings im Juni entschieden, ihre Politik gegenüber Kuba wegen der anhaltenden Berichte über Menschenrechtsverletzungen zu überdenken.
27.07.2003
Castro: Kuba braucht keine Hilfe der EU
Der kubanische Präsident Fidel Castro hat der Europäische Union vorgeworfen, der USA hörig zu sein. Sein Land sei aber nicht auf die Unterstützung Europas angewiesen, sagte er.
50 Jahre Revolution: Fidel Castro feiert sich und Kuba. Doch am Jahrestag seins Putschversuchs gegen die damalige Regierung in Havanna herrscht nicht nur eitel Sonnenschein in dem kommunistischen Land. Im Gegenteil: Castro nutzte die Gelegenheit, den Europäern mitzuteilen, was er von ihnen hält. Die europäischen Länder seien nur «das Trojanische Pferd» der USA, sagte Castro am Samstag in einer Rede in Santiago. Die europäischen Regierungen seien nicht fähig, unabhängig und ohne Rücksicht auf Washington über ihre Beziehungen zu Kuba zu entscheiden, wetterte der Präsident in der live im Radio und Fernsehen übertragenen Rede zum Nationalfeiertag. Er hob ausdrücklich hervor, dass sein Land nicht auf Europa angewiesen sei. «Kuba braucht nicht die Hilfe der Europäischen Union, um überleben zu können», sagte der Staatschef vor Tausenden geladenen Gästen.

Castro: Europa verantwortlich für Sklavenhandel
Die EU ist der stärkste Handelspartner und Geldgeber für das kommunistische Land. Erst im Juni hatte die Union entschieden, ihre Politik gegenüber Kuba wegen der anhaltenden Berichte über Menschenrechtsverletzungen zu überdenken. Castro wies die Kritik zurück und bezeichnete die europäischen Länder als «Gruppe alter Kolonialmächte, historisch verantwortlich für Sklavenhandel, Plünderungen und sogar die Auslöschung ganzer Völker».
Trotz der massiven Kritik will die Europäische Union an ihrer Unterstützung Kubas festhalten. Das teilte die EU-Kommission am Sonntag in Brüssel mit. Man bedauere die Aussagen Castros, hieß es. Die Kommission bekräftigte aber ihren Willen, «das kubanische Volk und vor allem die Bedürftigsten zu unterstützen». EU-Angaben zufolge flossen seit 1993 Hilfezahlungen in Höhe von mehr als 145 Millionen Euro nach Kuba.
26.07.2003
Kuba feiert 50. Jahrestag von Beginn der Revolution
Kuba hat am Samstag des 50. Jahrestages des Beginns der Revolution unter Fidel Castro gedacht. Mit einem symbolischen Angriff auf die Moncada-Kaserne im Südosten der sozialistischen Karibik-Insel leiteten Schüler am Morgen die Feierlichkeiten ein. Das nahe gelegene Santiago de Cuba war mit Flaggen übersät, der Nachthimmel wurde von einem Feuerwerk erleuchtet. Der am 26. Juli 1953 vom heutigen Staatschef Fidel Castro angeführte Rebellenangriff war zwar gescheitert, bereitete dem Revolutionsführer aber den Weg an die Macht. Mit der Unterstützung der Bevölkerung stürzte er den von den USA unterstützten Diktator Fulgencio Batista im Januar 1959.
20.07.2003

Viva la revolución!
Der kubanische Oppositionsführer Oswaldo Paya auf dem Empfang zum 14. Juli in der französischen Botschaft

Viva la revolución!
Der Comandante. Auch mit 77 noch mit harter Hand
Ende der Mojito-Diplomatie
Botschafts-Partys in Havanna waren lange Zeit die einzige Gelegenheit, bei der kubanische Dissidenten und Regierungsvertreter ins Gespräch kommen konnten. Das Castro-Regime will die Annäherung bei Mojitos und Cuba Libres nun verhindern.

Karibische Nachtluft, Rumba, Tanz und literweise Rum-Getränke. Die eleganten Empfänge der europäischen Botschaften auf Kuba sind rauschende Feste - und die Kulisse für vorsichtige Gespräche zwischen Kubas Opposition und Fidel Castros Regierungsvertretern, für die sonst auf der Zuckerinsel kein Platz ist. Doch dem Biotop Botschaftsparty, in dem bislang zarte Pflänzchen der Verständigung sprießen konnten, droht jetzt der Tod. Die scharfe Kritik der EU an der Inhaftierung von 71 Dissidenten, die im April zu zusammen über 1000 Jahren Gefängnis verurteilt wurden, könnte das Ende der Mojito-Diplomatie bedeuten.
Im März noch hatte der dänische Entwicklungskommissar Poul Nielson bei der Fete zur Eröffnung der ersten EU-Interessenvertretung in Havanna laut von einer "neuen Ära" der Beziehungen zwischen Europa und Kuba geträumt. Die EU wolle die wirtschaftliche Zusammenarbeit stärken und sich dafür einsetzen, dass Kuba in die Gruppe der AKP-Statten aufgenommen werde, die privilegierte Handelsbeziehungen zur EU genieße, versprach er damals.
Doch dann kam - während die Weltöffentlichkeit auf den Irak schaute - eine
neue Inhaftierungswelle im alten Stil , bei der missliebige Schriftsteller, Journalisten und Wissenschaftler im Morgengrauen von zu Hause abgeholt wurden. Seitdem sitzen die meisten von ihnen in Isolationshaft, werden spärlich ernährt und teilen sich ihre feuchten Zellen mit Ratten und Kakerlaken. Drei Männer, die per Boot von Kuba fliehen wollten und dazu eine Fähre gekapert hatten, wurden Anfang April zum Tode verurteilt und noch am gleichen Tag hingerichtet.
Die Europäische Union reagierte: Am 5. Juni wandte sie sich mit einer Note an die kubanische Regierung, in der sie sich als "zutiefst beunruhigt über die fortgesetzten eklatanten Verletzungen der Menschenrechte und Grundfreiheiten gegenüber der kubanischen Opposition sowie gegenüber unabhängigen Journalisten, die ihrer Freiheit beraubt werden, weil sie ihre Meinungen frei geäußert haben", zeigte. Politische Gefangene müssten sofort freigelassen und keiner unmenschlichen Behandlung ausgesetzt werden, forderte Brüssel.
Gleichzeitig beschloss die EU, als Sanktionsmaßnahme gegen die Regierung des Máximo Líder Castro bilaterale Regierungstreffen auf hoher Ebene zu begrenzen, bei der Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen "Zurückhaltung zu üben" und kubanische Dissidenten - wie schon zuvor - demonstrativ zu Botschafts-Empfängen an Nationalfeiertagen einzuladen.

Castro droht Botschaften mit "totaler Isolation"
Die Abmahnung aus Brüssel muss dem Comandante, wie der 77-jährige Castro sich gern nennen lässt, übel aufgestoßen sein: Anfang Juli ließ er seinen Außenminister Pérez Roque bei einer Versammlung des Schriftstellerverbands in Havanna mitteilen, dass Botschaften, die auch nur einen einzigen Dissidenten auf ihre Partys einlüden, von keinem kubanischen Amtsträger mehr besucht werden dürften, so der langjährige Kuba-Kenner und "FAZ"-Korrespondent Walter Haubrich.
Außerdem müssten sich ausländische Botschaften, die sich dem Gebot Castros widersetzten, darauf gefasst machen, "total isoliert" zu werden. Zur Feier des französischen Nationalfeiertages am 14. Juli erschienen denn auch prompt keine kubanischen Würdenträger. Die Pariser Vertretung hatte sich geweigert, bereits geladene Oppositionelle wieder auszuladen, berichtet Haubrich unter Berufung auf kubanische Quellen.
Der Zorn Castros auf die diplomatischen Vertretungen auf Kuba dürfte auch noch andere Ursachen haben: Beobachter gehen davon aus, dass die erneute Razzia gegen Intellektuellen dadurch ausgelöst wurde, dass viele der jetzt Inhaftierten ein Angebot des ständigen Vertreters der USA auf Kuba, James Cason, angenommen hatten, seine Residenz in Havanna als Treffpunkt für politische Gespräche zu nutzen.
Der deutsche Leiter der EU-Vertretung in Havanna, Sven Kuhn von Burgsdorff, sowie die Botschafter der Mitgliedsländer stecken nun in einem Dilemma. Ihr Auftrag ist Wandel durch Annäherung - was tun, wenn der Gesprächspartner damit droht, auf Abstand zu gehen? Soll sich Europa im Gegenzug der harten Linie der USA anschließen, die Kooperationen mit Kuba durch die Helms-Burton-Sanktionsgesetze bestraft? Sollen Entwicklungshilfe-Gelder eingefroren werden?
Die zuständige Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) lehnte solche Sanktionen im Zuge der Diskussion um die Verhaftungen im April als kontraproduktiv ab. Menschliche Kontakte und Meinungsaustausch müssten gefördert werden, wolle man die Lage für die Kubaner verbessern.

