Diario / News
aus Kuba (2005)
29.12.2005
Castro empfing designierten bolivianischen Präsidenten Evo Morales auf Kuba
Castro hat den künftigen bolivianischen Präsidenten Evo Morales als seinen "geliebten Bruder" in Havanna empfangen. Morales war mit Castros Privatmaschine nach Havanna geflogen. Es war die erste Auslandsreise seit seiner Wahl am 18. Dezember. Er hatte Castro wiederholt als Vorbild gewürdigt und angekündigt, Kuba im "anti-imperialistischen Kampf" zu unterstützen. Er empfinde "Freude" darüber, in Kuba zu sein, sagte Morales, der Castro als "El Comandante" anredete. In einer Erklärung betonte die kubanische Führung die "exzellenten Beziehungen", die sie mit Morales' Bewegung zum Sozialismus (MAS) unterhalte. Mit der Präsidentschaftswahl in Bolivien, aus der Morales als Sieger hervorgegangen war, habe sich die politische Landkarte in Lateinamerika verändert, sagte Castro.
Er schloss den 46-jährigen linksgerichteten Politiker in die Arme und sagte, seine Wahl habe "die Welt erschüttert". Gemeinsam hätten sie mit dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez telefoniert, teilte Castro in Havanna mit. Der designierte bolivianische Präsident Evo Morales und der kubanische Staatschef Fidel Castro haben ein Programm zur Bekämpfung des Analphabetismus in Bolivien angekündigt.
Bei einem Besuch des Sozialisten Morales in Havanna erklärten sie am Freitagabend zudem, künftig sollten 5.000 junge Bolivianer Stipendien in Kuba erhalten. Einzelheiten zu dem Alphabetisierungsprogramm teilten Morales und Castro nicht mit. In Bolivien können immerhin bereits mehr als 87 Prozent der Bevölkerung lesen und schreiben. Kuba hat sich bereits in anderen lateinamerikanischen Ländern wie Venezuela engagiert.
Morales gewann die Präsidentschaftswahl am 18. Dezember mit 54 Prozent und wird das Amt am 22. Januar antreten. Er bezeichnete seinen Besuch bei Castro als „eine Geste der Freundschaft zum kubanischen Volk“.
01.12.2005
Castro zeigt sich großzügig
Der kubanische Präsident Fidel Castro hat die Einkommen eines Teils seiner Untertanen per Dekret erhöht. Im Juli hatten die Angestellten im staatlichen Gesundheits- und Bildungswesen profitiert. Jetzt sind Verwaltungsangestellten an der Reihe. Für sie ist es die erste Gehaltserhöhung seit 1982. Die monatlichen Einkommen steigen um 43 bis 57 Pesos (1,44 bis 1,95 Euro). Das kubanische Monatseinkommen liegt im Schnitt bei 350 Pesos. Die Renten steigen ebenfalls. Die niedrigste Rente in Kuba beträgt künftig 164 Pesos.
Bereits im Mai war das Mindesteinkommen von 100 auf 225 kubanische Pesos (8,50 Euro) angehoben worden, von der Maßnahme profitierten nach Angaben der Regierung knapp 1,7 Millionen Arbeiter. Im Sommer wurden auch die Gehälter im Bildungs- und Gesundheitswesen erhöht. Im Dezember nun sollen die Löhne je nach Art des Betriebes um 75 bis 200 Pesos monatlich angehoben werden. Wer über einen universitären Abschluß verfügt, kann mit 80 Pesos zusätzlich im Monat rechnen. Von diesen neuen Gehaltserhöhungen werden 2,2 Millionen Arbeiter und Angestellte profitieren.
Parallel zu den Gehaltszuschlägen wurden aber auch die Strompreise angehoben, sofern der Verbrauch über 100 Kilowatt im Monat liegt. Bislang waren Wasser und Strom in Kuba uneingeschränkt staatlich subventioniert. Die Regierung hatte wiederholt Kampagnen organisiert, um die Bevölkerung zum sparsamen Umgang mit Ressourcen aufzufordern. In einem Kommuniqué des Ministerrates und des Arbeits- und Sozialministeriums wurde die Erhöhung der Strompreise nun mit dem Anstieg der Ölpreise begründet.
11.11.2005
Kubas Präsident Fidel Castro kann sich freuen: 182 der 192 Mitgliedstaaten der UNO sind auf seiner Seite.
Bald Ende der Handelssperre?
Auf der Vollversammlung der Vereinten Nationen haben sich am Dienstag so viele Staaten wie noch nie für ein Ende des US-Handelsembargos gegen Kuba ausgesprochen. 182 der 191 Mitgliedstaaten stimmten für eine Resolution, die zur Aufhebung der seit vier Jahrzehnten geltenden Handelssperre aufruft. Dagegen stimmten neben den USA nur drei weitere Länder: Israel, die Marshall-Inseln und Palau. Mikronesien enthielt sich der Stimme.
Aufruf zum freien Handel mit Kuba
Die UN-Vollversammlung hat seit 14 Jahren immer wieder eine entsprechende Resolution verabschiedet. Im vergangenen Jahr hatten 179 Länder für die Aufhebung gestimmt, einschließlich den EU-Staaten. In der jüngsten Resolution wird die Staatengemeinschaft aufgerufen, dem US-Beispiel nicht zu folgen, sondern freien Handel mit Kuba zu treiben. Es war bereits das 13. Mal, dass die Vollversammlung eine solche Resolution verabschiedete.
USA beschuldigen Castro
Der US-Diplomat Ronald Godard bestritt, dass die Handelsbeschränkungen seiner Regierung der kubanischen Bevölkerung Medizin und Lebensmittel vorenthielten. In Wahrheit sei der kommunistische Staatschef Fidel Castro daran schuld. "Wenn die kubanische Bevölkerung keine Arbeit hat, Hunger leidet oder es an medizinischer Versorgung mangelt, wie Castro zugibt, dann kommt das durch seine Misswirtschaft und nicht durch das Embargo", sagte Godard.
Kritiker: Castro durch Sanktionen gestärkt
Vor fünf Jahren hatte der Kongress in Washington auf Druck der US-Agrarlobby das Kuba-Embargo gelockert und Lebensmittelexporte erlaubt. Kuba muss etwa die Hälfte seines Nahrungsmittelbedarfs importieren, und die US-Farmer wollen dieses Geschäft nicht der Konkurrenz aus anderen Ländern überlassen. Kuba importiert aus den USA unter anderem Rindfleisch, Geflügel, Milchpulver, Bohnen, Getreide, Reis und Sojamehl. Kritiker meinen, die 1962 verhängten Sanktionen hätten die Regierung Fidel Castros politisch eher gestärkt.
Mehr als 80 Milliarden Dollar Verluste
Die kubanische Botschafterin in Wien, Norma Goicochea Estenoz, wies im Vorfeld der UNO-Abstimmung darauf hin, dass die Regierung Bush im Vorjahr die Restriktionen wieder verschärft hat. Die Verluste auf Grund des Embargos bezifferte sie auf mehr als 80 Milliarden Dollar. Vom Embargo schwer betroffen sei der humanitäre Sektor. Allein im Vorjahr seien von den USA 77 Firmen wegen Verletzungen des Handelsembargos abgestraft worden, darunter die Fluggesellschaften Iberia und Alitalia. Umgekehrt würde die US-Wirtschaft von einer Aufhebung der Blockade mit Milliarden-Dollar-Gewinnen profitieren.
08.11.2005
Castro über Kuba nach Castro: "Wir sind unverwundbar"
Kubas Präsident und Revolutionsführer Fidel Castro hält seinen sozialistischen Inselstaat auch dann für "unverwundbar", wenn seine Herrschaft eines Tages enden sollte. "Ich stelle mir Kuba dann als große moralische Macht vor. Mit sehr viel Würde. Als ein Land, das die Bedeutung des Menschen und die Vorteile der Bildung deutlich macht und zeigt, was mit Menschen alles erreicht werden kann. Wir sind unverwundbar und ich übertreibe nicht", sagte der 79-Jährige in einem am Montag ausgestrahlten Interview mit Argentiniens früherem Fußballstar Diego Maradona.
Das Gespräch war zwischen dem 24. und dem 28. Oktober für Maradonas argentinische Fernsehshow "La Noche del 10" in Kuba aufgenommen worden. Ein erster Teil war vergangenen Montag gezeigt worden. Der zweite und letzte Teil musste mit Untertiteln gesendet werden, weil Castros altersschwache und heisere Stimme nur schwer zu verstehen war.
Maradona nennt Bush einen Mörder
"Ich denke, Bush ist ein Mörder. Ich werde den Protestzug gegen ihn anführen", erklärte Maradona. Bush wird zum Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs aller amerikanischen Länder - Kuba hat als einzige Nation abgesagt - am 4. und 5. November in Mar del Plata in Argentinien erwartet. Zugleich huldigte Maradona Castro, mit dem der Weltmeister von 1986 ein Interview für seine Talkshow "La Noche del 10" (Die Nacht der Zehn) aufnahm. "Für mich ist er ein Gott", sagte der ehemalige Dribbelkünstler über den Mann, der ihm half, vom Drogenkonsum loszukommen.
28.09.2005
Terrorverdächtiger Castro-Gegner Posada darf in den USA bleiben
Der unter Terrorverdacht stehende Exilkubaner Luis Posada Carriles kann in den USA bleiben und muss nicht eine Auslieferung an Kuba oder Venezuela fürchten. Die Justizbehörden im texanischen El Paso erklärten am Dienstag zur Begründung, im Falle einer Auslieferung an eines dieser beiden Länder drohe dem 77-Jährigen die Folter. Allerdings könne Posada in ein anderes Land überführt werden.
Posada war im März aus Mexiko in die USA eingereist und hatte einige Wochen danach politisches Asyl beantragt. Mitte Mai wurde er in Miami wegen illegaler Einreise festgenommen. Der einstige CIA-Agent und Gegner des kubanischen Staatschefs Fidel Castro wird sowohl von Venezuela als auch von Kuba für Anschläge verantwortlich gemacht.
Posada soll 1976 Drahtzieher eines Bombenanschlags auf eine in der venezolanischen Hauptstadt Caracas gestartete kubanische Passagiermaschine gewesen sein, bei dem 73 Menschen getötet wurden. Auch soll er hinter einer Serie von Bombenanschlägen auf kubanische Hotels stecken, bei der 1997 ein italienischer Tourist getötet wurde. Die US-Regierung hatte eine Auslieferung an Caracas oder Havanna ausgeschlossen. (APA)
05.09.2005
Wirbelsturm "Katrina" führt zu verheerenden Zerstörungen in New Orleans/USA - Hilfe aus Kuba und Venezuela abgelehnt
Der Wirbelsturm Katrina war die schlimmste Naturkatastrophe in den USA seit dem Erdbeben in San Fancisko (1906), Tausende von Toten sind vor allem in New Orleans zu beklagen. Ob die Stadt in ihrer alten Form je wieder erstehen wird ist momentan noch unklar. Nach Bekanntwerden des Ausmaßes der humanitären Katastrophe hatte Kuba ein -angesichts der realen Möglichkeiten des Landes- umfassendes Angebot gemacht. 1100 Ärzte seien in Havanna zum sofortigen Aufbruch bereit, hatte Staatschef Fidel Castro nach Washington übermitteln lassen. Hinzu kämen 26 Tonnen Medikamente. Inzwischen wurde das Angebot auf 1600 Ärzte und 36 Tonnen Güter aufgestockt. Ohne Forderungen nach einer Gegenleistung. Politische Feindschaften sollten bei solchen Katastrophen keine Rolle spielen, so Castro. „Die Ärzte könnten schon an Ort und Stelle sein und sich nützlich machen. Wir werden geduldig so viele Tage wie nötig abwarten.“ Sollte es nötig werden, könnten auf 5000 Ärzte anreisen.
Zweifellos verfolgt Havanna auch politische Interessen. Doch hat das Land in den vergangenen Jahren mit der Entsendung von Ärzten, etwa nach Mittelamerika und in den Jemen, unter Beweis gestellt, daß die Aktion auch durchführbar und kein Propagandatrick ist.
Ein Hilfsangebot kam auch aus Venezuela. Der südamerikanische Staat bot 120 Rettungsspezialisten, zwei medizinische Notfallteams, 10 Wasserreiniger, 8 Stromgeneratoren, 20 Tonnen Wasser, 50 Tonen Lebensmittel und 5000 Decken an.
Washington reagierte jedoch weder auf das eine, noch auf das andere Angebot. Das hat Tradition. Auch nach dem 11. September 2001 schlug Washington ein Hilfsangebot Havannas aus. In die andere Richtung ist man dagegen „großzügig“. Als der Hurrikan Dennis im Juli auf Kuba wütete, boten die USA lediglich 50.000 Dollar Hilfe an. Und auch Katrina hat den Karibikstaat getroffen. Rund 8000 Menschen mußten den Behörden zu Folge evakuiert werden, die Küstenstadt Surgidero de Batabano steht unter Wasser und im Westen des Landes fielen Telefon- und Stromleitungen aus. In der vergangenen Woche hatte das Parlament in Havanna eine Schweigeminute für die Opfer des Hurrikans abgehalten – für die in den USA, denn alle Berichte deuten darauf hin, daß im eigenen Land keine Toten zu beklagen sind. Wohlmöglich ist das Krisenmanagement dort besser.