Kuba hängt am Tropf der EU
Bislang verfolgte die EU eine Politik der kleinen Schritte, seit 1996 bemüht sich vor allem Spanien um die Verständigung mit dem Insel-Regime. Der Karibik-Staat hängt de facto am Tropf der EU, die allein seit 1993 rund 150 Millionen Euro Entwicklungsgelder in das marode Land gepumpt hat. Der Lebensstandard vieler Kubaner, die im Schnitt zwölf Euro im Monat verdienen, hängt wesentlich davon ab, ob ihre Regierung diese Hilfen weiter ins Land lassen wird. Aber soll sich die EU deshalb von einem totalitären Regime dahingehend erpressen lassen, die Kontakte zur Opposition abzubrechen?
Die Botschaften überlegen nun, wie sie ihre Gästelisten in Zukunft politisch korrekt zusammenstellen. "Die deutsche Botschaft wird auch weiterhin sowohl Regierungsvertreter als auch Regimekritiker einladen", sagt eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin. Diese Haltung entspräche der anderer EU-Länder, die sich in einer Ministerratserklärung darauf geeinigt hätten, weiterhin Kontakt "mit kubanischen Bürgern, die der friedlichen Opposition angehören", zu pflegen. "Dem Auswärtigen Amt ist der Kontakt mit der kubanischen Opposition angesichts der Verschlechterung der Lage der Menschenrechte in Kuba besonders wichtig", so die Sprecherin des Auswärtigen Amts.
Die Nagelprobe, ob der deutsche Botschafter Bernd Wulffen in seinem tropischen Garten in Havanna in Zukunft wirklich nur noch Ausländer und Dissidenten, aber keine Amtsträger mehr begrüßen kann, wird noch einige Zeit auf sich warten lassen: Die nächste offizielle Party unter deutscher Flagge steigt erst am 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit
21.07.2003
EU droht Havanna - Der Ministerrat der EU verabschiedet heute seine neue Position zu Kuba
Sechs Monate früher als beabsichtigt wird der Ministerrat der Europäischen Union am heutigen Montag in Brüssel die »Neubewertung des gemeinsamen Standpunktes der EU zu Kuba« verabschieden. Der zweiseitige Entwurf, der junge Welt vor der Abstimmung vorlag, zielt auf eine teilweise Verschlechterung der Beziehungen zwischen Brüssel und Havanna. Scharfe Kritik wird an der kubanischen Regierung unter anderem wegen der Vollstreckung der Todesstrafe an drei Schiffsentführern und der Festnahmen von Regierungsgegnern geäußert. »Die kubanische Regierung hat mit Festnahmen von Dissidenten im März (...) internationale Menschenrechtsstandards verletzt«, heißt es in dem Dokument, das die Regierungsgegner als »politische Gefangene« bezeichnet. Nicht eingegangen wird auf den politischen Kontext und die Vorwürfe Havannas, nach denen die Inhaftierten mit der US-Regierung kooperiert haben.
Seit der Verabschiedung des »Gemeinsamen Standpunktes« Anfang Dezember 1996 veröffentlicht die Union in sechsmonatigem Abstand kurze Lageeinschätzungen, in denen gemeinhin politische und wirtschaftliche Reformen angemahnt werden. Im vergangenen Dezember erst war beschlossen worden, die Einschätzungen künftig nur noch im Jahresabstand zu fällen. Nach Informationen aus deutschen Diplomatenkreisen in Brüssel hätten sich jedoch besonders Großbritannien, Schweden und die Niederlande für eine vorgezogene Positionierung zu Kuba ausgesprochen. Eine »aktive Rolle« hätten zudem Italien und Spanien gespielt.
Tatsächlich haben politische Tendenz und Ton der heute in Brüssel thematisierten Stellungnahme innerhalb der Union zu Auseinandersetzungen geführt. Das Problem ist nicht neu: So wird die Aufnahme Kubas in das entwicklungs- und wirtschaftspolitische »Cotonou-Abkommen« zwischen der EU und Entwicklungsländern seit Jahren mit Verweis auf die Menschenrechtspolitik Havannas verhindert. Daß dabei keine objektiven Maßstäbe angelegt werden, läßt schon die Tatsache vermuten, daß Staaten wie Liberia, Kongo oder Haiti ohne Probleme aufgenommen wurden. Auf Initiative von Rom und Madrid wurde in letzter Minute ein Absatz geändert, der jedwede Investitionen auf Kuba davon abhängig macht, ob das Geld »der Bevölkerung und der wirtschaftlichen Öffnung zugute kommt«. Italien hat bereits beschlossen, seine Entwicklungszusammenarbeit mit Kuba, die in diesem Jahr auf knapp 40 Millionen Euro angestiegen wäre, aufzukündigen. Ähnliche Schritte werden in Spanien und den Niederlanden diskutiert.
In der Erklärung des EU-Ministerrates wird als Indiz für Menschenrechtsverletzungen auf Kuba auch auf Polizeiaktionen verwiesen, mit denen im März dieses Jahres »privates Unternehmertum« unterdrückt worden sei. Tatsächlich hatten sich Polizeirazzien in dieser Zeit gegen Drogenhandel, Schwarzarbeit und illegale Vermietungen gerichtet, durch die dem kubanischen Staat zunehmend Steuermittel verlorengehen. Daß die EU diese Steuerhinterziehungen als legitime unternehmerische Tätigkeit bezeichnet, ist mehr als amüsant. Es ist ein Indiz dafür, daß offizielle Argumente und wahre Hintergründe auf verschiedenen Blättern stehen.
Erst vor wenigen Wochen hatte die rechte US-Organisation »Judicial Watch« eine Werbetour nach Brüssel organisiert. Im Schlepptau hatten deren beide Vertreter die Mutter eines inhaftierten Kubaners und Alina Fernández, eine Tochter von Fidel Castro, die im US-amerikanischen Exil lebt. Larry Klayman, der Präsident der »Judicial Watch«, nutzte die Möglichkeit, um Botschafter und EU-Diplomaten nach Miami einzuladen. Dort sollten sie »die wahre Meinung der Kubaner« kennenlernen. Gegenüber jW bezeichnete ein Gesprächspartner Klaymans das Vorgehen als »hochprofesionell« und offenbar mit US-Regierungskreisen abgestimmt. Klayman hatte mindestens in zwei Fällen die Übernahme der Reisekosten durch die US-Regierung versprochen. Diese Werbetour war kein Einzelfall. Anfang Juni hatte US-Außenminister Colin Powell in Aussicht gestellt, »daß sich die USA mit der EU auf eine gemeinsame Kuba-Politik einigen«. Gut zwei Wochen später reiste Otto Reich, Lateinamerikaberater im Weißen Haus, nach Europa, um unter anderem in Madrid und Paris inoffizielle Gespräche mit politischen Funktionsträgern zu führen. In Brüssel geht man daher verstärkt von einer »konzertierten Aktion unter der Ägide von Otto Reich in Europa« aus.
Die Solidaritätsorganisation »Cuba Sí« hat in einem offenen Brief an Bundesaußenminister Joseph Fischer vor einem Anschluß »an die Pläne Washingtons zur Isolierung Kubas« gewarnt. Die Bundesregierung sei vielmehr angehalten, sich aktiv für die Beendigung der US-Blockadepolitik gegen Kuba einzusetzen.
von Harald Neuber; veröffentlicht am 21.7.2003 in


17.07.2003
«Salsa-Queen» Celia Cruz gestorben
Die als «Queen of SAlsa » verehrte legendäre Salsa-Sängerin Celia Cruz ist tot. Cruz starb nach US-Medienberichten in ihrem Haus in Fort Lee (US-Bundesstaat New Jersey) an einem Gehirntumor. Sie wurde 77 oder 78 Jahre alt, über ihr Geburtsdatum liegen widersprüchliche Angaben vor. Mit Cruz verliert die Salsa- Fangemeinde innerhalb weniger Tage bereits ein zweites Idol: Erst am Montag war der kubanische Gitarrist, Komponist und Sänger Compay Segundo («Buena Vista Social Club») im Alter von 95 Jahren gestorben.
Salsa-Fans in aller Welt trauern um die gebürtige Kubanerin Cruz, die nach eigenen Worten «auf der Bühne sterben» wollte. Dieser Wunsch ging nicht in Erfüllung, obwohl die Sängerin mit feurigem Temperament noch mit über 70 Jahren auftrat und ihr Publikum zum Schwitzen brachte. Den Beinamen «Queen of Salsa» hatte Cruz nicht nur ihrer enormen Stimme zu verdanken. Sie war ebenso für schrille Kostüme, farbige Perücken und exzentrische Bühnenauftritte bekannt.
Ricky Martin war einer von vielen Künstlern, die auf die Todesnachricht mit Bestürzung reagierten. «Ihre Musik berührte nicht nur die Seele, sie beeinflusste auch Generationen von Sängern und Songschreibern», sagte Martin.
Nach US-Medienberichten war Ehemann und Musiker Pedro Knight, Cruz' Partner seit über 40 Jahren, an ihrem Sterbebett. Der Gehirntumor war im vergangenen Jahr bei der Sängerin entdeckt worden. Kubanische Radiosender in Miami hatten bereits vor zwei Wochen voreilig ihren Tod gemeldet, wie im Internet zu lesen war. Der weltbekannte Salsa-Star wurde besonders von den Exil-Kubanern in Florida verehrt. In Miami soll Cruz auch beerdigt werden. In ihrer Heimat war Cruz offiziell eine «persona non grata». Nicht einmal zum Begräbnis ihrer Mutter durfte sie nach Kuba einreisen. Ihre Platten sind verboten, aber auf dem Schwarzmarkt begehrt.
Als Kind armer Eltern wuchs Cruz in Havanna auf. Eigentlich wollte sie Lehrerin werden, nahm dann aber an einem Gesangwettbewerb teil, weil das Preisgeld - Süßigkeiten, Kondensmilch und Schinken - für die arme Familie so verlockend war, wie Cruz später dem «Miami Herald» erzählte. In den 50er Jahren schloss sich die Sängerin, die Musik und Gesang studiert hatte, der bekannten Afro-Kubanischen Band «La Sonora Matancera» an, der sie 1960 nach Fidel Castros Machtübernahme auch ins Exil in die Vereinigten Staaten folgte.
Im Laufe ihrer mehr als 50-jährigen Karriere nahm Cruz mehr als 70 Alben auf und spielte in zahlreichen Filmen mit, darunter «Mambo Kings» (1992) und «Die Perez Familie» (1995). Für das Album «La Negra Tiene Tumbao» nahm die feurige Sängerin in einem schillernden Kostüm vor einem Jahr persönlich die Latin-Grammy-Trophäe entgegen. 1989 erhielt sie den ersten von insgesamt fünf Grammy-Musikpreisen.
Cruz stand oft mit Salsa-Star Tito Puente auf der Bühne und trat mit Musikgrößen wie David Byrne, Gloria Estefan und Patti Labelle auf. Seit 1987 ist die Künstlerin mit einem Stern auf dem «Hollywood Walk of Fame» verewigt. Die Stadt Miami taufte eine Straße in «Celia Cruz Way» um. 1994 wurde die Sängerin von Präsident Bill Clinton mit dem begehrten US-Kulturpreis «National Endowment of the Arts» ausgezeichnet.
Viva la revolución!
16.07.2003
Schiff mit 27 Menschen an Bord entführt
Wie das kubanische Innenministerium gestern mitgeteilt hat, sind in Kuba innerhalb von zwei Tagen zwei Schiffe entführt worden. Bei der ersten Entführung kamen drei mutmaßliche Täter ums Leben, ein Kind wurde verletzt. Bei der zweiten gelangten schätzungsweise 15 Menschen auf die Bahamas. Es waren die ersten Schiffsentführungen in Kuba, seit im April drei Entführer einer Fähre nur wenige Tage nach der Tat zum Tode verurteilt worden waren. Wie ein Sprecher des Innenministeriums mitteilte, versuchten am vergangenen Montag drei Männer in Begleitung einer Frau und ihrer zwei Kinder ein Fischerboot im Hafen von La Coloma, rund 155 Kilometer westlich von Havanna, zu kapern. Sie wollten in die USA gelangen, konnten das Boot aber nicht starten, hieß es. Bei einer Schießerei auf dem Boot starben die drei Männer, einer der Jungen wurde angeschossen.
Der zweite Vorfall ereignete sich in Boca de Nuevitas, 570 Kilometer südöstlich von Havanna. Die Küstenwacht meldete die Abfahrt eines Schiffes, das für geologische Expeditionen der Regierung im Einsatz war, wie das Innenministerium mitteilte. Zwischen zehn und 15 Menschen seien auf dem Boot in Hoheitsgewässer der Bahamas gelangt.
16.06.2003
Kuba stört US-Sendungen für Iran
Kuba stört nach US-Angaben für Iran bestimmte amerikanische Fernsehprogramme. Der amerikanische Rundfunkrat bestätigte am Mittwoch, was vier in Los Angeles stationierte Satellitensender bereits seit Tagen geltend gemacht hatten. Demnach wird von Havanna aus ein Störsignal ausgestrahlt, das die Weiterleitung von Nachrichtenprogrammen nach Iran vereitelt.
Der Vorsitzende des Rundfunkrats, Kenneth Tomlinson, sprach von einem bislang beispiellosen Vorgang. Zwar störe die kubanische Regierung schon seit langem US-Sendungen für die eigene Bevölkerung, doch sei nun erstmals ein Drittland betroffen. US-Beamte äusserten die Ansicht, dass die Regierung in Teheran Kuba darum gebeten haben könne, da solche Störungen von Iran aus technisch nicht möglich seien. Offensichtlich hätten vor allem Berichte über die jüngsten Studentenunruhen in Iran gestoppt werden sollen.
14.07.2003
Kubanische Musiker-Legende Compay Segundo 95-jährig gestorben
Der kubanische Musiker Compay Segundo, eines der bekanntesten Mitglieder des Buena Vista Social Club, ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Compay sei in der Nacht zum Montag in seinem Haus in der kubanischen Hauptstadt Havanna einem Nierenversagen erlegen, sagte sein Sohn Salvador am Montag. Der Sänger und Gitarrist stieg 1997 mit dem Buena Vista Social Club zu Weltruhm auf, als die Gruppe für eine Platte mit dem US-Gitarristen Ry Cooder den Musikpreis Grammy erhielt.
Der nach der Gruppe benannte Film des deutschen Regisseurs Wim Wenders erzählte die Geschichte dieses Aufstiegs und mehrte den internationalen Erfolg des Ensembles. Den Musikern, die sich bereits zur Ruhe gesetzt hatten, gelang es, das internationale Interesse an traditioneller kubanischer Musik, genannt Son, wiederzubeleben. Son ist ein Vorgänger des heutigen Salsa.
"Die Blumen des Lebens kommen zu jedem. Man muss bereit sein, um sie nicht zu verpassen. Meine kamen, als ich über 90 war", sagte der Sänger in einem seiner letzten Interviews. Bis Mai hatte der Musiker noch auf der Bühne gestanden, wo er stets einen Panama-Hut trug. Zu seinen Markenzeichen gehörte zudem die Zigarre. Er behauptete, bereits mit fünf Jahren mit dem Rauchen begonnen zu haben.
Der Musiker, der mit bürgerlichem Namen Francisco Repilado hieß, komponierte bereits als Kind seine ersten Lieder. Seinen Spitznamen erhielt er als zweiter Sänger der Gruppe "Los Compadres". "Compay" bedeutet in der kubanischen Umgangssprache Kumpel und "Segundo" bezieht sich auf die zweite Stimme. In den 40er und 50er Jahren spielte Compay mit bekannten kubanischen Musikern wie Nico Saquito und Miguel Matamoros.

Viva la revolución!

Nach der kubanischen Revolution unter Fidel Castro zog sich der Sänger und Gitarrist wie viele andere Veteranen des Son aus der Musik zurück. Sie wurden durch die neue Volksmusik der Kommunisten verdrängt. Fortan arbeitete Compay in einer Zigarrenfabrik. In den 80er Jahren begann er erneut zu spielen - diesmal allerdings vor Touristen in den Hotels von Havanna.
Erst als der US-Guitarrist Ry Cooder eine Reihe von Veteranen zusammenbrachte und eine Platte aufnahm, gelang Compay der Sprung auf die internationale Bühne. Mit über 90 Jahren bereiste er die Welt und nahm noch neun Alben auf, unter anderem mit dem spanischen Schauspieler Antonio Banderas. Compays bekannteste Partner im Buena Vista Social Club waren der Klavierspieler Ruben Gonzalez und der Sänger Ibrahim Ferrer.