22.08.2005
Chávez sichert Castro militärischen Beistand zu
Eine gemeinsame Fernsehansprache haben Kubas Staatschef Fidel Castro und sein venezolanischer Kollege Hugo Chávez genutzt, um gegen ihren Lieblingsfeind, die USA, zu wettern. In einem fast fünf Stunden währenden Auftritt wiesen die beiden in olivgrüne Uniformen gekleideten Präsidenten US-Vorwürfe zurück, wonach sie Südamerika destabilisierten.
Die Vereinigten Staaten seien diejenigen, die destabilisierten; sie seien "die Zerstörer der Welt", fuhr Chávez fort, der ebenso wie sein Verbündeter Castro für seine endlosen Reden berüchtigt ist. Chávez war nach Kuba gereist, um der Diplomvergabe an 1600 Mediziner aus ganz Südamerika beizuwohnen, die kostenlos in Kuba studieren durften.
Im Falle eines US-Angriffs auf Kuba würde Venezuela Truppen zu Kubas Verteidigung entsenden, sagte Chávez. "Wir wollen Frieden. Wir werden alles Menschenmögliche tun, um eine imperialistische Aggression zu verhindern. Aber wenn es einem Verrückten einfallen sollte, wird er diese jungen Männer (venezolanische Soldaten) und uns im Kommando finden, die Souveränität und Unabhängigkeit dieses Landes verteidigend", sagte der Venezolaner in Kuba. Venezuela leistet bereits wichtige Wirtschaftshilfe und liefert Kuba täglich 90 000 Barrel (14,31 Millionen Liter) Öl.
21.08.2005
Kuba und Panama nehmen diplomatische Beziehungen wieder auf -
Castro, Chávez und Torrijos bekräftigen Achse gegen USA
Kuba und Panama haben ihre vor einem Jahr abgebrochenen diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen. Der kubanische Außenminister Felipe Pérez Roque und der panamaische Vize-Außenminister Ricardo Durán tauschten am Samstag vor der Presse in Havanna entsprechende Dokumente aus. An der Zeremonie nahmen auch die Staatschefs beider Länder, Fidel Castro und Martín Torrijos, teil.
Kuba hatte die diplomatischen Beziehungen zu Panama im August 2004 abgebrochen, nachdem die damalige panamaische Präsidentin Mireya Moscoso den in Panama inhaftierten Exilkubaner Luis Posada Carriles begnadigt hatte. Posada Carriles war wegen eines von ihm geplanten Attentats auf Castro während eines Gipfeltreffens in Panama-Stadt im November 2000 zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt worden.
Achse gegen USA
Kuba beschuldigt Posada Carriles außerdem, Drahtzieher von Sprengstoffanschlägen auf Touristen-Hotels in Havanna gewesen zu sein, bei denen 1997 ein italienischer Urlauber starb. Auch eine Beteiligung des Exilkubaners an einem Bombenanschlag auf eine in der venezolanischen Hauptstadt Caracas gestartete kubanische Passagiermaschine im Jahr 1976, bei dem 73 Menschen getötet wurden, gilt als sehr wahrscheinlich. Venezuela verlangt deshalb von den USA die Auslieferung von Posada Carriles, wo dieser derzeit wegen illegaler Einreise inhaftiert ist. Der Sozialdemokrat Torrijos hatte sich nach seinem Amtsantritt im vergangenen September für die Wiederaufnahme der Beziehungen zu Kuba ausgesprochen.
Auf einer Festveranstaltung in Havanna bekräftigten Castro, der venezolanische Präsident Hugo Chávez und Torrijos am Samstag den Wunsch, angesichts der Vorherrschaft der USA auf dem amerikanischen Kontinent die Zusammenarbeit der lateinamerikanischen Staaten untereinander weiter auszubauen. An der Feier zum Studienabschluss von mehr als 1600 angehenden Ärzten aus über 25 Ländern, die in Kuba kostenlos ausgebildet wurden, nahmen auch der ecuadorianische Vize-Präsident Alejandro Serrano sowie Regierungschefs und Minister aus mehreren karibischen und zentralamerikanischen Ländern teil. (APA)
20.08.2005
Venezuelas Präsident Chavez will Integration Mittelamerikas voranbringen
Gipfeltreffen auf Kuba - Erfolg des Integrationsprojekts ALBA bekräftigt
Der venezolanische Präsident Hugo Chavez will in Kuba die Integration der Staaten Mittelamerikas und der Karibik weiter vorantreiben. Ebenso wie einige Präsidenten und Regierungschefs aus Zentralamerika traf er am Samstag in Havanna ein, um den Studienabschluss von angehenden Ärzten aus diesen Ländern zu feiern. Dabei bekräftigte er den Erfolg des Integrationsprojekts ALBA (Alternativa Bolivariana para las Americas), mit der er und Kubas Präsident Fidel Castro die Vorherrschaft der USA in Amerika brechen wollen.
An der Feier nahmen auch Delegationen verschiedener Länder Mittelamerikas teil, aus denen viele der 1.600 in Kuba ausgebildeten Ärzte stammen. Auch der Präsident von Panama, Martin Torrijos, kam mit einer großen Delegation, der ersten, seit im vergangenen Jahr Kuba die diplomatischen Beziehungen zu Panama abgebrochen hatte.
(Nachrichten.ch)
11.08.2005
Kubanische Spione vor neuem Prozess
US-Berufungsgericht hebt ein Urteil von 2001 gegen fünf Kubaner auf. Begründung: Das Verfahren sei unfair gewesen.
Ein US-Bundesberufungsgericht in Atlanta hat ein Urteil gegen fünf Kubaner aus dem Jahre 2001 aufgehoben. Ein Das Verfahren sei nicht unparteiisch verlaufen, heißt es in einem Gutachten, das am Dienstag veröffentlicht wurde. Gerardo Hernandez, Ramon Labanino, Antonio Guerrero, Fernando Gonzalez und Rene Gonzalez, die zu Haftstrafen zwischen 15 Jahren und "lebenslänglich" verurteilt wurden und derzeit in verschiedenen US-Hochsicherheitsgefängnissen einsitzen, waren im Auftrag der Castro-Regierung in den USA als Spione tätig. Bereits im letzten Monat hatte eine Menschenrechtsbehörde der Vereinten Nationen das Urteil als willkürlich und zu hart bezeichnet.
In der Urteilsbegründung vor vier Jahren hatte es geheißen, dass die Fünfergruppe US-Militär- und Regierungseinrichtungen ausspioniert habe. Diese Aktionen hätten in einem Fall sogar zum Abschuss zwei kleiner Flugzeuge geführt, die mit vier Exilkubanern besetzt waren. Die Verteidigung hatte damals zwar zugegeben, dass die fünf Kubaner Spione waren. Ihre Aufgabe sei jedoch gewesen, terroristische Aktivitäten von extremistischen Exilkubanern gegenüber Kuba zu unterbinden. Die Angeklagten gehörten zu einer Gruppe von insgesamt 14 Festgenommenen, die der Zugehörigkeit zum so genannten Wespen-Netzwerk verdächtigt wurden. Dieses gilt als der größte in den USA aktive kubanische Spionagering.
Zur Begründung ihrer Entscheidung sagten die Richter, sie seien sich im Klaren, dass die Aufhebung des Urteils unpopulär und für manche US-Bürger schwer zu verkraften sei. Dennoch sei man überzeugt, dass jene Kritiker die Grundrechte zu schätzen wissen. "Eine unserer wichtigsten Freiheit ist das Recht, in einer nicht Atmosphäre frei von Druck vor Gericht gestellt zu werden", so die Richter.
Das Berufungsgericht kritisierte vor allem die kubafeindliche Stimmung in Miami. Diese habe einen fairen Prozess unmöglich gemacht. Viele Exilkubaner, die eine Anti-Castro- und antikommunistische Haltung vertraten, hätten in den Monaten vor dem Prozess die Stimmung aufgeheizt. 16 der 160 Geschworenen hätten nach Angaben des Berufungsgerichts die Opfer des abgestürzten Flugzeuges gekannt. Außerdem habe die Presse in Florida, die während des siebenmonatigen Verfahrens laufend Details veröffentlicht hatte, die Geschworenen verfolgt, unter Druck gesetzt und die Angeklagten schon vorverurteilt, so das Gutachten.
Kubas Parlamentspräsident Ricardo Alarcón begrüßte die Entscheidung des Berufungsgerichts. Sie sei ein Sieg über die "Heuchler, die sich mit einem angeblichen Kampf gegen den Terror brüsten und in Wirklichkeit Terroristen schützen und junge Männer einsperren, die gegen den Terrorismus in den USA vorgehen", sagte er.
Die Angehörigen der in Kuba als Helden geltenden Spione zeigten sich erleichtert über die Wiederaufnahme des Verfahrens. Adriana Pérez, die Ehefrau des zu zweifach lebenslanger Haft und zusätzlich 15 Jahren verurteilten Hernández, sprach von der ersten erfreulichen Nachricht in dem Fall seit sieben Jahren.
Weitere Informationen zu den fünf Verhafteten:
www.miami5.de/
08.08.2005
Kubas Sänger-Legende Ibrahim Ferrer ist tot
Im Alter von 78 Jahren ist Ibrahim Ferrer in Havanna gestorben - das Ende einer wundervollen Musikerkarriere. Der kubanische Sänger, der durch das Album und den Wim-Wenders-Film "Buena Vista Social Club" Weltrum erlangte, war erst vor wenigen Tagen von einer Europa-Tournee zurückgekehrt.
Ibrahim Ferrer starb am Samstag in einer Klinik der kubanischen Hauptstadt Havanna, wie seine Frau Caridad Díaz mitteilte. Kurz zuvor war er von einer einmonatigen Europatournee nach Kuba zurückgekommen. In seiner Heimat war Ferrer seit einem halben Jahrhundert bekannt. Zum Weltstar wurde er erst im hohen Alter, als er zusammen mit anderen kubanischen Musiker-Legenden das Album "Buena Vista Social Club" aufnahm und der deutsche Regisseur Wim Wenders die Geschichte der Band im gleichnamigen Dokumentarfilm in die Kinos brachte.
"Ibrahim war ein bewundernswerter Mensch, nicht nur als Musiker, sondern auch als Vater und Ehemann", sagte Ferrers Frau. "Er hat seine Tournee mit viel Mut zu Ende gebracht." Geboren wurde Ferrer 1927 nahe der ostkubanischen Stadt Santiago - angeblich in einem Tanzclub, bei seiner Mutter sollen unerwartet früh die Wehen eingesetzt haben. Mit zwölf Jahren wurde Ferrer zum Vollwaisen und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch, etwa als Zeitungsverkäufer oder Schuhputzer.
Daneben aber ging er immer seiner Leidenschaft für die Musik nach. Regelmäßig trat er mit dem berühmten Bandleader Pacho Alonso auf und hatte 1955 mit dem Orquesta Chepin-Choven hatte er 1955 einen ersten Hit, der ihm jedoch nicht zugeschrieben wurde. Auch in der Formation, der er sich danach anschloss, stand er im Schatten der Bandkollegen. 1991 beendete er seine Karriere frustriert.
Mitte der neunziger Jahre scharte dann der US-Gitarrist Ry Cooder Kubas Musiker-Legenden wie Ibrahim Ferrer, Compay Segundo und Ruben Gonzales um sich und nahm mit ihnen das Album "Buena Vista Social Club" auf. Zwei Jahre später drehte Wim Wenders den gleichnamigen Dokumentarfilm, der zum Welterfolg wurde.
Ferrer war einer der Altstars des "Son". Die kubanische Tanzmusik aus den vierziger und fünfziger Jahren begeisterte das Publikum überall. Ferrer und seine Freunde wurden zu Konzerten in die ganze Welt eingeladen, die CD zum Film verkaufte sich mehr als vier Millionen Mal.
Ferrer nahm anschließend zwei Solo-Alben auf. Sein Leben im unerwarteten Ruhm nannte er einen Traum voller "bewegender Begegnungen". Als schönsten Tag seines Lebens bezeichnete er jenen, an dem er im Jahr 2001 von Kubas Staatschef Fidel Castro empfangen wurde.
In den vergangenen Jahren erklang Ferrers sanfte Stimme auf den berühmten Bühnen der Welt, ob in New York, London, Tokio oder Paris. In den letzten Wochen hatte der Mann mit der Mütze und dem grauen Oberlippenbart noch in Frankreich, Spanien, Großbritannien, den Niederlanden und der Schweiz auf der Bühne gestanden. Ins Krankenhaus von Havanna wurde er mit Verdacht auf eine Magen-Darm-Erkrankung eingeliefert. Nach Angaben von Musikerkollegen litt er in den letzten Jahren schon ein einem Emphysem (Lungenaufblähung) und klagte Anfang der Woche beim Rückflug aus Europa über Beschwerden. Seine Musikerkollegen Compay Segundo und Ruben Gonzalez waren bereits 2003 gestorben.
29.07.2005
USA basteln an Fidel Castros Absetzung
Das Weisse Haus hat einen speziellen "Koordinator" benannt, der die amerikanischen Bemühungen um ein Ende des Castro-Regimes in Kuba leiten und bündeln soll.
"Das kubanische Volk ersehne und verdiene es, am demokratischen Fortschritt in der westlichen Hemisphäre teilzuhaben", sagte US-Aussenministerin Condoleezza Rice am Donnerstag bei der Vorstellung des neuen Beauftragten, Caleb McCarry, in Washington. "Mit Calebs Hilfe...werden die USA die Ankunft jenen Tages beschleunigen, an dem ein freies Kuba kein Traum mehr ist, sondern Realität." McCarry gehörte bisher zum Mitarbeiterstab des Auswärtigen Ausschusses des US-Abgeordnetenhauses.