Tausende Kubaner haben ihm am Dienstag swn 15.7.2003 das letzte Geleit gegeben. Trauernde - viele davon Musikerkollegen - applaudierten ein letztes Mal, als sich der Wagen mit dem Leichnam des am Sonntag im Alter von 95 Jahren verstorbenen Sängers und Gitarristen in Santiago in Bewegung setzte. Zahlreiche Menschen säumten den Weg zum vier Kilometer entfernten Friedhof, viele warfen bei der Vorbeifahrt des Sargs mit Blumen. Am Grab des Sängers improvisierte die Trauergemeinde eine wehmütige Version seines grössten Erfolgs, «Chan Chan». Neben dem offenen Sarg, der mit der kubanischen Flagge und Compay Segundos Markenzeichen, einem weissen Hut, bedeckt war, standen sein Grammy sowie weitere Auszeichnungen und Medaillen. Der kubanische Staatschef Fidel Castro sandte ein grosses Blumengebinde als letzten Gruss
14.06.2003
Viva la revolución!
75. Geburtstag von Che Guevara
Tausende Kubaner haben am Samstag des 1967 ums Leben gekommenen Revolutionärs Ernesto Che Guevara gedacht. Die Großkundgebung zu dessen 75. Geburtstag in der Stadt Santa Clara, wo der einstige Guerillakämpfer begraben liegt, stand im Zeichen der jüngsten Proteste gegen die Sanktionsbeschlüsse der Europäischen Union (Bericht siehe unten).
Der am 14. Juni 1928 in Argentinien geborene Guevara hatte an der Seite des heutigen Staatschefs Fidel Castro gegen den damaligen kubanischen Diktator Fulgencio Batista gekämpft und Ende 1958 in Santa Clara die entscheidende Schlacht geführt. Nach dem Sieg der Revolution war er für einige Jahre kubanischer Notenbankchef und Industrieminister, bevor er Kuba verließ, um in anderen Ländern Revolutionen zu entfachen. Bei diesem Versuch wurde er im Oktober 1967 in Bolivien vom Militär gefangen genommen und erschossen. Seine Gebeine wurden 1997 nach Kuba überführt und fanden in Santa Clara, rund 275 Kilometer östlich von Havanna, ihre letzte Ruhe.
08.06.2003
Castro im Streit mit der Europäischen Union
Die EU hat als Reaktion auf die jüngste Repressionswelle gegen Dissidenten beschlossen, die politischen und kulturellen Kontakte zu der sozialistischen Karibikinsel stark einzuschränken. Kubas Staats - und Parteichef Fidel Castro hat die Europäische Union deswegen erneut heftig attackiert. Diese Maßnahmen seien «fegelhaft und unverschämt», sagte Castro im kubanischen Fernsehen. Der kubanische Präsident Fidel Castro hat der Europäischen Union indirekt vorgeworfen, eine Allianz mit dem "faschistischen Imperialismus" der USA einzugehen. In einer Rede vor mehreren tausend Anhängern in Havanna sagte Castro, Kuba stehe vor "großen, neuen Kämpfen". Ohne sie explizit zu erwähnen, bezog sich Castro auf die am Donnerstag bekannt gegebene Entscheidung der EU, ihre politischen und kulturellen Kontakte zu Kuba wegen der Verfolgung von Dissidenten und der Hinrichtung von drei Entführern einer Passagierfähre einschränken.
Die Kubanische Regierung und Medien reagierten bislang nicht offiziell auf die Ankündigung der EU, die gegenseitigen Besuche von Regierungsdelegationen einzuschränken und kubanische Dissidenten zu Zeremonien an Nationalfeiertagen einzuladen. Havanna beschuldigt die USA der "Vorbereitung eines Regimewechsels" in dem kommunistisch regierten Inselstaat.

Massendemonstrationen vor Botschaften in Havanna
Angeführt von ihrem Präsidenten Fidel Castro haben daraufhin hunderttausende Kubaner gegen die angekündigten Sanktionen der EU protestiert. Der Staatschef zog mit mehreren Regierungsmitgliedern zu einem "Kampfmarsch" vor die spanische Botschaft im Zentrum der kubanischen Hauptstadt Havanna. Sein Bruder Raúl Castro, Armeechef und Vizepräsident des kommunistisch regierten Inselstaates, versammelte sich mit weiteren Anhängern vor der italienischen Botschaft im Stadtviertel Miramar.
"Kuba muss respektiert werden", stand auf Spruchbändern der Demonstranten, die den "Nazifaschismus" der Europäischen Union kritisierten. Den spanischen Regierungschef José Maria Aznar bezeichneten sie als "Marionette" und in Anspielung auf Adolf Hitler als "Kleinen Führer". Die Gesamtzahl der kurzfristig angesetzten Kundgebung wurde von den staatlichen Organisatoren mit mehr als einer Million angegeben.
28.05.2003
Fidel Castro in Buenos Aires
Castro war nach Buenos Aires gereist, um der Amtseinführung seines argentinischen Kollegens Kirchners beizuwohnen. Néstor Kirchner heißt der neue Präsident Argentiniens. Doch Fidel Castro, der kubanische Staatschef, schaffte es, ihm schon an seinem ersten Arbeitstag die Show zu stehlen. Der Staatschef sollte ursprünglich in der Universität einen Vortrag halten. Der dafür vorgesehene Saal musste jedoch wegen Überfüllung geräumt werden. Castro erschien dann überraschend auf den Stufen vor dem Gebäude. Mehr als 6000 Menschen versammelten sich auf dem Platz vor der Rechtsfakultät in Buenos Aires, um der Rede Castros auf der Freitreppe des Gebäudes zuzuhören. Andere Quellen sprechen von bis zu 15000 Menschen.
Die Zuschauer hatten zum Teil stundenlang auf Castro gewartet und gehörten überwiegend linken Parteien und Organisationen von Arbeits- und Landlosen an. Die Linke schneidet bei Wahlen im konservativen Argentinien traditionell nur schlecht ab, aber die kritische Haltung zu den USA und die Idee größerer sozialer Gerechtigkeit stößt in dem verarmten Land immer mehr auf Resonanz.
Zweieinhalb Stunden sprach Castro ohne Manuskript über die Bedrohung Kubas durch die USA und interpretierte das Ergebnis der argentinischen Präsidentschaftswahlen als Absage an die »neoliberale Globalisierung« der vergangenen Dekade. Eine neue Ära in Lateinamerika sei eingeleitet. Auch bedankte er sich bei den Menschen in Buenos Aires für die massive Unterstützung für Kuba, die ihm während seines ersten Auslandsbesuches nach der Verurteilung von Dissidenten signalisiert wurde.
Kubas Staatschef entschied, seine Rede im Freien zu halten. Gleich zu Beginn mahnte er die Veranstalter: »Ihr habt die argentinische Bevölkerung unterschätzt«. Castro strich in der Rede, die live auf mehreren Fernsehkanälen übertragen wurde, die Errungenschaften der kubanischen Revolution heraus und verglich die Außenpolitik der US-Regierung mit der Kubas: »Wir bombardieren niemanden präventiv, sondern entsenden Ärzte weltweit präventiv«. Auch das zweierlei Maß, mit dem in der von der USA dominierten Welt gemessen wird, kommentierte Castro: »Immer wieder haben sie von den Toten an der Berliner Mauer gesprochen, aber nie über die viel mehr Toten an der Grenze zwischen Mexiko und den USA.«
Als Castro über die geplante panamerikanische Freihandelszone ALCA sprach, spielte er auf Expräsident Carlos Menem an. Dieser gilt als entschiedener Befürwortern der ALCA. Er habe »große Befriedigung und Jubel über das Ergebnis der Wahlen in diesem geliebten Argentinien« verspürt. »Denn das Schlimmstes des wilden Kapitalismus, wie Hugo Chávez sagt, das Schlimmste an der neoliberalen Offensive, ist Vergangenheit.« Der Name des Expräsidenten fiel nicht: »Ohne einen Namen zu nennen, sage ich Ihnen, daß die neoliberale Lobby einen riesigen Schlag versetzt bekommen hat«. Die Argentinier wüßten noch nicht, welchen Dienst sie Lateinamerika und der Welt erwiesen haben.
Zum ersten Mal erlebten die Argentinier einen Präsidenten, der sich offen gegen das Sendungsbewußtsein der US-Regierung und deren Hinterhofpolitik in Lateinamerika aussprach. Nur war es nicht der eigene. Die neunziger Jahre unter Menem waren gekennzeichnet durch die außenpolitische Ausrichtungen an den USA. Erst Eduardo Duhalde läutete ein Kehrtwendung ein, als er entschied, sich in der alljährlichen UN-Abstimmung zur Situation der Menschenrechte auf Kuba zu enthalten. Sein Nachfolger Néstor Kirchner vereinbarte am Montag mit Castro sogleich die Wiederentsendung eines argentinischen Botschafters auf die Insel. Er war von Menem vor mehr als zwei Jahren abgezogen worden. »Ich kehre unendlich dankbar zurück«, rief Castro seinen Zuhörer zu. Der überwältigende Empfang sei »eine Botschaft des argentinischen Volkes an diejenigen, die davon träumen, unser Vaterland zu bombardieren«, sagte der Comandante en Jefe.
(APA/dpa)
23.05.2003
Diebstahl und Körperverletzungen nehmen drastisch zu
Das Auswärtige Amt (AA) in Berlin weist daraufhin, dass auf Kuba Touristen zunehmend Opfer von Eigentumsdelikten und Körperverletzungen werden. Urlauber seien in selten Fällen auch von Gewaltverbrechen betroffen. Mit verstärktem Einsatz von Polizei und Sicherheitskräften versuche die Regierung der Entwicklung aber Einhalt zu gebieten.
Kubareisende sollten generell vorsichtig sein bei Angeboten von Privatleuten, so das AA. So sollten beispielsweise keine illegalen Taxidienste genutzt werden. Trägt der Wagen nicht das Kennzeichen eines offiziellen Unternehmens, sei es ratsam, auf die Fahrt zu verzichten. Kubaner bedürften für jegliche Art privater Geschäfte eine Genehmigung der Behörden. Bei Zuwiderhandlungen seien Schwierigkeiten mit der Polizei zu befürchten. Auch sei bei Fahrten mit illegalen Taxis das Risiko von Raubüberfällen höher.
Urlauber auf Kuba sollten sich auch erkundigen, ob Genehmigungen vorliegen, wenn sie in Privathaushalten übernachten wollen. Einige der Herbergen dürften Fremde zu Gast haben. Bei illegalen Unterkünften kann es ansonsten sowohl für den Gast als auch für den Gastgeber zu Problemen mit den Behörden kommen, so das Auswärtige Amt.
(dpa/gms)
22.05.2003
Zuckerproduktion nimmt drastisch ab
In Kuba droht die diesjährige Zuckerrohrernte auf den niedrigsten Stand der letzten 60 bis 70 Jahre zu fallen. Erwartet wird ein Produktionsrückgang auf 2,1 Millionen Tonnen, die Exportverluste von etwa 180 Millionen US-Dollar nach sich ziehen. Sollten sich diese düsteren Prognosen bestätigen, dann läge der diesjährige Ertrag um 1,5 Millionen unter den Erträgen von 2002. Selbst in den Krisenjahren 1935 und 1936 schnitt Kuba mit 2,6 und 2,5 Millionen Tonnen Zucker deutlich besser ab. "Obwohl sich die Weltmarktpreise erholt haben, fehlt uns eine Million Tonnen Zucker für den Export", erläutert ein anonymer Wirtschaftsexperte. Der Ernteeinbruch wird auf viele Faktoren zurückgeführt: unter anderem auf den zeitigen Frühjahrsregen sowie den Mangel an Treibstoff, Dünger und Ersatzteilen für Maschinen.
(taz Nr. 7060 vom 22.5.2003, Seite 8, 29 Zeilen (Agentur))
21.05.2003
Demonstrationen Pro und Contra Kuba
Ein Protestaufruf von Gegnern der sozialistischen Regierung Kubas anlässlich des 101. Jahrestag der ersten kubanischen Republik, die unter politischer Kontrolle Washingtons stand, hat international eine für die Initiatoren unerwartete Wirkung gehabt. Vielerorts gingen vom Wochenende bis zum gestrigen Dienstag mehr Menschen zur Unterstützung der Regierung Fidel Castros auf die Straße als Gegner. Rechte Gruppen nutzten dieses Datum, um eine weitere Isolierung des Inselstaates auf internationaler Ebene zu fordern. Sie versuchen damit, von der derzeit sehr angespannten Lage zwischen den USA und Kuba zu profitieren. Zum zentralen Aktionstag in den Vereinigten Staaten waren am Sonnabend Castro-Gegner vor den kubanischen Interessenvertretungen in Washington und New York auf die Straße gegangen. Ihnen entgegen stand ein breites Bündnis von linken Organisationen und Menschenrechtsgruppen. Zu den Solidaritätskundgebungen in den USA riefen unter anderen die »Pastoren für den Frieden«, die Bewegung »Kein Krieg gegen Kuba«, die »All African Peoples Revolutionary Party«, Vertreter der FMLN aus El Salvador und das »Nikaragua-Netzwerk USA« auf.