Der neue Posten das Kuba-"Koordinators" wurde auf Empfehlung einer Kommission geschaffen, die im Auftrag von Präsident George W. Bush Strategien für eine Demokratisierung Kubas erarbeitet hat.
(Nachrichten.ch)
29.07.2005
Kuba verbietet Einfuhr von Glühbirnen
Kuba hat den Import von Glühbirnen mit einer Leistung von über 15 Watt verboten. Das berichtet die spanische Tageszeitung "El Pais". Damit begegne die Regierung des Karibikstaates der anhaltenden Probleme bei der Energieversorgung.
Kuba werde stattdessen in China rund 3,5 Millionen Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren bestellen. Außerdem kündigte Staatschef Fidel Castro die Erhöhung der Kapazitäten bei der Stromerzeugung an.
Bereits seit Jahren hat die kommunistische Inselrepublik erhebliche Schwierigkeiten bei der ausreichenden Versorgung des Landes mit Strom. In der Hauptstadt Havanna gibt es derzeit Unterbrechungen der Stromversorgung von bis zu sieben Stunden am Tag.
(N24.de, Netzeitung)
27.07.2005
52. Jahrestag des Beginns der kubanischen Revolution
Castros Warnung an die Opposition
Kubas Staatspräsident Fidel Castro hat die Opposition seines Landes ultimativ vor weiteren Protesten gewarnt. Der "revolutionäre Volk" werde die "Söldner" der Vereinigten Staaten nicht weiter voranschreiten lassen, sagte Castro in Havanna bei einem Festakt anlässlich des 52. Jahrestages der kubanischen Revolution. Seine Regierung dulde keinerlei "Provokationen", sagte Castro in Havanna. Dissidenten seien "Verräter", "Lumpen" und "Söldner" in den Diensten der USA. Niemand in Kuba kenne sie; sie lebten von der Öffentlichkeit, die ihnen das Ausland zubillige.
Am vergangenen Freitag waren in Havanna 33 Repräsentanten kubanischer oppositioneller Vereinigungen festgenommen worden, um Kundgebungen zur Freilassung politischer Gefangener zu verhindern. Einige wurden später wieder freigelassen.
In seiner vierstündigen Rede vor rund 5000 Zuhörern im Karl-Marx-Theater von Havanna beschuldigte der kommunistische Staatschef die "ausländische Presse", sich von den USA und der Opposition in Kuba instrumentalisieren zu lassen. Der 78jährige Castro trug seine olivgrüne Uniform. Er bestritt eine gravierende Wirtschaftskrise in seinem Land und kündigte für Ende des Jahres ein Wirtschaftswachstum von neun Prozent an.
Der 26. Juli wird in Kuba als Jahrestag des Angriffs der von Castro geführten Rebellen auf die Moncada-Kaserne in der südkubanischen Stadt Santiago de Cuba 1953 gefeiert. Der Angriff war der Ausgangspunkt für die kubanische Revolution, die am 1. Januar 1959 zum Sturz des Diktators
Fulgencio Batista
führte.
Castro verspricht bessere Zeiten
Ende dieses Jahres werde zum Beispiel das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts neun Prozent betragen. Mit Stromabschaltungen müsse ab dem zweiten Halbjahr 2006 niemand mehr rechnen. Im nächsten Jahr sollen 100000 neue Wohnungen gebaut werden (2004 waren es 15352) – bei einem Bedarf von etwa einer halben Million. In China wurden 1000 Omnibusse eingekauft. Der Warenaustausch Kuba-Venezuela werde noch in diesem Jahr drei Milliarden Dollar umfassen… Castro beendete seine Rede ohne das gewohnte »Vaterland oder Tod, wir werden siegen«. Stattdessen zitierte er den Schluss seiner Verteidigungsrede des Jahres 1953 und bezog den venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez ein: »Verurteilt uns, das ist egal, die Geschichte wird uns freisprechen«.
26.07.2005
Cubana kauft neues russisches Langstreckenflugzeug Il-96
Der russische Flugzeughersteller WASO Woronesch hat ein neues Langstreckenflugzeug vom Typ Iljuschin 96 (Il-96) präsentiert, das im Auftrag der kubanischen Fluggesellschaft Cubana gebaut wurde. Dem WASO-Generaldirektor Wjatscheslaw Salikow zufolge hat die kubanische Firma insgesamt zwei Jets dieses Typs bestellt, die hierfür extra modernisiert wurden.
"Die Modernisierung betraf die Bordanlagen, wodurch das Flugzeug an westliche Anforderungen angepasst wurde. Die Software wurde ins Englische übersetzt, die Innenausstattung des Fluggastraums wurde nach den Wünschen des Auftraggebers gestaltet. Ausländische Flugzeuge diese Klasser wie Boeing-767-300 kosten fast zweimal soviel wie die russischen", sagte Salikow.
Der Vertrag zwischen der russischen Leasing-Firma Iljuschin Finance Co und Kuba, wonach WASO zwei Iljuschin 96-300 für Cubana bauen soll, war im Juli 2004 geschlossen worden. Der Preis für beide Maschinen wird im Vertrag mit mehr als 100 Millionen Dollar angegeben. 15 Prozent davon hat Kuba bereits aus eigenen Mitteln bezahlt. Die restlichen 85 Prozent werden über Kredite russischer und ausländischer Banken finanziert.
Der Generaldirektor von Iljuschin Finance Co, Alexander Rubzow, hofft, dass seine Firma im Rahmen der bevorstehenden russischen Luftfahrtmesse Maks 2005 im August mehrere Großverträge für das Leasing der Langstreckenflugzeuge Il-96 und der Regionaljets An-148, die in Kürze in Produktion gehen werden, schließen wird. "Ich möchte keine verfrühten Prognosen machen, aber ich hoffe auf eine Reihe von Großaufträgen", erklärte Rubzow.
26.07.2005
Kuba-Urlauber erhalten weniger Peso für ihre Euros
Kuba-Urlauber bekommen beim Geldwechsel seit kurzem knapp zehn Prozent weniger für ihre Euros als bisher. Das gilt auch beim Eintauschen in konvertible Peso mit Hilfe einer Kreditkarte, erläutert das Cubanische Fremdenverkehrsamt in Frankfurt.
Die Ursache dafür ist eine jüngst erfolgte Aufwertung von Kubas Währung im Verhältnis zum US-Dollar. Um Euro oder Geld anderer Währungen in konvertible Peso zu wechseln, wird grundsätzlich erst in US-Dollar umgerechnet. Entsprach zuvor ein US-Dollar einem konvertiblen Peso, werden inzwischen für einen Dollar nur noch 0,925 Pesos ausgezahlt. Entsprechend hat sich auch der Kurs für den Euro und andere Währungen verschlechtert.
25.07.2005
Erneut Verhaftungen von Dissidenten in Kuba
Angesichts zunehmender Proteste hat die kubanische Führung den
Druck auf die Opposition
weiter verstärkt. Am Freitag den 22.07.2005 wurden in Havanna 21 Dissidenten festgenommen, drei von ihnen wieder auf freien Fuß gesetzt. Nach Angaben von Eliardo Sanchez, dem Vorsitzenden der Kubanischen Kommission für Menschenrechte und Versöhnung, war unter den Freigelassenen auch die Führungsfigur der Opposition in Kuba, Marta Beatriz Roque. Diese rief nach ihrer Freilassung zu weiteren Protesten auf. Roque, die Chefin der oppositionellen Vereinigung zur Schaffung der Zivilgesellschaft, warnte die Regierung: Die Proteste könnten zu einem Szenario wie in Rumänien auswachsen. Dort war 1990 der kommunistische Diktator Nicolae Ceausescu gestürzt und erschossen worden.
Direkt nach der Aktion der Opposition demonstrierten etwa 5000 Regierungsanhänger für die Staatsführung und Präsident Fidel Castro. Die offenbar von der Regierung beauftragten Gegendemonstranten beschimpften die Oppositionellen.
Die EU-Kommission hat die harte Haltung der kubanischen Führung gegenüber Dissidenten kritisiert. Die Lage sei weiter "extrem Besorgnis erregend", erklärte die EU-Kommission gestern abend in Brüssel. Zwar sei es eine gute Nachricht, dass mehrere kubanische Oppositionelle am Freitag freigelassen worden seien. Zugleich seien andere Regimekritiker inhaftiert worden. Dies zeige die "extreme soziale Spannung" in Kuba. Die Verhaftungen seien ein klarer Beleg, dass sich die Lage verschärfe.
Angesichts der wirtschaftlichen Probleme ist die Unzufriedenheit mit der Regierung in der Bevölkerung in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Es ist das erste Mal seit zwei Jahren, dass die Regierung in Havanna derart hart gegen die Opposition vorgeht. Im Frühjahr 2003 hatte Castro 75 Regimegegner festnehmen und zu teilweise drastischen Haftstrafen verurteilen lassen. Als Reaktion darauf fuhr die EU die politischen Beziehungen zu Havanna auf ein Minimum herunter. Erst Anfang des Jahres wurden die Sanktionen ausgesetzt.
Nach den Worten des Oppositionellen Vladimiro Roca ist die Regierung angesichts steigender Unzufriedenheit in der Bevölkerung "nervös". Die Kubaner seien nicht mehr bereit, die wirtschaftlichen Engpässe klaglos hinzunehmen. Mitte Juli wurden bereits vereinzelt Demonstranten festgenommen, die öffentlich gegen Castro die Stimme erhoben. Kuba leidet diesen Sommer besonders unter Nahrungsmittelknappheit und Strommangel. Die Schäden, die jüngst Hurrikan "Dennis" verursachte, haben die Lage noch verschärft.
25.07.2005
Neuer Internationaler Radiosender Lateinamerikas nimmt Betrieb auf
Venezuelas Präsident Chavez hat den Start des lateinamerikanischen Fernsehsenders "Telesur" als Erfolg bezeichnet. Chavez erklärte in Caracas, man habe nun ein Gegengewicht zur Informationsübermacht der USA. Die TV-Station mit Sitz in Venezuela hatte den Sendebetrieb gestern aufgenommen. Neben der Regierung Chavez sind Argentinien, Uruguay und Kuba finanziell beteiligt. Washington wirft "Telesur" anti-amerikanische Tendenz vor. Der Empfang soll auf dem gesamten amerikanischen Kontinent und in der Karibik, aber auch in Westeuropa und Nordafrika möglich sein. Chefredakteur ist der uruguayische Journalist Aharonian.
19.07.2005
Weitreichende Verschlechterung der Situation nach Wirbelsturm - Die Unzufriedenheit nimmt zu
Stromnotstand
Häufiger Stromausfall treibt die Menschen in Kuba derzeit an den Rand der Verzweiflung. Es ist drückend heiß, sehr feucht, fast unerträglich. Wenn es vor allem abends keinen Strom gibt, gehen nicht nur die Lichter aus. Die Lifte funktionieren nicht, die Klimaanlagen versagen, die Ventilatoren spenden keinen frischen Wind und die Mücken vertreiben sie auch nicht. In den Kühlschränken verderben die Vorräte. Viele Menschen können nicht schlafen und verbringen die heißen Nächte einfach im Freien, wo die Straßenbeleuchtung über einen anderen Stromkreis spärlich Licht spendet. Sie sitzen auf den Bordsteinkanten, auf Bänken in den Parks und warten auf den Morgen. Die Aussichten für die kommenden Wochen sind schlecht. Der heißeste Monat August steht noch bevor, und dann wird zum Kühlen noch mehr Energie benötigt.
Milliarden-Schaden durch Hurrikan
Seit Monaten schon schaffen es die Stromproduzenten nicht mehr, die Menschen auf der Insel mit ausreichend Energie zu versorgen. Jetzt hat Hurrikan "Dennis" die Lage erheblich verschärft. Der Wirbelsturm tötete zahlreiche Menschen, zerstörte ungezählte Gebäude, verwüstete Plantagen. Die Schäden werden auf über eine Milliarde Euro geschätzt. Auch zentrale Überlandleitungen sind offenbar unterbrochen. Angstvoll warten die Kubaner auf den nächsten Hurrikan.
"Nieder mit Castro"
Im April hatte Präsident Fidel Castro eine verbesserte Energieversorgung versprochen. "Zum 23. August wird das Problem Kubas mit der elektrischen Energie gelöst", sagte er. Dies geschah damals womöglich, um die Kubaner auf einen heißen Sommer vorzubereiten.
Doch es kam schon vor dem Sturm schlimmer: Jeden Tag fällt der Strom aus, sind abends und nachts ganze Teile der über zwei Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt Havanna und andere Landesteile dunkel. Besonders kritisch wurde es am ersten Juliwochenende, als der Strom 27 Stunden wegblieb. Auf mancher Wand stand am Morgen geschrieben: "Nieder mit Castro."
Der Staat reagierte mit einer Fernsehsendung, in der die Problematik erklärt und versucht wurde, die Bevölkerung zu beruhigen. Mit weiteren Schwierigkeiten müsse gerechnet werden, Havarien könne niemand voraussehen. "Granma", die Zeitung der Kommunistischen Partei von Kuba, resümierte am nächsten Tag: "Die Stromausfälle werden seltener in den nächsten Wochen, aber es bleiben Risiken."
Tag und Nacht Reparaturen
Die Bilder, die den Zuschauern während der Sendung vorgeführt wurden, waren für sie nichts Ungewöhnliches: Arbeiter schweißten Rohre, schnitten Bleche zurecht, schraubten an Pumpen herum, schliffen Rotoren, verlegten Rohre, fetteten Flansche ein. Die Vorarbeiter und Ingenieure sagten übereinstimmend: "Wir arbeiten 24 Stunden pro Tag, bis die Krise vorüber ist."