Die Proteste der Castro-Gegner wurden weitgehend in den Schatten gestellt. Dabei war das Datum bewußt gewählt: Für Dienstag abend (Ortszeit) wurde eine Rede von US-Präsident George W. Bush zur künftigen Kuba-Politik Washingtons erwartet. Die Beziehungen zwischen beiden Staaten hatten sich in den vergangenen Monaten massiv verschlechtert. Grund dafür war die offene Unterstützung von Gegnern der Regierung in Havanna durch James Cason, den US-Chefdiplomaten in der kubanischen Hauptstadt. Zudem hatten die US-Behörden seit Jahresbeginn überraschend keine Visa mehr für ausreisewillige Kubaner ausgestellt. Die Folge der Grenzschließung war ein rapider Anstieg von Schiffs- und Flugzeugentführungen auf Kuba. Dafür machte Havanna die US-Regierung direkt verantwortlich. Als Ende März dieses Jahres über 70 kubanische Kontaktleute der US-Behörden auf der Insel verhaftet wurden und über drei Entführer die Todesstrafe verhängt wurde, drohte die US-Regierung ihrerseits mit »ernsthaften Konsequenzen«. Kuba hatte wiederholt auf die Provokationen aus den USA als Ursache der Krise hingewiesen.

Die Hardliner in den USA haben nun einen doppelten Dämpfer erhalten. Am Montag wurde vor der US-nahen »Organisation Amerikanischer Staaten« (OAS) ein von US-Diplomaten vorgelegter Appell von den Verfassern eilends zurückgezogen. In dem Dokument sollte die »tiefe Besorgnis der OAS über die Menschenrechtslage auf Kuba« erklärt werden. Aber nur eine Minderheit der 34 Mitgliedsstaaten unterstützte den US-Aufruf. Auch die parallel organisierten Anti-Castro-Proteste waren wenig erfolgreich. Beobachter erwarteten auch deswegen von der Ansprache des US-Präsidenten wenig Neues.
20.05.2003
Militärische Provokation der USA ggen Kuba
Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Wochen hat US-Präsident George W. Bush am 20. Mai versucht, einen militärischen Zusammenstoß zwischen der US-Armee und den Revolutionären Streitkräften Kubas zu provozieren, um eine militärische Intervention auf der Insel durchführen zu können.
Das Komplott – eine koordinierte Aktion zwischen dem Nationalen Sicherheitsrat der USA, der CIA, dem Pentagon und Spezialisten für politische Subversion aus der Ära Ronald Reagans, wie dem Sonderberater des Präsidenten für die westliche Hemisphäre, Otto Reich, lief wie folgt ab:
An besagtem Tag intervenierte das offizielle antikubanische Propagandasystem Washingtons, die »US Office of Cuba Broadcasting«, bekannt unter dem Namen Radio/TV Martí, auf vier Radio- und Fernsehfrequenzen, die rechtmäßig Kuba zugeteilt sind, und störte die Übermittlung von Bildungsprogrammen, Nachrichten- und Unterhaltungssendungen des kubanischen Staates.
Es handelte sich jedoch nicht um eine simple Verletzung der weltweit gültigen Normen der Internationalen Union für Telekommunikation und der Rechte einer souveränen Nation. Vielmehr wollte das Weiße Haus einen militärischen Konflikt provozieren: Die rechtswidrigen (Stör-)Sendungen auf den vier kubanischen Frequenzen wurden von einem Flugzeug der US-Luftwaffe aus dirigiert, in der Erwartung, daß sie zu einem Luftkampf mit kubanischen Jagdflugzeugen führen würden.
Bei dem »Köderflugzeug« handelte es sich um eine Maschine des Typs »EC-130E Commando Solo« der Einheit »193rd Special Operations Wing«, einem Luftwaffengeschwader der Nationalgarde, die in Harrisburg/ Pennsylvania stationiert ist. Diese Einheit gehört zu einem Sonderkommando der regulären Luftwaffe der USA, das unter dem Namen »Air Force Special Operations Command« (AFSOC) operiert. Das Hauptkommando dieser Einheit befindet sich in Hurlburt Field/Florida. Das AFSOC seinerseits bildet eine Untergruppe des »U.S. Special Operations Command«, das von der Luftwaffenbasis McDill kommandiert wird – ebenfalls in Florida.

(von Prof. Dr. Heinz Dieterich, Universidad Autónoma Metropolitana, Mexiko-Stadt
Übersetzung: Harald Neuber; veröffentlicht am 14.7.2003 in
Neue Welt

Kompletter Hintergrundbericht mit Historie zu den Ereignissen
23.04.2003
Viva la revolución!
Gegen Bush und gegen Castro: Schriftsteller Carlos Fuentes
Die Linke kehrt Fidel Castro den Rücken
Fidel Castro macht Fehler und merkt es nicht mehr: Das ist eine Wahrheit, an der selbst der wohlwollendste Beobachter nach den hastig vollstreckten Todesurteilen gegen drei Schiffsentführer sowie den massiven Gefängnisstrafen für fünfundsiebzig kubanische Dissidenten und Bürgerrechtler nicht mehr vorbeikann. Ein augenrollender Starrkopf rudert mit den Armen, um beiseitezufegen, was sich in seiner Umgebung regt.
Das Schauspiel ist so empörend wie rätselhaft. Denn vermutlich hat kein Diktator der Welt so viele Chancen bekommen, seine Herrschaft zu mildern und zu humanisieren; niemand hatte soviel Zeit wie Castro, Fehler auszubügeln und das marode System zu reparieren. Die letzten vier Jahrzehnte haben ja nicht nur gezeigt, daß selbst die kleinste Geste guten Willens wahrgenommen und akklamiert wird. Diese langen Jahre sind auch die Leistung einer tapferen, bewundernswert selbstgenügsamen Bevölkerung. Es könnte sein, daß die vereinzelten Solidaritätsadressen Prominenter in Richtung Karibik, ob sie nun von Diego Maradona stammen oder Gabriel García Márquez, in Wahrheit nicht dem greisen Führer, sondern vor allem dem kubanischen Volk gelten.

"Mit Überraschung und Schmerz"
Das Volk aber wird im allgemeinen nicht gefragt. Statt seiner reden die Künstler. Fast dreißig von ihnen, darunter international bekannte Namen wie der Schriftsteller Miguel Barnet, die Sängerin Omara Portuondo, der Liedermacher Silvio Rodríguez und der Filmregisseur Humberto Solas, haben soeben einen offenen Brief an ihre Kollegen aus Europa und Lateinamerika gerichtet, in welchem sie abermals um Solidarität bitten. Das Schreiben trägt den Titel "Botschaft aus Havanna an die Freunde, die fern sind", und wenn das Ganze nicht so trist wäre, könnte man sentimental werden. "Mit Überraschung und Schmerz", so heißt es dort, habe man in Kuba zur Kenntnis genommen, daß die Manifeste der "antikubanischen Propaganda" nicht nur die Unterschriften der üblichen Hetzer trügen, sondern auch "die geliebten Namen einiger Freunde".
Dann folgt eine logische Volte, die man in Osteuropa wohl besser zu würdigen weiß als anderswo: "Bedauerlicherweise und ohne Absicht dieser Freunde handelt es sich um Texte, die in einer großen Kampagne benutzt werden, um uns zu isolieren und das Feld zu bereiten für eine militärische Aggression der Vereinigten Staaten gegen Kuba." Das eigene Argument durchzuboxen, indem man die Gegenseite für ahnungslos erklärt, entspricht guter totalitärer Tradition. Diesmal jedoch werden die kubanischen Künstler - darunter approbierte Kollaborateure des Überwachungsstaats - wenig Erfolg haben. Denn am anderen Ende befinden sich meinungsstarke, kampferprobte Köpfe, um nicht zu sagen, ein gesammeltes Heer von Intellektuellen, das sich zu allen Themen zwischen Rüstungsindustrie und Ozonloch zu Wort zu melden pflegt, von Mario Vargas Llosa bis zu Günter Grass. Daß ausgerechnet Grass Gefahr laufen könnte, "das Spiel der Vereinigten Staaten zu spielen", wie der offene Brief formuliert, dürfte kaum jemand im Ernst befürchten.
Ebendarin liegt das Neue an der kubanischen Misere: Selbst linke Intellektuelle wenden sich in diesen Tagen entgeistert von Castros Staat ab, nicht nur ein Günter Grass, sondern auch bekennende Marxisten wie José Saramago oder Eduardo Galeano. Castros Trick, den Irak-Krieg als Paravent für die brutalste Repression seit Jahren zu benutzen, hat niemanden getäuscht. Kuba, eine viel zu lang gehätschelte Utopie, deren kräftigste Nahrung die oft tumbe Aggressivität des amerikanischen Nachbarn war, gibt sich als vergreiste Diktatur ohne einen Hauch gesellschaftspolitischer Vision zu erkennen.