Wann dies der Fall sein könnte, ist unabsehbar. Die sieben Kraftwerke in Kuba sind 25 bis 30 Jahre alt und wurden im Rahmen des Comecon, der damaligen kommunistischen Wirtschaftsgemeinschaft, von der Tschechoslowakei und der Sowjetunion geliefert und gebaut. Heute dürften sie veraltet sein.
Castro lehnt westliche Hilfe ab
Die kubanische Führung hofft nun, durch die Verbindung mit dem lateinamerikanischen Ölland Venezuela wieder auf einen grünen Zweig zu kommen. Venezuela hat mit den karibischen Staaten die Erdölgesellschaft Petrocaribe gegründet, die unter anderem auch Kuba Öl zu günstigeren Preisen zur Verfügung stellen wird.
Moderner und effizienter werden die Kraftwerke in Kuba dadurch allerdings nicht. Jedenfalls nicht in diesem Sommer. Hilfe aus den USA und aus der Europäischen Union hat Staatschef Fidel Castro abgelehnt.
(Von Franz Smets, dpa)
Zunahme von Infektionskrankheiten nach Wirbelsturm
Kubanische Ärzte haben besorgt auf die jüngsten Stellungnahmen der Regierung in Havana reagiert, wonach in jüngster Zeit zahlreiche Kinder an Erkrankungen der Atemwege und des Verdauungssystems gestorben sind. Experten sehen einen direkten Zusammenhang mit den jüngsten Problemen Kubas bei der Wasser- und Stromversorgung. Kubanische Ärzte berichten, dass sich die Zahl der Infektionskrankheiten seit den wetterbedingten Versorgungsproblemen deutlich erhöht hätte.
Die Gesundheitsbehörden Havanas forderten die Öffentlichkeit am 25. Juli abermals auf, besonderen Wert auf die Einhaltung der Hygienebestimmungen zu legen. Das sei angesichts der nach wie vor in einigen Landesteilen nicht reibungslos funktionierenden Wasser- und Stromversorgung besonders wichtig.
Die Wasser- und Stromversorgung wurde durch den am 8. Juli über Kuba hinweg ziehenden Wirbelsturm stark beeinträchtigt. Pädiater wiesen am in Havana darauf hin, dass die Mortalität und Morbidität bei Kindern und Jugendlichen in jüngster Zeit deutlich angestiegen sei. Die Pädiater führen dies auf die situationsbedingt schlechter gewordenen hygienischen Zustände zurück.
(http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=20852)
18.07.2005
Massendemo in Kuba Exil-Kubaner in Florida in Haft
Nach anti-amerikanischen Massendemonstrationen in der kubanischen Hauptstadt Havanna ist der in Kuba und Venezuela als Terrorist gesuchte Luis Posada Carriles in Florida festgenommen worden. Der 77-Jährige werde des Verstoßes gegen die Einreisegesetze der USA beschuldigt, hieß es in einer Mitteilung des US-Heimatschutz-Ministeriums in Washington.
Hunderttausende hatten in Havanna dagegen protestiert, dass der Exil-Kubaner politisches Asyl in den USA bekommen sollte. Wenige Stunden später wurde Posada Carriles von US-Sicherheitskräften festgenommen. Der Exil-Kubaner, der auch ein Attentat auf Kubas Präsidenten Fidel Castro geplant haben soll, hatte angesichts des internationalen Streits um seine Person bereits angekündigt, er werde seinen Antrag auf Asyl in den USA möglicherweise zurückziehen. Dies sagte er der Zeitung "Miami Herald".
Der ehemalige Agent des US-Geheimdienstes CIA wird in Venezuela wegen der Beteiligung an dem Terroranschlag auf ein kubanisches Flugzeug im Jahr 1976 gesucht. Dabei wurden 73 Menschen getötet. Zu diesem Zeitpunkt lebte Posada in Venezuela und hatte die Staatsbürgerschaft des Landes, das seit der Regierungsübernahme durch Präsident Hugo Chavez mit Kuba verbündet ist. Posada war vor mehr als 20 Jahren wegen des Attentats in Venezuela festgenommen worden, ihm gelang jedoch die Flucht aus dem Gefängnis. In Panama saß er wegen der Attentatsplanung eine mehrjährige Strafe ab. Vor einem Jahr war er begnadigt worden, im März reiste er laut "Miami Herald" - ohne Visum und damit illegal - über Mexiko in die USA ein. Posada bestreitet die Vorwürfe und wirft Castro vor, seinen Fall zu instrumentalisieren, um dem Ansehen der USA zu schaden
Nach offiziellen kubanischen Angaben waren am Dienstag über eine Million Menschen der Aufforderung der kubanischen Führung gefolgt und hatten in Havanna vor der US-Vertretung demonstriert. Castro beschuldigt Washington, mit Posada Carriles einen gesuchten Terroristen zu schützen. In einer kurzen Ansprache sagte Castro, die USA hätten seit 1959 mit terroristischen Maßnahmen versucht, die Revolution in Kuba zu beenden.
Die Regierungen von Kuba und Venezuela verlangen von Washington die Auslieferung des Exil-Kubaners. In der Stellungnahme des US-Heimatschutzministeriums wird betont, dass nach US-Gesetzen grundsätzlich niemand an Kuba - oder an Länder, die in Kubas Namen handelten - ausgeliefert werde. Dies legte nach Interpretation der US-Fernsehsender nahe, dass Posada Carriles nicht ausgeliefert wird.
15.07.2005
5000 Regierungsanhänger marschierten für Fidel Castro durch Havanna - Oppositionelle bei Demonstration in Kuba verhaftet
Mindestens zehn Oppositionsanhänger wurden am Mittwochabend in der kubanischen Hauptstadt Havanna festgenommen. Eine Gruppe von Demonstranten hatte mit einer Protestaktion an den Tod von 41 Oppositionspolitikern im Jahr 1994 erinnern wollen. Die Demonstration wurde von staatstreuen Arbeiter-Milizen behindert.
Direkt nach der Aktion der Opposition demonstrierten etwa 5000 Regierungsanhänger für die Staatsführung und Präsident Fidel Castro. Die offenbar von der Regierung beauftragten Gegendemonstranten beschimpften die Oppositionellen.
Die regierungskritischen Politiker waren 1994 auf der Flucht in die USA ertrunken, als ihr Schiff untergegangen war. Die kubanischen Behörden hatten das Schiff entern lassen. Die oppositionellen Demonstranten wollten deshalb zum Gedenken Blumen ins Meer werfen. Bereits am Vormittag war eine regierungskritische Kundgebung im Stadtzentrum aufgelöst worden.
12.07.2005
Mindestens 61 Tote durch Wirbelsturm "Dennis"
Die Zahl der Todesopfer durch den Wirbelsturm "Dennis" in der Karibik und im Süden der USA hat sich nach jüngsten Angaben auf mindestens 61 erhöht. Allein auf Haiti kamen mindestens 40 Menschen ums Leben. Auf Kuba starben in dem Wirbelsturm mindestens 16 Menschen, wie Präsident Fidel Castro im staatlichen Fernsehen sagte.
In seiner sechsstündigen Ansprache schätzte der Máximo Líder die Sachschäden auf mehr als 1,2 Milliarden Euro. Rund 120.000 Häuser seien ganz oder teilweise zerstört worden, als der Wirbelsturm vergangene Woche über die Insel fegte.
Castro wies zugleich jede Hilfe aus den USA oder von der EU zurück. Es forderte die USA allerdings auf, ihr Embargo gegen Kuba aufheben.
01.07.2005
Chávez' Erdölcoup
Venezuela und 13 Karibik-Staaten unterzeichnen Energiepakt. In Washington gibt man sich verschnupft
Sogar Fidel Castro kam zum jüngsten Vorstoß, mit dem sein größter Fan Hugo Chávez für Ärger in Washington sorgte: Venezuelas Präsident und 13 seiner karibischen Kollegen haben einen regionalen Vertrag über eine Energiezusammenarbeit unterzeichnet. Darin sichert Gastgeber Chávez seinen Kollegen aus Kuba, der Dominikanischen Republik, Surinam und der anglophonen Karibik billigere Öllieferungen zu.
Venezuela wolle seine Erdölreserven mit Südamerika und der Karibik teilen, sagte Chávez. Im Rahmen der Petrocaribe-Initiative wird Venezuela seinen Nachbarn bei steigenden Weltmarktpreisen ab 40 Dollar pro Barrel schrittweise günstigere Zahlungskonditionen einräumen. "Sollte aus irgendeinem Grund die 100-Dollar-Grenze überschritten werden", so Chávez, "würden wir für die Hälfte der Erdölrechnung eine Finanzierung anbieten." Die Lieferungen sollten ohne multinationale Ölkonzerne organisiert werden. Für einen regionalen Sozial- und Wirtschaftsfonds stellte Venezuela 50 Millionen Dollar bereit.
Für die Karibik-Staaten sei Petrocaribe ein "willkommener Rettungsanker", sagte Jamaikas Premier P. J. Patterson. Castro lobte die Initiative als wichtigen Schritt hin zu größerer regionaler Solidarität. Andere fühlten sich überrumpelt. Der Premierminister von Trinidad und Tobago, Patrick Manning, monierte, die Erdöl- und Erdgasvorkommen seines Landes seien "vergessen" worden. Er müsse den Vorschlag deshalb noch prüfen.
Chávez verlas einen Brief, in dem Washington die englischsprachigen Karibik-Staaten davor warnt, dass Venezuela seinen Erdölreichtum dafür einsetzen wolle, Länder wie Ecuador oder Bolivien zu destabilisieren. "Die USA sind ernsthaft wegen der jüngsten Bedrohungen der Demokratie in Venezuela besorgt", heißt es in dem Schreiben wörtlich.
Warum die US-Regierung Grund zur Sorge hat, erläuterten zwei Forscher vom Think Tank Inter-American Dialogue in Washington: Durch die Initiative werde Chávez seine Position innerhalb der Organisation Amerikanischer Staaten festigen, sagte Michael Shifter. "Kuba und Venezuela haben eine alternative Front in der öffentlichen Meinung Lateinamerikas eröffnet", ergänzte Marifeli Pérez-Stable. "Wahrscheinlich" seien die meisten Latinas der Meinung, dass sich ihre Lage durch Neoliberalismus und trotz repräsentativer Demokratie nicht verbessert habe
23.-24.05.2005
Kubas Regierung duldet Dissidentenkongress
Erstmals seit der Revolution vor 46 Jahren haben sich in Kuba wichtige Dissidentengruppen getroffen und über Demokratisierung und die Zeit nach dem Ende der Regierung von Fidel Castro beraten. Die 168 Teilnehmer des "Nationalkongresses zur Stärkung der kubanischen Zivilgesellschaft" forderten am Sonnabend in ihrer Abschlusserklärung die Freilassung aller politischen Gefangenen, die Abschaffung der Todesstrafe und die Rückkehr zu "demokratischen Traditionen". Die kommunistische Regierung der Karibikinsel wurde in dem Dokument als "stalinistisch" bezeichnet. "Dieses Treffen ist ein historisches Ereignis und ein Erfolg für die demokratischen Kräfte Kubas", lobte die Organisatorin der Konferenz, Marta Beatriz Roque.
Die Castro-Regierung duldete für viele überraschend die Konferenz. Den letzten Versuch, eine Dissidententagung zu organisieren, hatten die Behörden vor zehn Jahren unterbunden. Damals wurden 50 Oppositionelle festgenommen. Überschattet wurde der zweitägige Kongress in einem Vorort Havannas von der Ausweisung von 13 europäischen Politikern und Journalisten, die teilnehmen wollten, darunter der CDU-Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz. Zudem wurde Dutzenden Teilnehmern aus dem Ausland die Einreise verweigert. Letztlich beobachteten dennoch mehrere Diplomaten aus Holland, Polen, Tschechien, Japan sowie den USA und Kanada das Treffen.
Treffen verfehlt ein Hauptziel - die bessere Kooperation unter den Oppositionsgruppen
Eines seiner Hauptziele, die bessere Zusammenarbeit der Dissidentengruppen, verfehlte der Nationalkongress jedoch. Mehrere Oppositionellenverbände und Dissidenten, darunter Oswaldo Paya, blieben der Konferenz fern, was die tiefe Zerrissenheit innerhalb der Castro-Gegner dokumentiert. Paya bezeichnete das Treffen als Betrug, da zahlreiche Agenten der Castro-Regierung daran teilnähmen. Dennoch wählten die Teilnehmer eine aus 36 Köpfen bestehende Führungsriege, die künftig die Arbeit der unterschiedlichen Gruppen koordinieren soll.
Massenkundgebung gegen USA
Das Vorgehen Castros gegen ausländische Beobachter veranlasste deutsche Politiker, von der EU die Wieder-Inkraftsetzung der Sanktionen gegen Kuba zu fordern, die erst im Januar ausgesetzt worden waren. Vaatz bezeichnete die Aufhebung der Sanktionen als einen Kardinalfehler. Europa dürfe sich "sich nicht zum Komplizen dieses Regimes" machen. Die Politik des kritischen Dialogs sei gescheitert und bedeute "Lebensgefahr für die kubanischen Dissidenten". Ähnlich äußerte sich der CDU/CSU-Außenpolitiker Friedbert Pflüger. Zuvor hatte bereits Bundesaußenminister Joschka Fischer die Ausweisung scharf kritisiert.