"Vergesellschaftung des Elends"
Wie stark das im intellektuellen Milieu schmerzt, zeigt ein Beitrag des mexikanischen Schriftstellers Carlos Fuentes in der Dienstagsausgabe von "El País". Nach fast einem halben Jahrhundert kubanischer Revolution sei die Insel immer noch abhängig: seinerzeit von sowjetischen Subventionen, heute vom Tourismus und der Prostitution. In der Tat wird trotz flammender Revolutionsrhetorik des "Comandante" und Polizeipräsenz an jeder Straßenecke nirgendwo so unverstellt gehandelt und gehökert wie in Havanna: mit Zigarren, Wohnungen, Frauen.
Die "Vergesellschaftung des Elends", wie der im Londoner Exil lebende Schriftsteller Guillermo Cabrera Infante die kubanische Wirtschaftsform schon vor fast zwanzig Jahren nannte, läßt der Bevölkerung keine andere Wahl. Das bedeutet allerdings nicht, daß man sehnsüchtig auf den Kapitalismus des großen Nachbarn warten würde. Im Gegenteil, gerade die Kritiker Kubas erklären sich gleichzeitig zu Gegnern Amerikas. "Gegen Bush und gegen Castro", mit dieser Formel schließt der Kommentar von Carlos Fuentes.
Die Unwahrscheinlichkeit eines "dritten Wegs", der auch bei Fuentes als ferne Hoffnung aufschimmert, macht die Lage der Karibikinsel so prekär. Denn es gibt ja nicht nur die Konformen drinnen und die Systemgegner draußen, etwa im kubanischen Exil von Miami, das ein starkes Wählerpotential darstellt und bereit ist, zur Durchsetzung seiner Ansprüche erheblichen Druck auf die amerikanische Politik auszuüben. Es gibt auch die Bewohner einer buntscheckigen kubanischen Diaspora zwischen Paris, Madrid, Barcelona und Mexiko-Stadt. Und es gibt die stille Opposition auf der Insel selbst, Leute, die womöglich reisen dürfen, aber keine eigene E-Mail-Adresse haben, weil die Wächter des Systems "Subversion" und "antikubanische" Aktivitäten argwöhnen. Mit seiner jüngsten Repressionswelle hat Castro deshalb nicht seine erklärten Feinde getroffen, sondern die Moderaten, Bescheidenen und Geduldigen. So etwas nennt man Blindheit.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.04.2003, Nr. 94 / Seite 37
19.04.2003
UN-Menschenrechtskommission fällt mildes Urteil über Kuba
Kuba ist nach seinem harten Vorgehen gegen Oppositionelle mit einer milden Abmahnung durch die UN-Menschenrechtskommission davongekommen. Die in Genf tagende Kommission verabschiedete am Donnerstag mit knapper Mehrheit eine Resolution, die keinen Bezug auf die jüngste Verhaftungswelle in dem kommunistisch regierten Land nimmt. Für den von den lateinamerikanischen Staaten Uruguay, Peru und Nicaragua eingebrachten Text stimmten 24 der 53 Mitgliedstaaten, 20 stimmten dagegen, neun enthielten sich. Zu den Befürwortern zählen die USA und die Europäische Union.
18.04.2003
Cuba dice a EEUU que puede sobrevivir sin dólares de remesas
Por Isabel García-Zarza
LA HABANA (Reuters) - El gobierno cubano aseguró el viernes que la economía cubana podría soportar la suspensión de las remesas enviadas desde Estados Unidos, medida que estaría considerando Washington para castigar a la isla por los recientes encarcelamientos de opositores y tres ejecuciones sumarias.
"La economía cubana y sus servicios sociales pueden resistir la suspensión de los supuestamente grandiosos beneficios de tales remesas o de los vuelos charters o de cualquier otra medida", dijo una nota oficial publicada en el diario Granma.
"Cuba, donde no existe un solo ciudadano abandonado, será capaz incluso de amparar a los que por tan inhumana política necesiten ayuda de la Revolución", añadió la nota.
En un nuevo episodio de la creciente tensión entre los dos tradicionales enemigos políticos, el gobierno del presidente George W. Bush estaría estudiando, según una nota publicada el jueves por el diario norteamericano The New York Times, un endurecimiento del embargo que Washington mantiene desde hace más de cuatro décadas sobre la isla.
El reforzamiento de las sanciones sería un castigo para el gobierno de Fidel Castro por las severas condenas impuestas recientemente a 75 opositores, acusados de ser "mercenarios" de Estados Unidos, y la ejecución la semana pasada de tres hombres que secuestraron un barco para ir a Estados Unidos.
"Los castigados serán muchos núcleos familiares que han adaptado sus vidas al standard económico y los considerables beneficios que en las condiciones de Cuba les propician pequeñas remesas", respondió el gobierno cubano, afirmando que esas medidas afectarían a un "número incalculable de personas".
Entre las medidas que Washington estaría estudiando para endurecer el embargo se incluirían, además de la suspensión de las remesas, la cancelación de los vuelos directos entre Estados Unidos y la isla, lo que supondría una limitación de las visitas familiares.
Estos vuelos directos, restringidos a familiares de residentes en la isla, fueron autorizados por el gobierno de Bill Clinton, quien también facilitó el envío de remesas, permitiendo a cualquier ciudadano norteamericano que enviara hasta un total de 1.200 dólares al año a la isla.
El dinero en efectivo que entregan a sus parientes los residentes en Estados Unidos es vital para el sostén de millones de personas en Cuba, y a la vez para la economía cubana, que aún no se ha recuperado completamente del colapso soviético, la reciente desaceleración de la economía mundial y el descenso del turismo.
Se calcula que las remesas a Cuba superan los 1.000 millones de dólares anuales, lo que supone, junto con el turismo, la principal fuente de divisas.
La nota oficial cubana aprovechó para recordar los servicios subsidiados por el gobierno como la vivienda, la educación, la salud y ciertos alimentos básicos y advirtió que las medidas anunciadas por Washington no harían sino aumentar la emigración hacia Estados Unidos.
"Las presuntas medidas que se anuncian, de prohibir vuelos y remesas estimularían igualmente la emigración ilegal, de la que en nada se podría culpar a Cuba", dijo la nota, en lo que podría ser interpretado como una velada amenaza a Estados Unidos.
(Por Isabel García-Zarza, 537 8333145) REUTERS IGZ ILM/
17.04.2003
Viva la revolución!
Entführte kubanische Flugzeuge werden in den USA versteigert
Zwei aus Kuba in die USA entführte Flugzeuge sollen dort am 2. Juni versteigert werden. Dies gab das Büro des Sheriffs von Monroe County bekannt. Kubas Begehren nach Rückgabe der Maschinen ist damit abgelehnt. Die Versteigerung wurde von Ana Margarita Martínez gerichtlich erzwungen. Sie hatte in Miami einen Kubaner geheiratet, der sie verließ und nach Kuba zurückkehrte. Dort gab er zu, Geheimagent zu sein und die Ehe nur zur Tarnung geschlossen zu haben. Martínez verklagte die kubanische Regierung. Ein US-Gericht sprach ihr 26 Millionen Entschädigung zu, deren Zahlung Kuba verweigert.
In dieser Woche gab ein Gericht der Forderung von Martinez nach Pfändung der beiden Flugzeuge statt. Die US-Regierung wollte die Maschinen an Kuba zurückgeben, nun bleiben sie auf dem Flughafen von Key West, wo die Luftpiraten sie hindirigiert hatten.
Im Vorjahr hatte Martinez schon einmal die Versteigerung eines aus Kuba entführten alten Sprühflugzeugs erzwungen. Da sich kein Bieter fand, erwarb sie um 7000 Dollar die Maschine selbst - in der Hoffnung, sie teurer weiterverkaufen zu können.
17.04.2003
Kuba weist Forderung der UN-Menschenrechtskommission zurück
Havanna (dpa) - Die kubanische Regierung lässt keine Vertreter der UN-Menschenrechtskommission ins Land. Eine dahingehende Forderung aus Genf wurde zurückgewiesen. Das sagte Außenminister Felipe Pérez Roque in Havanna. Die UN-Menschenrechtskommission hatte vorgestern eine entsprechende Resolution verabschiedet. Eine schärfer formulierte Fassung, die Kuba zur Freilassung der kürzlich verurteilten Dissidenten aufforderte, fand keine Mehrheit. Pérez Roque bezeichnete das als "moralischen Sieg" Kubas.
17.04.2003
Internationale Proteste gegen Kuba
Internationale Protest gegen die Hinrichtung dreier Kubaner, die Anfang April mit der Entführung einer Passagierfähre aus der Bucht von Havanna gescheitert waren, wurden gegen Kuba geäussert.
Die USA, kubanische Bischöfe, Amnesty International und andere Menschenrechtsorganisationen verurteilten diese Hinrichtungen scharf, ebenso EU-Außenminister. Diese drohten vor allem wegen der scharfen Verfolgung von Dissidenten mit eingeschränkten diplomatischen Beziehungen zu Kuba. Dies bezieht sich vor allem auf die hohen Gefängnisstrafen, die vergangene Woche an Regimegegnern verhängt wurde.
Die EU-Minister sprachen nach der Vollstreckung der Todes-Urteile von einer »Beeinträchtigung der Beziehungen zwischen Kuba und der EU«. Erst vor wenigen Wochen war eine Vertretung der Europäischen Union in Havanna eröffnet worden.
In der Erklärung der EU-Minister werden die Gefängnisstrafen gegen die Regimegegner als »exzessiv und willkürlich« gebrandmarkt.
Mit Opposition, so Kubas Justizminister Roberto Diaz Sotolongo, habe keiner auf Kuba ein Problem. Aber die Verurteilten seien Agenten der USA. Und wenn das selbst Saramago nicht verstehe, könne man einmal sehen, "wie groß die Desinformation hier in Europa ist".
"Die so genannten Dissidenten werden nicht wegen ihrer politischen Auffassungen bestraft, sie haben gegen das Strafgesetz verstoßen", erläutert Diaz, seines Zeichens kubanischer Justizminister und derzeit auf Besuch in Wien. Es gebe das Gesetz zur "Wahrung der Souveränität Kubas", die 79 Regimekritiker hätten mit der US-Vertretung in Havanna umstürzlerisch kooperiert und seien deswegen zu insgesamt 1454 Jahren Haft verurteilt worden. Dass viele von ihnen Unterschriften für demokratische Reformen gesammelt haben ("Varela-Projekt"), habe damit nichts zu tun.
"Die Amerikaner haben denen sogar Geld gegeben. Seit 1997 22 Mio. Dollar, das ist belegt." Der Leiter der US- Vertretung auf Kuba, James Cason, sei der Drahtzieher hinter den subversiven Aktionen. Dass Fidel Castro diesen zuvor höchstselbst gelobt und im Parteiorgan Granma schreiben lassen hat, tut laut Diaz nichts zur Sache.
Warum dann nicht auch die US-Vertretung in Havanna geschlossen werde? "Das ist eine Frage anderer Natur. Das würde die Terroristen in Florida (exilkubanische Gruppen, Anm.) unterstützen." Das Gesetz zur Wahrung der kubanischen Souveränität sei jedenfalls eine Reaktion auf den "Helms-Burton-Act", ein US- Gesetz, das Drittstaaten den Handel mit Kuba untersagt. "Viele", sagt der Minister, "sehen nicht, dass wir uns täglich in einem Wirtschaftskrieg zu behaupten haben."
Zur scharfen Kritik auch aus Europa (die jüngsten Verurteilungen bezeichneten EU- Diplomaten als "Schlag ins Gesicht der Union") sagt Diaz: "Das ist für uns kein Problem." Die Gerichte hätten die Dissidenten verurteilt, das sei eine interne Angelegenheit. Auswirkungen auf die Beziehungen zur EU - Brüssel hat erst vor einigen Wochen in Havanna ein Kontaktbüro eröffnet, Kuba will mehr Entwicklungshilfemittel der EU - vermag er keine zu erkennen. Die Aufregung werde sich legen, "wenn die EU unsere Besonderheiten anerkennt".