Die kubanische Führung hatte am Freitagabend eine neue Massendemonstration gegen die USA organisiert. Auf der Kundgebung mit 200 000 Teilnehmern warf Staatschef Castro den USA vor, sie hätten nichts gegen anti-kubanische Terroristen unternommen.
Kubas Opposition greift Fidel Castro offen an
Zum Abschluß des ersten großen Dissidentenkongresses in Kuba haben die Oppositionellen in ungewöhnlich scharfen Worten mehr Demokratie gefordert und Staatschef Fidel Castro angegriffen. Die Regierung des "Máximo Líder" sei "stalinistisch, totalitär und klar antidemokratisch", erklärten die 168 Delegierten aus 14 Provinzen des Inselstaats.
In ihrer ungewöhnlich offenen und im Ton scharfen Abschlußerklärung verlangten die Oppositionellen die Freilassung politischer Gefangener sowie die Aufhebung und Abschaffung der Todesstrafe. Kuba müsse zu "demokratischen Traditionen" zurückkehren. Die Delegierten beschuldigten die Regierung der "Manipulation der Massen". Durch Zuteilung von Lebensmitteln würden die Menschen in Abhängigkeit gehalten.
Das zweitägige Treffen, das auch von westlichen Diplomaten besucht wurde, verlief friedlich und unbehelligt von Sicherheitskräften.
Die in Río Verde, einem südwestlichen Vorort von Havanna tagende "Versammlung zur Förderung der kubanischen Zivilgesellschaft" (APSC) präsentiert sich als Dachverband von etwa 360 Gruppierungen. Mehr als 15 Dissidentengruppen blieben der Versammlung jedoch fern - zum Teil, weil sie deren zu große Nähe zu den USA und rechtsgerichteten exilkubanischen Organisationen kritisierten.
Die Dissidenten wählten ein 36-köpfiges Führungsgremium. Ihm stehen wiederum die Wirtschaftswissenschaftlerin Marta Beatriz Roque, der Anwalt René Gómez Manzano und der Ingenieur Félix Bonne vor. Roque war die einzige Frau unter 75 Dissidenten, die 2003 während einer Verhaftungswelle ins Gefängnis kamen. Sie wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt, aber wegen Gesundheitsproblemen bereits 2004 wieder entlassen. Unmittelbar nach ihrer Entlassung hatte sie mit der Organisation des Kongresses begonnen.
US-Präsident George W. Bush erklärte sich in einer Videobotschaft solidarisch mit den Versammelten: "Die Welle der Freiheit breitet sich auf der ganzen Welt aus und wird in naher Zukunft auch Kuba erreichen", erklärte Bush. "Kein Tyrann kann für immer im Amt bleiben angesichts der Macht der Freiheit." Roque betonte, die Botschaft sei ein Zeichen der Anerkennung für die kubanischen Oppositionellen und kein Beweis für eine etwaige Abhängigkeit von den USA.
An der Eröffnungssitzung am Freitag hatten Diplomaten aus Europa und den USA teilgenommen, unter ihnen der Chef der US-Interessenvertretung in Kuba, James Cason. Laut Roque hinderten die kubanischen Behörden mindestens 13 Personen an der Teilnahme des Kongresses. Entgegen der Befürchtungen der Dissidenten kam es während der Versammlung nicht zu Übergriffen seitens der Polizei.
20.05.2005
Kuba weist Deutschen Abgeordneten aus
Der deutsche Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz (CDU) und der tschechische Senator Karel Schwarzenberg wurden von der kubanischen Polizei zum Flughafen gebracht. Kurz vor seinem Abflug aus Havanna, sagte Schwarzenberg, er und Vaatz hätten an einem Treffen kubanischer Dissidenten teilnehmen wollen. Vaatz war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
"Dies ist das typische Verhalten eines totalitären Staates", sagte Schwarzenberg, der über sein Mobiltelefon von dem Flugzeug aus sprach, mit dem er Havanna wenig später verließ. "Ich habe nichts Gesetzwidriges getan, sie mochten nur die Leute nicht, die ich besucht habe." Die Polizei habe ihn in seinem Hotel abgeholt, sagte der tschechische Senator.
Polnischen Medienberichten zufolge wurden in der Nacht zum Freitag auch polnische Journalisten festgenommen, die über die Veranstaltung berichten wollten. Demnach gelang es den Festgenommenen, Kollegen per SMS über ihre Festnahme zu informieren. "Helft uns", schrieben zwei Journalisten der "Gazeta Wyborcza" und des "Tygodnik Podhalanski".
Nach Angaben der polnischen Botschaft in Havanna sind insgesamt sechs polnische Journalisten festgenommen worden. Sie werden in der Nähe des Flughafens festgehalten und sollen offenbar abgeschoben werden.
Der polnische Außenminister Adam Daniel Rotfeld protestierte heute gegen die Festnahme der Journalisten und forderte ihre unverzügliche Freilassung. Den Reportern sei keine Straftat vorgeworfen worden und ihre Festnahme sei unberechtigt, sagte er im polnischen Rundfunk.
Zu der für heute geplanten Konferenz der Versammlung für die Förderung der Zivilgesellschaft in Kuba werden 500 Teilnehmer erwartet. Zu Beginn dieser Woche hatte die kommunistische Regierung zwei polnischen Europa-Abgeordneten, die an dem Treffen teilnehmen wollten, die Einreise verwehrt.
19.05.2005
Soll zahlreiche Menschenleben auf dem Gewissen haben: Luis Posada Carriles
Streit Kuba - USA wegen Terroristen Cariles
Der von Kuba und Venezuela als Terrorist gesuchte Posada Carriles ist nach zahlreichen Protesten in Florida am Dienstag nun formell festgenommen und angeklagt worden Der 77-jährige Exil-Kubaner muss sich nach Angaben der US-Behörden vom Donnerstag aber zunächst nur der illegalen Einreise in die USA verantworten.
Sowohl Kuba als auch Venezuela haben von der US-Regierung die Auslieferung von Posada Carriles gefordert. Er soll unter anderem Drahtzieher eines Anschlages auf ein Hotel in Havanna im Jahr 1997 gewesen sein. Venezuela will den Exil-Kubaner wegen der mutmaßlichen Beteiligung an einem Terroranschlag auf ein kubanisches Flugzeug im Jahr 1976 vor Gericht stellen. Bei dem Anschlag kamen 73 Menschen ums Leben, darunter auch die komplette kubanische Fecht-Nationalmannschaft. In Panama saß Posada Carriles, der die venezolanische Staatsbürgerschaft besitzt, wegen der Attentatsplanung bereits eine mehrjährige Strafe ab. Doch vor einem Jahr wurde er begnadigt.
Jetzt sorgt der Fall für neuen Zündstoff im ohnehin angespannten Verhältnis zwischen Kuba und den USA. Im März reiste Posada Carriles in die USA und beantragte dort wenig später politisches Asyl. Dies rief die kubanische Staatsführung auf den Plan: Havanna verlangt die Auslieferung des Ex-Geheimdienstlers. Sie wirft ihm neben dem Anschlag auf das Flugzeug die Beteiligung an mehreren weiteren Attentaten vor. Sein Ziel sei es gewesen, durch Destabilisierung des Landes die kubanische Staatsführung zu stürzen.
Zwar hat Posada Carriles zugegeben, mehrere Anschläge auf kubanische Politiker organisiert zu haben. Doch eine Beteiligung an dem Anschlag auf das Flugzeug hat er stets zurückgewiesen.
Der Marsch richte sich nicht gegen das amerikanische Volk, verkündete der "Maximo Lider" auf der Kundgebung. "Es ist ein Marsch gegen Terrorismus, für Leben und Frieden." Die USA hätten seit 1959 mit "terroristischen Maßnahmen" versucht, die Revolution in Kuba zu beenden.Eine Auslieferung des 77-Jährigen scheint nun allerdings nicht unmittelbar bevorzustehen. Die US-Regierung liefere generell keine Personen an Kuba aus, hatte ein Vertreter der US-Einwanderungsbehörde in Miami bereits am Dienstag vorsorglich gesagt.
26.04.2005
Kubas Wirtschaft geht es besser
Dank gestiegenen Einnahmen aus dem Nickel-Geschäft und jährlich 2 Mio. Touristen geht es Kuba wieder besser. Auch Handels- und Investitionsverträge mit Venezuela und China bringen neuen Schwung in die Wirtschaft. Bei der Vergabe neuer Joint Ventures an ausländische Unternehmen übt die Regierung Zurückhaltung.
Wie in alten Zeiten kam Fidel Castro in Fahrt, als er kürzlich vor den Delegierten der kubanischen Frauenverbände stundenlang über Vor- und Nachteile neu importierter Dampfkochtöpfe und chinesischer Reiskocher schwadronierte und mit
Papier und Bleistift
vorrechnete, wie viel
Energie
das 11 Mio. Einwohner zählende Land dank der alt-neuen Kochtechnologie einsparen werde. Unter dem Applaus der Anwesenden verkündete der besorgte Landesvater, man werde über die
Rationierungskarte
, das heisst zu subventionierten Preisen, insgesamt 5 Mio. neue Kochutensilien verteilen.
Schokolade statt Kaffee
So nebenbei geriet Castro über die Vorzüge des Schokolade-Trinkens ins Schwärmen und lobte dessen heilsame Wirkungen. Er selber ziehe Schokolade dem Kaffee vor. Man sei dabei, mit Venezuela Lieferverträge abzuschliessen, um grosse Mengen von Schokoladepulver nach Kuba zu bringen. Nach den offiziellen, im Wesentlichen von Castro selber getragenen Kampagnen der letzten Jahre für vegetarisches Essen und gegen das Rauchen von Zigarren und Zigaretten will der inzwischen 78 Jahre alte Revolutionsführer nun offenbar dem Kaffee-Trinken, einer aus dem kubanischen Alltag schwer wegzudenkenden Gewohnheit, zu Leibe rücken.
Kuba verfüge über zwei wirtschaftliche Stützen, China und Venezuela; mehr brauche das Land nicht, erklärte Castro. Erst die neuen Allianzen mit den beiden Ländern machen in Kubas notorischer Mangelwirtschaft bisher undenkbaren Luxus wie Kochtöpfe und Schokoladepulver möglich. Ende vergangenen Jahres sind die Wirtschaftsbeziehungen zu Peking und Caracas dank neuen Handels- und Investitionsabkommen intensiviert worden. Die weltanschaulich untermauerte Bruderhilfe aus Venezuela garantiert praktisch unbeschränkten Zugang zu Erdöl, und dies zu Sonderkonditionen und ohne umständliche Bankkredite. Die Annäherung an das rohstoffhungrige China verspricht mittelfristig bedeutende Investitionen für den Ausbau der Nickelindustrie und kurzfristig günstige Importe von Konsumartikeln. Auch zu Brasilien, Argentinien und Uruguay, wo links orientierte Regierungen am Ruder sind, haben sich in letzter Zeit die Wirtschaftskontakte auffallend belebt.
Ende der Notzeit
In den Augen Castros ist die schwere Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Auflösung des Ostblocks überwunden, die zum Ausnahmeregime der Sonderperiode in Friedenszeiten führte. Das heisse aber noch lange nicht, dass die Ökonomie dadurch auf gesunde Füsse gestellt worden wäre, kommentieren die Analytiker der Dresdner Bank Lateinamerika. Die Wirtschaft der Karibikinsel bleibe weiterhin schwach. Nachdem Kuba in den neunziger Jahren selektive Liberalisierungsschritte unternommen habe, seien in den letzten Jahren eher Rückschritte in Richtung Zentralisierung zu verzeichnen. So müssten seit Anfang Jahr alle Devisengeschäfte von der Zentralbank genehmigt werden, wodurch die Politisierung der Wirtschaft noch weiter verstärkt werde. Auch für ausländische Unternehmen, die mit kubanischen Staatsunternehmen Joint Ventures eingegangen sind, habe sich das Investitionsklima deutlich verschlechtert, heisst es bei der Dresdner Bank.
Trotz zwei schweren Wirbelstürmen, einer lang andauernden Dürreperiode mit verheerenden Auswirkungen auf die Landwirtschaft sowie einem zeitweiligen Zusammenbruch der Stromversorgung dürfte die kubanische Wirtschaft 2004 leicht gewachsen sein. Bei der Dresdner Bank geht man von einer Zunahme von 2% des Bruttoinlandprodukts (BIP) aus, die Uno-Wirtschaftskommission für Lateinamerika spricht von 3% und die kubanische Regierung sogar von 5%. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Kuba für die Errechnung des BIP erstmals eine eigene, nicht im Detail offengelegte Methode eingeführt hat, die einen Vergleich mit den Wirtschaftsstatistiken der übrigen Welt verunmöglicht. Laut José Luís Rodríguez, dem kubanischen Wirtschafts- und Planungsminister, betrug das BIP letztes Jahr 36,4 Mrd. Pesos. Die Berechnung beruhe auf Preisen für Dienstleistungen, wie sie in Marktwirtschaften üblich seien, sagte der Minister. Bei einer früheren Gelegenheit hatte Rodríguez erklärt, die gängige Berechnungsmethode für das BIP sei auf «neoliberale Marktwirtschaften» zugeschnitten und nicht dazu geeignet, die sozialen Errungenschaften eines Landes zu messen. So sei es möglich, dass das BIP wachse, die sozioökonomische Situation der Menschen sich aber verschlechtere und die Armut zunehme.
Nickel und Touristen
Laut offiziellen Angaben haben die Exporte 2004 um knapp einen Drittel zugenommen, während die Importe lediglich um 14% stiegen. Der Sprung bei den Exporteinnahmen geht im Wesentlichen auf höhere Weltmarktpreise für Nickel und auf eine um 7,5% höhere Nickelförderung zurück. Bei den Einfuhren schlagen die höheren Erdölpreise und mehr Nahrungsmittelimporte - in verstärktem Mass aus den USA - zu Buch. Erfreulich entwickelte sich die Tourismusbranche. Erstmals wurden etwas mehr als 2 Mio. Gäste gezählt, 7,6% mehr als 2003. Dank den Einnahmen aus dem Tourismus (2 Mrd. $) und den Überweisungen von Familienangehörigen in den USA (1 Mrd. $) konnte der Devisenhaushalt einigermassen im Gleichgewicht gehalten werden. Dieses Jahr soll laut Castro der Wohnungsbau verdoppelt und der veraltete Bestand von Lokomotiven und Autobussen erneuert werden. Bis im Jahr 2006 will man auch das chronische Elektrizitätsdefizit behoben haben. Dazu beitragen soll der Bau einer thermoelektrischen Anlage mit venezolanischem Kapital in der westlich von Havanna gelegenen Hafenstadt Mariel. - Äusserst zugeknöpft zeigen sich die kubanischen Behörden, was die Entwicklung der Auslandsinvestitionen angeht. Im zuständigen Ministerium gibt man zu, dass die Zahl der Joint Ventures mit ausländischen Partnern von etwa 400 auf dem Höhepunkt Ende der neunziger Jahre auf heute 313 gesunken ist. Kuba sei im Vergleich mit der Startphase des gemischtwirtschaftlichen Investitionsmodells viel selektiver geworden, was die Zulassung neuer Geschäfte mit Unternehmen aus dem Ausland angehe, heisst es im Ministerium. Bis Ende Jahr werde man alle Sektoren der Wirtschaft überprüfen und bestimmen, welche neuen Projekte förderungswürdig seien. Eine Vorzugsbehandlung für künftige Auslandsinvestitionen verdienten die Entwicklung des Erdölsektors (u. a. Explorationen im Golf von Mexiko), der Nickel- und Kupferbergbau, die Stromproduktion sowie neue Tourismusprojekte in den östlichen Provinzen von Holguín und Ciego de Avila. Ganz oben auf der Prioritätenliste stehen der Bau des Tiefseehafens von Mariel - er soll Havanna als Frachthafen ablösen - und ein neuer Containerhafen in Santiago de Cuba.
(http://www.nzz.ch/2005/04/25/wi/articleCR3S8.html)
18.04.2005
Fidel Castro präsentiert ein Foto von Luis Posada Carriles. Bisher hat Havanna erfolglos die Überstellung des in Florida um legalen Aufenthalt nachsuchenden Top-Terroristen verlangt.
Havanna nimmt die »Rüge« nicht hin - Zusammenarbeit mit UNO-Menschenrechtskommission abgelehnt
Einer von den USA eingebrachten Resolution über Menschenrechte stimmt Kuba nicht zu. So folgte die Reaktion aus Havanna auf die vergangenen Donnerstag verabschiedete Resolution der UNO-Menschenrechtskommission prompt. Außenminister Felipe Pérez Roque bezeichnete die Resolution als Werk der USA gegen Kuba. »Die Regierung der Vereinigten Staaten hat es geschafft, mit brutalem Druck und Erpressung eine verfälschte Resolution gegen Kuba zu erzwingen«, sagte er in Havanna. Die Resolution, mit 21 zu 17 Stimmen bei 15 Enthaltungen angenommen, verlangt von Kuba, einen Beobachter der Vereinten Nationen einzuladen. Die Vertreterin des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte sollte danach einen Bericht über den Karibikstaat vorlegen. Das galt als »gemäßigte Rüge« für Kuba.
Havanna hatte alles unternommen, um eine Verurteilung durch die Kommission in Genf zu verhindern. Doch wie stets seit Ende der 80er Jahre wurde auch diesmal das ideologisch-propagandistische Urteilsritual praktiziert. Immer wurde es von Washington inszeniert, das sich anfangs noch offen als Urheber der antikubanischen Resolution bekannte. Nachdem das einige Male schief gegangen war, übertrug man den undankbaren Job unterschiedlichen Hilfswilligen: Tschechien oder Polen, Uruguay oder Honduras. Im vergangenen Jahr kam die Resolution nur noch mit eine Stimme Mehrheit durch.
Diesmal versuchte Washington vergeblich, einen Stellvertreter zu finden. Niemand wollte die rechtsfreien Straflager der USA-Regierung in Afghanistan, Irak, Pakistan, Saudi-Arabien und auf dem Marinestützpunkt Guantánamo ignorieren. Human Rights Watch hatte der Kommission am 9. März sogar empfohlen, »die Folterpraktiken der USA zu verurteilen«. Die Regierung George W. Bushs gebe ein schlechtes Beispiel. »Wir sagen nicht, dass die USA die schlimmsten Menschenrechtsverletzer sind, aber gewiss die einflussreichsten.«
Dieser Tage erst tauchte in Florida Lateinamerikas Terrorist Nr. 1, Posada Carriles, auf. Er will sich in den USA niederlassen. Wieso, ließ er bei den Behörden nachfragen, sollte man ihm den Aufenthalt verweigern, wenn Orlando Bosch, ein Ungeheuer desselben Kalibers, sich seit Jahren frei in Florida bewegt und von Bush jun. sogar als Ehrengast zu einem Empfang in Miami eingeladen wurde? Warum sollte ausgerechnet er geschnitten werden, während die geständigen Kapos von zwei Dutzend antikubanischen Terrorbanden sich unbehelligt in Florida tummeln? Am 12./ 13. Juli 1998 hatte Posada einem Team der »New York Times« gebeichtet: »Die CIA hat uns alles, wirklich alles beigebracht: Wie man Sprengladungen herstellt, wie man umbringt, wie man Bomben legt, wie man Sabotageakte ausführen muss.« Uns! Beim Kennedy-Mord, bei Watergate, Irangate, bei der Ermordung des ehemaligen Allende-Außenministers Letelier und des chilenischen Generalstabschefs Schneider – die »anticastristischen Aktivisten« waren immer dabei. Im Oktober 1976 zerfetzten zwei Zeitbomben Posadas eine kubanische Zivilmaschine mit 73 Menschen an Bord. Im November 2000 planten er und drei Adjutanten, Fidel Castro während eines Meetings mit panamaischen Studenten durch 15 kg Sprengstoff umzubringen. Sie wurden verhaftet, verurteilt, im vergangenen Jahr aber amnestiert. Posada, 1997 auch Drahtzieher einer Welle von Attentaten gegen kubanische Hotels, verschwand zunächst in Honduras. Nun ist er wieder in den USA, deren Präsident am 26. August 2003 verkündet hatte: »Wer auch immer einen Terroristen protegiert, einem Terroristen hilft, einen Terroristen versorgt, macht sich ebenso schuldig wie die Terroristen.« Havanna hat Posadas Auslieferung gefordert. Washington schweigt bisher.
(ND, http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=70567&IDC=2)
08.04.2005
Castro: Bush-Teilnahme an Papst-Begräbnis ist Heuchelei
In einer Fernsehansprache pries der kubanische Präsident Fidel Castro am Donnerstagabend das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche als scharfen Kritiker des "Raubtier-Kapitalismus". Es sei wahr, dass Johannes Paul II. gegen den Kommunismus gewesen sei, aber in den letzten Jahren sei er ein Kritiker des Kapitalismus und vor allem des US-Imperialismus geworden, sagte Castro. 1998 hatte der Papst Kuba besucht.
"Wie weit soll diese Heuchelei gehen?"
"Jetzt weinen sie am Leichnam von Johannes Paul II., der gegen Krieg war, der gegen das imperialistische System war und der so oft das Konsumdenken und diesen brutalen Krieg im Irak verurteilt hat", sagte Castro zum Besuch Bushs im Rom und fragte: "Wie weit soll diese Heuchelei noch gehen?".
03.04.2005
Staatstrauer auf Kuba wegen Tod des Papstes
Staats- und Parteichef Fidel Castro hat nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. eine dreitägige Staatstrauer auf Kuba angeordnet. Der Verstorbene sei ein "Freund Kubas" gewesen, erklärte Castro in der Nacht auf Sonntag.
Castro erlaubte auch zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen Kardinal Jaime Ortega, dem Erzbischof von Havanna, eine Botschaft an die Gläubigen der Karibikinsel über das vom kommunistischen Regime kontrollierte staatliche Fernsehen zu verbreiten.
Der verstorbene Papst hatte Kuba im Jänner 1998 einen historischen Besuch abgestattet. Vor etwa drei Monaten hatte Johannes Paul II. einen Appell an die USA gerichtet, das Wirtschaftsembargo gegen die Insel aufzuheben, das eine "wirkliche Entwicklung" in Kuba verhindere.
Kubas Außenminister Felipe Perez Roque verlas sichtlich bewegt im Fernsehen eine Botschaft des "Beileids, des Respekts und der Solidarität gegenüber der katholischen Gemeinschaft in Kuba und der übrigen Welt". Kuba habe Johannes Paul II. immer als Freund betrachtet, der sich für die Armen eingesetzt und der gegen den Neoliberalismus sowie für den Frieden gekämpft habe.
"Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität"
Laut der Missionsagentur Misna schickte Castro an Vatikan-Staatssekretär Kardinal Angelo Sodano eine Kondolenzbotschaft. "Ich möchte das tief empfundene Beileid des Volkes und der Regierung Kubas zu Ausdruck bringen. Die Menschheit wird immer eine bewegende Erinnerung an die unermüdliche Arbeit Seiner Heiligkeit Johannes Paul II. behalten, die er für den Frieden, die Gerechtigkeit und die Solidarität unter den Völkern geleistet hat". Der Besuch des Heiligen Vaters auf Kuba werde "in unserem Land immer in Erinnerung bleiben", schrieb der "Maximo Lider" und "Comandante en Jefe".
Unmittelbar nach der Bekanntgabe des Todes des Papstes fanden sich hunderte Gläubige in der Kathedrale der Hauptstadt Havanna und in vielen anderen Städten zum Gebet ein.
29.03.2005
Wieder hochrangige Gespräche zwischen EU und Kuba
Bei den ersten hochrangigen Gesprächen zwischen der Europäischen Union und Kuba seit zwei Jahren hat Entwicklungshilfekommissar Louis Michel am Wochenende Fortschritte in den gegenseitigen Beziehungen als möglich bezeichnet. Gleichzeitig forderte er den kubanischen Präsidenten Fidel Castro zur Freilassung von Dissidenten auf.
"Die Stimmung ist gut, und die Gespräche sind sehr offen", erklärte Louis Michel nach einem Treffen mit dem kubanischen Außenminister Felipe Perez Roque und Parlamentspräsident Ricardo Alarcon. Die kubanische Seite akzeptiere, dass auch schwierige Themen wie Menschenrechtsfragen und die Freilassung von inhaftierten Oppositionellen diskutiert werden müssten, sagte der Kommissar. Von Fortschritten bei diesem zentralen Streitthema berichtete er allerdings nicht. Die EU hatte diplomatische Sanktionen erlassen, nachdem das kommunistisch regierte Land vor zwei Jahren 75 Vertreter der kubanischen Demokratie-Bewegung festgenommen hatte. Nach der Freilassung von 14 der Inhaftierten hat die Union ihre Beschränkungen im Februar gelockert. Die EU hoffe, dass Verbesserungen weniger durch Sanktionen als durch ein aktives Engagement zu Stande kämen, erläuterte Michel nach einem vierstündigen Treffen mit Fidel Castro.
Der kubanische Menschenrechtler Elizardo Sanchez äußerte sich skeptisch darüber, dass der Besuch des Kommissars eine Freilassung von Dissidenten zur Folge haben werde. "Die Signale, die wir bekommen, sind sehr negativ", sagte er vor einem Treffen mit Michel. "Die soziale Unterdrückung nimmt zu, und ich gehe davon aus, dass sich die Bedingungen für die bürgerlichen Freiheiten in nächster Zeit verschlechtern werden."
Unterdessen soll Kubas Zweitwährung nicht mehr an den US-Dollar gebunden werden. Der konvertible Peso werde ab 9. April an einen Korb von mehreren ausländischen Währungen gekoppelt, teilte Castro mit. Denn der US-Dollar verliere stetig an Wert gegenüber anderen internationalen Währungen.
29.03.2005
Kuba krempelt Wirtschaft um: Die Tage des Zuckers sind gezählt
Dreihundert Jahre lang war die Karibikinsel der Inbegriff des Zuckers. Auf den Plantagen schufteten Tausende von aus Afrika verschleppten Sklaven. Später lieferte das kommunistische Kuba viele Jahrzehnte lang Zucker in die Sowjetunion und erhielt im Gegenzug Maschinen, Waffen und Raketen.
"Dieses Land wird niemals wieder vom Zucker leben." Mit dieser grundsätzlichen Feststellung überraschte der alternde Präsident Fidel Castro kürzlich so sehr, dass vielen die Tragweite des Gesagten nicht auf Anhieb klar wurde. "Diese Kultur gehörte in die Zeit der Sklaverei und in die Zeit eines Volkes voll von halben Analphabeten", erklärte der Führer Kubas. Die wirtschaftliche Zukunft gehöre den Dienstleistungen und den Produkten mit größerem Wert.