Auch dass die UN-Menschenrechtskommission Kuba erst am Donnerstag erneut verurteilt hat, nimmt Diaz leicht. "Das ist ein manipuliertes Thema." Die für Kuba zuständige Menschenrechtsinspektorin werde man weiter nicht einreisen lassen. "Zu uns kann jeder kommen, der von der Regierung eingeladen ist. Aber aufzwingen lassen wir uns nichts."
Das hätten die Menschen in einem Referendum vergangenes Jahr gezeigt: Acht Millionen Kubaner hätten sich für den Sozialismus als "unabänderliche Staatsform" ausgesprochen. Und wenn sich die Zeiten ändern? "Der kubanische Sozialismus besteht für immer, weil er ein echter, eigenständiger Sozialismus ist. Genau deswegen sind wir noch immer da."
(DER STANDARD, Printausgabe, 19./20./21.4.2003)
11.04.2003
Fähre-Entführer in Kuba hingerichtet
In Kuba sind drei Entführer einer Passagierfähre hingerichtet worden. Es sind dies die ersten Hinrichtungen in Kuba seit Jahren. Die Todesurteile wurden durch Erschiessen vollstreckt. Das teilte die Regierung im Fernsehen in einer Erklärung mit
Die drei Männer hatten am 2. April zusammen mit mehren anderen eine der Passagierfähren in ihre Gewalt gebracht. Die Fähre verkehrte in der Bucht von Havanna zwischen der Hauptstadt und den östlichen Vororten.
Die Entführer wollten in die USA fliehen, blieben aber schon nach 50 Kilometern ohne Treibstoff auf hoher See liegen. Mehrfach drohten sie, Passagiere umzubringen oder ins Meer zu werfen.
Sie willigten dann aber ein, dass die Fähre nach Kuba zurück geschleppt wurde. Dort wurden die Entführer am späten Abend des 3. April überwältigt. Niemand wurde dabei verletzt.
Inzwischen vereitelten die kubanischen Behörden nach eigenen Angaben eine neue Flugzeugentführung. Wie das Innenministerium mitteilte, wurden am Donnerstagabend (Ortszeit) vor dem Flughafen auf der Isla de La Juventud vier Personen überwältigt. Sie hätten kurz zuvor einem Soldaten ein Gewehr geraubt.
In den vergangenen vier Wochen waren zwei Flugzeuge auf dem Weg von Nueva Gerona nach Havanna entführt und in die USA umgeleitet worden. Die US-Vertretung in Havanna hatte danach die Kubaner eindringlich vor neuen Entführungen gewarnt. Jeder Kidnapper werde in den USA vor Gericht gebracht und verurteilt.
Nach kubanischer Darstellung wurden aber die sechs Entführer, die am 19. März ein Flugzeug nach Florida umleiteten, gegen Kaution auf freien Fuss gesetzt. Kuba wirft den USA vor, potenzielle Entführer anzuspornen. - [sda]
10.04.2003
Internationale Kritik an Verhaftungswelle - Dissidenten des Landesverrats beschuldigt
Nachdem auf Kuba am Montag dieser Woche gegen 33 Dissidenten zum Teil hohe Haftstrafen verhängt wurden, mehrt sich auf internationaler Ebene die Kritik an der Regierung in Havanna. Von der US-Tageszeitung New York Times bis zu deutschen Medien wurde Solidarität mit den »Opfern der neuesten Repressionswelle« (Frankfurter Rundschau) auf der »kommunistischen Insel« (Der Spiegel) erklärt. Mehrere Dutzend Intellektuelle haben in einem offenen Brief an die kubanische Staatsführung die Freilassung der Oppositionellen gefordert. Neben dem rechtskonservativen Schriftsteller Mario Vargas Llosa wurde der Aufruf auch von linksliberalen Persönlichkeiten wie dem Deutschen Günter Grass und dem Mexikaner Carlos Monsiváis unterzeichnet. Die kubanische Regierung nahm zu den Protesten bislang nicht Stellung.
Seit Mitte März sind auf Kuba knapp 80 Dissidenten festgenommen worden. Sie stehen unter dem Vorwurf der Verschwörung und des Landesverrats. Im Zentrum der Aufmerksamkeit kubanischer Behörden steht dabei weniger die politische Opposition. Gegen deren Größen, wie den selbsternannten Menschenrechtsaktivisten Elizardo Sánchez oder den Aktivisten Oswaldo Payá, wird nicht ermittelt. Vielmehr geht es um die sogenannten unabhängigen Journalisten. Ein Blick auf deren Geschichte läßt die »Repressionswelle« jedoch in einem anderen Licht erscheinen.
Als William Clinton in den USA das Präsidentenamt übernahm, ließ er das antikubanische Toricelli-Gesetz ergänzen; Ziel der US-Kuba-Politik war fortan »die Gründung von Pressebüros zur verbesserten Kommunikation der dissidenten Gruppen«. Von den USA aus nach Kuba sendende Rundfunk- und Fernsehsender sind meist Exilorganisationen untergeordnet, die weit in das terroristische Spektrum reichen. So auch auf der Insel: Raul Rivero, der nun zu 20 Jahren Haft verurteilte Direktor der »unabhängigen« Nachrichtenagentur Cuba Press, ist Mitglied der Partei der demokratischen Solidarität. Diese Gruppe wird in Miami von dem Rechtsextremisten Hubert Matos geleitet, der wiederum Kontakte zu der in Madrid ansässigen Gruppen Demokratische Plattform Kuba und Hispano-Kubanische Stiftung unterhält. Der Vizedirektor von Cuba Press, José Rivero, ist zugleich Mitarbeiter von Radio Martí, einer Station, die auf Initiative der US-Regierung gegründet wurde. Nestor Baguer, der aus Kuba für »Reporter ohne Grenzen« berichtet, ist Mitglied der Gruppe Sozialdemokratische Bewegung. Journalistische Unabhängigkeit wird hier offenbar äußerst liberal interpretiert.
Mit Beginn der Verhaftungen stellte die kubanische Regierung am 18. März auch den US-Chefdiplomaten James Cason unter Hausarrest. Er hatte Mitte September vergangenen Jahres seinen Dienst angetreten und seither in seiner Residenz mehrere Treffen mit Dissidenten organisiert.
(
Harald Neuber, Junge Welt )
08.04.2003
Dissidenten in Kuba zu langer Haft verurteilt
In Kuba sind in den vergangenen Tagen rund 70 Regimegegner zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Der Dissident Hector Palacios wurde wegen Landesverrats zu 25 Jahren Haft verurteilt, der Journalist Raúl Rivero, Leiter des unabhängigen Informationsdienstes Cuba Press, und die Ökonomin Marta Beatriz Roque müssen jeweils 20 Jahre hinter Gitter. Die Prozesse dauerten nur drei Tage und fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Mehreren Angeklagten soll das Recht verweigert worden sein, vor ihrem Prozess mit einem Anwalt zu sprechen. Die Urteile beenden eine mehrjährige Phase, in der die rund 300 Oppositionsgruppen auf der Insel zwar nicht offiziell zugelassen, aber geduldet wurden.
Die Staatsanwaltschaft hatte den Dissidenten vorgeworfen, sie hätten sich an verschwörerischen Aktivitäten des Leiters der US-Interessenvertretung in Havanna, James Cason, beteiligt. Cason hatte sich seit seiner Ankunft in Havanna vor acht Monaten mit zahlreichen Dissidenten getroffen und ihnen im März seine Residenz für eine Journalisten-Werkstatt zur Verfügung gestellt. Regimegegner, die von der neuen Repressionswelle nicht betroffen waren, erklärten, der US-Diplomat habe den Oppositionellen einen Bärendienst erwiesen, weil er der Justiz den Vorwand für die Verhaftungen geliefert habe.
Beobachter sehen in dem Vorgehen der Justiz gegen die Dissidenten eine Antwort der kubanischen Führung auf das Projekt Varela. Regierungsgegner - unter ihnen Hector Palacios - hatten 11 000 Unterschriften für eine Petition an das Parlament gesammelt, in der sie einen Volksentscheid über Meinungsfreiheit, eine Wahlrechtsreform und die Freilassung aller politischen Gefangenen forderten. Die Initiative wurde von den Abgeordneten erwartungsgemäß zurückgewiesen, sorgte aber international für große Aufmerksamkeit.
"Castro hat große Eile, um sich der friedlichen Opposition vor Ende des Irak-Krieges und damit ohne große internationale Aufmerksamkeit zu entledigen", sagte der Dissident Elizardo Sanchez, der nicht festgenommen wurde. Auch international stießen die Urteile auf scharfe Kritik. Die US-Regierung erklärte, die Urteile sollten "jeden einschüchtern, der Freiheit und demokratischen Wechsel sucht". Das EU-Parlament will am Donnerstag über eine Resolution abstimmen, in der die Unterdrückung der Opposition verurteilt wird.
03.04.2003
Entführungen von Fähren und Flugzeugen
Es ist bereits das dritte Mal innerhalb von zwei Wochen, dass kubanische Entführer ein Verkehrsmittel in ihre Gewalt gebracht und in Richtung USA umgeleitet hatten. Am Dienstag den 01.04.2003 war ein kubanisches Passagierflugzeug mit 32 Menschen an Bord nach Florida entführt worden.
Einen Tag nach ihrer Entführung ist eine kubanische Fähre mit 50 Menschen an Bord von Florida wieder zurück in heimische Gewässer geschleppt worden. Das Passagierschiff sei von einem Boot der kubanischen Küstenwache ins Schlepptau genommen worden, nachdem es mangels Treibstoff rund 30 Seemeilen vor der kubanischen Küste getrieben sei, teilte ein Beamter in Havanna mit. Die Fähre sei in den Hafen Mariel 50 Kilometer westlich von Havanna gebracht worden. Über das Schicksal der Entführer gab es zunächst keine Angaben.
Die Fähre war am Mittwoch den 02.04.2003 von etwa 15 bis 20 Bewaffneten in der Bucht von Havanna gekapert worden, die einen Kurswechsel in Richtung Florida erzwangen. Dort wollten sie um Asyl bitten. Das Schiff, das in internationalen Gewässern trieb, war dann aufgetankt worden. Die US-Behörden hatten erklärt, dass Kuba aufgrund internationaler Konventionen für die Geiseln verantwortlich sei. Die USA gewähren grundsätzlich Kubanern Asyl, die amerikanischen Boden erreichen. Dies gilt jedoch nicht für solche, die sich auf dem Seeweg den USA nähern.
Bereits am 23.3.20030 sind 16 Passagiere eines am 19.03.2003 in die USA entführten kubanischen Flugzeuges nach Kuba zurückgekehrt. Wie das kubanische Fernsehen berichtete, wurden sie von Staats- und Parteichef Fidel Castro persönlich am Flughafen von Havanna willkommen geheißen. Die kubanische DC-3 war mit 31 Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern während eines Inlandsfluges in Richtung USA entführt worden. Die Entführer sollen in den USA wegen Luftpiraterie vor Gericht gestellt werden. Die US-Behörden hatten die Auslieferung der sechs Luftpiraten verweigert, die in den USA vor Gericht gestellt werden sollen. Die kubanische Regierung hatte den USA vorgeworfen, mit dieser Haltung einen Anreiz für neue Entführungen zu bieten: Der bewaffnete Mann habe sich bei seiner Tat von den sechs Entführern inspirieren lassen, die am 19. März das Flugzeug nach Florida entführt hatten. Die Vereinigten Staaten trügen nun die Verantwortung "für das, was noch passieren kann", hieß es in einer offiziellen Erklärung. Mit ihrer Politik ermutigten die USA regelrecht zu Flugzeugentführungen.
19.03.2003
Dutzende Dissidenten in Kuba festgenommen
Havanna (dpa) - Die kubanische Polizei hat mehrere Dutzend Dissidenten festgenommen. Das staatliche Fernsehen beschuldigte sie am Dienstagabend (Ortszeit), an «konspirativen Aktivitäten» des Leiters der Ständigen Vertretung der USA in Havanna, James Cason, beteiligt gewesen zu sein. Ihnen werde der Prozess gemacht.
Cason, der erst ein halbes Jahr in Havan