Zusammenarbeit
Welche gemeint sind, sagten kubanische Experten der mexikanischen Tageszeitung "Reforma". Mit finanzieller und technischer Hilfe will Kuba mehr Erdöl fördern. Eine Zusammenarbeit gibt es bereits mit dem kanadischen Unternehmen Sherritt. Mit China gibt es Verträge. Und Venezuela ist beim Öl eng mit Kuba liiert. Im vergangenen Dezember wurde 55 Kilometer östlich von Havanna eine neue Lagerstätte vor der Küste gefunden, die ab 2006 oder 2007 ausgebeutet werden soll.
Niedergang
Tatsache ist, dass die Wirtschaft Kubas insgesamt am Rande des Abgrunds steht. Am Beispiel des Zuckers wird der Niedergang besonders deutlich: Zuckerminister Ulises Rosales del Toro hatte vor wenigen Tagen einen schmerzlichen Produktionsrückgang vorausgesagt. Die nächste Ernte werde nur noch 1,5 bis 1,7 Millionen Tonnen des süßen Stoffes erbringen. In den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren es im Schnitt pro Jahr sieben Millionen Tonnen, in den neunziger Jahren sank die Produktion auf vier Millionen Tonnen, und 2003 erbrachte die Zuckerernte nur noch 2,5 Millionen.
In den vergangenen Jahren wurden bereits Konsequenzen spürbar: 62 Prozent der Flächen, auf denen einst Zuckerrohr stand, werden für die Anpflanzung anderer Kulturen verwendet, wie die mexikanische Tageszeitung "La Jornada" berichtete. Von 155 Zuckerfabriken wurden 70 geschlossen. 120.000 Beschäftigte verloren ihren Job, erhielten aber eine andere Arbeit, was in sozialistischen Planwirtschaften kein Problem ist.
Die heiße Phase des Niedergangs hatte mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und des von ihr finanzierten und gesteuerten Wirtschaftssystems begonnen. Kuba hatte bis dahin immer einen Abnehmer für seine tropischen Früchte und vor allem für den Zucker - den Markt Sowjetunion. Während die übrigen sozialistischen Länder vor allem in Osteuropa auf den Zusammenbruch des alten Wirtschaftssystems reagierten, geschah in Kuba bisher wenig. Nun soll eine wirtschaftliche Erneuerung eingeleitet werden.
25.03.2005
Kuba wertet Peso gegenüber dem US-Dollar auf - Zweitwährung vom US-Dollar abgekoppelt
Kuba hat seine Landeswährung Peso gegenüber dem US-Dollar kräftig aufgewertet. Staatschef Fidel Castro kündigte an, der Wechselkurs werde zu der US-Währung um rund sieben Prozent erhöht. Hintergrund sei die "ausgezeichnete" Entwicklung der kubanischen Wirtschaft und die Schwäche des Dollar auf den internationalen Finanzmärkten. Kuba wird seine Zweitwährung nicht mehr an den US-Dollar binden. Stattdessen werde der konvertible Peso ab 9. April an einen Korb von mehreren ausländischen Währungen gekoppelt, teilte Staatschef Fidel Castro am Donnerstagabend (24.03.2005) während einer vierstündigen Ansprache im Fernsehen mit. Dies bedeute eine Aufwertung um acht Prozent. Der US-Dollar verliere stetig an Wert gegenüber anderen internationalen Währungen wie dem Euro, sagte Castro. Kuba müsse daher seine Wirtschaft verteidigen. «Wir betreten eine neue Ära», sagte Castro
In Kuba galt seit 2002 beim Kauf ein fester Kurs von 27 Peso für einen konvertiblen Peso, der einem US-Dollar entspricht. Wer Dollar verkaufte, bekam 26 Peso. Nun werden die Wechselkurse auf 25 beziehungsweise 24 Peso gesenkt. Castro betonte bei einer Veranstaltung mit 2000 Vertretern der kubanischen Politik, Wirtschaft und des Militärs, der Schritt sei Teil einer Politik der "schrittweisen und vorsichtigen Aufwertung" der kubanischen Währung
Das Bezahlen mit dem Dollar ist fast unmöglich
Seit dem 8. November 2004 ist der US-Dollar in Kuba kein Zahlungsmittel mehr. Manche Touristen bekamen Probleme, weil sie sich über den zehnprozentigen Wertabschlag ihres Dollars beim Umtausch in Konvertible Pesos nicht informiert hatten.
Zudem ist längst nicht allen Gästen klar, dass das sozialistische Kuba noch nie in den USA ausgestellte Kreditkarten akzeptiert hat. Kuba-Urlauber sollten diese Regeln kennen, um auf der Insel passendes Geld in der Tasche zu haben.
Der Euro ist - wie die anderen Nicht-US-Währungen - willkommen in staatlichen Banken und Wechselstuben und wird ohne Abschlag gegen die «Devisen-Pesos» getauscht. Auch die meisten Euro-Kreditkarten funktionieren an den wenigen Geldautomaten in Hotels und Kreditinstituten. Direktes Zahlungsmittel ist der starke Euro in einem halben Dutzend Touristenzonen wie Varadero, Cayo Largo, Jardines del Rey (Cayo Coco) und der Region Holguín.
Auch deutsche Urlauber sollten jedoch prüfen, welche Kreditkarte sie mitnehmen. Auf Kuba werden von US-Geldinstituten ausgestellte Karten auch dann nicht anerkannt, wenn sie auf Euro-Basis laufen und in Deutschland ausgegeben wurden - etwa Karten der US-Citibank. Dagegen gibt es mit Kreditkarten auf US-Dollar-Basis, die zum Beispiel von Banken in Mexiko oder Karibikinseln wie Antigua und Barbados stammen, weder Akzeptanz- noch Abschlagsprobleme. Mit ihnen ist bei der Abrechnung ein US-Dollar auch nicht nur 90 Cent, sondern einen vollen Konvertiblen Peso wert, der CUC abgekürzt wird.
Manche Touristen versuchen zwar noch immer, in Devisenläden und Restaurants in der Altstadt von Havanna oder in den Musikcafés in Santiago mit US-Dollar zu bezahlen, wie es seit 1993 üblich war. Ein Kopfschütteln von Kellner und Verkäuferin macht aber klar: Die wohl bekannteste Währung der Welt wird hier nicht mehr akzeptiert. Die Konvertiblen Pesos, von den Insulanern auch «Chavitos» genannt, gab es auch schon früher. Da führte dieser «Dollar-Peso» mit dem Kurs 1:1 jedoch ein Schattendasein. Inzwischen wurde er kräftig nachgedruckt.
«Devisen-Pesos», die außerhalb des Landes wertlos sind, können bei den Wechselstuben am Flughafen in Hartwährung zurückgetauscht werden. Mit der nationalen kubanischen Peso-Währung, in der Löhne und Gehälter sowie Produkte in «normalen» Restaurants und Läden bezahlt werden, machen nur wenige Touristen Bekanntschaft. Urlauber, die Land und Leute näher kennen lernen wollen, tauschen aber einige konvertible Pesos in diese Währung. Der Kurs beträgt dabei 1:26.
Für deutlich weniger als einen Euro gibt es damit acht Glas Rum, vier Glas Fassbier, 26 kleine Softeis oder 130 Busfahrten. Genauso viel kosten in einem Geschäft, in dem mit CUC gezahlt wird, vier Rollen weiches Toilettenpapier, zwei Stück Seife oder zwei Cola.
18.03.2005
Castro will kein «Räuber» sein
Kubas Präsident Fidel Castro fühlt sich vom US-Magazin «Forbes» diffamiert. Dieses hatte den Revolutionsführer in eine Reihe gestellt mit den reichsten Königen und Regierenden in der Welt
Laut «Forbes» hat der Staatschef der sozialistisch regierten Karibikinsel sein persönliches Vermögen in den letzten beiden Jahren auf 550 Millionen US-Dollar verfünffacht. Castros Geld stamme unter anderem aus dem Verkauf der staatlichen Rum Destille Havanna Club, aus Einnahmen des Kongresspalastes in der Hauptstadt Havanna, aus Verkäufen medizinischer und pharmazeutischer Artikel und aus den Erlösen der staatlichen CIMEX-Läden, berichtete «Forbes».
Castro reagierte empört: «Wieder einmal hat man die Infamie begangen, über das Vermögen von Castro zu sprechen und mich hier noch fast über der britischen Königin anzusiedeln.» Er sei kein «Räuber wie die vielen Millionäre, die vom Imperium gesäugt» worden seien, sagte er mit Bezug auf die USA «Sie sollten besser untersuchen, woher diese Leute ihr Geld haben, so der 78-Jährige. (nz)
09.02.2005
Reisemesse in Hamburg mit Kuba als Partnerland
Am 09. Februar beginnt in den Hamburger Messehallen die Reisen 2005 mit Cuba als Partnerland. Natuerlich gibt es auch ein entsprechendes Rahmenprogramm mit Livemusik und Tanz.
Gutschein für ermässigten Eintritt zum Ausdrucken
Mehr als 300 Kilometer Strand, koloniale Städte, sozialistisches Flair und ein lebendiges Miteinander verschiedener Kulturen – das ist eine Mischung, die Neugierde weckt. Gerade für deutsche Urlauber gibt es auf Cuba noch viel zu entdecken: 2004 verbrachten rund 142 000 Bundesbürger dort ihre Ferien, insgesamt zog die Insel 2,1 Mio ausländische Urlauber an. Der Tourismus ist zurzeit Cubas wichtigster Wirtschaftszweig, in den kräftig investiert wird. So wächst die Zahl der Hotelbetten ständig, klassische Hotels werden saniert und neue Häuser eröffnet.
Auf der REISEN HAMBURG können sich die Besucher schon einmal auf Cuba einstimmen, denn die Insel ist hier zu hören, riechen, schmecken und fühlen. So wird eine cubanische Live-Band täglich auf der Showbühne mit traditioneller Musik im Stile des „Buena Vista Social Club“ und mit heißen Salsa-Rhythmen für beste Stimmung sorgen. Die passenden Tanzschritte können die Besucher auch gleich lernen: Von Donnerstag bis Samstag gibt es jeweils um 17 Uhr einen kostenlosen Tanz-Kurs mit Salsa-Lehrerin Lina Mosquera. Darüber hinaus gestaltet Cuba am Partnerlandtag, 10. Februar, das Programm mit speziellen Darbietungen.
Als Partnerland der REISEN HAMBURG wird Cuba sich als Urlaubsziel für die ganze Familie präsentieren. Das zeigt sich schon am Stand in Halle 12.EG, denn hier können die kleinen Besucher bei einem Fühl-Spiel typisch cubanische Naturprodukte wie Zuckerrohr oder feinsten Karibik-Sand ertasten oder mit großen Bausteinen kreative Gebilde bauen, während sich die Eltern in Ruhe über die schönsten Orte der größten Karibik-Insel informieren. Hier gibt es Tipps aus erster Hand über die Reisemöglichkeiten, Unterkünfte, Camping, kulturelle und sportliche Angebote. Eine besondere Attraktion am Stand ist auch der Zigarrendreher, der zeigt, wie man aus aromatisch duftenden Tabakblättern echte Havanas rollt. Wer eine Zigarre ergattert, kann dann gleich selbst ein echtes Stück Cuba schmecken und riechen.
Zahlreiche Reiseveranstalter, die auf der REISEN HAMBURG ausstellen (Halle 12), haben ebenfalls attraktive Angebote für das Partnerland im Programm. Neben Pauschalurlaub und den klassischen Rundreisen, die zu den kolonialen und landschaftlichen Highlights Cubas führen, gibt es auch eine Reihe von Spezialangeboten. Mit dem Fahrrad, das auf Cuba wichtiges Verkehrsmittel ist (auf 1000 Bewohner kommen nur 16 Autos), können Aktivurlauber bei Wikinger Reisen den Westteil der lang gestreckten Insel entdecken. Stopps zum Relaxen an den herrlichen Küsten sind bei der geführten Tour fester Bestandteil. Wer lieber durch ehemalige Kaffeeplantagen, grünen Regenwald und Flusstäler wandert, wird u.a. bei Studiosus Reisen fündig. Die Wanderungen durch die schönsten cubanischen Landstriche sind kombiniert mit dem Bummel durch Kolonialstädte. Der Veranstalter hat auch eine Insel-Rundreise für Singles und Alleinreisende im Programm.
Bei der Fahrt mit der Bahn sieht man nicht nur viel vom Land, sondern kommt für gewöhnlich auch leicht in Kontakt mit der Bevölkerung. „Zug um Zug durch Cuba“ ist mit Meier’s Weltreisen möglich: Die Reise führt vom Westen der Insel bis in den äußersten Osten, gefahren wird mit Schnellzug, Bummelbahn und sogar Dampflok. Für Selbstfahrer, die auf eigene Faust losziehen möchten, bietet Miller Reisen Touren mit dem Mietwagen an: Entweder mit komplett voraus gebuchten Hotels, so dass sich der Urlauber um ein Quartier für die Nacht nicht mehr kümmern muss, oder nach dem Flexi-Drive-Konzept, wo der Reisende sein Hotel erst eine Nacht im Voraus reserviert.
Die Erlebnisreise „Auf den Spuren Che Guevaras“ hat GeBeCo in seinem Cuba-Programm. Der einstige Revolutionär ist noch heute eine Legende – und nicht nur auf Cuba. Die Tour, die Begegnungen mit Zeitzeugen verspricht, versucht, die Beweggründe der Revolutionäre greifbar und den Geist der Revolution spürbar zu machen. Die Unterbringung ist dabei bewusst einfach.
Als Cuba-Spezialist, der besondere Themenreisen und Angebote für Individualurlauber im Programm hat, präsentiert sich avenTOURa. Eine der Touren ist speziell auf Familien zugeschnitten: Das Besondere dabei sind auch Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten mit cubanischen Familien, zum Beispiel wird zusammen gekocht und ein Fest gefeiert. Salsa-Workshops oder Spanischkurse in Havanna, Ernest-Hemingway-Führungen, Trekking, Birdwatching – für jeden ist etwas geboten. Selbst Zigarrenliebhaber können auf einer Themenreise zu den Anbaufeldern und Tabakfabriken alles über Anbau und Produktion der weltbekannten Marken erfahren. Auch in stilvollen Oldtimer-Limousinen kann man auf Entdeckungstour gehen, allerdings nur mit Fahrer.
03.02.2005
Castro: Nur ein US-Atomangriff kann uns stürzen
Kubas Staats- und Parteichef Fidel Castro befürchtet, dass die USA einen Angriff auf sein Land vorbereiten. Er warnte US-Präsident George W. Bush davor, dies in seiner zweiten Amtszeit zu tun.
„Wir sind in der Lage, unser Vaterland zu verteidigen“, sagte Castro am Dienstag (Ortszeit) in einer Rede zum Auftakt eines internationalen Alphabetisierungskongresses in Havanna. Bush solle sich keine Illusionen bezüglich Kubas machen, sagte der 78-Jährige.
Die neue US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte Kuba vor zwei Wochen zusammen mit fünf anderen Ländern als „Vorposten der Tyrannei“ bezeichnet. Bush hatte in seiner Antrittsrede am 20. Januar das Ziel genannt, „die Tyrannei in der ganzen Welt“ zu beenden. Er habe Bushs Rede aufmerksam gehört, versicherte Castro am Dienstag. Kuba werde niemals zum Kapitalismus zurückkehren. Die USA könnten mit ihren Nuklearwaffen das kubanische Volks ausrotten, es aber nicht beherrschen. „Wir ziehen es vor, im Himmel zu sterben als in der Hölle zu leben“, sagte Castro.
Kuba braucht Europa nicht
Castro hat sich verärgert über die europäische Haltung zu seiner Menschenrechtspolitik gezeigt. Kuba habe nicht die Absicht, seine Politik zu ändern, sagte Castro in einer vierstündigen Rede am Dienstagabend. „Ich muss ehrlich sagen, Kuba braucht die Vereinigten Staaten nicht, Kuba braucht Europa nicht. Wie befriedigend ist es, dies sagen zu können“. Castro reagierte mit seinen Äußerungen auf eine Entscheidung der Europäischen Union, ihre diplomatischen Sanktionen vorerst auszusetzen, um weitere Freilassungen politischer Gefangener zu erreichen.
„Sie behandeln uns, als ob wir zum Tode verurteilt seien und sie uns bis Juni einige Monate Aufschub gewährt haben, um uns weiter zu beobachten“, sagte Castro an die EU gewandt. Die EU hatte am Montag entschieden, ranghohe Besuche nicht mehr einzuschränken. Als weiteres Entgegenkommen sollen offenbar vorerst keine kubanischen Dissidenten mehr zu nationalen Empfängen in diplomatischen Vertretungen von EU-Ländern eingeladen werden.
01.02.2005
EU setzt Sanktionen aus
Die Europäische Union (EU) setzt ihre diplomatischen Sanktionen gegen Kuba vorerst aus, um weitere Freilassungen politischer Gefangener zu erreichen. Ranghohe Besuche würden nicht mehr eingeschränkt, hieß es gestern in Brüssel in einer Erklärung der EU-Außenminister. Die EU reagierte mit der Lockerung auf die Freilassung einiger der 75 im März 2003 verhafteten Oppositionellen in Kuba. Bei Treffen mit der kubanischen Regierung müsse über die Menschenrechtslage und die Position der Dissidenten gesprochen werden, erklärten die EU-Außenminister. Im Juli will die EU die Lockerung der Beschränkungen überprüfen. Entscheidendes Kriterium sei die Entwicklung der Menschenrechtslage.
Der EU-Ministerrat fordert Kuba nachdrücklich auf, alle politischen Gefangenen aus der Gruppe der 75, die im März 2003 verhaftet wurden, bedingungslos frei zu lassen. Auch alle anderen noch inhaftierten politischen Gefangenen sollten entlassen werden. Die EU sei bereit, einen konstruktiven Dialog mit den kubanischen Behörden zu führen. Es soll auch zur friedlichen politischen Opposition und zu breiteren Teilen der kubanischen Zivilgesellschaft einen intensiveren und regelmäßigeren Dialog geben.
In der Praxis hatte die Eiszeit zwischen EU und Kuba, welche die demonstrative Einladung kubanischer Dissidenten zu EU-Botschaftsempfängen einschloss, Erschwernisse im bilateralen Umgang bedeutet. Hochrangige Besuche und die Kulturzusammenarbeit wurden reduziert, die Kommunikation mit Regierungsstellen erfolgte über schriftliche Noten. Einige osteuropäische Staaten - wie Polen und Tschechien - hatten Einwände gegen die neue Kubapolitik der EU geäußert. Sie plädierten für eine Aufrechterhaltung der Sanktionen.
Kritik von Seiten der CDU und von den USA
Die CDU hat schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung erhoben, nachdem die Außenministerkonferenz der EU ihre Sanktionen vorerst ausgesetzt hat. Die Bundesregierung habe durch ihre Zustimmung zu dieser neuen Position gegenüber dem kommunistischen Regime in Havanna "einen auf Antrag der CDU/CSU von allen Fraktionen verabschiedeten Beschluß des Auswärtigen Ausschusses und damit des Bundestages sträflich mißachtet", sagte Friedbert Pflüger, außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
Der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, erklärte, es habe in Kuba keine demokratische Entwicklung gegeben, die einen solchen Schritt rechtfertige. Die USA seien besorgt, dass die Aussetzung der Sanktionen nur die "Hardliner des Regimes bestärkt" und die friedliche Opposition entmutigt habe.
18.01.2005
Ein Kiez-Club auf Kuba
Der Regionalliga-Verein FC St. Pauli geht in puncto Marketing immer wieder überraschende Wege. Als erster Fußballverein aus Westeuropa verbringt der Hamburger Kultclub sein Wintertrainingslager auf Kuba. In der größten Finanznot, nach dem Abstieg aus dem Profifußball 2003, hatten die Hamburger mit der Retter-T-Shirt-Aktion Aufmerksamkeit erregt und Spendengelder in die Kassen geholt.
Auf Castros Eiland werden die Kiez-Kicker wie Weltstars herum gereicht: ein Länderspiel gegen die heimische National-Elf, ein Empfang beim Sportminister und die Einladung zur Sportgala des Landes - über St. Pauli wird sogar in den kubanischen Nachrichtensendungen berichtet.
Ob der sportliche Wert des "Bildungs-Urlaubs" angesichts des abendfüllenden Kulturprogramms besonders hoch ist, wird sich in der am 19. Februar beginnenden Rückrunde noch zeigen. Für die Spieler ist es allemal ein einmaliges Erlebnis, sich wie nationenverbindende Botschafter zu fühlen.
So wurden sie auch Zeugen der Beendigung der zweijährigen so genannten "Cocktail-Krise", während der Staatspräsident Fidel Castro aus Protest gegen den Irak-Krieg westliche Botschaften boykottieren ließ. "Unser Stellenwert auf Kuba ist extrem hoch, das merken wir immer wieder", bestätigte Littmann in Havanna. Er strebt eine langfristige Zusammenarbeit mit dem kubanischen Fußball an, angedacht sind auch Schüleraustausch-Programme.
(mit Material von dpa,ZDF)
03.01.2005
Kuba zentralisiert die Devisenbewirtschaftung - Rückkehr zur Kommandowirtschaft
In der Neujahrswoche hat Kuba ein Kernstück der marktwirtschaftlich orientierten Wirtschaftsreformen der neunziger Jahre rückgängig und einen weiteren Schritt hin zur Zentralisierung und strikten staatlichen Kontrolle des Wirtschaftslebens gemacht. Ab Januar müssen alle
Devisen
einnahmen und -ausgaben der staatlichen Betriebe, und das ist die grosse Mehrzahl auf der Zuckerinsel, über ein einziges Sammelkonto bei der Zentralbank abgewickelt werden. Wenn Staatsunternehmen Geschäfte in der neuen Parallelwährung, dem Peso Convertible, tätigen, so haben sie die Erlöse an die Zentralbank abzuliefern oder können diese in praktisch wertlose gewöhnliche Pesos umwechseln. Haben sie Zahlungsverpflichtungen gegenüber in- oder ausländischen Lieferanten in Devisen oder den diesen gleichgestellten Pesos Convertibles, so müssen sie einen entsprechenden Antrag beim Ausschuss für Devisentransaktionen stellen. Dieser wird von der Zentralbank präsidiert und verteilt die verfügbaren Hartwährungen nach bürokratischem Gutdünken.
Von der Massnahme ausgenommen sind die als Joint Ventures von kubanischen und ausländischen Investoren geführten Unternehmen wie etwa Hotels, Getränkehersteller oder Nickelgruben. Diese haben lediglich die Verpflichtung, alle Gewinne und Einnahmen aus Lizenzgebühren und Royaltys, die dem kubanischen Partner zufallen, auf das Devisensammelkonto einzuzahlen. Die zentrale Devisenbewirtschaftung zeichnete sich bereits Mitte 2003 ab, als den Staatsgesellschaften verboten wurde, eigene Fremdwährungskonten zu führen. Sie wurde im vergangenen November konsequent weitergeführt, als man den Dollar als paralleles Zahlungsmittel abschaffte. Jetzt wird den Betrieben das Recht entzogen, über die selber erwirtschafteten harten Devisen zu verfügen. Mit den Reformen der neunziger Jahre wollte man die weithin maroden Betriebe von den früheren planwirtschaftlichen Fesseln befreien und ihnen mehr Eigenverantwortung zugestehen. Dieser marktwirtschaftliche Freiraum ist jetzt zurückgenommen worden.
Man wolle eine bessere Kontrolle der Devisenausgaben und damit der Ressourcen des Landes garantieren, heisst es im Erlass der Zentralbank zur Begründung der neuen Massnahme. In Tat und Wahrheit ist das rigide Kontrollsystem Ausdruck des Misstrauens gegenüber der neu entstandenen Schicht kapitalistisch angehauchter Unternehmensführer. Offenbar hatten diese über die Stränge gehauen und, ganz zum Entsetzen der alten Apparatschiks um das Bruderpaar Fidel und Raúl Castro, in die eigenen Taschen zu wirtschaften begonnen.
Die Rückkehr zu Methoden der Kommandowirtschaft kommt in einem Augenblick relativer wirtschaftlicher Dynamik und geht einher mit einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Werte des Sozialismus. Laut Wirtschaftsminister José Luis Rodríguez wuchs die kubanische Wirtschaft im Jahr 2004 um 5%, laut der Uno-Wirtschaftskommission für Lateinamerika (Cepal), die andere Messkriterien als die Kubaner anwendet, um 3%. Erstmals verzeichnete man über 2 Mio. Touristen. Vor dem nationalen Parlament erklärte Castro letzte Woche, man sei dabei, mit Wucht die Zeit der Sonderperiode in Friedenszeiten hinter sich zu lassen. Dieses kriegswirtschaftsähnliche Notprogramm wurde 1990 nach der unfreiwilligen Abkoppelung von der Sowjetunion eingeführt, als das Regime ums nackte Überleben kämpfte.
03.01.2005
Kuba nimmt offizielle Kontakte zu Deutschland wieder auf
Kuba hat am Montag die vollständige Wiederaufnahme seiner diplomatischen Beziehungen mit Deutschland und sieben weiteren EU-Staaten bekannt gegeben. Außenminister Felipe Roque teilte am Montagabend in Havanna mit, die Regierung werde ihre offiziellen Kontakte zu den Botschaftern aus Deutschland, Österreich, Großbritannien, Frankreich, Italien, Griechenland, Portugal und Schweden wiederherstellen.
Die kubanische Regierung hatte den offiziellen Kontakt zu deutschen Botschafts- und Regierungsvertretern im Jahr 2003 weitgehend abgebrochen, nachdem Deutschland zu seinem Nationalfeiertag am 3. Oktober Mitglieder der kubanischen Opposition eingeladen hatte. Auch die Beziehungen zu anderen EU-Staaten fror Havanna damals einseitig ein. Die kommunistische Regierung reagierte damit auf eine Reihe von Sanktionen, die die EU nach Massenverhaftungen kubanischer Dissidenten im März 2003 verhängt hatte.
Im vergangenen Monat schlug die EU-Kommission aber eine Neuorientierung in der Kuba-Politik vor, um eine politische Öffnung des kommunistischen Staats zu erreichen. Diese Neubewertung habe Kuba zur Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen bewogen, sagte Roque. Bereits vor einem Monat hatte Havanna den Kontakt zu Spanien, Belgien und Ungarn wieder hergestellt.
Nachrichtenarchiv des Jahres 2008
Nachrichtenarchiv des Jahres 2007
Nachrichtenarchiv des Jahres 2006
Nachrichtenarchiv des Jahres 2005
Nachrichtenarchiv des Jahres 2004
Nachrichtenarchiv des Jahres 2003
Nachrichtenarchiv des Jahres 2002
Nachrichtenarchiv des Jahres 2001
Nachrichtenarchiv des Jahres 2000
(ausgewählte Meldungen Juni-Dezember)
Geschichtlicher Rückblick